Walter Hasenclever

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Walter Hasenclever um 1916
Walter Hasenclever (1917). Foto von Hugo Erfurth

Walter Georg Alfred[1] Hasenclever (* 8. Juli 1890 in Aachen; † 21. Juni 1940 in Les Milles bei Aix-en-Provence) war ein expressionistischer deutscher Schriftsteller jüdischer Abstammung.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hasenclever wurde 1890 als erster Sohn des Mediziners und Sanitätsrates Carl Hasenclever (1855–1934) und dessen Frau Anni[2], auch Mathilde Anna, geb. Reiss (1869–1953), sowie als Enkel des Landrates Georg Hasenclever und des Tuchfabrikanten wie Kommerzienrates Alfred Reiss sowie Bruder Pauls (1897–1988) und Maritas (1902–1993) in unmittelbarer Nachbarschaft der Spinnerei Startz in Aachen geboren, wo heute noch eine Gedenktafel an ihn erinnert. Nach seinem Abitur 1908 am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium, dem Vorgängerinstitut des Aachener Einhard-Gymnasiums, begann er ein Jurastudium in Oxford, wo er die Schauspielerin Gretha Schroeder (1892–1980, 1915 verheiratet mit Ernst Matray und 1926 mit Paul Wegener) als langjährige Freundin kennen lernte. Bereits nach einem Semester wechselte er nach Lausanne, nach einem weiteren Semester nach Leipzig. Während seines Studiums in Leipzig (1909 bis 1914) wurde sein Interesse an Literatur und Philosophie geweckt. 1910 erschien sein erster Gedichtband Städte, Nächte und Menschen. 1914 gelang ihm mit dem Stück Der Sohn das erste große Werk des expressionistischen Dramas.

Seine Kriegsbegeisterung, die ihn zur freiwilligen Meldung zum Kriegsdienst bewog, wandelte sich bald in eine Ablehnung des Krieges. Er simulierte ein psychisches Leiden und wurde daraufhin 1917 aus dem Kriegsdienst entlassen. Im selben Jahr erhielt er den Kleist-Preis für seine leidenschaftliche Adaption des Antigone-Stoffes von Sophokles.

1924 lernte er Kurt Tucholsky kennen. Mit großem Erfolg veröffentlichte er 1926 die Komödie Ein besserer Herr und 1928 die Komödie Ehen werden im Himmel geschlossen. 1929 bis 1932 wohnte Hasenclever in Berlin und reiste durch Europa und Nordafrika.[3] 1930 arbeitete er als Drehbuchautor für die Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), indem er die deutsche Fassung des Filmes Anna Christie erstellte, in dem Greta Garbo Hauptdarstellerin war. Sie lernte er auch in Hollywood kennen und widmete ihr ein liebevolles Feuilleton Begegnung mit Greta Garbo (1931).[4] Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden seine Werke verboten und nach der Bücherverbrennung aus den Bibliotheken entfernt. Hasenclever ging daraufhin ins Exil nach Nizza. 1934 heiratete er dort Edith Schäfer. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er als „feindlicher Ausländer“ in Frankreich zweimal (u. a. im Fort Carré in Antibes) interniert. Nach der Niederlage Frankreichs nahm er sich in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni 1940 im Internierungslager Les Milles bei Aix-en-Provence mit einer Überdosis Veronal das Leben, um nicht den Nazis in die Hände zu fallen.

Hasenclevers Nachlass liegt im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Das Manuskript zu Die Menschen ist im Literaturmuseum der Moderne in Marbach in der Dauerausstellung zu sehen.

Ehrungen und Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Walter-Hasenclever-Gesellschaft wurde 1996 in Aachen gegründet. Seitdem wird von ihr alle zwei Jahre der Walter-Hasenclever-Literaturpreis verliehen.[5]
  • In Aachen erinnert eine Gedenktafel an das Geburtshaus von Walter Hasenclever, am Fabrikgebäude Löhergraben 22, heute das Kulturzentrum Barockfabrik.
  • Am ehemaligen Sitz des Kurt Wolff Verlags in Leipzig erinnert eine Gedenktafel an die Autoren der expressionistischen Generation, die in der Buchreihe Der jüngste Tag zu Wort kamen, darunter auch Walter Hasenclever
  • In Berlin-Wilmersdorf erinnert eine Gedenktafel an ihn und seinen Wohnsitz, wo Hasenclever von 1930 bis 1932 am Haus Ludwig-Barnay-Platz 3 in der Künstlerkolonie Berlin seine Zeit verbrachte.
  • Die Hasencleverstraße in Aachen-Burtscheid, in Bremen-Obervieland, Ortsteil Habenhausen, und im Hamburger Stadtteil Horn wurden nach ihm benannt.
  • In Sanary-sur-Mer erinnert eine Gedenktafel am Fremdenverkehrsbüro an die deutschen und österreichischen Schriftsteller sowie deren Angehörige und Freunde, die dort auf der Flucht vor der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zusammenkamen.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max Reinhardts Aufführung von Hasenclevers Antikriegs-Drama Antigone, Großes Schauspielhaus, Berlin, April 1920 – Emil Jannings als Kreon[6][7]
  • Nirwana. Eine Kritik des Lebens in Dramaform, 1909
  • Städte, Nächte, Menschen (Gedichte), 1910
  • Das unendliche Gepräch. Eine nächtliche Szene („Der jüngste Tag“, Band 2), 1913
  • Der Jüngling (Gedichte), 1913
  • Der Retter (Dramatische Dichtung), 1916
  • Der Sohn (Drama), 1914
  • Tod und Auferstehung (Gedichte), 1917
  • Antigone (Tragödie), 1917
  • Die Menschen (Schauspiel), 1918
  • Die Entscheidung (Komödie), 1919 (Digitalisat)
  • Der politische Dichter (Gedichte und Prosa), Umsturz und Aufbau, 2. Flugschrift, 1919
  • Die Mörder sitzen in der Oper, 1917
  • Antigone, 1917
  • Die Pest (Film), 1920 (der erste gedruckte Filmtext)
  • Jenseits (Drama), 1920 (Digitalisat)
  • Gedichte an Frauen, 1922
  • Gobseck (Drama), 1922 (Digitalisat)
  • Mord (Drama), 1926
  • Ein besserer Herr (Lustspiel), 1926
  • Ehen werden im Himmel geschlossen (Drama), 1928
  • Christoph Kolumbus oder die Entdeckung Amerikas (Komödie), zusammen mit Kurt Tucholsky, 1932; 1969 von Helmut Käutner für den Hessischen Rundfunk verfilmt[8]
  • Münchhausen (Schauspiel), 1934
  • Konflikt in Assyrien (Komödie), 1938/39
  • Die Rechtlosen (Roman), 1939/40
  • Gedichte, Dramen, Prosa (aus dem Nachlass herausgegeben von Kurt Pinthus), 1963
  • Irrtum und Leidenschaft (herausgegeben von Kurt Pinthus), 1969

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ikonographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Walter Hasenclever – Sammlung von Bildern

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Breuer (Hrsg.): Walter Hasenclever 1890-1940. 2., überarb. Auflage. Alano, Aachen 1996, ISBN 3-89399-231-6, S. 8.
  2. Dieter Breuer (Hrsg.): Walter Hasenclever 1890-1940. 2., überarb. Auflage. Alano, Aachen 1996, ISBN 3-89399-231-6, S. 23.
  3. Manfred Wichmann: Walter Hasenclever 1890-1940. In: Lebendiges Museum Online. 14. September 2014, abgerufen am 20. Februar 2019.
  4. Dieter Breuer (Hrsg.): Walter Hasenclever 1890-1940. 2., überarb. Auflage. Alano, Aachen 1996, ISBN 3-89399-231-6, S. 97 und 112 f.
  5. Maria Behre: Der Walter-Hasenclever-Preis der Stadt Aachen. literaturkritik.de, 2014, abgerufen am 16. Juli 2017.
  6. Spielplatzangabe aus J. L. Styan: Max Reinhardt. 1982.
  7. Jürgen Egyptien (Hrsg.): Literatur in der Moderne, Jahrbuch der Walter-Hasenclever-Gesellschaft, Band 7 (2010/2011), S. 140.
  8. IMDB