Walter Marti (Regisseur)

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Walter Marti (* 10. Juli 1923 in Zürich; † 21. Dezember 1999 ebenda) war ein Schweizer Dokumentarfilmer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Marti verbrachte seine Jugend in Yverdon, wo sein Vater als protestantischer Pfarrer für die deutschsprachige Gemeinde wirkte. Durch seinen Freund Benno Besson lernte er die Theaterarbeit und dabei auch seine spätere Frau Suzanne Paschoud kennen (Heirat 1947).

Nach der Matura in Zürich studierte Walter Marti an der Universität Zürich Romanistik, Kunstgeschichte und Geschichte. Bereits während seines Studiums war als Journalist, Übersetzer und Redaktor tätig und arbeitete für das Radio.

Seine Arbeit für den Film begann Walter Marti als Statist von Jacques Feyder, als Werbetexter, Kommentarschreiber und Verfasser von Untertiteln für mehrere hundert Filme. Während acht Monaten war er auch Leiter der Filmabteilung beim Schweizer Fernsehen. 1953 gründete Walter Marti zusammen mit Reni Mertens – die er während des Studiums kennengelernt hatte – die Teleproduction. Über vier Jahrzehnte produzierten Marti und Mertens in der Folge zwanzig Dokumentarfilme und waren 1962 Mitbegründer des Verbands der Schweizer Filmgestalter (seit 1998 Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz). Aufsehen erregte insbesondere Ursula oder das unwerte Leben, ein Portrait über ein taubblindes Mädchen, das aus der Zusammenarbeit mit der Rhythmikpädagogin Mimi Scheiblauer entstand.[1] Die Teleproduction produzierte auch einige frühe Filme von Alain Tanner (Les apprentis, 1964), Rolf Lyssy (Eugen heisst wohlgeboren, 1968), Jean-Jacques Lagrange sowie Erich Langjahr (Do it yourself, 1981). Die Produktionsgesellschaft wurde erst 1999 – kurz vor dem Tod von Marti und Mertens – aufgelöst.[2]

Walter Marti pflegte Freundschaften mit Bertolt Brecht, Helene Weigel, Cesare Zavattini, Helmar Lerski, Mario Comensoli, Hans Rudolf Hilty und anderen Kulturschaffenden.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1953: Krippenspiel I
  • 1956: Rhythmik
  • 1958: Jour de Pêche
  • 1958: Parfums de Paris
  • 1961: Im Schatten des Wohlstandes
  • 1962: Krippenspiel II
  • 1962: Unsere Kleinsten
  • 1964: Zahnprophylaxe (Auftragsfilm)
  • 1966: Ursula oder das unwerte Leben[3]
  • 1973: Die Selbstzerstörung des Walter Matthias Diggelmann (über den Schriftsteller Walter Matthias Diggelmann)
  • 1974: Hélder Câmara – Gebet für die Linke (über den Erzbischof Hélder Câmara)
  • 1977: À propos des apprentis
  • 1980: Héritage (über den Komponisten und Maler Peter Mieg)
  • 1985: Flamenco vivo – Die Schule des Flamenco
  • 1988: Pour écrire un mot
  • 1992: Requiem[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elisabeth Aeberli. Ein halbes Jahrhundert Filmgeschichte: Die Schweizer Filmpioniere Reni Mertens und Walter Marti. Neue Wege, Bd. 95, Heft 6, 2001. S. 168–171. doi:10.5169/seals-144300
  • Franz Ulrich. Walter Marti 1923-1999. Cinébulletin 2/2000.
  • Christoph Hübner. Zwischen Liebe und Geometrie: Gespräch mit Reni Mertens und Walter Marti. In: Ins Offene – Dokumentarisch Arbeiten 2. Hg. Gabriele Voss. Berlin 2000. ISBN 3-930916-36-3
  • Reni Mertens/Walter Marti, cinéastes: L'unité des contraires. Dossier Pro Helvetia. Hg. Irène Lambelet. Lausanne, Aux Editions d'en bas, 1989. ISBN 978-2829001093
  • Reni Mertens, Walter Marti. Dossier Pro Helvetia. Hg. Richard Dindo, Arthur Zimmermann. Bern, Zytglogge Verlag, 1983. ISBN 3-7296-0182-2
  • Walter Marti & Reni Mertens – 30 ans de cinéma en Suisse. Hg. Erika und Moritz de Hadeln. Dossier des 14. Dokumentarfilmfestival Nyon. Nyon 1982.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elisabeth Aeberli. Ein halbes Jahrhundert Filmgeschichte: Die Schweizer Filmpioniere Reni Mertens und Walter Marti. Neue Wege, Bd. 95, Heft 6, 2001. S. 168f.
  2. Elisabeth Aeberli. Ein halbes Jahrhundert Filmgeschichte: Die Schweizer Filmpioniere Reni Mertens und Walter Marti. Neue Wege, Bd. 95, Heft 6, 2001. S. 171.
  3. Ursula oder das unwerte Leben – Produktionsdaten gem. Swiss Films
  4. Requiem – Produktionsdaten gem. Swiss Films
  5. Christian Dimitriu: Marti, Walter. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  6. Wieviel Kultur für Gnade? Marc Richs Engagement in Zürich. Neue Zürcher Zeitung, 3. Februar 2001.
  7. Elisabeth Aeberli. Ein halbes Jahrhundert Filmgeschichte: Die Schweizer Filmpioniere Reni Mertens und Walter Marti. Neue Wege, Bd. 95, Heft 6, 2001. S. 168.