Walter Nausch

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Grabmal von Walter Nausch auf dem Ottakringer Friedhof

Walter Nausch (* 5. Februar 1907 in Wien; † 11. Juli 1957 in Obertraun, Oberösterreich) war einer der bekanntesten und erfolgreichsten Fußballspieler und Trainer Österreichs. Als Spieler war der Läufer eine zentrale Figur des legendären Wunderteams und gewann mit der FK Austria Wien gleich zweimal den Mitropapokal, den Vorläufer des Europapokals. Auf Grund seines Widerstandes gegen den Nationalsozialismus musste Walter Nausch im November 1938 in die Schweiz fliehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte der Wiener in seine zerstörte Heimat zurück und führte als Trainer der wiedergegründeten österreichischen Nationalmannschaft das Team bei der Weltmeisterschaft 1954 mit dem 3. Platz zum größten Erfolg seiner Geschichte.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wunderteam und Mitropacup[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Nausch begann seine erfolgreiche Fußballkarriere in der Josefstadt. Über die Josefstädter Sportfreunde und den später erstklassigen FC Libertas Wien kam der Allrounder 1923 erstmals zur Wiener Austria, damals noch Wiener Amateur-SV, nach Ober St. Veit. Hier gelang ihm bereits 1924 sein erster Meisterschaftsgewinn – diesen Triumph sollte er überraschenderweise niemals mehr wiederholen können. 1925 verließ Nausch die Veilchen vorerst wieder und ging zum Ligakonkurrenten Wiener AC. Nach ein paar Jahren, genauer 1929, zog es Walter Nausch jedoch wieder nach Ober St. Veit. Bei der Austria Wien entwickelte sich Nausch zu einer festen Größe ihm Mittelfeld, spielte aber auch als Stürmer und Verteidiger. Gemeinsam mit Matthias Sindelar prägte er maßgeblich den violetten Fußball der 1930er Jahre.

Insbesondere international feierte er mit der Austria große Erfolge. 1933 konnte die Mannschaft mit ihrem eleganten Spiel erstmals das Finale des Mitropacups gegen Inter Mailand für sich entscheiden. Das Hinspiel in Italien ging zwar 1:2 verloren, doch drei Tore von Sindelar im Rückspiel beim 3:1 gegen die Mannschaft von Giuseppe Meazza bedeuteten den Gewinn des Pokals. Der zweite Triumph im Vorläuferbewerb des Europapokals gelang 1936. Gegen Slavia Prag im Finale gelang in Wien zunächst nur ein torloses Remis; im Strahov-Stadion konnte jedoch Camillo Jerusalem den einzigen Treffer beim 1:0-Auswärtssieg im Rückspiel erzielen.

Internationale Erfolge gab es für Walter Nausch nicht nur im Dress der Austria Wien. Seit seinem Debüt in Bern beim Sieg Österreichs über die Schweiz 1929 gehörte der Austrianer zum festen Bestandteil der österreichischen Nationalmannschaft. Nausch spielte in zahlreichen Spielen des Wunderteams und stand auch beim legendären Spiel gegen England auf dem Platz. Auf dem Weg zur Fußball-Weltmeisterschaft 1934 verletzte sich der Läufer jedoch schwer in der Qualifikation beim 6:1 gegen Bulgarien. Bis 1937 absolvierte der Wiener jedoch insgesamt 39 Länderspiele

Flucht in die Schweiz und Rückkehr nach Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich 1938 war die Austria Wien massiven Repressalien ausgesetzt. Gründe dafür waren zum einen die jüdische Herkunft vieler Vorstandsmitglieder und Spieler und zum anderen die „undeutsche“ Spielweise. Fast der gesamte Vorstand und die Hälfte der Kampfmannschaft musste aufgegeben werden. Am 17. März 1938 wurde eine vorläufige Sperre des Vereins bekannt gegeben – eine Zeit lang musste der Verein als Sportklub Ostmark auftreten. Walter Nausch war durch seine hohe Beliebtheit und Bekanntheit relativ von diesen Maßnahmen geschützt und verpasste keine Gelegenheit seine geringe Wertschätzung für den Nationalsozialismus zu zeigen. Nausch wollte seinen Stammverein schließlich als Trainer übernehmen. Dies wurde von der Partei nur genehmigt, wenn sich Walter Nausch von seiner jüdischen Frau getrennt hätte. Für den ehemaligen Wunderspieler kam dies nicht in Frage, er floh schließlich im November 1938 mit seiner Frau in die Schweiz nach Zürich.

In Zürich wurde Nausch daraufhin von einigen Austriafunktionären 1939 besucht, die ihm die goldene Ehrennadel mit Brillanten übergaben. Der Wiener knüpfte bald verschiedene Kontakte zu Zürcher Fußballvereinen und stieg schließlich als Trainer bei Young Fellows Zürich ein. Vom ÖFB-Präsident wurde Walter Nausch schließlich 1948 nach Österreich heimgeholt und als neuer Trainer der österreichischen Fußballnationalmannschaft präsentiert. Höhepunkt und Abschluss seiner Karriere als Teamchef war die Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz. Die rot-weiß-rote Auswahl erkämpfte sich mit dem 3. Platz das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Walter Nausch schaffte es mit Stars wie Zeman, Happel, Hanappi, Ocwirk, den Körner-Brüdern, Probst und Stojaspal eine Mannschaft zu bilden, welche an das alte Wunderteam erinnerte.

Nach dem Nationalteam kehrte Nausch ein letztes Mal – dieses Mal als Trainer – zur Austria Wien zurück. Bereits 1957 starb Nausch an den Folgen eines Herzinfarkts, der ihn zuvor im Café Prückel nach einer blamablen Niederlage der Austria gegen den Kremser SC ereilt hatte.

Er ruht in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Ottakringer Friedhof (Gruppe 22, Reihe 2, Nummer 28). Im Jahr 1957 wurde in Wien Donaustadt (22. Bezirk) die Nauschgasse nach ihm benannt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Nausch wurde zum Ehrenkapitän der Austria ernannt und 2001 in die Austria-Elf des Jahrhunderts gewählt.

Stationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Nausch war u.a. auch Trainer der FIFA-Auswahl die am 21. Oktober 1953 in Wembley gegen England 4:4 spielte. Er betreute dabei sogar 3 seiner Landsmänner (Walter Zemann, Gerhard Hanappi und Ernst Ocwirk). Der Hamburger Jupp Posipal spielte damals Mittelläufer. Referee Marvin Griffiths aus Wales, der spätere Linienrichter im WM-Finale von Bern, verhängte unmittelbar vor Spielende einen höchst zweifelhaften Strafstoß gegen den „Rest der Welt“. Dieses Elfmeter-Geschenk ließ sich Alf Ramsey, der spätere Nationaltrainer der WM-Elf von 1966 natürlich nicht entgehen und verwandelte zum schmeichelhaften 4:4-Ausgleich. So blieb dieser „home record“ eben noch bis zum 25. November bestehen. Dann stürmten die Magyaren die Festung Wembley und der Mythos, noch nie gegen ein kontinentales Team verloren zu haben, war zerstört.

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ÖFB Länderspiele unter Teamchef Walter Nausch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Legende
  • H = Heimspiel
  • A = Auswärtsspiel
  • * = Spiel auf neutralem Platz
  • − = kein offizielles Länderspiel
  • n.V. = nach Verlängerung
  • WM = Weltmeisterschaft
  • EM = Europameisterschaft
  • grüne Hintergrundfarbe = Sieg Österreichs
  • gelbe Hintergrundfarbe = Unentschieden
  • rote Hintergrundfarbe = Niederlage
Spiele Siege Remis Niederlagen Tore TD
47 21 10 16 119:87 +32
Nr. Datum Ergebnis Gegner Austragungsort Anlass Bemerkung
211 03.10.1948 1:2 Ungarn 1946Ungarn Ungarn A Budapest (HUN)
212 31.10.1948 1:3 TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei A Bratislava (TCH) Europapokal 1948–1953
213 14.11.1948 2:1 SchwedenSchweden Schweden H Wien
214 20.03.1949 1:0 TurkeiTürkei Türkei H Wien 100. Heimspiel, 100. Länderspiel in Wien
215 03.04.1949 2:1 SchweizSchweiz Schweiz A Lausanne (SUI) Europapokal 1948–1953 Erich Habitzl erzielt das 500. Länderspiel-Tor
216 08.05.1949 1:6 Ungarn 1946Ungarn Ungarn A Budapest (HUN) Europapokal 1948–1953
217 22.05.1949 1:3 ItalienItalien Italien A Florenz (ITA) Europapokal 1948–1953
218 25.09.1949 3:1 TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei H Wien Europapokal 1948–1953
219 16.10.1949 3:4 Ungarn 1949Ungarn Ungarn H Wien
220 13.11.1949 5:2 Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien A Belgrad (YUG)
221 19.03.1950 3:3 SchweizSchweiz Schweiz H Wien Europapokal 1948–1953
222 02.04.1950 1:0 ItalienItalien Italien H Wien Europapokal 1948–1953 Österreich beendet den 5. Europapokal 1948–1953 auf dem 3. Rang
223 14.05.1950 5:3 Ungarn 1949Ungarn Ungarn H Wien
224 08.10.1950 7:2 Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien H Wien
225 29.10.1950 3:4 Ungarn 1949Ungarn Ungarn A Budapest (HUN)
226 05.11.1950 5:1 DanemarkDänemark Dänemark H Wien Erstes Länderspiel gegen Dänemark
227 13.12.1950 1:0 SchottlandSchottland Schottland A Glasgow (SCO)
228 27.05.1951 4:0 SchottlandSchottland Schottland H Wien
229 17.06.1951 3:3 DanemarkDänemark Dänemark A Kopenhagen (DEN)
230 23.09.1951 0:2 Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland Deutschland H Wien
231 14.10.1951 8:1 BelgienBelgien Belgien A Brüssel (BEL) Höchster Auswärtssieg
232 01.11.1951 2:2 FrankreichFrankreich Frankreich A Paris (FRA)
233 28.11.1951 2:2 EnglandEngland England A London (ENG)
234 23.03.1952 2:0 BelgienBelgien Belgien H Wien
235 07.05.1952 6:0 IrlandIrland Irland H Wien Erstes Länderspiel gegen Irland
236 25.05.1952 2:3 EnglandEngland England H Wien
237 22.06.1952 1:1 SchweizSchweiz Schweiz A Genf (SUI)
19.07.1952 4:3 FinnlandFinnland Finnland A Helsinki (FIN) Olympia 1952-Achtelfinale Kein offizielles Länderspiel
23.07.1952 1:3 SchwedenSchweden Schweden * Helsinki (FIN) Olympia 1952-Viertelfinale Kein offizielles Länderspiel
238 21.09.1952 2:4 Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien A Belgrad (YUG)
239 19.10.1952 1:2 FrankreichFrankreich Frankreich H Wien
240 23.11.1952 1:1 PortugalPortugal Portugal A Porto (POR)
241 22.03.1953 0:0 Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland Deutschland A Köln (GER)
242 25.03.1953 0:4 IrlandIrland Irland A Dublin (IRL)
243 26.04.1953 1:1 Ungarn 1949Ungarn Ungarn A Budapest (HUN)
244 27.09.1953 9:1 PortugalPortugal Portugal H Wien WM 1954-Qualifikation
245 11.10.1953 2:3 Ungarn 1949Ungarn Ungarn H Wien
246 29.11.1953 0:0 PortugalPortugal Portugal A Lissabon (POR) WM 1954-Qualifikation Österreich qualifiziert sich zum 3. Mal für eine WM-Endrunde
247 11.04.1954 0:1 Ungarn 1949Ungarn Ungarn H Wien
248 09.05.1954 2:0 Wales 1953Wales Wales H Wien Erstes Länderspiel gegen Wales
249 30.05.1954 5:0 NorwegenNorwegen Norwegen H Wien
250 16.06.1954 1:0 SchottlandSchottland Schottland * Zürich (SUI) WM 1954-Vorrunde
251 19.06.1954 5:0 TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei * Zürich (SUI) WM 1954-Vorrunde
252 26.06.1954 7:5 SchweizSchweiz Schweiz A Lausanne (SUI) WM 1954-Viertelfinale Hitzeschlacht von Lausanne“, bis heute torreichstes Spiel einer WM-Endrunde
253 30.06.1954 1:6 Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland Deutschland * Basel (SUI) WM 1954-Halbfinale
254 03.07.1954 3:1 UruguayUruguay Uruguay * Zürich (SUI) WM 1954-Spiel um Platz 3 Erstes Länderspiel gegen Uruguay
Erste WM-Medaille
255 03.10.1954 2:2 Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien H Wien
256 31.10.1954 1:2 SchwedenSchweden Schweden A Stockholm (SWE)
257 14.11.1954 1:4 Ungarn 1949Ungarn Ungarn A Budapest (HUN)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]