Walter Riehl

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Walter Riehl (* 8. November 1881 in Wiener Neustadt, Niederösterreich; † 6. September 1955 in Wien) war ein österreichischer Politiker und Rechtsanwalt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Riehl, Rechtsanwalt, war Sozialdemokrat. So stellte er im April 1905 als Leiter der Wahlkreiskonferenz einen Antrag zur Wiener Neustädter Zeitschrift Gleichheit, womit Anton Ofenböck Redakteur wurde und damit Adolf Duda nachfolgte. Seit 1905 als Staatsbeamter in Reichenberg angestellt, entwickelte er sich dort vom Sozialdemokraten zum radikalen deutschen Nationalisten, der versuchte die bürgerliche deutsch-nationale Bewegung mit einer völkischen Arbeiterbewegung zu verbinden. Er war 1909 in die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) eingetreten und gehörte zu ihren führenden Persönlichkeiten. Im Jahr 1910 wurde er aufgrund seiner radikalen Haltung aus dem Staatsdienst entlassen.[1] Nach der Aufspaltung seiner Partei auf die Nachfolgestaaten der österreichisch-ungarischen Monarchie übernahm Riehl 1919 den Vorsitz der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (DNSAP) in der nunmehrigen Republik Österreich. Im August 1920 wurde die Schaffung einer „Zwischenstaatlichen Kanzlei“ vereinbart, durch welche die NS-Schwesterparteien in Österreich, Polen, der Tschechoslowakei und auch die mittlerweile im Deutschen Reich gegründete Partei organisatorisch zusammengefasst und die NS-Bewegung insgesamt gestärkt werden sollten. Riehl wurde mit der Leitung dieser Kanzlei betraut und avancierte damit zugleich zum „Führer“ aller nationalsozialistischen Parteien.

Nach dem Weltkrieg war Riehl einer der führenden nationalsozialistischen Politiker Österreichs in den 1920er Jahren. Mit der Übernahme des Vorsitzes der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in München durch Adolf Hitler im Jahr 1921 kam es zu einer sukzessiven Verschlechterung des bisher guten Verhältnisses zwischen der österreichischen und der deutschen NS-Führung. Hitler beanspruchte die alleinige Führung aller nationalsozialistischen Parteien und begann sich immer öfter in österreichische Angelegenheiten einzumischen. Damit verbunden waren immer heftiger werdende Auseinandersetzungen innerhalb der DNSAP, die sich vor allem an der Frage entzündeten, ob die Partei den im Wesentlichen demokratisch-parlamentarischen Kurs, für den Riehl eintrat, oder den revolutionär-außerparlamentarischen Kurs Hitlers steuern sollte. Die Entscheidung fiel im August 1923 im Sinne Hitlers auf einem Parteitag in Salzburg. Riehl legte nun seine Funktion als Obmann der DNSAP zurück und gründete den Deutschsozialen Verein. Dieser sollte politisch völlig bedeutungslos bleiben, hatte aber 1924 Riehls Ausschluss aus der DNSAP zur Folge.

Riehl engagierte sich später auch in der Frontkämpfervereinigung Deutsch-Österreichs und vertrat als Rechtsanwalt die Täter von Schattendorf (Schattendorfer Urteil) (1927). Im Jahr 1930 wurde er Mitglied der NSDAP, trat aber nicht mehr politisch hervor. Sein Nachfolger in der DNSAP wurde der Werkmeister Karl Schulz.[2]

Nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Wien im April 1945 wurde Walter Riehl von der Besatzungsmacht vorübergehend in Haft genommen. Leopold Kunschak, nach Kriegsende erster ÖVP-Vizebürgermeister von Wien, setzte sich für den Inhaftierten ein. Riehl sah nunmehr in der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) seine politische Heimat. Er trat 1947 als Mitglied der ÖVP-Organisation des 1. Wiener Gemeindebezirkes bei und forderte die „Ehemaligen“ auf, die ÖVP zu wählen, „um nicht dauernd als sogenannte ,Faschisten’ abseits zu stehen.“ Aus diesen Gründen gab Riehl am 1. Februar 1953 in einer programmatischen Rundfunkrede eine Wahlempfehlung für die ÖVP ab. 1953 trat er dem „Österreichischen Akademikerbund“ bei und wurde Vorsitzender des „Sozialpolitischen Fachreferats“.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Brandstötter: Dr. Walter Riehl und die Geschichte der nationalsozialen Bewegung, Diss., Wien 1969.
  • Alexander Schilling: Dr. Walter Riehl und die Geschichte des Nationalsozialismus, Leipzig 1933.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andrew Gladding Whiteside: Austrian national socialism before 1918. M. Nijhoff, The Hague 1962, S. 96–98.
  2. Wolfgang Stadler: „… Juristisch bin ich nicht zu fassen.“ Die Verfahren des Volksgerichts Wien gegen Richter und Staatsanwälte 1945-1955 (= Schriftenreihe des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes zu Widerstand, NS-Verfolgung und Nachkriegsaspekten, Bd. 5), Lit Verlag, Wien u. a. 2007, S. 22.
  3. Michael Wladika: Zur Repräsentanz von Politikern und Mandataren mit NS-Vergangenheit in der Österreichischen Volkspartei 1945–1980. Eine gruppenbiographische Untersuchung. Forschungsprojekt im Auftrag des Karl von Vogelsang-Instituts. Wien 2018, S. 46f (PDF).