Walter Rohland

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Walter Rohland (* 14. Dezember 1898 in Inden (Rheinland); † 26. Februar 1981 in Ratingen) war ein deutscher Unternehmer und Funktionär der Rüstungs- und Montanindustrie. Im nationalsozialistischen Deutschen Reich nahm er in Speers Reichsministerium für Bewaffnung und Munition führende Positionen ein.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Walter (eigentlich Walther)[1] Rohland war Sohn eines Textilfabrikanten und nahm als Freiwilliger von 1917 bis 1918 am Ersten Weltkrieg teil. Nach Kriegsende studierte er bis 1923 Hüttenwesen in Aachen und promovierte zum Doktor-Ingenieur. Als Metallurge bekleidete er verschiedene Positionen in der Vereinigten Stahlwerke AG bzw. Tochterunternehmen des Konzerns. So leitete er z. B. das Werk der Tochter Deutsche Edelstahlwerke AG in Krefeld von 1930 bis 1940 und war Mitglied des Vorstands dieser Aktiengesellschaft von 1933 bis 1940.

1933 wurde Walter Rohland Mitglied der NSDAP und übernahm von 1940 bis 1943 die Leitung des „Sonder- (später Haupt-)ausschusses Panzerwagen“ im Reichsministerium für Bewaffnung und Munition und war damit Verantwortlicher für die Rationalisierung und Organisation der Panzerproduktion. Seit 1942 war er zusätzlich Vorsitzender des Industrierats im OKH und gilt deshalb als mitverantwortlich für Zwangsarbeit und Ausbeutung der besetzten Gebiete. 1943 erhielt er das Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes.

Parallel zu seiner politischen Laufbahn entwickelte sich auch seine Karriere in der Vereinigten Stahlwerke AG; 1941 wurde er Mitglied des Vorstandes und übernahm ab 1943 den Vorsitz.

Rohland gilt als Vertrauter Albert Speers und verhinderte zusammen mit dem Reichsminister für Bewaffnung und Munition die konsequente Durchführung des Nerobefehls vom 19. März 1945, der u. a. eine Vernichtung der industriellen Grundlagen an der Ruhr vorsah.

Nach Ende des Krieges wurde Rohland kurz inhaftiert und trat als Zeuge im Nürnberger Prozess im Verfahren gegen Friedrich Flick und Alfried Krupp von Bohlen und Halbach auf. 1948 erhielt er im Rahmen der Entnazifizierung eine Einstufung als „Mitläufer“ und arbeitete seitdem mit seiner „Westdeutsches Ingenieurbüro Dr. Rohland GmbH (Wedexro)“ erfolgreich als Berater der Industrie.[2] In der Bundesrepublik fand er gesellschaftliche Anerkennung, so wurde er z. B. Mäzen und Ehrenbürger der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.[3]

Walter Rohland unterstützte in der Nachkriegszeit die Angehörigen seines ehemaligen Vorgesetzten Albert Speer im Rahmen des „Rudolf-Wolters-Schulgeldfonds“ finanziell.[4]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rohland taucht gelegentlich als Panzer-Rohland oder als Panzer-Diktator in der populären Literatur über den Zweiten Weltkrieg auf.

Eine besondere Rolle spielte Rohland als Entlastungszeuge für Albert Speer, der stets behauptete, vom Holocaust keine genaue Kenntnis gehabt zu haben. Rohland unterschrieb eine eidesstattliche Erklärung, dass er zusammen mit Speer die Gauleitertagung vom 6. Oktober 1943 verlassen habe, noch bevor sich Heinrich Himmler in seiner zweiten dortigen Posener Rede offen und eindeutig zur Ermordung der europäischen Juden bekannte.

In den 1950er Jahren ließ Rohland den damals noch privaten Poensgenpark in Ratingen maßgeblich umgestalten; ein Mühlstein mit persönlichen Reisedaten erinnert dort an ihn.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Rohland: Bewegte Zeiten. Erinnerungen eines Eisenhüttenmannes. Stuttgart, Seewald 1978 (Autobiografie)
  • Manfred Rasch (Hrsg.): Findbuch zum Nachlaß Walter Rohland (1898–1981) und zum Bestand Ruhr-Consulting GmbH. Veröffentlichungen aus dem Archiv der ThyssenKrupp AG, Bd. 5, Duisburg 2001. Bearbeitet von Dietmar Bleidick, Ralf Stremmel und Oliver Dißars unter Mitarbeit von Andreas Zilt und Astrid Dörnemann mit Beiträgen von Dietmar Bleidick und Manfred Rasch.
  • Manfred Rasch: Rohland, Walter. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 766 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred Rasch: Rohland, Walter. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 766 f. (Digitalisat).
  2. Zehn Jahre Wedexro. In: Die Zeit, Nr. 3/1961
  3. Deutsche Geschichte in gebrochener Erinnerung. Pressemitteilungen der RWTH
  4. Magnus Brechtken: Albert Speer. Eine deutsche Karriere. Siedler Verlag, München 2017, ISBN 978-3-8275-0040-3, S. 313f.
  5. Rundweg Poensgenpark – stadt-ratingen.de Freizeittipps