Walter Scharwenka

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Walter Gerhard Scharwenka (* 21. Februar 1881 in Berlin; † 9. Juli 1960 ebenda) war ein deutscher Komponist und Organist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Vater war der weltweit erfolgreiche Komponist und Dirigent Philipp Scharwenka, seine Mutter die Violinvirtuosin Marianne Stresow (1856–1918). Scharwenka begann seine musikalische Ausbildung im Alter von 16 Jahren vergleichsweise spät: am renommierten Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin studierte er Orgel bei Franz Grunicke (1841–1913) und erhielt von seinem Vater Klavier- und Kompositionsunterricht. Für seine ungewöhnliche Begabung spricht, dass er sich in Berlin schnell einen ausgezeichneten Ruf als Organist verschaffte.

Im Jahre 1903 fand er in Templin eine Anstellung als Organist, Gesangslehrer und Leiter des dortigen Musikvereins, kehrte aber bereits 1906 wieder nach Berlin zurück, um dort das Amt des Organisten an der Paul-Gerhardt-Kirche in Berlin-Schöneberg zu bekleiden. Von 1908 bis 1916 war er dann in Dahlem als Organist und Chorleiter der St. Annenkirche sowie als Musiklehrer am Gertraudenlyzeum tätig. Von 1916 bis 1918 nahm er als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Als die bauliche Fertigstellung der Lukaskirche in Berlin-Steglitz im Jahre 1919 bevorstand, bewarb sich Scharwenka im April des Jahres erfolgreich auf die dort neu einzurichtende Kirchenmusikerstelle. Er gründete dort noch im gleichen Jahr den Lukas-Kirchenchor, auf den die heutige Lukas-Kantorei Berlin zurückgeht. Scharwenka entfaltete an der Lukas-Kirche ein reges musikalisches Leben, mit allmonatlichen Abendmusiken und der Aufführung großer Oratorienwerke. 1937 übernahm er das Klindworth-Scharwenka-Konservatorium, dessen jüdischer Direktor emigrieren musste und das unter seiner Leitung bis in die 1950er Jahre bestand. Seine in den Jahren 1930 bis 1938 nachdrücklich betriebene Ernennung zum Musikdirektor kam aus äußeren Gründen nicht zustande. Während des Zweiten Weltkrieges gelang es Scharwenka, die kirchenmusikalische Arbeit an der Lukaskirche auch unter schwierigen Verhältnissen aufrechtzuerhalten. In diese Kriegs- und Nachkriegszeit datieren insbesondere seine Kompositionen für Frauenchor und Orgel, hatte doch der Lukas-Kirchenchor durch den Krieg Verluste unter den Männerstimmen hinnehmen müssen.

Scharwenka komponierte eine Oper, Harfen-, Orgel- und Klavierstücke, Chorwerke, Motetten, Lieder und zwei recht populäre Choralkantaten. Viele diese Kompositionen existierten nur in handschriftlicher Form und fielen 1943 der Zerstörung des Wohnhauses der Familie Scharwenka zum Opfer. Einige der Chorkompositionen haben sich im Notenarchiv der Lukas-Kirche erhalten. Scharwenkas große Liebe galt jedoch zeitlebens der Orgel, insbesondere „seiner“ P. Furtwängler & Hammer-Orgel in der Lukas-Kirche, die teilweise noch in der heutigen Lukas-Orgel enthalten ist. Im Jahre 1950 wurde Scharwenka in den Ruhestand versetzt, übte aber unverändert sein Kirchenmusikeramt an der Lukas-Kirche aus. Obschon ihm nach einer schweren Erkrankung zu Beginn des Jahres 1960 von den Ärzten dringend von körperlicher Belastung abgeraten wurde, war Scharwenkas Tatendrang ungebrochen. Vermutlich infolge solcher Überlastung starb Walter Scharwenka am 9. Juli 1960.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Selbstauskunft Walter Scharwenka in: Hedwig und Erich H. Mueller von Asow: Kürschners Deutscher Musiker-Kalender 1954. Berlin: de Gruyter 1954. Dort auch ausführliches Verzeichnis seiner Kompositionen.
  • Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. PDF auf CD-ROM, Kiel 2004
  • Paul Frank / Wilhelm Altmann: Kurzgefasstes Tonkünstler-Lexikon, Heinrichshofen’s Verlag Wilhelmshaven, 15. Auflage (1936) ISBN 3-7959-0083-2, S. 537.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]