Walter Schoeller

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Walter Schoeller (* 12. Mai 1889 in Zürich; † 16. Mai 1979 in Brunnen) war ein Schweizer Sportler und Sportfunktionär sowie Unternehmensleiter der Tuch- und Kammgarnfabriken Schoeller Switzerland.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hardturm, Wohn- und Geschäftshaus der Familie Schoeller
Logo Grasshopper Club Zürich

Walter Schoeller stammt von der Linie der rheinischen Unternehmerfamilie Schoeller ab, die 1867 in die Schweiz gezogen war, um dort neue Märkte zu erschliessen. So war es Walters Grossvater, Rudolf Wilhelm Schoeller (1827–1902), Sohn des Dürener Unternehmers Leopold Schoeller, der die familieneigene Schoeller’sche Kammgarnspinnerei aus Breslau in die Schweiz verlagert hatte und in Schaffhausen, Derendingen sowie auf dem Areal am Hardturm in Zürich neue Fabriken gründete. Caesar Schoeller (1853–1918), Sohn des Rudolf Wilhelm und Vater von Walter, erweiterte den Bestand am Hardturm, den er ab 1882 zugleich als Wohn- und Versammlungsraum erwarb, noch um eine Tuchfärberei. Schliesslich war es auch Caesar Schoeller, der den 1886 neu gegründeten Fussballklub Grasshopper Club Zürich GCZ das entsprechende Areal für einen Stadionbau an der Hardturmstrasse 321 organisierte.

In diesem unternehmerischen und sportlichen Umfeld entwickelte sich bei Walter Schoeller schon während seiner Jugendzeit die Neigung zum Leistungssport. Er schloss sich früh den Grasshoppers an und durchlief zunächst eine erfolgreiche Karriere als Ruderer. Neben zwei nationalen Titeln wurde er zusammen mit Hans Walter, Max Rudolf, Paul Schmid und Charles Muhr als Steuermann im Jahre 1912 in Genf und 1913 in Gent Europameister im Vierer mit Steuermann. Im Achter errang er in unterschiedlicher Besetzung 1912 den Europameistertitel und 1911 in Como und 1913 die Vizeeuropameisterschaft.

Anschliessend widmete er sich dem Tennissport und schaffte hier 1918 und 1922 den Titel eines Schweizer Meisters im Einzel sowie 1918 den eines internationalen Schweizer Champions im Herren- und Gemischten Doppel. Doch auch dies war dem vielseitigen Sportler nicht genug. Neben seinen Aktivitäten im Rudern und Tennis gehörte er schon sehr früh der Fussballabteilung an und stand als Mittelläufer in der Mannschaft, die 1921 die nationalen Meisterschaften gewann.

Nachdem 1924 die Sektion Landhockey im GCZ gegründet worden war, fand Schoeller auch an dieser Sportart Gefallen und erreichte trotz seines jetzt schon für einen Sportler fortgeschrittenen Alters in den Jahren 1926 und 1927 den Gewinn der Landesmeisterschaften.

Walter Schoeller, der inzwischen die Ausbildung zum Unternehmensleiter erfolgreich durchlaufen hatte und zusammen mit seinem Vetter Arthur Friedrich Schoeller (1881–1953)[1] in die Geschäftsführung der unter Schoeller Switzerland firmierenden verschiedenen schweizerischen Familienunternehmen aufgestiegen war, sprang 1934 „seinem“ Grasshopper-Club zur Seite, als nach einem verheerenden Stadionbrand der Club in finanzielle Bedrängnis kam. Schoeller erwarb das Stadion und stellte dieses dem GCZ für 45 Jahre zur freien Nutzung zur Verfügung und ermöglichte somit dem Club sowohl den Neuaufbau des Stadions und auch die weiteren laufenden Kosten zu tragen.

Im gleichen Jahr wurde Schoeller, der bereits von 1910 bis 1913 und im Jahr 1915 Präsident der Fussballsektion war, zum Zentralpräsidenten des Clubs gewählt, ein Ehrenamt, welches er bis 1976 bekleidete. Anschliessend ernannte ihn der Club am 31. März 1976 zu seinem Ehrenpräsidenten. Noch bis ins hohe Alter war Walter Schoeller, den in Freundeskreises nur „Mister GC“ genannt wurde, sportlich aktiv und übte seine verschiedenen Ämter wie früher auch seine Sportarten mit äusserster Disziplin und Gewissenhaftigkeit aus. Ihm zu Ehren wurde Ende der sechziger Jahre der Schoeller-Cup initiiert, der sich bis heute zum grössten Hallentennis-Turnier der Senioren in der Schweiz entwickelt hat.

Nachdem Walter Schoeller nach dem Tod seines Geschäftspartners Arthur Friedrich Schoeller, auch ein Enkel von Rudolf Wilhelm Schoeller, im Jahre 1953 mittlerweile Alleininhaber des Textil- und Wollgarnimperiums geworden war, legte er sein Unternehmen in den sechziger Jahren in die Hände der verschwägerten und befreundeten Unternehmerfamilie Albers, die dieses anschliessend als Albers & Co weiterführten. Seinen persönlichen Freund und Ziehsohn Uli Albers führte Schoeller dabei zusätzlich in das Management des Grasshoppers-Clubs ein und legte daraufhin testamentarisch fest, dass das Hardturmareal und das Hardturmstadion nach seinem Tod im Jahr 1979 in den Besitz der Albers-Gruppe übergehen sollten. Nach 1997 erwarb schliesslich die Credit Suisse zunächst eine Minderheitsbeteiligung von 40 % am Stadion und ist ab 2002 alleinige Besitzerin. Das ehemalige Schoeller-Areal, auf dem nach dem Abbruch des Fabrikgebäudes zwischen 1997 und 2002 die Wohn- und Dienstleistungsüberbauung Limmatwest entstanden ist, gehört samt denkmalgeschütztem Turm noch heute über die Hardturm AG der Albers-Gruppe.[2][3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hardturm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Arthur Schoeller in der Datenbank Dodis der Diplomatischen Dokumente der Schweiz
  2. Limmatwest auf der Website der Stadt Zürich
  3. Limmatwest – Baugeschichte und Eigentümer des Hardturms