Walter von Ruckteschell

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen noch folgende wichtige Informationen:
sorgfältigere Werkliste, Kontroverse Diskussionen, Lebenslauf etc.
Hilf der Wikipedia, indem du sie recherchierst und einfügst.

Walter von Ruckteschell (* 12. November 1882 in Sankt Petersburg; † 27. Juli 1941 im Mittelmeer) war ein deutscher Illustrator, Bildhauer und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter von Ruckteschell wurde 1882 in Sankt Petersburg als Sohn des Pastors Nicolai von Ruckteschell und der Baronin Catherina Helene von Engelhardt geboren. Sein Bruder war der Marine-Offizier Hellmuth von Ruckteschell. Ruckteschell schrieb sich mit 26 Jahren am 4. November 1908 in die Akademie der Bildenden Künste München bei Angelo Jank für Zeichnen ein,[1] wechselte dann aber auf die Debschitz-Schule. Verheiratet war er seit 1911 mit der Keramikerin Clara Trueb (1882–1969)[2].

1913 ging das Paar in die deutsche Kolonie Deutsch-Ostafrika, wo Ruckteschell Denkmäler und Skulpturen für öffentliche Plätze und Einrichtungen entwarf. Er meldete sich im Ersten Weltkrieg freiwillig zur Schutztruppe und wurde Adjutant von Paul von Lettow-Vorbeck. Ruckteschell verfasste als Ghostwriter einen Großteil von Lettow-Vorbecks erfolgreichem Buch Heia Safari! Deutschlands Kampf in Ostafrika[3], zu dem er offiziell nur die Illustrationen lieferte.[4] Neben den vielen Illustrationen in der deutschen Kolonialliteratur, wendete sich Ruckteschell nach dem Ersten Weltkrieg vornehmlich der Gestaltung von Kriegsdenkmälern zu.

In den 1920er Jahren lebte von Ruckteschell in Dachau; er war mit dem Ethnologen Leo Frobenius befreundet, der 1924 auf einer Feier im Hause von Ruckteschell seinen späteren Assistenten Hans Rhotert kennenlernte.

Für die Kurbrunnenanlage in Rheinfelden schuf 1934 Ruckteschell die Brunnen Skulptur des Heiligen Franziskus. Alexander Zschokke schuf die zweite Brunnen Skulptur der Heiligen Magdalena, die in der damaligen Trinkanlage aufgestellt war[5][6]. Beide Skulpturen stehen heute in der Eingangshalle des Kurbrunnen Gebäudes. Victor Surbek schuf für die Trinkhalle das grosse Wandgemälde Vier Jahreszeiten.

„Deutsch-Ostafrika-Ehrenmal“ Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er schuf das umstrittene „Deutsch-Ostafrika-Ehrenmal“, das 1938 eingeweiht und zu beiden Seiten des Eingangs der „Lettow-Vorbeck-Kaserne“ in Hamburg-Jenfeld aufgestellt wurde. Es stand in der Tradition einer direkt nach dem Ersten Weltkrieg einsetzenden Verehrung der deutschen Kolonial-Truppen, die zur Zeit der Nationalsozialisten kultartige Züge erlangte.[7]

Nach Schließung der Kaserne, 1999, geriet auch die Aufstellung des Reliefs, im Rahmen einer Gedenkstätte für die Opfer der Kolonialzeit, in die Diskussion. Kritisiert wurde dabei, dass ein Konzept fehle, das die historischen Bezüge erklärt.

„Das Askari-Relief zeigt eine Truppe afrikanischer Soldaten, die scheinbar treu ergeben ihrem weißen Offizier folgen. Dadurch werde der Blick auf die Herrschaftsverhältnisse des Kolonialreiches verwischt. Der Ausstellungsort ist problematisch. Die Lettow-Vorbeck-Kaserne wurde von den nationalsozialistischen Machthabern als zentraler Ort kolonialrevisionistischer Traditionspflege des Militärs eingerichtet. Heute sammelt der „Traditionsverband ehemaliger Schutz- und Überseetruppen“ Geld für die Wiederaufstellung des Askari-Reliefs.“[8][9]

Zeitweise abgebaut, wurde das Relief 2003 im Rahmen des sogenannten Tansania-Parks[10], unter Protesten, wiedererrichtet.[11]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grab „Brix Hansen“, Friedhof Ohlsdorf
  • „Deutsch-Ostafrika-Gedächtnismal“, Aumühle[12]
  • „Deutsch-Ostafrika-Ehrenmal“, Hamburg[10]
  • „Pietà“, Kriegerdenkmal in der St.-Pauli-Kirche, Soest
  • „Der hl. Christophorus“, Gemälde in der Friedenskirche, Hamburg-Eilbek
  • Kirchenfenster der evangelischen Christuskirche in Athen[13]
  • Brunnen Skulptur des Heiligen Franziskus in Rheinfelden
  • Grabstein (1931) „Brix Hansen“ auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf, Planquadrat Z 25

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christof Hamann, Alexander Honold: Kilimandscharo. Die deutsche Geschichte eines afrikanischen Berges. Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2011, ISBN= 978-3-8031-3634-3, zu Ruckteschell: Seite 133f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag im Matrikelbuch der Akademie der Bildenden Künste München 1809-1920.
  2. Kulturgut: Keramiken von Clara von Ruckteschell-Truëb@1@2Vorlage:Toter Link/forschung.gnm.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Germanisches Nationalmuseum, Heft 25, 2010, S. 14.
  3. Heia Safari! Deutschlands Kampf in Ostafrika. K. F. Koehler, 1920.
  4. Uwe Schulte-Varendorff: Kolonialheld für Kaiser und Führer. General Lettow-Vorbeck – Mythos und Wirklichkeit. Ch. Links Verlag, 2006, ISBN 978-3-86153-412-9, S. 104.
  5. Fricktaler Museum: Trinkhalle Rheinfelden, 1934. Abgerufen am 16. Oktober 2019.
  6. Schweizerische Bauzeitung, 1934: Kurbrunnenanlage in Rheinfelden. Abgerufen am 16. Oktober 2019.
  7. Heiko Möhle: Kolonialismus und Erinnerungspolitik. Die Debatte um die Hamburger „Askari-Reliefs“. In: Umbrüche in afrikanischen Gesellschaften und ihre Bewältigung. herausgegeben von Ludwig Gerhardt; Heiko Möhle; Jürgen Oßenbrügge; Wolfram Weisse, LIT, Afrikanische Studien, Universität Hamburg, 2006, ISBN 3-8258-7518-0, S. 277f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Sigrid Meissner: Wissenschaftler gegen das Kriegsdenkmal.@1@2Vorlage:Toter Link/archiv.mopo.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Hamburger Morgenpost, 6. August 2002
  9. Marianne Bechhaus-Gerst: Treu bis in den Tod. Links Christoph Verlag, 2007, S. 159f.
  10. a b „Tansania-Park“ afrika-hamburg.de.
  11. Sigrid Meissner: Warum brauchen wir dieses Denkmal?@1@2Vorlage:Toter Link/archiv.mopo.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Hamburger Morgenpost, 6. September 2003.
  12. Ein Denkmal steht am Waldesrand – und keiner weiß warum?! – Das Ostafrika-Denkmal in Aumühle
  13. Das große Glasfenster in der Christuskirche zu Athen bei www.evluthathens.ekathen.org (PDF; 160 KB)