Walzbachtal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Walzbachtal
Walzbachtal
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Walzbachtal hervorgehoben
Koordinaten: 49° 1′ N, 8° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Karlsruhe
Höhe: 193 m ü. NHN
Fläche: 36,69 km2
Einwohner: 9642 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 263 Einwohner je km2
Postleitzahl: 75045
Vorwahl: 07203
Kfz-Kennzeichen: KA
Gemeindeschlüssel: 08 2 15 089
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Wössinger Straße 26–28
75045 Walzbachtal
Webpräsenz: www.walzbachtal.de
Bürgermeister: Karl-Heinz Burgey (CDU)
Lage der Gemeinde Walzbachtal im Landkreis Karlsruhe
Karlsdorf-Neuthard Malsch (Landkreis Karlsruhe) Malsch (Landkreis Karlsruhe) Bretten Bruchsal Bruchsal Ettlingen Forst (Baden) Gondelsheim Hambrücken Kronau Kürnbach Marxzell Oberderdingen Östringen Philippsburg Sulzfeld (Baden) Ubstadt-Weiher Walzbachtal Weingarten (Baden) Zaisenhausen Karlsbad (Baden) Kraichtal Graben-Neudorf Bad Schönborn Pfinztal Eggenstein-Leopoldshafen Linkenheim-Hochstetten Waghäusel Oberhausen-Rheinhausen Rheinstetten Stutensee Waldbronn DettenheimKarte
Über dieses Bild
Jöhlingen, Wössingen und Umgebung 1907.

Walzbachtal ist eine Gemeinde mit rund 9000 Einwohnern im Landkreis Karlsruhe im Nordwesten von Baden-Württemberg. Sie entstand am 1. Januar 1971 im Rahmen der Gebietsreform aus den davor selbständigen Gemeinden Jöhlingen und Wössingen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage und Naturraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Walzbachtal liegt im Kraichgau. Namensgebend war der durch das Gemeindegebiet fließende Walzbach. Dieser transportiert – wie viele andere Flüsse, die aus dem Kraichgau kommen – große Mengen an Sediment.

Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 3672 Hektar. Davon sind 10,8 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 58,5 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 30 Prozent sind bewaldet.[2]

Die nächsten größeren Städte sind Karlsruhe (Westen), Bretten (Osten), Bruchsal (Norden) und Pforzheim (Süden).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Walzbachtal besteht aus den beiden ehemaligen Gemeinden Jöhlingen (5.773 Einwohner [3]) mit dem Weiler Binsheim und Wössingen (3864 Einwohner). Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Jöhlingen liegen die Wüstungen Binsheim, Neselingen und Buwertheim. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Wössingen liegt die Wüstung Saulingen.[4]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind Weingarten (Baden), Königsbach-Stein, Gondelsheim, Bretten, Pfinztal und Bruchsal.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beide Ortsteile bezeugen mit der Namensendung -ingen einen Siedlungsbeginn in der Merowingerzeit.

Wössingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wössingen wurde erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1024 als Wesingcheimero erwähnt, jedoch gibt es seit dem Fund des römischen Kellers in der nach ihm benannten Römerstraße im Jahre 1966 den Beweis einer Besiedelung um etwa 200/300 n. Chr. – ausgestellt ist dieser im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe.

Die Schreibweise hat sich seit ihrer ersten urkundlichen Erwähnung im Laufe der Jahrhunderte des Öfteren geändert: 1150 Wesingung, 1161 Vesingen, 1287 Wesingin, 1310 Weselingen, 1314 Wesingen, 1509 Wessingen, 1512 Weszingen, 1678 Wossingen (auch Wasseringen), seit 1821 Wössingen. Im Jahre 1770 kaufte der Markgraf von Baden-Durlach dem Hochstift Speyer Wössingen ab.

In Wössingen befanden sich die Burg Oberwössingen und die Burg Unterwössingen, zwei Wasserschlösser.

Jöhlingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jöhlingen (damals Johannington) kam um 650 an die Hochkirche zu Speyer. Grabungsbefunde aus der Kirche St. Martin in Jöhlingen lieferten auch den Beleg einer frühen Kirche des 7. Jahrhunderts. Durch Otto den Großen kam Johannington um 945 an Graf Konrad den Roten. Sein Urenkel Kaiser Konrad II. schenkte den Ort 1024 dem Hochstift Speyer. Im Jahre 1803 wurde auch Jöhlingen badisch. In Jöhlingen findet sich auch ein jüdischer Friedhof.

Walzbachtal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1971 schlossen sich Jöhlingen und Wössingen zur Gemeinde Walzbachtal zusammen.[5] 1995 erhielt Walzbachtal den Landesumweltpreis.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während Wössingen in der Reformation evangelisch wurde, blieb Jöhlingen durch die Zugehörigkeit zum Hochstift Speyer römisch-katholisch. Heute ist das religiöse Leben breit gefächert. Neben evangelischen Pfarrämtern in beiden Teilorten und einer in Jöhlingen ansässigen römisch-katholischen Gemeinde sind auch die Neuapostolische Kirche, die pietistische Liebenzeller Gemeinschaft und seit 1700 eine mennonitische Gemeinde im Ort vertreten.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf das heutige Gemeindegebiet.[6]

Jahr 1871 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2001 2005 2010 2015
Einwohner 3730 4165 4742 6172 6695 7068 7234 7770 8315 9049 9113 9141 9642

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 18 Sitze. Seit der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 setzt er sich wie folgt zusammen:

CDU: 8 Sitze (− 2)
SPD: 5 Sitze (− 1)
FDP: 2 Sitze (± 0)
Grüne: 3 Sitze (+ 3)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister der Gemeinde Walzbachtal ist Karl-Heinz Burgey. Er wurde am 6. Mai 2003 auf acht Jahre gewählt. 2011 wurde er mit 92,6 % der Stimmen für weitere acht Jahre gewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: In gespaltenem Schild vorne in Rot eine goldene Eichel zwischen zwei goldenen Eichenblättern, hinten in Blau ein halbes geschliffenes silbernes Kreuz am Spalt.

Es wurde 1972 genehmigt. Die Eichel entstammt dem alten Wappen von Jöhlingen, das silberne Kreuz war auf den Wappen beider Ortsteile abgebildet und erinnert an das Hochstift Speyer.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walzbachtal pflegt seit 1993 partnerschaftliche Beziehungen zu der ungarischen Gemeinde Bácsbokod.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wössingens Kirche im Weinbrenner-Stil

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsteil Wössingen findet sich die evangelische Kirche von Friedrich Weinbrenner. Reizvoll liegt sie am oberen Ende einer langen Freitreppe, deshalb auch dominant im Siedlungskörper. Typischerweise strebt der Kirchturm kraftvoll aus der Vorderseite des Langhauses in die Höhe. Die Wössinger Weinbrenner-Kirche ist so gebaut worden, wie es mehrere Weinbrenner-Kirchen hätten werden sollen. Läuft man nämlich vom Hauptportal der Kirche aus immer gerade die Treppen hinab, steht man irgendwann auf direktem Weg vor der Haustür des Pfarrhauses. Dies ist eine der Besonderheiten dieser Kirche. Als Fachwerkhaus ist unter anderem das Alte Rathaus erhalten.

Im Ortsteil Wössingen steht ein fränkisches Gehöft aus dem 18. Jahrhundert.

Im Ortsteil Jöhlingen steht der Speyerer Hof. Der Speyerer Hof ist die einzige vollständig erhaltene Fränkische Hofanlage (sogenannter Dreiseithof) Walzbachtals aus dem Jahre 1577. 1983–87 wurde er von der Gemeinde saniert und in originaler Art restauriert. Der Speyerer Hof beherbergt die Gemeindebücherei und ist Sitz der örtlichen Verwaltungsstelle.

Siehe auch: Liste der Stolpersteine in Walzbachtal

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überführung der Kraichgaubahn über die Landstraße in Jöhlingen nach der Fertigstellung 1879

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walzbachtal liegt an der Kraichgaubahn (KarlsruheHeilbronn), auf der die Stadtbahnlinie S4 des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) tagsüber im 20-40 Minuten-Takt verkehrt.

Sowohl Jöhlingen als auch Wössingen liegen an der Bundesstraße 293 (HeilbronnPfinztal), wobei diese seit 1978 als Umgehungsstraße an Wössingen vorbei,[7] jedoch durch Jöhlingen hindurch führt. Jöhlingen und Berghausen (Gemeinde Pfinztal) beendeten frühere Bestrebungen für den Bau einer gemeinsamen Ortsumgehung.

Vor dem Rathaus in Wössingen stehen zwei Carsharing-Fahrzeuge sowie in Jöhlingen am Bahnhof ein Opel Corsa (Stand Mai 2013) von Stadtmobil zur Nutzung bereit.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungssitz der Gemeinde ist Wössingen, jedoch gibt es in Jöhlingen eine Verwaltungsstelle. Walzbachtal besitzt viele gemeindeeigene Veranstaltungsräume, so z. B. Böhnlichhalle, Heinrich-Wagner-Halle, Wössinger Hof und Speyerer Hof.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wössingen und Jöhlingen gibt es je eine Grundschule. Daneben gibt es inzwischen drei kommunale und je einen römisch-katholischen und evangelischen Kindergarten. In beiden Ortsteilen gibt es eine Bücherei und Außenstellen der Volkshochschule Walzbachtal.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Iris Eßwein: Ortsfamilienbuch Jöhlingen, Gemeinde Walzbachtal. Lahr: Interessengemeinschaft Badischer Ortssippenbücher 2007 (= Badische Ortssippenbücher 129), Bearbeiteter Zeitraum 1650–1925

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Walzbachtal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Statististisches Landesamt Baden-Württemberg, Stand: 31. Dezember 2004
  3. „Walzbachtal - Zahlen & Daten“
  4. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 130–132
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 476.
  6. Statististisches Landesamt Baden-Württemberg
  7. Straßenbaubericht 1978 (PDF; 2,9 MB)