Walzer (Musik)

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Der Walzer ist ein Musikstück im 3/4-Takt oder 3/8-Takt, in Lateinamerika und in älteren Quellen auch im 6/8-Takt. Der Name wird von der Tanzfigur „Walzen“ abgeleitet, was „Drehen“ bedeutet und stammt aus dem schwäbischen Raum.

Der Begriff Walzer wurde erstmals von Friedrich Schiller in der Ballade „Eberhard der Greiner“ 1781 in öffentlicher Form verwendet.[1] Die ältesten bekannten Walzer finden sich in Musikhandschriften um 1790,[2] so auch ein so bezeichneter „Wals“ in Stockholm 1785.[3] Die erste gedruckte Ausgabe von Walzern erschien 1806 in Leipzig.[1]

Der Begriff „walzen“ für Drehbewegungen lässt sich schon im mittelalterlichen Wortbestand finden. Tanzbezogen steht es seit etwa 1750 für Paartänze, ab etwa 1760 walzender Tanz bzw. das Walzen. Walzer als Tanz wurde ab dem ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts Mode in allen Gesellschaftsschichten. Er verdrängte das Menuett und besaß den Ruf des Volkstümlichen und Deutschen gegenüber dem Aristokratischen und Französischen des Menuetts.

Während das ebenfalls im Dreiertakt stehende Menuett einen barocken regelmäßigen Puls aufweist, sind die Gewichte im Walzertakt ungleich verteilt, und der Bass spielt in der Regel nur auf dem ersten Schlag. Während das Menuett den Eindruck des Schreitens wiedergibt, vermittelt der Walzer den des Schwingens. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts ist das Walzertempo sehr schnell, in seiner „klassischen“ Zeit nach dem Wiener Kongress pendelt es sich etwa bei einer Sekunde pro Takt ein und wird heute noch langsamer getanzt.

Die etwa halb so schnelle Version des Tanzes, der Langsame Walzer, wird ebenfalls erstmals 1806 gedruckt, verbreitete sich aber erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts.[1]

Berühmte tanzbare Walzer stammen von Josef Lanner, Johann Strauß (Vater), dessen Sohn Johann Strauß (Sohn) (z. B. der Donauwalzer, 1867) sowie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Viele Opern und Operetten enthalten auf der Bühne getanzte Walzermusik. U. a. Franz Schubert, Frédéric Chopin und Franz Liszt schrieben Walzer für Klavier, die im rubato bzw. in agogischer Spielweise vorzutragen sind. Walzer für Orchester, die ebenfalls nicht zum Tanz bestimmt sind, stammen z. B. von Johannes Brahms und auch Johann Strauß (Sohn).

Auch unter den Liedern und symphonischen Sätzen von Gustav Mahler finden sich einige Walzer.

Maurice Ravels Werk La Valse ist eine prominente Selbstreferenz auf die Epoche des Wiener Walzers. Es wird als Klavierauszug und in der Orchesterfassung gleichberechtigt aufgeführt.

Als Sinfoniesatz konnte der Walzer das Menuett nicht verdrängen, mehr oder weniger verhüllt kommt er manchmal als Scherzo vor. Die Wiener Orchesterwalzer zwischen Lanner und Strauß Sohn haben eine Introduktion im geraden Takt und, nach einer kontrastreichen Folge von Walzern, eine schnelle Coda. Französische Walzer sind dreiteilig mit steigendem Tempo.

Siehe auch[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b c Norbert Linke: Zur Frühgeschichte des Walzers – Symposiumsbericht von Thomas Nußbaumer & Franz Gratl – Buchbesprechung In: Neues Leben – Mitteilungsblatt der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft, Nr. 47 (2014/3), ISSN 1438-065X, S. 87–90.
  2. Die Behauptung von Simon Wascher in Die Walzer einer westfälischen Tanzsammlung von 1767. In: Thomas Nußbaumer / Franz Gratl (Hg.): Zur Frühgeschichte des Walzers (Schriften zur musikalischen Ethnologie, Band 3), Innsbruck 2014, S. 56 bezüglich einer Tanzmusikhandschrift aus Dinker in Westfalen mit der Jahreszahl 1767 wurde durch Linke widerlegt. Die Sammlung ist auf frühestens 1790 zu datieren. Siehe dazu: Norbert Linke: Zur Frühgeschichte des Walzers – Symposiumsbericht von Thomas Nußbaumer & Franz Gratl – Buchbesprechung In: Neues Leben – Mitteilungsblatt der Deutschen Johann Strauss Gesellschaft, Nr. 47 (2014/3), ISSN 1438-065X, S. 87–90.
  3. Simon Wascher: Die Walzer einer westfälischen Tanzsammlung von 1767. In: Thomas Nußbaumer / Franz Gratl (Hg.): Zur Frühgeschichte des Walzers (Schriften zur musikalischen Ethnologie, Band 3), Innsbruck 2014, S. 64

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]