Wanderlehrer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Wanderlehrer ist eine Berufsbezeichnung für diejenigen Personen, die ohne die Bindung an einen festen Ort in bestimmten Branchen und Fachgebieten lehrend und ebenso beratend tätig waren.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Griechischen Antike waren Sophisten in der Zeit von ca. 450 v. Chr. bis ca. 380 v. Chr. als professionelle Wanderlehrer tätig. Sie wollten dadurch eine höhere, zum politischen Handeln befähigende Bildung vermitteln. Ihre Lehrtätigkeiten bezogen sie vornehmlich auf die Fachgebiete Rhetorik und Poetik sowie Ethik und Recht.[1] Die sophistischen Wandlerlehrer reisten von ihrem Zentrum Athen aus zum Peloponnes, nach Thessalien und Süditalien.

Auch im Mittelalter gab es im deutschsprachigen Raum den Beruf des Wanderlehres: So wirkte der Hussit Friedrich Reiser (1401−1458) als ein Wanderlehrer der Waldenser ab 1420 im Schwäbisch-Alemannischen und dann ab 1430 in Böhmen.

Im Zuge der europäischen Agrarrevolution des 18. und 19. Jahrhunderts übernahmen ausgebildete Wanderlehrer die Aufgabe, das spezielle Fachwissen an Landwirte zu vermitteln, und sie zusätzlich zu beraten. Hierbei kam es zu Kooperationen mit den Landwirtschaftlichen Vereinen, die sich in dieser Zeit vermehrt gründeten.[2] Besondere Kenntnisse über ihre jeweils regionalen Tätigkeiten und deren offizielle Anerkennungen liegen über diese Wanderlehrer vor:

Die industrielle Revolution in Deutschland verursachte in traditionellen Branchen tiefe Verwerfungen, die durch den Einsatz von Wanderlehrern gemildert werden sollte. Aus diesem Grund förderte der preußischen Staat die Ausbildung zum Wanderlehrer für Webereien. Der hierfür in Frankfurt am Main und in Berlin ausgebildete Richard Keilholz war in Schlesien tätig.

Auch gegenwärtig werden in Österreich in der Imkerei weiterhin Wanderlehrer ausgebildet.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brockhaus: Philosophie. Mannheim u. Leipzig 2004, Lemma Sophisten
  2. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg.): Das neue Schleswig-Holstein Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2006, Lemma Landwirtschaftliche Vereine.