Wanderungsbilanz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Wanderungssaldo)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff Wanderungsbilanz oder Wanderungssaldo ist eine der Messgrößen der Demografie und bezeichnet die Differenz zwischen Zu- und Abwanderung in einem festgelegten Zeitraum und einem bestimmten Gebiet von außen bzw. nach außen.

Der Bezugsraum ist dabei variabel und kann beispielsweise Gemeinden, Bundesländer oder Staaten umfassen.

Aus der Kombination der Geburtenbilanz und der Wanderungsbilanz, die z. B. im Rahmen einer Volkszählung erhoben wird, kann eine Aussage zur Bevölkerungsentwicklung getroffen werden.

Beide Bilanzen können sich im Laufe der Zeit verändern. Auch regionale Unterschiede sind möglich. In Mitteleuropa ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Sterberate auf Grund der verbesserten medizinischen Versorgung stark gesunken, die mittlere Lebenserwartung beträchtlich gestiegen. Kinderreiche Familien sind selten geworden. Diese Entwicklung verlief in allen Industriestaaten in ähnlicher Weise.

Variationen untereinander und Kombinationen miteinander sind dabei grundsätzlich möglich, je nachdem welcher Raum untersucht wird. Ein Unterpunkt ist der sogenannte Binnenwanderungssaldo, der die Migrationsbewegungen innerhalb des betrachteten Raumes bezeichnet.

Beispiel Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wanderungsbilanz von Deutschland seit 1991
  • Auf Ebene der Bundesrepublik Deutschland lag der Wanderungssaldo im Jahr 2013 bei ca. 428.000 Menschen[1]. Das heißt, dass im Jahre 2013 diese Anzahl an Menschen unter dem Strich mehr hinzugezogen ist, als Menschen im selben Zeitraum abgewandert sind. Genaue Zahlen können der folgenden Grafik entnommen werden. Im Jahr 2008 war die Wanderungsbilanz Deutschlands erstmals negativ, 2008 sind also mehr Personen aus Deutschland ausgewandert als eingewandert[1]. Im Jahr 2009 war die Bilanz erneut negativ[1].
  • Das Statistische Bundesamt ging 2006 infolge der 2011 bevorstehenden Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer aus den neu zur Europäischen Union hinzugetretenen Staaten von einem jährlichen Wanderungssaldo zwischen 100.000 und 200.000 Menschen aus. Die nach Deutschland zuziehenden ausländischen Personen sind im Durchschnitt jünger als die fortziehenden. Daraus ergibt sich für die in Deutschland verbleibende Bevölkerung ein "Verjüngungseffekt".[2]
  • Bedingt durch die Wiedervereinigung und die daraus folgenden Entwicklungen haben die neuen Bundesländer fast durchweg einen negativen Wanderungssaldo zugunsten einiger Regionen der alten Bundesländer. Doch auch allgemein wirtschaftlich schwache Gebiete haben mit diesen Problemen zu kämpfen (Binnenwanderung).
Jahr Zuzüge insgesamt Zuzüge Ausländer Zuzüge Deutsche Fortzüge insgesamt Fortzüge Ausländer Fortzüge Deutsche Wanderungssaldo insgesamt Wanderungssaldo Deutsche Wanderungssaldo Ausländer
1991 1.198.978 925.345 273.633 596.455 497.540 98.915 602.523 174.718 427.805
1992 1.502.198 1.211.348 290.850 720.127 614.956 105.171 782.071 185.679 596.392
1993 1.277.408 989.847 287.561 815.312 710.659 104.653 462.096 182.908 279.188
1994 1.082.553 777.516 305.037 767.555 629.275 138.280 314.998 166.757 148.241
1995 1.096.048 792.701 303.347 698.113 567.441 130.672 397.935 172.675 225.260
1996 959.691 707.954 251.737 677.494 559.064 118.430 282.197 133.307 148.890
1997 840.633 615.298 225.335 746.969 637.066 109.903 93.664 115.432 −21.768
1998 802.456 605.500 196.956 755.358 638.955 116.403 47.098 80.553 −33.455
1999 874.023 673.873 200.150 672.048 555.638 116.410 201.975 83.740 118.235
2000 841.158 649.249 191.909 674.038 562.794 111.244 167.120 80.665 86.455
2001 879.217 685.259 193.958 606.494 496.987 109.507 272.723 84.451 188.272
2002 842.543 658.341 184.202 623.255 505.572 117.683 219.288 66.519 152.769
2003 768.975 601.759 167.216 626.330 499.063 127.267 142.645 39.949 102.696
2004 780.175 602.182 177.993 697.632 546.965 150.667 82.543 27.326 55.217
2005 707.352 579.301 128.051 628.399 483.584 144.815 78.953 −16.764 95.717
2006 661.855 558.467 103.388 639.064 483.774 155.290 22.791 −51.902 74.693
2007 680.766 574.752 106.014 636.854 475.749 161.105 43.912 −55.091 99.003
2008 682.146 573.815 108.331 737.889 563.130 174.759 −55.743 −66.428 10.685
2009 721.014 606.314 114.700 733.796 578.808 154.988 −12.782 −40.288 27.506
2010 798.282 683.530 114.752 670.605 529.605 141.000 127.677 −26.248 153.925
2011 958.299 841.695 116.604 678.969 538.837 140.132 279.330 −23.528 302.858
2012 1.080.936 965.908 115.028 711.991 578.759 133.232 368.945 −18.204 387.149
2013 1.226.493 1.108.068 118.425 797.886 657.604 140.282 428.607 −21.857 450.464
Mittelwert (1991–2013) 924.487 738.610 185.877 691.854 561.384 130.470 232.633 55.407 177.226
Summe (1991–2013) 21.263.199 16.988.022 4.275.177 15.912.633 12.911.825 3.000.808 5.350.566 1.274.369 4.076.197

Zahlen in der Tabelle stammen aus dem Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Bundesregierung (Migrationsbericht 2013).[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d BAMF: "Migrationsbericht 2013"
  2. Statistisches Bundesamt: 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Annahmen und Ergebnisse, Wiesbaden 2006, S. 27 (PDF)