Wandse

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Wandse
Die Wandse auf Höhe der Kirche Alt-Rahlstedt

Die Wandse auf Höhe der Kirche Alt-Rahlstedt

Daten
Gewässerkennzahl DE: 59568
Lage Kreis Stormarn (Schleswig-Holstein) und Hamburg; Deutschland
Flusssystem Elbe
Abfluss über Alster → Elbe → Nordsee
Quelle Westlich von Siek (Holstein)
53° 38′ 26″ N, 10° 16′ 46″ O
Quellhöhe 54 m ü. NHN
Mündung In Hamburg-Hohenfelde als Eilbekkanal in die AußenalsterKoordinaten: 53° 33′ 56″ N, 10° 0′ 59″ O
53° 33′ 56″ N, 10° 0′ 59″ O
Mündungshöhe m ü. NHN
Höhenunterschied 51 m
Einzugsgebiet 81,8 km²
Abfluss am Pegel Wandsbeker Allee[1]
AEo: 81,8 km²
Lage: 0 m oberhalb der Mündung
NNQ (3. Juli 1976)
MNQ 1970/2012
MQ 1970/2012
Mq 1970/2012
MHQ 1970/2012
HHQ (19. August 1994)
70 l/s
146 l/s
575 l/s
7 l/(s km²)
5,19 m³/s
15 m³/s
Linke Nebenflüsse Braaker Au, Stellau, Rahlau
Rechte Nebenflüsse Stellmoorer Quellfluss, Berner Au
Großstädte Hamburg
Gemeinden Siek, Braak, Stapelfeld

Die Wandse (lokal auch Eilbek) ist ein Fluss in Norddeutschland.

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Name „Wandse“ beruht auf dem Ortsnamen des heutigen Hamburger Stadtteils Wandsbek, wobei es sich jedoch um eine Rückbildung handelt, da der Ortsname – die älteste überlieferte Namensform lautet „Wantesbeke“ – seinerseits auf dem ursprünglichen Gewässernamen beruht. Zum Ursprung des Gewässernamens wiederum bestehen zwei Theorien: Die ältere Theorie führte das Bestimmungswort auf as. wanda für „Wende“, „Grenze“ zurück. Dagegen spricht jedoch der Umstand, dass dann bei dem Kompositum ein Genitiv-S zu erwarten gewesen wäre. Die neuere Theorie geht daher davon aus, dass das Bestimmungswort auf dem Personennamen „Wand“ beruht.[2]

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Fluss „Mühlenstrom“ und „Mühlenbek“ genannt. Erst seit ungefähr 1820 führt der Fluss den heutigen Namen.

Genereller Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wandse entspringt westlich der Ortschaft Siek im Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein und mündet im Zentrum Hamburgs in die Alster. Dabei nimmt sie im Höltigbaum die Braaker Au, im Stellmoorer Tunneltal den Stellmoorer Quellfluss, in Rahlstedt die Stellau, in Farmsen die Berner Au und in Tonndorf die Rahlau auf. Ab dem Mühlenteich in Wandsbek wird sie Eilbek genannt und fließt über den Eilbekkanal, den Kuhmühlenteich und den Mundsburger Kanal in Hohenfelde in die Außenalster.

Die Wandse durchfließt oder berührt die Gebiete folgender Gemeinden:

Flussabschnitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wandse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich von Hinschenfelde, zwischen der Ölmühle und der ehemaligen Holzmühle durchfließt die Wandse den Eichtalpark.

Mühlenteich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mühlenteich in Wandsbek von Osten aus gesehen

Der Mühlenteich ist ein Teich mit Wehr in Hamburg-Wandsbek. In den Mühlenteich fließt die Wandse und heraus fließt die Eilbek.

Eilbek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehr des Mühlenteichs unter der Mühlenstraße

Westlich des Wehrs des Mühlenteichs in Wandsbek trägt der Fluss den Namen Eilbek. Hier verlief die ehemalige Grenze zwischen Hamburg und Wandsbek. Der Name Eilbek leitet sich ab aus Ylenbeke, dem Bach der Ihlen, der Blutegel, die hier bis Ende des 19. Jahrhunderts zur Verwendung für medizinische Zwecke gefangen wurden.[3]

Eilbekkanal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Wendebecken/Löschplatz Lortzingstraße
Hausboote auf dem Eilbekkanal östlich der Richardstraßenbrücke

Ab der Maxstraße wurde die Wandse zwischen 1854 und 1900 kanalisiert und heißt deshalb Eilbekkanal.[4] Ab dem Wendebecken (Löschplatz Lortzingstraße) östlich der Von-Essen-Straße im Stadtteil Barmbek gab es knapp 50 Jahre lang, von 1890 bis 1939 einen Linienverkehr mit Alsterdampfern. Eine weitere Anlegestelle der Schiffe bestand an der Richardstraße.

Rapfen, Zander, Hechte und Flussbarsche bilden die häufigsten Raubfischarten im Eilbekkanal, während sich unter den Friedfischen Karpfen, Schleien, Rotaugen und die in sehr großer Zahl vorkommenden Brassen und Alande finden.[5]

Am Nordufer des Eilbekkanals wurden ab 2009 im Rahmen des Pilotprojekts „Wohnen auf dem Wasser“ zehn Liegeplätze für Hausboote eingerichtet. Fünf Liegeplätze befinden sich im Abschnitt zwischen Wagner- und Richardstraße (Barmbek-Süd) und fünf weitere im Abschnitt zwischen Finkenau und Lerchenfeld (Uhlenhorst). Die Hausboote sind an Dalben fest gemacht und haben am Ufer Anschluss an die Kanalisation, Stromversorgung und Müllabfuhr.[6] Die Hausboote sind in der Grundfläche genormt und haben 6 Meter Breite, um den Schiffsverkehr nicht zu behindern, mal 10 Meter Länge. Damit sie noch unter den Brücken hindurch passen, haben sie eine maximale Höhe von 3,25 Meter über dem Wasserspiegel. Das obere Geschoss darf an Fläche nur die Hälfte des Untergeschosses einnehmen, um den Fußgängern den Blick auf den Eilbekkanal zu ermöglichen.[7] Die Wohnfläche beträgt 130 bis 160 Quadratmeter. Für den Liegeplatz wird Pacht gezahlt. Die Boote werden als Büros oder als Wohnungen genutzt.[8]

Parallel dem Eilbekkanal verläuft seit 2012 die Fahrradstraße in Uferstraße und Lortzingstraße als Teil der Veloroute 6, die aus der City über Dulsberg nach Farmsen führt.

Am Nordufer in Höhe Lerchenfeld erhebt sich die von Schumacher konzipierte Hochschule für bildende Künste Hamburg mit einem bemerkenswerten Jugendstilfenster im Foyer.

Kuhmühlenteich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Gertrud, Blick über den Kuhmühlenteich zur Kirche
Maiboomsche Liebesbuche in der Nähe des südlichen Ufers des Kuhmühlenteichs

Bevor der Kanal in die Alster mündet, durchfließt er den Kuhmühlenteich. An seinem Nordufer liegt markant und malerisch die Kirche St. Gertrud. Zwischen ihrem Kirchturm und dem Kuhmühlenteich befindet sich der geographische Mittelpunkt von Hamburg.[9] An seinem südlichen Ufer befindet sich auf dem Grundstück Eilenau/Lessingstraße die „Maiboomsche Liebesbuche“ aus dem 19. Jahrhundert. Liebeswünsche und -hoffnungen werden dort auf Zetteln an einem Brett geäußert.

Der zwischen 150 und 200 cm tiefe Kuhmühlenteich, der hauptsächlich aus schlammigem Grund besteht, bietet vor allem für Karpfen, Rotaugen und Brassen gute Lebensbedingungen.[10] Im Bereich der St. Gertrudskirche soll es längere Zeit einmal einen großen Standhecht gegeben haben.[11]

In den Kuhmühlenteich mündete bis 1854 die Schürbek. Sie versiegte bei Aufschüttung der Uhlenhorst. Ein Straßenname erinnert noch daran.

Mundsburger Kanal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alsterdampfer im Mundsburger Kanal
Blick von der Außenalster auf die Mündung des Mundsburger Kanals in die Außenalster

Nach dem Kuhmühlenteich ändert das Gewässer seinen Namen in Mundsburger Kanal. Am Ausfluss des Kuhmühlenteichs befand sich die Kuhmühle, die nach den umliegenden Kuhweiden benannt wurde. Nach der ersten Müllerin um 1480 Armgart wurde die parallel zum Kanal verlaufende Armgartstraße benannt. Die Mühle überstand die Abrißorder der Hamburger Franzosenzeit, als 1813 sämtliche Gebäude vor der Stadt abgerissen wurden, um freies Schussfeld zu erhalten. Die Mühle wurde 1874 abgebrochen.[12] Der Mundsburger Kanal trennt die Stadtteile Uhlenhorst und Hohenfelde. Bei der Mundsburger Brücke befindet sich direkt am Kanalufer ein Freiluftcafé.

Mündung in die Außenalster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skulptur nahe der Mündung des Mundsburger Kanals in die Außenalster. Von Edwin Scharff: Drei Ruderer.

Der Mundsburger Kanal wird noch kurz vor seiner Mündung in die Außenalster durch die Schwanenwikbrücke überquert. Die Uferstreifen bei der Einmündung sind parkähnlich angelegt und für Fußgänger zugänglich. Die Skulptur von Edwin Scharff von 1953: Drei Männer im Boot (drei Ruderer) befindet sich in der Nähe der Einmündung, gehört aber bereits zum Ufer der Außenalster.

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wassernutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der Wandse gab es zahlreiche Wassermühlen: Die Rahlstedter Mühle, Loher Mühle, Pulverhofmühle (Kupfermühle), Ölmühle, Eichtalmühle, Holzmühle (Helbingmühle), Rantzaumühle und Kuhmühle.

Renaturierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wandse ist Gegenstand des Projektes „Forelle 2010“. In dem Projekt, das mit Fördergeldern der HEW-Umweltstiftung gestartet wurde, wird unter anderem vom BUND Hamburg und dem Bezirksamt Wandsbek angestrebt, die Gewässerqualität der Wandse so weit zu verbessern, dass bis 2010 wieder Bachforellen hier leben.[13] 2007 wurden im Ober- und Mittellauf der Wandse folgende Fischarten festgestellt: Dreistachliger Stichling, Neunstachliger Stichling, Gründling, Bachschmerle, Bachforelle und Flussbarsch. Um besonders das Vorkommen der Bachforellen zu fördern, wurden die Struktur verbessert, Stein- und Kiesbetten für die Kieslaicher angelegt und ein natürlich mäandrierender Bachlauf nachmodelliert.[14] Dadurch ist es gelungen, dass die Wandse in vielen Bereichen wieder ein sommerkaltes Fließgewässer mit natürlichem Forellenbestand ist.[15]

Erholungsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlang des Gewässers zwischen Schwanenwik (Uhlenhorst) und Stein-Hardenberg-Straße (Tonndorf) verläuft immer auf einer oder beiden Seiten ein Fußweg, der auch von Joggern und Radfahrern benutzt wird. Ab Schwanenwik bis in Höhe der S-Bahn-Station Friedrichsberg verläuft nördlich von Mundsburger bzw. Eilbekkanal die Hamburger Veloroute 6, u.a mit zwei ausgewiesenen Fahrradstraßen in Abschnitten der Uferstraße und der Lortzingstraße.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wandse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Elbegebiet, Teil III 2012. ISSN 0949-3654. Freie und Hansestadt Hamburg, Hamburg Port Authority, S. 156, abgerufen am 25. Juli 2015 (PDF, deutsch, Auf: hamburg-port-authority.de).
  2. Zu alledem Wolfgang Laur: Die Orts- und Gewässernamen der Freien und Hansestadt Hamburg, Neumünster 2012, S. 242 f.
  3. Günther Severin: Jahre einer Gemeinde Eilbek 1872–1943. Zitiert im Faltblatt der Einkaufs-Meile-Eilbek e. V. von ca. 2008; Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten, Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 35
  4. Informationstafel „Der Eilbek“ des Heimatmuseums und der Geschichtswerkstatt Barmbek von 2001 am Standort Eilbekkanal/Richardstraße
  5. Udo Schroeter: Der Angelführer Hamburg – Freie Gewässer. Die besten 150 Angelplätze der Stadt, Herausgeber Die Rapsbande, Fehmarn, 2005, S. 35, ISBN 978-3-937868-11-0
  6. Schwimmende Häuser auf dem Eilbekkanal. In: Hohenfelder und Uhlenhorster Rundschau, Nr. 3/2009, S. 8–9
  7. Schiff ahoi. In: Hohenfelder und Uhlenhorster Rundschau, August/September 2011, S. 10–11
  8. Hamburg Deine Kanäle. In: Meilensteine, 24. September 2010, S. 30–31
  9. Anne Klesse, Hamburger Abendblatt: Mensch, Hamburg! Uhlenhorst – Dorf der Kreativen, 20. Mai 2006
  10. Udo Schroeter: Der Angelführer Hamburg – Freie Gewässer. Die besten 150 Angelplätze der Stadt, Herausgeber Die Rapsbande, Fehmarn, 2005, S. 36, ISBN 978-3-937868-11-0
  11. http://www.fisch-hitparade.de/angeln.php?t=6584
  12. Günter Drewes: Die Kuhmühle. In: Kirchengemeinderat St. Gertrud Hamburg (Hrsg.): Gemeindebrief für das Gertrudenviertel März, April, Mai 2016, S. 21.
  13. http://www.hamburg.de/forelle/
  14. http://www.salmonidenfreund.de/
  15. http://www.hamburg.de/contentblob/1297410/data/2009-wiedergewinnung-standorttypischer-forellenbach-version-januar-2010.pdf