WarGames – Kriegsspiele

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Filmdaten
Deutscher Titel WarGames – Kriegsspiele
Originaltitel WarGames
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1983
Länge 108 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie John Badham
Drehbuch Lawrence Lasker, Walter F. Parkes, Walon Green (ungenannt)
Produktion Harold Schneider, Leonard Goldberg
Musik Arthur B. Rubinstein
Kamera William A. Fraker
Schnitt Tom Rolf
Besetzung

WarGames – Kriegsspiele ist ein US-amerikanischer Film von John Badham aus dem Jahr 1983. Die Hauptrollen spielten Matthew Broderick und Ally Sheedy. Der Film spielt im Jahr 1983 während des Kalten Kriegs und thematisiert die Gefahr eines irrtümlich ausgelösten Atomkriegs zwischen den USA und der Sowjetunion.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des Films wird durch die Strategischen Luftstreitkräfte der USA ein sowjetischer Angriff auf die Vereinigten Staaten simuliert. Ziel dieses Tests ist es, die Verteidigungsbereitschaft der nuklearen Abschreckung (insbesondere die erfolgreiche Ausführung eines zeitnahen Gegenschlags durch Interkontinentalraketen mit Nuklearsprengköpfen) zu überprüfen. Dabei stellen die Befehlshaber fest, dass 22 Prozent der diensthabenden Soldaten in den Raketensilos einen Abschussbefehl verweigern würden, da sie moralische Bedenken haben. Um diesen menschlichen Faktor zu eliminieren, wird die Kontrolle über die Abschussmechanismen einem Expertensystem, dem neu entwickelten, lernfähigen NORAD-Computer WOPR (War Operation Plan Response), übertragen.

Gleichzeitig versucht der Computer-begeisterte Teenager David L. Lightman sich mit seinem IMSAI-Mikrocomputer in das Computersystem eines Spieleherstellers zu hacken, um dort die neuesten Spiele ausprobieren zu können. Mit seinem Akustikkoppler wählt er nacheinander alle Telefonnummern in Sunnyvale, Kalifornien an. Es gelingt ihm auch, in ein vielversprechendes System einzudringen. Dieses ist allerdings nicht das des Spieleherstellers, sondern WOPR, welcher inzwischen das US-Nuklearwaffenarsenal steuert.

Nicht wissend, wo er eingedrungen ist, startet er aus dem verfügbaren Spielearsenal, das unter anderem Schach, Poker und andere Spiele umfasst, die strategische Simulation „Weltweiter Thermonuklearer Krieg“. Er glaubt, dass dieses Programm ebenfalls ein Spiel sei. Unbemerkt von David startet WOPR die Vorbereitungen eines simulierten Angriffs durch die Sowjetunion. Er wird beim Spielen durch seine Eltern unterbrochen und trennt die Verbindung. WOPR fährt indessen mit der Spielsimulation fort, wodurch die Befehlshabenden immer wieder mit virtuellen sowjetischen Angriffen konfrontiert werden.

Mit der Unterstützung des KI-Forschers Stephen Falken, dem ursprünglichen Entwickler von WOPR, kann die Katastrophe knapp aufgehalten werden. Es gelingt David, WOPR die Sinnlosigkeit eines nuklearen Kriegs beizubringen, indem er den Computer Tic-Tac-Toe spielen lässt. WOPR erkennt, dass hierbei keiner gewinnen kann, und probiert daraufhin alle Atomkriegsstrategien durch, von denen ebenfalls keine siegreich wäre. Nach dem Durchlaufen aller Simulationen des Kriegsverlaufes erklärt WOPR: „Ein seltsames Spiel. Der einzig gewinnbringende Zug ist, nicht zu spielen.“ (Original: „A strange game. The only winning move is not to play.“) Daraufhin beendet WOPR das Spiel und damit auch die realen Abschussvorbereitungen in letzter Sekunde.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorbilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Autoren des Films, Walter Parkes und Lawrence Lasker, basierten die Figur des Professor Falken auf Stephen Hawking. Sie faszinierte die Idee eines genialen Wissenschaftlers, der von niemandem richtig verstanden wird.[1]

Tatsächliche Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine reale Parallele war ein im selben Jahr 1983 durch Computerfehler in der Kommandozentrale der sowjetischen Luftraumüberwachung fälschlich angezeigter Atomraketenangriff der USA auf die Sowjetunion. Der diensthabende Offizier Stanislaw Petrow stufte die Angriffsmeldung als Fehlalarm ein, leitete deshalb keinen Gegenschlag ein und verhinderte so möglicherweise den dritten Weltkrieg.[2] Dieser Vorfall wurde erst Jahre später bekannt.

Hackeraspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film enthält mehrere für die Hackerkultur typische Aspekte und Anspielungen auf reale Methoden.

David betreibt Wardialing, und auf die Frage seiner Freundin, ob dies nicht zu hohen Telefonkosten führt, antwortet er mit „there are ways around it“ („es gibt Möglichkeiten, das zu umgehen“; siehe hierzu Phreaking). Er betätigt sich als Cracker, als er seine Schulnoten und die seiner Freundin im Schulcomputer verändert. Er hat auch Spaß daran, in ein Flugbuchungssystem einzudringen und Reservierungen für sich und seine Freundin für einen Flug nach Paris einzutragen. An Passwörter gelangt er durch Social Engineering. Um eine mit einer Tastenkombination geschützte Tür zu öffnen, nutzt er ein Diktiergerät, um die Tastentöne aufzuzeichnen, als der Code von einer Wache eingegeben wird (Replay-Angriff). In den WOPR dringt er mittels einer Backdoor ein.

Die Flugreservierung wird vom FBI als Fluchtvorbereitung ausgelegt, und dass er diese für zwei Personen vorgenommen hat, führt zum Vorwurf, er habe mindestens einen Mittäter oder sei sogar Teil einer Verschwörung. Ursprünglich unbedeutend erscheinende Informationen und mit den eigentlichen Vorgängen gar nicht in Zusammenhang stehende Handlungen werden also zu belastenden Indizien, aus denen ein Verdacht entsteht – ein Problem, vor dem Datenschützer heutzutage vermehrt warnen.

Ein wichtiger Aspekt der IT-Sicherheit wird im Film – wohl aus dramaturgischen Gründen – falsch dargestellt: WOPR versucht, den Abschusscode für die Atomraketen Zeichen für Zeichen zu ermitteln und kommt der richtigen Lösung dadurch schrittweise immer näher. In der Realität ist diese Vorgehensweise nicht möglich. Wenn ein versuchsweise eingegebenes Passwort vom System nicht akzeptiert wird, bekommt der Angreifer keinen Hinweis, welche Stellen bereits richtig gewesen sind.

Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ursprüngliche Regisseur Martin Brest wurde wegen Meinungsverschiedenheiten mit den Produzenten nach zwölf Drehtagen entlassen[3] und durch John Badham ersetzt. Etliche der von Brest gedrehten Szenen blieben aber im Film erhalten. Badham sagte später in einem Interview, dass Brest die Geschichte in einer sehr „dunklen“ Art und Weise umsetzen wollte. Da auf ihn Broderick und Sheedy wie Personen gewirkt hätten, die eine „Nazi-Undercover-Operation“ durchführten, wollte er erreichen, dass die beiden Hauptdarsteller mit mehr Spaß agierten. So brauchte Badham etwa ein Dutzend Aufnahmen der ersten gemeinsamen Szene von David und Ally, um die Schauspieler aufzulockern, da sie vor der Kamera zunächst „steif wie Bretter“ gewirkt hätten.[4]

Adaption und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mindestens ein Videospiel wurde in Anlehnung an den Film WarGames – Kriegsspiele produziert. Es wurde 1983 von THORN EMI Video unter dem Namen WarGames oder auch Computer War veröffentlicht. Das Spiel wurde produziert für den ColecoVision, Commodore 64, Atari-Heimcomputer und VC20. Auch das Computerspiel DefCon (2006, Introversion Software) weist, vor allem optisch, Elemente des Films auf. Im Videospiel Uplink (2001, Introversion Software) kann man „Global Thermonuclear War“ auf einem virtuellen Protovision Game Server mit der (im realen IPv4-Adressraum ungültigen) IP-Adresse 284.345.42.283 und dem Passwort „joshua“ spielen.

Die Musikgruppe Welle: Erdball hat sich 2011 in dem Song Der Kalte Krieg aus dem gleichnamigen Album dieser Thematik gewidmet. Sie benutzen das Original-Zitat „A strange game. The only winning move is not to play.“ und betten es künstlerisch-kritisch ein. Im dazugehörigem Musikvideo sind auch Mitschnitte aus dem o. g. Computerspiel für den C64 zu sehen.

Fortsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehr als 20 Jahre nach dem Kinostart von WarGames – Kriegsspiele begann am 20. November 2006 die Produktion der Fortsetzung War Games 2: The Dead Code unter der Regie von Stuart Gillard. Der Film ist am 29. Juli 2008 in den USA auf DVD erschienen.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Automatenspiel Missile Command war eine Inspiration für den Film.
  • Das Spiel DefCon, eine Atomkriegssimulation, ist an den Film angelehnt.
  • Ursprünglich sollte Ally Sheedy als Jennifer eine viel kleinere Rolle haben und in der zweiten Hälfte des Films gar nicht mehr auftauchen.
  • Der Name Stephen Falken ist eine Anspielung an Stephen Hawking.
  • Als Hommage an den Film war das Benutzerkonto Stephen Falken lange Zeit Standard beim Betriebssystem NetBSD.
  • Der Rechner von David – ein IMSAI 8080 – war ein real existierendes Modell, das aber schon seit 1975 hergestellt wurde und somit für die Zeit der Veröffentlichung des Films eigentlich relativ veraltet war. Hintergrund war die Überlegung der Produzenten, dem jugendlichen Hauptdarsteller einen veralteten Rechner zu geben, da er sich als Jugendlicher finanziell kein moderneres Gerät leisten könne. Außer dem Rechner verwendet David noch folgende technischen Geräte: eine Tastatur IMSAI IKB-1, ein Diskettenlaufwerk IMSAI FDC-2 dual 8", einen 17"-Electrohome-Monitor und ein 1200-Baud-Modem Cermetek 212A, das mit dem Firmennamen IMSAI überklebt worden war. Auch der Videorekorder (ein JVC HR-3300) neben dem Computer, auf dem David eine Reportage über Stephen Falken abspielt, war bereits 1976 auf den Markt gekommen.
  • Laut den Kommentaren von Lasker, Parkes und John Badham zum Film war die Rolle des Stephen Falken ursprünglich für John Lennon geschrieben worden.
  • Im Computerspiel Call of Duty 4 – Modern Warfare (Level: „Kriegsspiele“) hat der Simulationscomputer WOPR einen Cameo-Auftritt.
  • Am Vorabend des Beginns des Luftkrieges gegen den Irak 1991 (Operation Wüstensturm [Desert Storm]) nahm die ARD den Film aus dem Abendprogramm.
  • Die beiden prägnanten Lieder Video Fever und History Lesson stammen von der Band The Beepers. Sie bestand aus dem Komponisten Arthur B. Rubinstein, Cynthia Morrow (Text und Gesang, Keyboards, Viola), Brian Banks und Anthony Marinelli (Keyboards). Der Gesang wurde durch ein Synclavier-System verfremdet. Die Combo hatte zuvor schon den Soundtrack von Das fliegende Auge arrangiert.
  • Das vermutlich erste deutsche Internetcafé, eröffnet im Juli 1994 in Fürth, nannte sich in Anspielung auf den Film Falken’s Maze.
  • David lebt in Seattle; der Film wurde jedoch im Raum Los Angeles gedreht. Als Kulisse für seine Schule diente die El Segundo High School. Sie wurde häufig für Filmaufnahmen genutzt.
  • Die Außenszenen auf „Goose Island“ – die fiktive Insel, auf die sich Stephen Falken zurückgezogen hatte – wurden auf Anderson Island im US-Bundesstaat Washington gedreht.
  • Die Szene, in der David die Computerfreaks Jim und Malvin besucht, wurde auf dem Microsoft-Campus in Redmond gedreht.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lexikon des internationalen Films schreibt: „Ein Thriller, in dem das Hauptaugenmerk den katastrophalen Folgen eines Videospiels gilt. Ein perfekt inszenierter, spannender Film, der die Gefahren der Mikroelektronik vor Augen führt und auf mögliche Katastrophen durch die computergesteuerte Atomrüstung hinweist.“[5]

Roger Ebert schrieb in der Chicago Sun-Times vom 3. Juni 1983, der Film sei gleichzeitig emotional wie auch intellektuell interessant. Das Ende des Films bezeichnete er als wundervoll (wonderful). Ebert lobte ganz besonders die von Dabney Coleman und Barry Corbin dargestellten Charaktere.

TV Spielfilm schrieb: „Intelligente, subversive Hightech-Thriller-Unterhaltung und cleveres „Kriegsspiel“ aus der Reagan-Ära … Regisseur John Badham entwickelte aus diesem Stoff der allgegenwärtigen Bedrohung der Menschheit durch Maschinen einen respektablen Thriller, der allerdings in der klischeehaften Heroisierung des Knaben David und der kollektiven Vertölpelung der Erwachsenen sehr amerikanisch wirkt – und damit im Auge des aufgeklärten europäischen Betrachters regelrecht dämlich. An den Kinokassen zahlte sich das Rezept indes aus: Die computerbesessene Generation der amerikanischen Teenager stürmte seinerzeit millionenfach die Lichtspielhäuser. Ein Oscar war Wargames nicht vergönnt, obwohl der technisch brillante Film in den Sparten Drehbuch, Kamera und Ton für die Trophäe nominiert worden war.“

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde in den Kategorien Bester Ton, Beste Kamera und Bestes Originaldrehbuch für einen Oscar nominiert. Darüber hinaus gewann John Badham den Saturn Award, der Film wurde in fünf weiteren Kategorien für diesen Preis nominiert, darunter für Matthew Broderick, Ally Sheedy, John Wood, für die Drehbuchautoren und in der Kategorie Bester SF-Film.

Der Film gewann den British Academy Film Award (BAFTA Award) für den besten Ton und wurde in zwei weiteren Kategorien nominiert. Sowohl Ally Sheedy wie auch der Film als Bester Familienfilm wurden für den Young Artist Award nominiert. Die Drehbuchautoren wurden für den Writers Guild of America Award nominiert. Tom Rolf gewann den American Cinema Editors Award.

Buch und Filmmedien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Buch: „WarGames. Kriegsspiele.“ von David Bischoff, Lawrence Lasker, Walter F. Parkes, Heyne Verlag (1983), ISBN 3-453-01920-2
  • Jugendbuch: „Wargames“ von David Bischoff (in französischer Sprache) bearbeitet von J. Landreaux-Valabrègue mit Illustrationen von N. Forster, Hachette (Paris 1983), ISBN 2-01-00-9845-5
  • DVD: „Wargames – Kriegsspiele“ mit Matthew Broderick, Dabney Coleman, und John Wood, 2006.
  • VHS: „Wargames – Kriegsspiele“ mit Matthew Broderick, Dabney Coleman, und John Wood, 1999.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.wired.com/2008/07/ff-wargames/
  2. http://www.spiegel.de/einestages/vergessener-held-a-948852.html
  3. http://www.allmovie.com/artist/martin-brest-82954/bi
  4. http://thehollywoodinterview.blogspot.com/2008/08/john-badham-hollywood-interview.html
  5. WarGames – Kriegsspiele. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.