Warenhaus am Weinberg

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Warenhaus am Weinberg
Warenhaus Jandorf (Brunnenstraße), 1904

Warenhaus Jandorf (Brunnenstraße), 1904

Daten
Ort Berlin-Mitte
Baumeister Louis Lachmann,
Carl Zauber
Baujahr 1903–1904
Grundfläche 10.000 [1] m²
Besonderheiten
Stahlskelettbau mit Maßwerk und Kartuschen auf Natursteinfassade
Südseite, 2010

Das Warenhaus Jandorf (auch Warenhaus am Weinberg) wurde 1904 von Adolf Jandorf an der Brunnenstraße in Berlin-Mitte eröffnet. Bis 1945 war das Warenhaus in Betrieb, danach diente es ab 1953[2] in der DDR als Institut für Modegestaltung. Das Gebäude wurde in den 1980er-Jahren unter Denkmalschutz gestellt[3] und nach der Wende vom Berliner Landesdenkmalamt.[4]

Das Haus ging nach der Abwicklung an die Treuhandanstalt, von der es wiederum der westdeutsche Hotelier Jacob Schultz 1993 kaufte. Trotz Sanierung konnte er es nur für kurzfristige Veranstaltungen vermieten, da neu erbaute Immobilien in der Umgebung ihm die Realisierung seiner Baupläne erschwerten.[5] Im Oktober 2017 wurde bekannt, dass seine Erben[6] einen langfristigen Mietvertrag mit der Daimler AG abgeschlossen haben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Architekturbüro Lachmann & Zauber [7] errichtete das Gebäude von 1903 bis 1904 in einer flexibel unterteilbaren Stahlskelettbauweise auf dem Grundstück an der Ecke Brunnen- und Veteranenstraße gegenüber dem Volkspark am Weinberg. Der Bau hat fünf Etagen und bot ursprünglich eine Verkaufsfläche von etwa 10.000 m². Die Architekten orientierten sich bei der Gestaltung als Mauerpfeilerbau an den Warenhausbauten des Architekten Alfred Messel.[8] Die Fassaden an den Straßenfronten wurden im Erdgeschoss mit Muschelkalk verblendet, darüber in Tuffstein. An den jeweils zwei Pfeilern, die die ursprünglichen Eingänge an beiden Straßenseiten flankieren, befinden sich Kartuschen mit Bienen als Symbolen des Fleißes.[9] Die oberen Fenster ziert Maßwerk im geometrischen Jugendstil.[3] Auf der Dach-Ecke befindet sich ein verkupferter, sechseckiger Turmaufsatz.

Mit dem Verkauf des Unternehmens A. Jandorf & Co. ging auch dieses Haus 1927 an den Warenhauskonzern Hermann Tietz. Die neuen Eigentümer ließen den Lichthof in den 1930er-Jahren über dem 1. Obergeschoss mit Zwischendecken schließen, so dass nur ein großes Foyer übrig blieb.[10][1]

Als einziges der ehemaligen Jandorf-Warenhäuser überstand es den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet. Nach einem Leerstand zog dort Ende 1952[2] das Institut für Bekleidungskultur, später Haus der Mode der DDR ein, dabei wurden zusätzliche Aufzüge eingebaut.[11] Neben der Gestaltung und Produktion von Kleidung fanden auch Vorführungen und Ausstellungen statt.[12] Dort wurde unter anderem der internationale Modewettbewerb 1955 mit Modefachleuten aus ganz Osteuropa abgehalten. Zwei Kollektionen stellte das Modeinstitut jährlich vor.[2] 1974 erfolgte ein Ausbau der Dachgauben für eine Büronutzung.[1]

1993 kaufte der Frankfurter Hotelier Jacob Schultz das Haus von der Treuhandanstalt.[13] Er ließ Fassade und Dach sanieren und baute eine Tiefgarage mit 25 Pkw-Stellplätzen. Pläne für einen Komplettumbau, um die Räume als Büros, Praxen, Konferenzsäle und Lofts vermieten zu können,[14] kamen nicht zur Ausführung. Nach dem Auszug einer Filiale der Hypo-Service-Bank[10] 1998[9] stand das Haus die meiste Zeit leer und wurde gelegentlich für Ausstellungen und Kunstprojekte genutzt.[15] In den 2010er-Jahren erfolgte eine Zwischennutzung als temporäre Eventlocation[16] wie etwa für die Berlin Fashion Week 2017,[17] für „das begehbare Programm der CDU. #fedidwgugl Haus“ zur Bundestagswahl 2017[18] oder für die Berlin Food Week 2017.[19] Seit Ende 2017 wird das Gebäude generalsaniert.[6]

Danach zieht der Automobilkonzern Daimler AG als langfristiger Mieter ein und wird an dieser Stelle eine weitere Hauptstadtrepräsentanz einrichten neben der Mercedes-Benz-Gallery in Unter den Linden.[5] Nach Angaben einer Berliner Tageszeitung soll der Mietvertrag eine Laufzeit von vermutlich 30 Jahren haben. Seit der von Daimler geförderten Berlin Fashion Week 2017 befindet sich ein beleuchteter Mercedes-Stern über dem heutigen Haupteingang an der Ecke.[20]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volker Hübner, Christiane Oehmig: Büro- und Geschäftshaus am Weinberg – ehemals Warenhaus Jandorf. Hrsg. von Jacob Schultz, Selbstverlag, Berlin 1996, 63 S., ohne ISBN, dort erhältlich.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaufhaus Jandorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Die Brunnenstraße 19-21 in Zahlen & Daten. (Memento vom 7. November 2017 im Internet Archive). In: open-office-mitte.de, (PDF; 35 kB), aufgerufen am 4. Mai 2018.
  2. a b c Annett Heide: Kaufhaus Jandorf Brunnenstraße: Vom DDR-Mode-Institut zum „Fashion Circus“. In: Berliner Zeitung, 23. März 2014.
  3. a b Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin I. Henschelverlag, Berlin 1984, S. 210 (496 S.).
  4. Kaufhaus Jandorf, seit 1926 Warenhaus Tietz. In: Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts Berlin.
  5. a b Dirk Jericho: Autokonzern Daimler zieht ins ehemalige Warenhaus Jandorf. In: Berliner Woche, 2. Mai 2018, mit Baustellenfotos.
  6. a b Ingeborg Ruthe: Kaufhaus Jandorf. Berghain-Türsteher präsentiert vor Luxussanierung seine Fotografien. In: Berliner Zeitung, 25. Oktober 2017.
  7. Louis Lachmann (1860–1910): Rundgang: 40 Mausoleum Familie Katz-Lachmann. In: Förderverein Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee, aufgerufen am 4. Mai 2018.
       Carl Zauber; Nachweis von Henning Schröder: Baumeister und Architekten. (Memento vom 7. November 2017 im Internet Archive). In: schroederniko.de; vgl. Carl Zauber Tiefbau GmbH, aufgerufen am 4. Mai 2018.
  8. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Ehemaliges Kaufhaus Jandorf.
  9. a b Anne Haeming: Rückkehr ins Bienenhaus. In: Der Tagesspiegel, 22. August 2006.
  10. a b Kaufhaus Jandorf. (Memento vom 4. September 2012 im Webarchiv archive.is). In: Luisenstädtischer Bildungsverein
  11. Peter Stürzebecher: Das Berliner Warenhaus. Bautypus, Element der Stadtorganisation, Raumsphäre der Warenwelt. Archibook, Berlin 1979, ISBN 978-3-88531-000-6, S. 185.
  12. Konsum und Konsum in der Brunnenstraße. In: brunnenstrasse.de
  13. Uwe Aulich: Ein Kaufhaus für Design, Theater und Architektur. Neues Konzept in altem Haus an der Brunnenstraße. In: Berliner Zeitung, 16. Juni 2003.
  14. www.brunnenstrasse19.de. (Memento vom 28. September 2017 im Internet Archive).
  15. Carmen Böker: Ein Tisch legt sich in Falten. In: Berliner Zeitung, 28. März 2001.
  16. Nina Apin: Event für Zwischendurch. In: die tageszeitung, 20. Dezember 2013.
  17. Nikolaus Bernau: Mercedes Benz Fashion Week. Kaufhaus Jandorf öffnet seine Pforten für die Mode. In: Berliner Zeitung, 16. Januar 2017.
  18. Birgit Baumann: Ein „Fedidwgugl“-Haus für Merkels Politik. In: Der Standard, 18. August 2017.
  19. Maike Schultz: Berlin Food Week. Döner vom Spitzenkoch. In: Berliner Zeitung, 14. Oktober 2017.
    Berlin Food Week. 14. – 21.10.2017 (Memento vom 25. Oktober 2017 im Internet Archive), ganz nach unten scrollen.
  20. Martin Klesmann: Mercedes zieht ins Kaufhaus Jandorf. In: Berliner Zeitung, 2. Mai 2018, S. 12.