Warenhaus am Weinberg

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Südfassade, 2010
Warenhaus Jandorf (Brunnenstraße), 1904

Das Warenhaus Jandorf (auch Warenhaus am Weinberg) wurde 1904 von Adolf Jandorf an der Brunnenstraße in Berlin-Mitte eröffnet. Das Warenhaus war bis 1945 in Betrieb, danach diente es in der DDR als Institut für Modegestaltung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Grundstück an der Ecke Brunnen- und Veteranenstraße gegenüber dem Volkspark am Weinberg errichtete das Architekturbüro Lachmann & Zauber das Gebäude von 1903 bis 1904 in Stahlskelettbauweise. Der Mauerpfeilerbau hat fünf Etagen und hatte eine Verkaufsfläche von etwa 10.000 m². Für das Erdgeschoss wurden Muschelkalksteine verwendet, darüber ist Tuffstein. Die Architekten orientierten sich bei der Fassadengestaltung an den Warenhausbauten des Architekten Alfred Messel.[1] An der Fassade mit großen Fenstern und Maßwerk befinden sich Kartuschen mit Bienen als Symbole des Fleißes, die erhalten blieben.[2]

Mit dem Verkauf des Unternehmens A. Jandorf & Co. ging auch dieses Haus 1927 an den Warenhauskonzern Hermann Tietz OHG. Tietz ließ den Lichthof ändern und ein großes Foyer einrichten.[3] Als einziges Warenhaus von Jandorf überstand es den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet. Nach einem Leerstand zog dort Ende 1952[4] das Institut für Bekleidungskultur, später Haus der Mode der DDR ein, dabei wurden zusätzliche Aufzüge eingebaut.[5] Neben der Gestaltung und Produktion von Kleidung fanden auch Vorführungen und Ausstellungen statt.[6] Dort wurde unter anderem der internationale Modewettbewerb 1955 abgehalten mit Modefachleuten aus Polen, der ČSR, Rumänien, Ungarn und der DDR. Die UdSSR und Bulgarien nahm mit Beobachtern teil.

Ab 1990, nach der deutschen Wiedervereinigung, stand das Haus die meiste Zeit leer und wurde nur gelegentlich für Ausstellungen und Kunstprojekte genutzt.[7] 1993 kaufte der Frankfurter Hotelier Jacob Schultz das Haus von der Treuhandanstalt.[8] Er ließ Fassade und Dach sanieren und baute eine Tiefgarage mit 25 PKW-Plätzen. Pläne für einen Komplettumbau, um die Räume als Büros, Praxen, Konferenzsälen und Lofts vermieten zu können,[9] kamen nicht zum Tragen. Zurzeit erfolgt eine Zwischennutzung als temporäre „Eventlocation“,[10] wie etwa für die Berlin Fashion Week 2017.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jacob Schultz (Hrsg.): Büro- und Geschäftshaus am Weinberg – ehemals Warenhaus Jandorf, Selbstverlag, Berlin 1996, 63 S., ohne ISBN, dort erhältlich

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaufhaus Jandorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Ehemaliges Kaufhaus Jandorf.
  2. Anne Haeming: Rückkehr ins Bienenhaus. In: Der Tagesspiegel, 22. August 2006.
  3. Kaufhaus Jandorf. In: Luisenstädtischer Bildungsverein
  4. Annett Heide: Kaufhaus Jandorf Brunnenstraße: Vom DDR-Mode-Institut zum „Fashion Circus“. In: Berliner Zeitung, 23. März 2014.
  5. Peter Stürzebecher: Das Berliner Warenhaus. Bautypus, Element der Stadtorganisation, Raumsphäre der Warenwelt. Archibook, Berlin 1979, ISBN 978-3-88531-000-6, S. 185.
  6. Konsum und Konsum in der Brunnenstraße. In: brunnenstrasse.de
  7. Carmen Böker: Ein Tisch legt sich in Falten. In: Berliner Zeitung, 28. März 2001.
  8. Uwe Aulich: Ein Kaufhaus für Design, Theater und Architektur. Neues Konzept in altem Haus an der Brunnenstraße. In: Berliner Zeitung, 16. Juni 2003.
  9. www.brunnenstrasse19.de
  10. Nina Apin: Event für Zwischendurch. In: taz, Berlin, 20. Dezember 2013.
  11. Nikolaus Bernau: Mercedes Benz Fashion Week. Kaufhaus Jandorf öffnet seine Pforten für die Mode. In: Berliner Zeitung, 16. Januar 2017.

Koordinaten: 52° 31′ 58″ N, 13° 23′ 57″ O