Wartha (Eisenach)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Wartha (Werra))
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wartha
Stadt Eisenach
Koordinaten: 50° 59′ 45″ N, 10° 12′ 14″ O
Höhe: 198 m
Fläche: 2,21 km²
Einwohner: 83 (2008)
Bevölkerungsdichte: 38 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juni 1973
Eingemeindet nach: Wartha-Göringen
Postleitzahl: 99817
Vorwahl: 036928
Karte
Lage von Wartha in Eisenach
Die Fachwerkkirche des Ortes
Die Fachwerkkirche des Ortes

Wartha ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Eisenach in Thüringen. Er liegt direkt an der Werra.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturräumlich liegt Wartha im mittleren Werratal und am östlichen Rand des Ringgau auf dem linken (westlichen) Ufer der Werra. Der höchste Punkt der Gemarkung befindet sich im Südhang des Kielforst (ca. 300 m), die Ortslage selbst liegt zwischen 196 und 198 m Höhe über Meeresspiegel und war bis zum Bau der Hochwasserschutzdämme entlang der Werra stark hochwassergefährdet. Der Ort grenzt im Westen an die hessische Gemeinde Herleshausen (Werra-Meißner-Kreis), es folgen in Thüringen der Ort Pferdsdorf (Gemeinde Krauthausen, Wartburgkreis) im Norden, im Osten die Eisenacher Stadtteile Neuenhof und Hörschel sowie Göringen im Süden.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wartha wurde am 1. Mai 1279 erwähnt, als ein Burggraf der nahen Brandenburg den Ort an das Eisenacher Katharinenkloster verkaufte, dies ist bisher der älteste schriftliche Nachweis des Ortes.[2]

Der Ort Wartha entstand an einer Furtstelle der Werra zu deren Kontrolle und Schutz zeitweise auf dem benachbarten Hochufer ein Wachturm – eine Warte befindlich war. Zur Gemarkung zählt auch der Platz des ehemaligen Hofes Spirau. Das nahe dem heutigen Bahnhof Wartha (Werra) am Fuße des Kielforst gelegene Vorwerk des Warthaer Avemannschen Gutes lag bereits im 18. Jahrhundert wüst, die Flächen wurden um 1840 an Warthaer Einwohner verkauft.[3][4]

Der Ort gehörte im Spätmittelalter zum sächsisch-thüringischen Amt Eisenach, die Kirche war eine Filiale der Neuenhofer Pfarrei. Im Jahre 1870 zählte man 25 Wohnhäuser und 145 Einwohner. Zur damaligen Zeit war der Ort mit den ertragreichsten Böden des Eisenacher Gebietes gesegnet.[5]

1831 wurde die erste Warthaer Werrabrücke eingeweiht, die die bis dahin vorhandene Furt ablöste. Die Brücke wurde im Laufe ihres Bestehens mehrmals durch Hochwasser und Eisgang beschädigt und wieder instandgesetzt. 1868 wurde die Warthaer Flur separiert.[6]

Am 1. April 1945 wurde der Ort von den Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs heimgesucht. Im amerikanischen Artilleriebeschuss wurde der Gasthof in der Herleshäuser Straße zerstört, mehrere Häuser und die Kirche beschädigt. Zurückweichende deutsche Soldaten hatten die Werrabrücke gesprengt und die US-Truppen von den Höhen rechts der Werra unter Feuer genommen.[7]

Im Ergebnis einer Gebietsreform trat am 1. Juni 1973 der Zusammenschluss der Gemeinden Wartha und Göringen in Kraft. Zu diesem Zeitpunkt war der Ort im Kreis Eisenach wegen seiner unmittelbaren Grenzlage nur mit Passierschein erreichbar. Die Eingemeindung in die Stadt Eisenach erfolgte am 1. Juli 1994.

Die Gemeindechronik berichtet von zahlreichen Hochwasserfluten, die im Dorf stets hohe Schäden anrichteten. 2007/2008 wurde deshalb durch den Freistaat Thüringen ein Ringdeich um die Ortslage aufgebaut, der den Ort vor einem 100-jährlichen Hochwasserabfluss schützen soll.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil hat mit dem Nachbarort Göringen eine gemeinsame Ortsteilverfassung.[8] Bei der Wahl am 25. Mai 2014 wurde Dirk Schmietendorf zum Ortsteilbürgermeister beider Orte gewählt.[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1586 erbaute Dorfkirche gilt als älteste und zugleich kleinste Fachwerkkirche Thüringens. Die Ortslage ist geprägt von teils denkmalgeschützten Fachwerkhöfen.

Impressionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stau vor der Grenzübergangsstelle Wartha am 10. November 1989

Wartha ist durch den früheren Grenzübergang Wartha/Herleshausen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik bekannt geworden.

Der Ort ist durch die Kreisstraßen 17 und 505 mit den Nachbarorten verbunden. Am Ortsrand führt eine Brücke über die Werra. Die nächstgelegene Anschlussstelle der Bundesautobahn 4 befindet sich im zwei Kilometer entfernten Herleshausen. Ein Abschnitt der Bahnstrecke Halle–Bebra wartet mit Haltepunkten in Hörschel und Herleshausen auf. Nur noch als Betriebsbahnhof für den Güterverkehr ist dagegen der Bahnhof Wartha (Werra) eingerichtet. Hier begann ab 1907 die Bahnstrecke Schwebda–Wartha die über Creuzburg, Mihla, Treffurt und Wanfried bis nach Eschwege führte. Nach 1945 wurde die Strecke schrittweise stillgelegt und demontiert, zuletzt 1969 der Abschnitt Wartha – Mihla.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wartha (Eisenach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtliche topographische Karten Thüringen 1:10.000. Wartburgkreis, LK Gotha, Kreisfreie Stadt Eisenach. In: Thüringer Landesvermessungsamt (Hrsg.): CD-ROM Reihe Top10. CD 2. Erfurt 1999.
  2. Otto Dobenecker: Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae, Bd. IV, Jena 1869–1939 (Nr. 1655)
  3. Friedrich Adolph Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen-Weimar-Eisenach, Band 11, Seite 263n (Books)
  4. Voss, Georg (Hrsg.): Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Amtsgerichtsbezirk Eisenach. In: Lehfeldt, Paul/Voss, Georg (Hrsg.): Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Heft XL. Jena 1915 S. 590
  5. C. Kronfeld: Landeskunde des Großherzogthumes Sachsen-Weimar-Eisenach. Zweiter Teil. Weimar 1879. S. 55.
  6. Chronik von Neuenhof (Memento des Originals vom 2. Juni 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.der-rennsteig.de, aufgerufen am 25. Juni 2014
  7. Rainer Lämmerhirt, "Kampf um die Werralinie 1945", ISBN 3-937135-64-2. S. 64–65
  8. § 3 Abs. 1 der Hauptsatzung der Stadt Eisenach vom 04.03.1997 (PDF; 93 kB)
  9. Thüringer Landesamt für Statistik, aufgerufen am 26. Mai 2014