Waschbärmütze
Die Waschbärmütze ist eine Kopfbedeckung aus Waschbärfell, überwiegend von Männern getragen. Mit einem Waschbärschweif seitlich oder hinten bildet sie zudem eine Besonderheit unter den Pelzmützen.
Trappermütze, Modeerscheinung der 1950er Jahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ursprünge
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(William Henry Huddle, Gemälde 1889)
Die ursprüngliche Heimat des Waschbären ist Nordamerika. Heute ist er auch in anderen Teilen der Welt verbreitet. In seinem Ursprungsland wird die Ausführung der Waschbärmütze mit dem geringelt gezeichneten Schweif als „coonskin cap“ bezeichnet, eine ikonische Mütze, die in dieser Form mit der frühen amerikanischen Grenzregion in Verbindung gebracht wird. Ursprünglich von den amerikanischen Ureinwohnern Kentuckys, Tennessees und West Virginias getragen, wurde sie in der Art in den Jahrzehnten nach der Amerikanischen Revolution von den ersten Pionieren der Region übernommen. Sie war, wie auch Mützen aus anderen Fellarten, aus einem Fell gearbeitet und wurde bei traditionellen rituellen Zeremonien getragen.[1]
Zu den Personen, die mit dieser Kopfbedeckung in Verbindung gebracht werden, gehören im Allgemeinen Daniel Boone, Davy Crockett, Meriwether Lewis sowie der Pionier und Mountain Man Joseph L. Meek. Frühe Medien, wie das Lied The Hunters of Kentucky, trugen dazu bei, die Waschbärmütze in die Populärkultur einzuführen.[2] Der Politiker Estes Kefauver aus Tennessee wählte diese Waschbärmütze für seinen erfolgreichen Wahlkampf für den US-Senat im Jahr 1948 als sein persönliches Markenzeichen.[3] Edward Crump, Unternehmer und Politiker in Tennessee, hatte Anzeigen veröffentlicht, in denen er Kefauver beschuldigte, eine waschbärähnliche kommunistische Marionette zu sein. Als Reaktion darauf setzte Kefauver während einer Rede in Memphis eine Waschbärmütze auf und verkündete: „Ich bin vielleicht ein Waschbär („a pet coon“), aber ich bin nicht Boss Crumps Waschbär als Haustier.“ Er trug dann die Waschbärmütze während seiner gesamten politischen Karriere.[4]
20. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Durch den Zweiten Weltkrieg (1939–1945) hatte die Jagd auf den Waschbären so weit abgenommen, dass man ihn in Nordamerika teilweise als Landplage empfand. Durch eine deshalb verstärkte Nachstellung kamen wieder mehr Felle auf den Markt, für die jedoch kaum ein Bedarf war. Das änderte sich Mitte der 1950er Jahre schlagartig, als Walt Disney mit der Fernsehserie über den legendären amerikanischen Politiker und Frontiersman Davy Crockett auch dessen – zumindest im Film getragene – Waschbär-Trappermütze mit dem geringelten Schweif bis hin nach Europa populär machte (im Vorgänger-Stummfilm Davy Crockett von 1916 war es noch eine Fuchsmütze[5]).

Die große Popularität im 20. Jahrhundert, auch über Amerika hinaus, brachte die Serie mit Fess Parker in der Hauptrolle, die zuerst in drei Folgen von Dezember 1954 bis Februar 1955 ausgestrahlt wurde. In den Filmen, die Davy Crockett erneut zu einem der beliebtesten Männer des Landes machten, trug der Wildwestheld eine Waschbärmütze. Im Englischen begann der Titelsong der Serie: „From the coonskin cap on the top of ol’ Dan...“ – „Von der Waschbärmütze, oben auf dem alten Dan...“.[6][7] Die Show brachte mehrere Fortsetzungen der Fernsehshow Disneyland sowie andere ähnliche Shows und Filme hervor, in vielen davon mit Fess Parker in der Hauptrolle. Parker spielte später die Hauptrolle in einer Fernsehserie als Daniel Boone (1964–1970), wieder mit einer Waschbärmütze.
Crocketts neue Popularität löste in den gesamten Vereinigten Staaten einen Trend unter Jungen und in Großbritannien einen Davy-Crockett-Hype aus.[2] Elizabeth Ewings meinte in ihrer Geschichte des Pelzes sogar, dass die Davy-Crockett-Mütze dazu beitrug, in den 1950er Jahren erstmals weltweit eine neue Jugendmode zu begründen: „Die Nachfrage nach der Mütze kannte bei Jungen jeden Alters keine Grenzen. Plump, unvorteilhaft, zottelig und aus den unterschiedlichsten Pelzen gefertigt, erlebte sie einen nahezu weltweiten Boom.“[8] Die amerikanische Ed-Bauer-Pelz-Company inserierte im Jahr 1971 in ihrem Zubehörkatalog „für Trapper, Waschbärjäger und Outdoorsmen“ die Waschbärkappe, für Männer und Jungen mit Schweif, für Damen und Mädchen ohne Schweif, für je 17,50 Dollar.[9]
Eine Variante wurde jungen Mädchen als „Polly-Crockett-Mütze“ angeboten. Sie ähnelte im Stil der Jungenmütze, einschließlich des langen Schwanzes, war jedoch ganz aus weißem Pelz gefertigt (Kunst- oder vielleicht Kaninchenfell). Auf dem Höhepunkt des Trends wurden täglich etwa 5000 Mützen aus Waschbärfell verkauft.[10][1]
Ende der 1950er Jahre ließ Crocketts Popularität nach und der Trend erlosch langsam. In der Folge erinnern noch zahlreiche kulturelle Bezüge daran, beispielsweise die Waschbärmützen als Teil der Uniform der Pfadfindergruppe Fähnlein Fieselschweif in Disneys Donald-Duck-Comics. Der Romanautor Thomas Pynchon bezog sich in seinem 1963 veröffentlichten Roman V. sowohl auf die Mütze als auch auf die Mode, wo er sie als „buschiges freudianisches Hermaphroditensymbol“ bezeichnete. In Bob Dylans Song Subterranean Homesick Blues aus dem Jahr 1965 heißt es: „Der Mann mit der Waschbärfellmütze / Beim großen [Schreib-]Stift / Will elf Dollarscheine / Du hast nur zehn.“
In der allgemeinen Mode
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Unter den Pelzmützen aus langhaarigem Fell spielten Waschbärmützen, insbesondere als Damenmützen und -kappen, ansonsten eine eher geringe Rolle, Modelle aus Fuchsfellen in deren verschiedenen Arten mit weniger steifen Haaren galten im Allgemeinen als attraktiver. Durch den großen Fellanfall waren Waschbärmützen, trotz ihrer unter den Langhaarfellen herausragend guten Strapazierfähigkeit, jedoch deutlich preisgünstiger als beispielsweise solche aus Edelfuchsfellen. Varianten der Trappermütze tauchten seit den 1980er Jahren auf Skipisten, Konzertbühnen und anderen öffentlichen Plätzen immer wieder auf.[1]
Im Jahr 1762 wurde die Verwendung der damals noch „Schuppen“[11] genannten Felle zu Bremer Husarenmützen erwähnt.[12]
Johann Georg Krünitz nannte in seiner Aufzählung der im 18. Jahrhundert vom Kürschner verwendeten Pelzarten die Schuppen nur als Mützenverbrämung.[13]
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Herren-Waschbärjacke und Kappe
(„La Fortuna“, Karlsbad, 2016) -
Waschbär-Ohrenklappenmütze auf einer Modenschau in Moskau (2013)
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Als Damenmütze (2010)
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Halbfellige Waschbärkappe (2016)
Herstellung
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(Udo Meinelt & Söhne, 2017)
Handwerklich stellt die oft einfache Form der Waschbärmütze, wie sie auch das Modell mit Schweif aufweist, keine besonderen Anforderungen an die Fachleute. Ein größeres Fell reicht, je nach Modell, für eine oder sogar zwei Kappen. Die Anfertigung erfolgt in der Regel durch Modisten oder Kürschner. Gängige Modelle für Damen und Herren sind Ohrenklappenmützen in Art der Uschanka oder für Damen einfache, krempenlose Kappen in Rundform.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c Jonathan Faiers: Fur - A Sensitive History. Yale University Press, New Haven und London, 2020, S. 112–113 (englisch), ISBN 978-0-300-22720-8 (→ Buchdeckel und Inhaltsverzeichnis).
- ↑ a b Vickie Change: Coonskin Hats: Fur Real? ( des vom 8. Januar 2014 im Internet Archive) In: OC Weekly, 15. April 2010. Abgerufen im 28. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Reinhard A. Braun: Kreuzfahrer gegen die Unterwelt. In: Neues Oesterreich/Neues Österreich. Organ der demokratischen Einigung, 25. März 1951, S. 11 (online bei ANNO).
- ↑ Theodore Brown, jr., Carey Estes Kefauver, 1903-1963, Tennessee Encyclopedia of History and Culture. Abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Foto, Davy Crockett mit Fuchsmütze.
- ↑ Chagrin: Pelzmodische Rundschau. In: Hermelin Pelzmodelle. Nr. 9–10, Hermelin-Verlag, Berlin u. a. 1955, S. 34.
- ↑ Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen. F. C. Mayer Verlag, München 1970, S. 311–315.
- ↑ Elizabeth Ewing: Fur in Dress. B. T. Batsford Ltd, London 1981, S. 120 (englisch).
- ↑ Bauer’s 1971–72 Supply Catalog for Trappers – Coon Hunters – Outdoorsmen. Ed Bauer Fur Co, Smithboro, Illinois, Katalog-Rückseite.
- ↑ John Johnson: Coonskin Cap Clings to 'Crockett' In: The Los Angeles Times, 23. August 2002, S. A-1 (englisch).
- ↑ Die Pelzthiere im Handel. In: Jagd-Zeitung, 31. Mai 1861, S. 24 (online bei ANNO).
- ↑ Der Kirschner. 1762, Halle, „Werkstätten der heutigen Künste“, Berlin.
- ↑ Eva Nienholdt: Pelz in der Mode des 18. Jahrhunderts. Kapitel VI der Beitragsfolge Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe, 1956, Nr. 6, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Leipzig, S. 345.