Wasserdarm

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Ebenfalls als Wasserdarm bezeichnet wird die Art Spongomonas intestinum
Wasserdarm
Wasserdarm (Stellaria aquatica)

Wasserdarm (Stellaria aquatica)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae)
Unterfamilie: Alsinoideae
Gattung: Stellaria
Art: Wasserdarm
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Stellaria
L.
Wissenschaftlicher Name der Art
Stellaria aquatica
(L.) Scop.

Der Gemeine Wasserdarm (Stellaria aquatica), auch Wassermiere genannt, ist eine Art der Pflanzengattung Stellaria innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae). Sie ist in Eurasien weitverbreitet. Häufig verwendete Synonyme sind Myosoton aquaticum oder auch Malachium aquaticum[1].

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration
Verzweigung und gegenständige Blätter
Blütenstand mit Blütenknospen und offenen Blüten

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wasserdarm wächst als wintergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen zwischen 15 und 50, gelegentlich bis zu 100 Zentimetern. Er wächst mit liegenden oder klimmenden, zerbrechlichen, vierkantigen und oberwärts drüsenhaarigen Stängeln. Die sitzenden oder kurz gestielten unteren Laubblätter sind länglich bis herzeiförmig geformt und am Rand oft wellig, mit breitem Grund.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juni bis September. Die radiärsymmetrischen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf weißen Kronblätter sind fast bis zum Grunde zweiteilig und 1- bis 1,5-mal so lang wie die 5 bis 8 Millimeter langen Kelchblätter. Die Staubbeutel sind gelblich bis lilafarben. Die Blüten verfügen über fünf Griffel.

Die Kapselfrüchte enthalten bis zu 1 mm lange Samen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wasserdarm ist ein Rhizom-Geophyt, ausnahmsweise auch einjährig. Durch den mehrfach gabelartig (dichasial) verzweigten Stängel, dessen Abschnitte jeweils an der Basis durch Gelenke verdickt sind, wächst er auch als Spreizklimmer und kann dann eine Wuchshöhe von bis zu 1 Meter erreichen. Der Nährstoff- und Nässezeiger wurzelt bis zu 50 Zentimeter tief.

Die Blüten sind gynodiözisch, d. h. es gibt auch Pflanzen mit nur weiblichen Blüten. Sie unterscheiden sich durch die Kelchlänge der Kronblätter. Bei den vormännlichen Blüten sind auch die Kelchblätter drüsig, wodurch aber Blasenfüße nicht abgewehrt werden. Spontane Selbstbestäubung erfolgt dadurch, dass die Narben gegen Ende der Blütezeit die Staubbeutel berühren. Bestäuber sind Zweiflügler, Hautflügler und Käfer sowie Blasenfüße.

Die Pflanze wirkt als Selbstaussäer, indem die niederliegenden Stängel die Frucht zu Boden drücken. Fruchtreife tritt ab Juli ein.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wasserdarm ist in ganz Europa und in weiten Teilen Asiens verbreitet. Nach Nordamerika wurde er eingeschleppt.

Er wächst häufig in Uferunkrautfluren, in Staudenfluren der Auen, in Weidengebüschen, an Waldwegen und in Gräben. Er bevorzugt grund- oder sickernasse, zum Teil zeitweilig überflutete, sehr nährstoffreiche und humose Lehm-, Ton- oder Schlammböden. Er ist eine Convolvuletalia-Ordnungscharakterart, kommt aber auch in Gesellschaften der Bidentetalia oder Chenopodietea vor.[2]

In den Allgäuer Alpen steigt er in Vorarlberg zwischen Warth und Untergehren bis zu 1400 m Meereshöhe auf.[3]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte durch Carl von Linné unter dem Namen (Basionym) Cerastium aquaticum. Die Neukombination zu Myosoton aquaticum wurde durch Conrad Moench veröffentlicht. Allerdings löst die aktuelle Systematik die Gattung Myosoton auf, welche ohnehin nur Myosoton aquaticum als einzige Art enthielt und stellt den Wasserdarm in die Gattung Stellaria. Der anerkannte Artname ist somit Stellaria aquatica (L.) Scop.[4][5]. Als Synonyme werden somit gelistet[6]: Myosoton aquaticum (L.) Moench, Malachium aquaticum (L.) Fries[7].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 7., überarbeitete und ergänzte Aufl. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1994, ISBN 3-8252-1828-7.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Aufl. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. theplantlist.org, abgerufen am 12. November 2015.
  2. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage, Seite 371. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5
  3. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, Seite 490. IHW-Verlag, Eching bei München, 2001. ISBN 3-930167-50-6
  4. Schmeil, O. & Fitschen, J., 2011. ¬Die¬ Flora Deutschlands und der angrenzenden Länder : ein Buch zum Bestimmen aller wildwachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen S. Seybold, hrsg., Wiebelsheim: Quelle & Meyer. S. 590
  5. theplantlist.org, abgerufen am 12. November 2015.
  6. theplantlist.org, abgerufen am 12. November 2015.
  7. Myosoton im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 20. Dezember 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wasserdarm (Myosoton aquaticum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien