Wasserkraftwerk Ashta

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wasserkraftwerk Ashta
Kanalisierter Unterlauf des Drins – Spathara-Staubecken mit dem Kraftwerk Ashta I rechts, Ashta II in der Bildmitte
Kanalisierter Unterlauf des Drins – Spathara-Staubecken mit dem Kraftwerk Ashta I rechts, Ashta II in der Bildmitte
Lage
Wasserkraftwerk Ashta (Albanien)
Wasserkraftwerk Ashta
Koordinaten 42° 1′ 4″ N, 19° 32′ 44″ OKoordinaten: 42° 1′ 4″ N, 19° 32′ 44″ O
Land AlbanienAlbanien Albanien
Ort Shkodra, Ashta
Gewässer Drin
f1
Kraftwerk
Eigentümer 50 % Verbund
50 % EVN
Planungsbeginn 15. Januar 2008 (Ausschreibung)
Bauzeit März 2010–März 2013
Betriebsbeginn 15. Juni 2012
Technik
Engpassleistung >50 Megawatt
Regelarbeitsvermögen 240 Millionen kWh/Jahr
Turbinen Hydro-Matrix
Sonstiges
Website www.energji-ashta.al

Das Wasserkraftwerk Ashta ist ein Laufwasserkraftwerk am Fluss Drin im Norden Albaniens. Es bildet die letzte Kraftwerksstufe in einer Kette mit den drei bestehenden Kraftwerken Vau-Deja, Koman und Fierza. Es nutzt die Fallhöhe zwischen dem vom Drin-Fluss gespeisten Spathara-Staubecken, der sich gleich an die Staumauern von Vau-Deja anschließt, und der Mündungsstelle des Drin in die Buna.

Das Kraftwerk wurde vom österreichischen Elektrizitätsunternehmen Verbund in Partnerschaft mit EVN projektiert und am 18. September 2012 eröffnet.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die albanische Regierung begann am 15. Januar 2008 mit dem Ausschreibungsverfahren. Der Verbund hat sich in einem Bieterverfahren durchgesetzt und wurde im Juli 2008 von der albanischen Regierung als Bestbieter für das Projekt im Norden Albaniens ausgewählt. Anschließend wurde zusammen mit EVN die Projektgesellschaft Energji Ashta Sh.p.k. in Tirana gegründet, an der beide Unternehmen zu 50 % beteiligt sind.[2] Am 30. September 2008 wurde in Tirana im Beisein des albanischen Ministerpräsidenten Sali Berisha der Konzessionsvertrag für das Wasserkraftwerk Ashta am Drin-Fluss unterzeichnet.

Das Flusskraftwerk wurde südlich von Shkodra, der fünftgrößten albanischen Stadt, beim Dorf Ashta realisiert. Spatenstich war im Mai 2009 und am 15. Juni 2012 wurde in Anwesenheit von Sali Berisha die ersten Turbinen von Ashta 1 mit dem Netz verbunden. Es ist das größte Kraftwerk in Albanien, das seit den 1990er Jahren eröffnet wurde.[3][4][5] Im März 2013 waren die Arbeiten abgeschlossen und die Stromproduktion wurde in der Folge in Betrieb genommen.[6]

Projektdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kraftwerk Ashta erzeugt Elektrizität für 100.000 Haushalte. Es ist umweltverträglich geplant und produziert keine Emissionen. Für das Laufkraftwerk Ashta wird die so genannte Hydro-Matrix eingesetzt: Statt einer großen Turbine werden dabei 90 kleine verwendet. Dadurch wird es möglich, auch geringe Fallhöhen zu nutzen und so die Effizienz zu steigern. Die Anlage ist gewissermaßen zweigeteilt: Ashta I wird in Vau-Deja, wo drei Jahrzehnte zuvor das Spathara-Staubecken mit Überlaufwehr und kleinen Bewässerungsanlagen für die Landwirtschaft errichtet wurde, ein erstes Mal Strom erzeugen. Nach einem sieben Kilometer langen, tief liegenden Ausleitungskanal nahe der Ortschaft Ashta wird in Ashta II ein zweites Mal – wiederum mit Matrix-Turbinen – Strom gewonnen.

Die Gesamtleistung beider Anlagen Ashta I und Ashta II beträgt 53 Megawatt, pro Jahr werden mehr als 240 Millionen Kilowattstunden erzeugt.[6] Die beiden österreichischen Energiekonzerne investieren zusammen rund 200 Millionen Euro.[7]

Am Ende der 35-jährigen Konzessionsperiode geht das Kraftwerk kostenfrei an die Republik Albanien über.

Projektpartner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andritz Hydro ist für die elektrische und mechanische Ausstattung und den Aufbau der Generatoren der Turbinen vor Ort zuständig.
  • Allgemeine Baugesellschaft – A. Porr AG errichtet die Bauten in Ashta I und II.
  • Siemens ist für die elektrische Weiterleitung der Transformatoren zuständig.
  • Pöyry erstellte die Ausführungspläne und übernahm die örtliche Bauleitung.
  • BAUMANN Ingenieur-Consulting GmbH betreute die Arbeitssicherheit

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umweltschützer kritisierten das Projekt im Vorfeld: Einerseits werde das Flussbett neben dem Ausleitungskanal nur noch bei Hochwasser Wasser führen. Der stark mäandernde Flusslauf werde andererseits auch unterhalb des Kraftwerks viel von seiner Dynamik verlieren. Es wurde befürchtet, dass sich dies negativ auf die Weichholzauen in diesem Abschnitt auswirkt.[8] Laut Auskunft der ausführenden Ingenieure ist hingegen im alten Flussbett neben dem Ausleitungskanal ein Restwasser von 30 m³/s vorgesehen,[9] was etwa einem Zehntel der durchschnittlichen Wassermenge entsprechen dürfte. Beim Bau musste das Flussbett jedoch trockengelegt werden.[10] Zum ersten Mal wurde in Albanien bei einem Wasserkraftwerk eine Fischtreppe installiert.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verbund and EVN Open Ashta Hydropower Plant in Albania. In: Energji Ashta. 18. September 2012, abgerufen am 19. Januar 2016 (englisch).
  2. Grünes Licht für Kraftwerk von Verbund und EVN. In: Der Standard. 19. August 2010, abgerufen am 21. August 2010.
  3. Spatenstich für Verbund-Wasserkraftwerk Ashta in Albanien. In: Verbund. 25. Mai 2009, abgerufen am 24. März 2018.
  4. Die Turbinen von Ashta werden hochgefahren. In: Top Channel. 15. Juni 2012, abgerufen am 15. Juni 2012 (albanisch).
  5. Hydromatrix®-Turbines of HPP Ashta 1 operative for the first time. In: Energji Ashta. 15. Juni 2012, abgerufen am 19. Januar 2016 (englisch).
  6. a b c HPP Ashta fully commissioned. In: Energji Ashta. 27. März 2012, abgerufen am 19. Januar 2016 (englisch).
  7. Verbund und EVN bauen Kraftwerk in Albanien. In: Kurier. 21. April 2010, archiviert vom Original am 8. Mai 2010; abgerufen am 21. April 2010.
  8. Studie von Euronatur: Rapid Assessment of proposed Hydropower Plants on Drin River near Ashta (south of Shkodra). Abgerufen im 17. Februar 2010 (PDF; 3,7 MB).
  9. WKW Ashta, Albanien. In: Convex. Abgerufen am 24. Mai 2018 (englisch).
  10. Spezialauftrag in Albanien. In: APA-OTS Originaltext-Service. 23. August 2010, abgerufen am 23. August 2010.