Wasserleitung

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Bei einer Wasserleitung handelt es sich um ein technisches System zum Transport von Wasser an Orte, an denen es auf natürlichem Wege nicht zur Verfügung steht.

Fließendes Wasser aus einem Wasserhahn mit schwenkbarem Perlator

Grundlagen[Bearbeiten]

Wasserleitungen für die Wasserversorgung sind wichtiger Bestandteil einer Zivilisation, da durch die Versorgung mit Frischwasser die Gefahr von Krankheiten durch mangelnde Hygiene gemindert wird. Außerdem spielt in vielen Regionen die Bewässerung in der Landwirtschaft eine zentrale Rolle. Wichtig hierfür ist neben der Zuleitung von Wasser auch ein funktionierendes Abwassersystem, in Feuchtgebieten auch eine Entwässerung.

Eine offene Wasserleitung ist ein Kanal. In flachen Gelände lassen sich Wasserleitungen als Wassergraben ausführen, in bergigerem Gelände sind weitreichendere Baumaßnahmen nötig, wie Wassertunnel und Aquädukte (Wasserbrücken), man spricht dann ausdrücklich von Wasserleitung. In der modernen Wasserversorgung spielen offene Systeme nur noch eine untergeordnete Rolle, vorwiegend werden Druckstollen und Druckleitungen verwendet.

Historische Wasserleitungsysteme[Bearbeiten]

Wassersammler bei Dawit Garedscha

Die ältesten Überlieferungen über Bauwerke zur Wasserleitung stammen aus der Zeit des ägyptischen Pharaos Ramses dem II, also ca. 1300 v. Chr. Auch die Römer waren für ihre umfangreichen Aquädukte bekannt. In Pergamon existierte bereits eine Druckwasserleitung. Auch das Bewässerungssystem von Turfan in China ist von hohem Alter. Im Mittelalter wurden hölzerne Leitungen, die Pipen oder Röhrfahrten, verwendet. Eine Leitung aus mehrere Meter langen schlanken, axial aufgebohrten Holzstangen, die die Hütte am Grünen See, Steiermark versorgte wurde erst um 1990 durch eine Kunststoffleitung ersetzt.

Daneben findet man in trockeneren Bergregionen noch heute aufwändige, uralte bäuerliche Kanalsysteme:

Zu den letzten mit Aquädukten erbauten großen Wasserleitungen zählen die Wiener Hochquellenwasserleitungen von zuletzt 1910.

Moderner Wasserleitungsbau in Gebäuden[Bearbeiten]

Denkmal der Wasserleitung in Mytischtschi (Russland)
Oberirdische Wasserleitung in Auckland, Neuseeland
Schnitt durch eine alte Wasserleitung aus Asbest, die von Innen mit Gipskristallen zugewachsen ist.

In Neubauten werden heute Trinkwasserleitungen in Rohrleitungen mit kleinen Nennweiten aus unterschiedlichen Werkstoffen verlegt, die einem Druck von typischerweise bis 6 Bar standhalten und praktisch wartungsfrei sind. Als Werkstoffe kommen Kupfer, nichtrostender Stahl, Kunststoff oder Kunststoff-Verbundsysteme zum Einsatz. Die Anforderungen an die Werkstoffe sind in zahlreichen technischen Regeln von DIN und DVGW festgeschrieben. Mit dem DVGW-Zertifizierungszeichen gekennzeichnete Produkte können bedenkenlos in der Trinkwasserinstallation verwendet werden.

Wasserleitungen in Gebäuden bestehen heute im Wesentlichen aus

Frühere Leitungen aus Metallen wie verzinktes Stahlrohr korrodieren in Verbindung mit Wasser und Sauerstoff übermäßig und sind deshalb nicht für eine Trinkwasserinstallation geeignet. Rohrleitungen aus Blei, die seit langem nicht mehr den Anforderungen entsprechen, aber teilweise im Altbestand noch vorhanden sind, dürfen nicht mehr verwendet werden, da die Abgabe von Blei an das Wasser zu ernsthaften Gesundheitsschäden führt. Während bis zur Novellierung der deutschen Trinkwasserverordnung im Jahr 2001 das frei strömende und nicht stagnierende Wasser die Grenzwerte für Blei noch einhalten konnte, ist dies mit Inkrafttreten der neuen Grenzwerte nicht mehr der Fall. Diese Rohrleitungen müssen daher unbedingt ersetzt werden. Bestimmte Werkstoffe zur Herstellung von Wasserhähnen enthalten geringe Mengen an Blei, damit diese Messinglegierungen leichter bearbeitet werden können. Wenn Wasser über Nacht oder länger in den Armaturen steht, nimmt es daher geringe Mengen an Blei auf, die – je nach Dauer und Modell – teilweise den Grenzwert überschreiten können. Stagnation in anderen Werkstoffen kann das Trinkwasser negativ verändern, dies ist aber in der Regel nur bei Verwendung von nicht DIN-DVGW-zertifizierten Materialien der Fall. Wasser sollte nach mehrstündigen Stillstandsphasen in der Leitung erst einige Sekunden lang abfließen, ehe es zu Trink- oder Kochzwecken genutzt wird. Als Nutzwasser, also zum Waschen oder Blumengießen, kann es ohne weiteres sofort verwendet werden.

In der Schweiz ist die Verwendung von Blei für Trinkwasserleitungen seit 1914 verboten.[1] In Deutschland seit 1973, in Österreich ist dies seit 1983 der Fall.

Andere Anwendungsfälle[Bearbeiten]

Neben Trinkwasser werden Wasserleitungen auch zum Transport von Betriebswasser verwendet. Beispielsweise wird bei der Zentralheizung im Haus die Wärmeenergie mittels Warmwasser transportiert. Teilweise gab es in vergangenen Zeiten auch in Kommunen getrennte Wasserleitungen für Trink- und Brauchwasser. Das kann mittel lokaler Grundwasserbrunnen in Gewerbe- und Industriebetrieben durchaus Kosten sparen. Denselben Effekt hat die Gewinnung von naturgemäß weichem Regenwasser von einem Hausdach, mit dem über Speicherung in einer Zisterne etwa Toilettenspülung, Wäschewaschen, Gartenbewässerung über eine eigene Leitung gespeist werden kann.

Autowaschanlagen führen durch Osmose gereinigtes, enthärtetes Wasser im Kreislauf.

Wasserleitungen dienen zunehmend auch dem Transport von Kälte. Einerseits als Kühlwasser, das für Boots-Verbrennungsmotor oder Wärmekraftwerk aus einem Gewässer entnommen wird. Oder durch eine Kältemaschine gekühlt, die im Haus oder im Fall von Fernkälte im Stadtviertel liegen kann, und der Raumklimatisierung dient. Moderne Kälteerzeugung kann mit industrieller Abwärme, Fernwärme oder Sonnenwärme über eine Absorptionskältemaschine auf Basis Lithiumbromid/Wasser erfolgen.

Extra feine Wasserleitungen versprühen Wasser aus feinen Düsen über ausgestelltem Obst und Gemüse in manchen Geschäften, um durch ausreichend hohe Feuchtigkeit die Naturprodukte nicht antrocknen zu lassen, wenn die Kaufhausluft durch Klimatisierung zu trocken ist. Ähnliche Systeme kühlen die Luft sommers in manchen Gastgärten.

Wasserleitungen zur Bewässerung von Pflanzen reichen vom Innendurchmesser 2 mm (Kunststoff) bei Tropfbewässerung in die Erde und ab 49 mm bei kuppelbaren Blechrohren (HK-Bauer-Hebelkupplung bis 194 mm[2]) oder System WR (Wade-Rain bis 150 mm[3]) für Beregnungssysteme für grössere landwirtschaftliche Flächen aber auch Industrie und Bergbau.

Wasserleitungen für Spül- und Kühlwasser, eventuell mit Zusatzstoffen, gibt es auch beim Nassschleifen, Bohren und Sägen. Anwendungsgebiete sind Zahnbehandlung, Messerschleifen, Sägen, Bohren und Fräsen von Metall und Beton, sowie auf Strassenwalzen, wo Wasser auch als Trennmittel gegenüber dem Fahrbahnasphalt dient.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wiktionary: Wasserleitung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Wasserleitungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.trinkwasser.ch/dt/frameset.htm?html/wasserversorgung/wvs_wasserverteilung_04.htm~mainFrame.
  2. http://www.bauer-at.com/upload/file/Prospekt_Kupplung_d.pdf HK Hebelschlußkupplung: Das Original, Bauer, Voitsberg, abgerufen 16. Juli 2015
  3. http://www.bauer-regen.de/produkte/rohrberegnung/wr-alu.html System WR (Wade-Rain), Bauer GmbH, Oberhausen-Rheinhausen, abgerufen 17. Juli 2015