Wasserstoffspeicherung

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Die Wasserstoffspeicherung ist die reversible Aufbewahrung von Wasserstoff, mit dem Ziel, dessen chemische und physikalischen Eigenschaften für eine weitere Verwendung zu erhalten. Die Speicherung umfasst den Vorgang der Einspeicherung oder Speicherbeladung, der zeitlichen befristeten Lagerung und der Ausspeicherung oder Speicherentladung. Konventionelle Methoden der Speicherung von Wasserstoff sind:

Alternative Formen der Speicherung von Wasserstoff nutzen die physikalische oder chemische Bindung an einen anderen Stoff:

  • Absorption
    • Metallhydridspeicher (Speicherung als chemische Verbindung zwischen Wasserstoff und einem Metall bzw. einer Legierung)
    • Graphitnanofaserspeicher (GNF) können theoretisch 75 % des eigenen Gewichtes in Wasserstoff speichern. Praktisch sind Speichermengen von 10 % bis 15 % des Gewichts bereits erreicht worden.[1][2]
  • Adsorptionsspeicherung (adsorptive Speicherung von Wasserstoff in hochporösen Materialien)
  • chemische Bindung, bei dem der Wasserstoff durch eine chemische Reaktion in einen anderen Stoff überführt wird, der z.B. drucklos und bei Raumtemperatur gelagert und transportiert werden kann („Chemisch gebundener Wasserstoff“). Bei der Ausspeicherung erfolgt dann die Umkehrreaktion. Beispiele sind Hydrierung organischer Substanzen oder Bildung von Alkoholen mit CO.

Problemstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen seiner chemischen und physikalischen Eigenschaften unterscheidet sich der Umgang mit Wasserstoff von den bisher genutzten Energieträgern.

  • Wasserstoff bildet beim Austreten ein entzündliches Gemisch bei einem Anteil von 4 bis 75 %. Ein explosives Gemisch (Knallgas) bildet Wasserstoff erst bei einem Anteil von 18 %. Weil Wasserstoff das leichteste von allen Elementen ist, verflüchtigt es sich in offener Umgebung, bevor es ein explosives Gemisch bilden kann, oder es brennt in heißen Umgebungen bereits bei der Konzentration von 4 % ab.
  • Wasserstoff hat im Vergleich zu vielen Kohlenwasserstoffen eine niedrige Verbrennungsenthalphie und damit eine niedrige volumenbezogene Energiedichte (ca. 1/3 von Erdgas). Das erfordert zum Speichern äquivalenter Energiemengen einen dreimal so großen Tank oder einen dreimal so hohen Druck wie für Erdgas. Auf Grund der geringen Molare Masse ergibt sich jedoch eine vergleichsweise hohe massenbezogene Energiedichte (z.B. mehr als die doppelte massenbezogene Energiedichte von Erdgas).
  • Durch die geringe Molekülgröße diffundiert Wasserstoff relativ gut durch eine Vielzahl von Materialien, sodass eine hohe Qualität der Tankhülle gewährleistet sein muss. Durch hohe Temperaturen und hohen Innendruck wird der Diffusionsrozess verstärkt. Durch Wasserstoffversprödung werden metallische Tankhüllen zusätzlich belastet. Bei Hüllen aus Kunststoff tritt dieser Effekt nicht auf.
  • Bei der kyrogenen Wasserstoffverflüssigung kommt es durch unvermeidbare thermische Isolationsverluste zum Verdampfen/Ausgasen. Kann dieses entstehende Wasserstoffgas nicht genutzt werden, entstehen erhebliche Verluste. Beispielsweise leert sich der halbvolle Flüssigwasserstofftank des BMW Hydrogen7 bei Nichtbenutzung in 9 Tagen.[3]
  • Nicht nur zur Herstellung von Wasserstoff, sondern auch zur Speicherung werden große Energiemengen benötigt (Kompression ca. 12 %, Verflüssigung ca. 20 %). Daher ist die Wasserstoffspeicherung trotz vieler Vorteile derzeit (2012) oftmals unwirtschaftlich.

Arten der Wasserstoffspeicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Druckwasserstoffspeicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nettospeicherdichte in Abhängigkeit von Druck und Temperatur

Die Probleme der Speicherung in Druckbehältern gelten heute als gelöst. Durch den Einsatz von neuen Materialien ist der effektive Schwund durch Diffusion stark verringert. Waren für den Kfz-Bereich um das Jahr 2000 noch Drucktanks mit 200 bis 350 bar üblich, so sind es 2011 schon 700- und 800-bar-Tanks mit höherer Kapazität. Das komplette Wasserstoff-Tanksystem für einen Pkw wiegt nur noch 125 kg.[4] Der Energieaufwand für die Komprimierung auf 700 bar beträgt ca. 12 % des Energieinhaltes des Wasserstoffs. Die heute im kommerziellen Einsatz befindlichen Drucktanks entsprechen allen Sicherheitsanforderungen der Fahrzeughersteller[5] und sind vom TÜV abgenommen.[6] Drucktanks bis zu 1200 bar sind technisch möglich.

Ein Sonderfall der Druckwasserstoffspeicherung mit sehr hoher Speicherkapazität ist die Speicherung in unterirdischen Gasspeichern (z.B. Salzkavernen-Speicher) ähnlich den Speichern im Erdgasnetz. Ebenso können speziell erstellte Rohrleitungen als Speicher dienen. → Siehe : Wasserstoff in Rohrleitungen

Flüssigwasserstoffspeicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linde-Tank für Flüssigwasserstoff, Museum Autovision, Altlußheim

Für große Mengen werden Flüssiggasspeicher eingesetzt. Dazu wird der Wasserstoff verflüssigt (LH2) und unter Umgebungsdruck bei tiefen Temperaturen (Siedepunkt −252,8 °C, 20,4 K) gelagert. Der Energieaufwand für die Verflüssigung beträgt je nach Menge und angewandter Methode 28 % bis 46 % des Energieinhaltes des Wasserstoffs.[7] Der Druck stellt dann für die Gestaltung des Tanks kein Problem mehr dar. Ein großer Aufwand muss aber bei der Wärmedämmung des Tanks und der Leitungen betrieben werden. Vorteilhaft ist die geringere Reaktivität bei tiefen Temperaturen und die um den Faktor 800 höhere Dichte des flüssigen Wasserstoffs im Vergleich zu gasförmigem Wasserstoff bei Umgebungsdruck. Trotzdem benötigt flüssiger Wasserstoff je Gewichtseinheit viel Platz. Er hat mit 71 kg/m³ eine nur minimal höhere Dichte als kleinporig geschäumtes Polystyrol (in einen 20-Liter-Eimer passen nur 1,42 kg Flüssigwasserstoff, das entspricht etwa einem Viertel dessen von Benzin). Nachteilig ist, dass durch die sehr niedrige Temperatur im Inneren des Tanks auch bei guter Wärmedämmung ein Wärmestrom aus der Umgebung nicht zu vermeiden ist. Dieser führt zu einer teilweisen Verdampfung des Wasserstoffs. Um einen Druckaufbau zu vermeiden, muss dieser Wasserstoff, bei unstetiger oder Nicht-Abnahme des entstehenden Wasserstoffgases, abgelassen werden (sogenannte Boil-Off-Verluste). Durch weitere Maßnahmen (boil off management) lassen sich die Verluste durch Verdunstung minimieren, bei stationären Anwendungen z. B. durch Kopplung mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW).

Für den Einsatz in Automobilen wurden Tankroboter entwickelt, die die Kopplung und das Betanken übernehmen. Der Energieaufwand zur Verflüssigung fällt nur einmalig an, späteres Umfüllen benötigt relativ wenig Energie, erzeugt aber zusätzliche Ausgasungsverluste. Auch der Transport von der Fabrik mit Tanklastzügen zu Tankstellen/Lagertanks kostet durch das große Volumen und die geringe Energiedichte bis 6 % der eingesetzten Energie - ein Vielfaches gegenüber der Verteilung von flüssigen Kraftstoffen (0,2 %).[7]

Transkritische Speicherung (cryo compressed)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei beengten Platzverhältnissen ermöglicht die Kombination der oben genannten Varianten wesentlich höhere Speicherdichten von bis zu 100 kg/m³. Dabei erfolgt die Speicherung wie bei der Druckgasspeicherung oberhalb der kritischen Temperatur und des kritischen Druckes bei bis zu 1000 bar. Damit entspricht der Speicherdruck der Druckgasspeicherung, die Speichertemperatur liegt jedoch mit −220 °C (53 K) über der von Flüssigwasserstoff. Dem Vorteil der hohen Speicherdichte, steht der notwendige Aufwand für den Drucktank und die thermische Dämmung gegenüber.

Metallhydridspeicher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine andere Möglichkeit zur Druckverringerung des molekularen Wasserstoffes ist die Lösung in anderen Speichermitteln. Wegen seiner weitgehend elektrisch und magnetisch neutralen Eigenschaften verwendet man kein flüssiges Lösungsmittel, sondern feste Speicherstoffe wie Metallhydride. Der Wasserstoff wird in den Lücken des Metallgitters eingelagert. Dieser Vorgang ist temperaturabhängig, die Speicherfähigkeit sinkt bei hohen Temperaturen, so dass der Wasserstoff bei Erwärmung des Speichers wieder abgegeben/ausgespeichert wird. Ein Kubikmeter Metallhydrid enthält mehr Wasserstoffatome als ein Kubikmeter verflüssigter Wasserstoff. In einem Metallhydridspeicher kann fünfmal mehr elektrische Energie gespeichert werden als in einem Bleiakkumulator gleichen Gewichts. Sie erwiesen sich aber als so teuer und schwer, dass sie nur in U-Booten verwendet werden, wo beide Faktoren keine Rolle spielen.[8] Kritisch für die Auswahl der Materialien sind Absorptions- und Desorptionstemperatur und -druck, bei welchen Wasserstoff gespeichert und wieder abgegeben wird, und das hohe Gewicht des Tanks.

Forscher der Université Catholique de Louvain in Belgien und der Universität Aarhus in Dänemark stellten 2011 eine neue hochporöse Form von Magnesiumborhydrid vor, die Wasserstoff chemisch gebunden und physikalisch adsorbiert speichern kann. Magnesiumborhydrid (Mg(BH4)2) gibt Wasserstoff bereits bei relativ niedrigen Temperaturen ab und speichert einen hohen Gewichtsanteil Wasserstoff (ca. 15 %).[9]

Adsorptive Speicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Anlagerung an die Oberfläche eines hochporösen Materials lässt sich prinzipiell die volumenbezogene Speicherdichte gegenüber Druckwasserstoff bei gleicher Temperatur und gleichem Druck erhöhen. Mögliche Materialien für die adsorptive Wasserstoffspeicherung sind beispielsweise Zeolithe, Metal Organic Frameworks, Carbon Nanotubes oder Aktivkohle. Da bei Raumtemperatur nur sehr wenig Wasserstoff adsorbiert, ist es aus thermodynamischen Gründen erforderlich, Adsorptionsspeicher bei niedrigeren Temperaturen zu betreiben. In einem Großteil der aktuellen Arbeiten zu diesem Thema wird die Aufnahmefähigkeit bei −196 °C (der Temperatur von Flüssigstickstoff) untersucht.[10] Die Abkühlung auf −196 °C zieht einen erheblichen Energiebedarf nach sich. Infolge der sehr niedrigen Temperaturen kommt es darüber hinaus wie bei Flüssigwasserstoff zu einem permanenten Wärmestrom ins Innere des Behälters, was zu Verlusten während der Lagerung führt. Infolgedessen weist Wasserstoffspeicherung durch Adsorption bei niedrigen Temperaturen nur eine sehr geringe Energieeffizienz auf.[11] Um die Verluste zu reduzieren wird gegenwärtig auch nach Materialien gesucht, die bei höheren Temperaturen (z.B. −78 °C; der Temperatur von Trockeneis) eingesetzt werden können. Die Energiedichten sind in diesen Fällen jedoch deutlich geringer und auch wenn höhere Wirkungsgrade erzielt werden können, sind die Verluste immer noch erheblich.[12]

„Enhanced Amonia Borane“ ist eine Neuentwicklung der NASA, wobei das Trägermaterial aus winzigen Polymerkügelchen besteht, die sich wie eine Flüssigkeit verhalten. Der Wasserstoff wird durch Erwärmen frei, die entladenen Polymerkügelchen werden zum Wiederbeladen zurückgeliefert.

Metal Organic Framework
Metall-organische Gerüste (engl. metal-organic frameworks, MOF) sind poröse Materialien mit wohlgeordneter kristalliner Struktur. Sie bestehen aus Komplexen mit Übergangsmetallen (meist Cu-, Zn-, Ni- oder Co) als „Knoten“ und organischen Molekülen (Liganden) als Verbindung („Linker“) zwischen den Knoten. Durch Verwendung geeigneter Knoten und Linker sowie durch Imprägnierung mit anderen Gastspezies können die MOF für die Wasserstoffspeicherung optimiert werden. Die MOF bilden ein aktives Forschungsfeld und werden als eine der vielversprechendsten Technologien zur Wasserstoffspeicherung angesehen.

Zeolithe
Zeolithe sind eine weitere Klasse von potentiellen Trägerstoffen, die für die adsorptive Wasserstoffspeicherung vorgeschlagen wurden.[13] Dabei handelt es sich um Alumosilikate mit definierten Porenstrukturen, die eine große innere Oberfläche aufweisen an der Stoffe wie Wasserstoff adsorbieren könnten.

Kohlenstoffträger
Verschiedene Hochoberflächenformen von Kohlenstoff wurden ebenfalls als Träger untersucht. Die mit Aktivkohle erzielbaren Speicherdichten sind jedoch sehr gering, so dass verstärkt an Kohlenstoffnanoröhren gearbeitet wurde.[14] Auch auf Kohlenstoffnanoröhren ist die Aufnahmekapazität aber wohl noch so gering, dass die Energiedichte für eine technisch sinnvolle Umsetzung nicht ausreicht.[15]

Andere, adsorptive Trägermaterialien
Weitere Trägermaterialien wie TiO2-Nanoröhren[16] oder SiC-Nanoröhren[17] werden in der Fachliteratur auf ihre Eignung als Wasserstoffträger untersucht. Die Aufnahmefähigkeit ist dabei wohl etwas höher als bei kohlenstoffbasierten Trägern. Es werden Werte von etwa 2 Gew.-% Wasserstoff bei 60 bar angegeben.

Chemisch gebundener Wasserstoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Chemische Wasserstoffspeicher

Neben den Möglichkeiten der Speicherung von molekularem Wasserstoff gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten des Transports und der Lagerung in chemisch gebundener Form. Diese Möglichkeiten zählen nicht zur Wasserstoffspeicherung im engeren Sinne, die sich auf den technischen Prozess der Lagerung von molekularem Wasserstoff bezieht. Im Rahmen einer Wasserstoffwirtschaft wird diese Möglichkeit jedoch dazu gezählt, da hier Speicherung und Entnahme von Wasserstoff der Gegenstand des produktiven Prozesses ist.

Da es sich bei den Wasserstoffträgern meist um organische Substanzen handelt, werden sie auch „Liquid Organic Hydrogen Carriers“ (LOHC, flüssige organische Wasserstoffträger) genannt.[18]

Methanol[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geeignet als Wasserstoffträger sind insbesondere Alkohole, z. B. Methanol. Methanol kann durch Reaktion von Wasserstoff mit CO bzw. CO2 hergestellt werden. Mittels Reformierung kann man daraus wieder ein wasserstoffreiches Gasgemisch erzeugen. Dieses enthält allerdings erhebliche Anteile von Kohlenstoffmonoxid bzw. -dioxid. Insbesondere Kohlenstoffmonoxid kann bei der Verwendung in der Brennstoffzelle allerdings Probleme verursachen.

Liquid Organic Hydrogen Carrier (LOHC)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe Hauptartikel: Flüssige organische Wasserstoffträger
In Flüssigen Organischen Wasserstoffträgern (LOHC) wird Wasserstoff durch chemische Reaktion mit einer ungesättigten Verbindung (Hydrierung) chemisch an diese gebunden. Zur Freisetzung wird die der bei der Einspeicherung entstandenen gesättigten Verbindung wieder dehydriert, wobei die ungesättigte Verbindung zurückgebildet wird und gasförmiger Wasserstoff entsteht. Eine große Zahl von Stoffen kommt hierfür prinzipiell in Frage. Lediglich aromatische Verbindungen eignen sich jedoch für die technische Anwendung.

Toluol

Das älteste erforschte LOHC-System basiert auf der Hydrierung von Toluol zu Methylcyclohexan (bzw. der entsprechenden Rückreaktion). Dieses System wurde in einer Demonstrationsanlage gezeigt.[19] Aufgrund teilweise ungünstiger Eigenschaften werden jedoch seit einigen Jahren verstärkt andere Stoffe untersucht.

N-Ethylcarbazol

Hydrierung und Dehydrierung von N-Ethylcarbazol

N-Ethylcarbazol gilt als vielversprechendster Kandidat unter den hydrierbaren organischen Substanzen. Für die Rückgewinnung des Wasserstoffs zum Betrieb eines Wasserstoffverbrennungsmotors oder einer Brennstoffzelle ist die relativ niedrige zur Freisetzung benötigte Temperatur von Vorteil. Das „entladene“ Carbazol kann an einer Tankstelle wieder gegen mit Wasserstoff „aufgeladenes“ Perhydro-N-Ethylcarbazol (auch Perhydro-Carbazol) ausgetauscht werden; die derzeitige Tankstellen-Infrastruktur könnte mit geringen Änderungen erhalten bleiben. Das Verfahren ist aber zur Zeit (2011) noch im Entwicklungsstadium.[20]

Dibenzyltoluol

Nachdem die Forschung die reversible Hydrierung von Dibenzyltoluol als besonders vielversprechend für die Wasserstoffspeicherung nachgewiesen hatte, wurde am 29. Januar 2016 die weltweit erste kommerzielle LOHC-Anlage zur Speicherung von Wasserstoff in Dibenzyltoluol eingeweiht. Sie wurde von der Hydrogenious Technologies GmbH entwickelt und erstellt. Mit Hilfe von Solarstrom aus einer 98 kWp-Photovoltaikanlage wird mittels PEM-Elektrolyse Wasserstoff erzeugt. Dieser wird in Dibenzyltoluol gespeichert. Das beladene Dibenzyltoluol kann dann unter Umgebungsbedingungen in konventionellen Tanks gelagert oder über weite Strecken transportiert werden. Bei Bedarf wird der gespeicherte Wasserstoff wieder freigesetzt. Durch Anbindung einer Brennstoffzelle oder eines Blockheizkraftwerks kann der freigesetzte Wasserstoff in Elektrizität oder nutzbare Wärme gewandelt werden.[21]

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Verfahren zur technischen Speicherung von Wasserstoff in elementarer Form sind Druckbehälter erforderlich, wofür oft eine metallische Außenhülle verwendet wird. Das gilt auch für Flüssiggasspeicher und Metallhydridspeicher, die einen temperaturabhängigen Innendruck aufweisen. Für die Hochdruckspeicherung bei 700 bar finden auch kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe Verwendung, um das Gewicht des Tanks niedrig zu halten.

Für große Mengen in stationären Systemen sind derzeit Flüssiggasspeicher in Verwendung. Für kleine Mengen werden Druckspeicher bis 700 bar eingesetzt. Metallhydridspeicher werden dort verwendet wo das Speichergewicht keine große Rolle spielt, etwa auf Schiffen. Für Fahrzeuge und Flugzeuge werden wegen des geringen Gewichtes heute ausschließlich Drucktanks verwendet:

Toyota setzt ihn in seinem Brennstoffzellen-Fahrzeug FCHV-adv ein und erreicht damit eine Reichweite von 830 km.[22][23] Das Fahrzeug befindet sich bereits im kommerziellen Einsatz und kann geleast werden.[24]

Volkswagen baut einen 700-bar-Wasserstofftank im Tiguan HyMotion ein,[25] Mercedes im A-Klasse F-Cell „plus“ und Opel im HydroGen4.[26]

Bei Bussen werden inzwischen auch Drucktanks verwendet, wie z. B. im Citaro Fuel Cell Hybrid von Mercedes.[27]

Firmen, die in die Forschung und Produktion von Wasserstoffspeichern involviert sind, sind z. B. in Deutschland die Linde AG, in Norwegen und Island StatoilHydro[28] und in den USA Quantum Fuel Technologies Worldwide.[29]

Brennstoffzellen-Schienenfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Hydrail

Flugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Wasserstoffflugzeug

Unfallgefahr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heute industriell eingesetzte Technik berücksichtigt die Hochentzündlichkeit des Wasserstoffes sowie seine Eigenschaft, explosives Knallgas zu bilden. Leitungen und Tanks sind entsprechend ausgelegt,[5][6] so dass im täglichen Gebrauch keine größeren Risiken entstehen als z. B. durch die Verwendung von Benzin.[30][31][32]

Allerdings sind die Gefährdungen wegen der derzeit nur beschränkten Anwendung teilweise noch unbekannt. So können sich Sauerstoff/Wasserstoffgemische mit einem Anteil von unter 10,5 Volumenprozent Wasserstoff bilden, die schwerer als Luft sind und zu Boden sinken. Die Entmischung erfolgt nicht unmittelbar, so dass bis zur Unterschreitung der 4-Volumenprozent-Grenze die Zündfähigkeit erhalten bleibt.[33] Beim Umgang mit Wasserstoff müssen Sicherheitsvorschriften und Entlüftungsanlagen dieses anormale Verhalten berücksichtigen.

Wasserstofffahrzeuge mit Drucktanks können problemlos in Parkhäusern und Tiefgaragen geparkt werden. Es existiert keine gesetzliche Bestimmung, die das einschränkt. Fahrzeuge mit Flüssigwasserstoffspeichern dürfen wegen der unvermeidlichen Ausgasung nicht in geschlossenen Räumen abgestellt werden.

Energiedichten im Vergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf die Masse bezogen (in kWh/kg):[34][35]

Auf das Volumen bezogen (in kWh/l):

  • Wasserstoffgas (Normaldruck): 0,003
  • Wasserstoffgas (20 MPa / 200 bar): 0,53
  • Wasserstoffgas (70 MPa / 700 bar): 1,855
  • Wasserstoffspeicherung mit Perhydro-N-Ethylcarbazol: 2,0
  • Wasserstoff (flüssig, −253 °C): 2,36
  • Erdgas (20 MPa): 2,58
  • Benzin: 8,2–8,6[36][Anmerkung 2]
  • Diesel: 9,7[36][Anmerkung 2]
  • LOHC (N-Ethylcarbazol): 1,89[37]
  • Li-Ionen-Batterie: 0,25–0,675

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wasserstoffspeicherung – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C. D. Tan, R. Hidalgo, C. Park und N. M. Rodriguez: Development Of Hydrogen Storage Systems Based On Graphite Nanofibers. (PDF) in ACS Fuels Volumes: 1998 Fall (BOSTON) 43(3) (PDF), Division of Fuel Chemistry American Chemical Society, 1998.
  2. Raimund Ströbel: Wasserstoffspeicherung an Kohlenstoffmodifikationen. Dissertation an der TU Freiberg, März 2005.
  3. Unterwegs im Wasserstoff-7er. In: heise online, 22. November 2006, abgerufen am 8. Februar 2012
  4. Opel setzt auf Wasserstoff (Stand: 6. April 2011)
  5. a b Quelle nicht mehr zu erreichen: Anforderungen an Kunststoffe für Wasserstoff-Hochdrucktanks (Quelle: Adam Opel GmbH, Stand: 30. Juni 2002)
  6. a b Hochleistungs-Wasserstofftank erhält TÜV-Zertifikat (Quelle: Motor-Talk, Stand: 30. Juni 2002)
  7. a b U. Bossel: Wasserstoff löst keine Energieprobleme. In: tatup-journal.de, April 2006, abgerufen am 24. September 2014
  8. nano-Bericht von der HGW-Werft der U-Boote mit Brennstoffzellenantrieb aus Metallhydridspeicher
  9. Renate Hoer: Randvoll mit Wasserstoff. Gesellschaft Deutscher Chemiker, Pressemitteilung vom 29. September 2011 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de), abgerufen am 15. September 2015.
  10. K. Müller, W. Arlt: Status and Development in Hydrogen Transport and Storage for Energy Applications, Energy Technology, 2013, 1, 9, 501–511, doi: 10.1002/ente.201300055
  11. P. Adametz, K. Müller, W. Arlt: Efficiency of low-temperature adsorptive hydrogen storage systems, International Journal of Hydrogen Energy, 2014, 39, 28, 15604–15613, doi: 10.1016/j.ijhydene.2014.07.157
  12. P. Adametz, K. Müller, W. Arlt: Energetische Bewertung von adsorptiven Wasserstoffspeichern, Chemie Ingenieur Technik, 2014, 86, 9, 1427, doi: 10.1002/cite.201450249
  13. J. Weitkamp, M. Fritz, S. Ernst: Zeolites as media for hydrogen storage, International Journal of Hydrogen Energy, 1995, 20, 12, 967–970, doi: 10.1016/0360-3199(95)00058-L
  14. A.C. Dillon, M.J. Heben: Hydrogen storage using carbon adsorbents: past, present and future, Applied Physics A, 2001, 72, 2, 133–142, doi: 10.1007/s003390100788
  15. C. Liu, Y. Chen, C.-Z. Wu, S.-T. Xu, H.-M. Cheng: Hydrogen storage in carbon nanotubes revisited, Carbon, 2010, 48, 2, 452–455, doi: 10.1016/j.carbon.2009.09.060
  16. S.H. Lim, J. Luo, Z. Zhong, W. Ji, J. Li: Room-Temperature Hydrogen Uptake by TiO2- Nanotubes, Inorganic Chemistry, 2005, 44, 12, 4124–4126, doi: 10.1021/ic0501723
  17. G. Mpourmpakis, G. Froudakis, G.P. Lithoxoos, J. Samios: SiC Nanotubes:  A Novel Material for Hydrogen Storage, Nano Letters, 2006, 6, 8, 1581–1583, doi: 10.1021/nl0603911
  18. Daniel Teichmann, Wolfgang Arlt, Peter Wasserscheid und Raymond Freymann: A future energy supply based on Liquid Organic Hydrogen Carriers (LOHC). Energy Environ. Sci., 2011, 4, 2767–2773, 8. Juli 2011; doi:10.1039/C1EE01454D.
  19. Quelle: Chiyoda Pressemitteilung Stand: 10. Februar 2014
  20. Elektrisches Benzin Carbazol weckt Hoffnungen. In: Automobil Produktion, Stand: 30. Juni 2011
  21. Von der Forschung zum Produkt – Produktvorstellung der Hydrogenious Technologies GmbH., 1. Februar 2016
  22. Der Toyota FCHV-adv. In: Toyota.de
  23. Toyota optimiert Brennstoffzellen Fahrzeug. In: atzonline.de, 16. Juni 2008
  24. Japanisches Umweltministerium least FCHV-adv. In: auto.de, 1. September 2008
  25. Volkswagen-Forschung: Weltpremiere der VW-Hochtemperatur-Brennstoffzelle. In: innovations-report.de, 1. November 2006
  26. Opel HydroGen4 beweist Alltagstauglichkeit. In: auto.de, 14. Mai 2009
  27. Mercedes’ neuer Brennstoffzellen-Bus. In: heise.de, 17. November 2009
  28. Hydrogen. In: statoil.com, 23. September 2008
  29. Hydrogen Refueling. In: quantum-technologies.com
  30. Spektakulärer Test zeigt: Wasserstoff im Auto muss nicht gefährlicher sein als Benzin. In: Bild der Wissenschaft, Stand: 3. Februar 2003
  31. Sicherheitsaspekte bei der Verwendung von Wasserstoff. In: Hycar.de
  32. Video: Crashversuch der University of Miami
  33. Dr. Henry Portz, Brandexperten ermitteln rätselhafte Brandursache. In: ZDF Abenteuer Wissen, 11. Juli 2007, abgerufen am 9. Februar 2012
  34. Energieinhalte im Vergleich. In: Hydox.de, abgerufen 11. März 2012
  35. Wolfgang Arlt: Carbazol: Das elektrische Benzin? (Memento vom 30. März 2012 im Internet Archive), Elektor, 30. Juni 2011.
  36. a b c d Welchen Heizwert haben Kraftstoffe? In: aral.de, abgerufen am 11. März 2012
  37. a b Benjamin Müller, Karsten Müller, Daniel Teichmann, Wolfgang Arlt: Energiespeicherung mittels Methan und energietragenden Stoffen – ein thermodynamischer Vergleich. Chemie Ingenieur Technik, 2011, 83, 2002–2013; doi:10.1002/cite.201100113.

Anmerkungen

  1. a b Der massebezogene Energiegehalt schwankt je nach Zusammensetzung und ist von Benzin und Diesel wegen der unterschiedlichen Dichten annähernd gleich
  2. a b Die volumenbezogenen Energiegehalte schwanken recht stark durch Abhängigkeit von Temperatur (ARAL: 15 °C) und Mischungsverhältnissen der Bestandteile