Wasserwerfer 10000

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Rosenbauer
Wasserwerfer WaWe 10 der Hamburger Bereitschaftspolizei
Wasserwerfer WaWe 10 der Hamburger Bereitschaftspolizei
Wasserwerfer 10000 Cobra
Hersteller: Rosenbauer
Verkaufsbezeichnung: WAWE 10
Produktionszeitraum: 2009–vsl. 2019
Vorgängermodell: Wasserwerfer 9000
Nachfolgemodell: keines
Technische Daten
Bauformen: Mercedes Actros 3341 AK/42/6×6
Motoren:
Leistung: 300 kW
Länge: 9900 mm
Breite: 2550 mm
Höhe: 3700 mm
Wendekreis: 20 m
zul. Gesamtgewicht: 31 t
Seitenansicht
Frontansicht bei einer Sitzblockade
Einsatz bei einem Castor-Transport
WaWe 10 der Bremer Polizei mit Stadtmusikanten-Logo

Der Wasserwerfer 10000 (kurz WaWe 10) ist der neueste Wasserwerfer der deutschen Polizei und der Nachfolger des Wasserwerfer 9000. Der Prototyp wurde im November 2008 an die Bundespolizei übergeben, die Auslieferung der ersten fünf Serienfahrzeuge erfolgte bis 2011.[1] Hersteller ist die österreichische Firma Rosenbauer. Primärer Einsatzbereich des Wasserwerfers ist die Anwendung unmittelbaren körperlichen Zwanges gegen Personen im Rahmen der polizeilichen Gefahrenabwehr, insbesondere bei Demonstrationen und anderen Großveranstaltungen.

Beschaffung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beschaffung liegt ein Beschluss der Innenministerkonferenz von Bund und Ländern aus dem Jahr 2005 zu Grunde.[2] Die im Frühsommer 2008 erfolgte europaweite Ausschreibung durch das Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern konnte das auf Feuerwehrfahrzeuge spezialisierte Unternehmen Rosenbauer für sich entscheiden.[1]

Die Fahrzeuge wurden zunächst in Hamburg und Berlin erprobt und gingen ab 2010 in Serie. Bis 2019 soll der Ersatz der bisherigen Fahrzeuge abgeschlossen sein. Bestellt sind zunächst 50 Fahrzeuge mit einer Option auf insgesamt 78.[3] Ein Fahrzeug wird rund 900.000 Euro kosten.[4] Die Wasserwerfer sind Teil der materiellen Ausstattung der Bereitschaftspolizeien (wie z.B. auch die sonstigen Fahrzeuge) der Länder. Diese wird aus dem Etat des Bundesministerium des Innern finanziert und von diesem beschafft. Der Bund stellt die Ausstattung den Ländern zur Verfügung. Die Bereitschaftspolizeien in Hamburg und Sachsen erhielten als erste die Wasserwerfer des neuen Typs. Am 10. Februar 2011 übergab der Hamburger Innensenator Heino Vahldieck den Wasserwerfer an den Hamburger Polizeipräsidenten Werner Jantosch.[5] In Sachsen wurde der Wasserwerfer am 28. April 2011 eingeführt.[6]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wasserwerfer 10000 ist auf dem Mercedes-Benz Actros-Allradfahrgestell aufgebaut. Es ist 3,7 m hoch, 9,9 m lang und 2,55 m breit. Der Antrieb leistet 300 kW (ca. 408 PS). Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 31 t.[7] Beim Design des Fahrzeugs fällt die vorspringende Front mit schräg gestellter Frontscheibe ins Auge. Glatte Außenwände sollen ein Erklettern des WaWe 10 verhindern und die schräge Dachform Molotowcocktails keinen Halt bieten. Die Kabine besteht aus Aluminiumverblechung auf einem Aluminiumgerippe. Die Schutzverglasung der Kabine besteht aus Polycarbonat. Zudem ist eine Klimaanlage verbaut.[3] Die Besatzung besteht aus bis zu fünf Personen: einem Kommandanten, einem Fahrer, einem Beobachter und zwei Bedienern für die Wassermonitore.

Wasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der WaWe 10 ist mit einem beheizbaren 10.000-Liter-Tank ausgestattet und besitzt drei Werferrohre, zwei vorne mit einem Durchsatz von bis zu 1200 l/min und einer Wurfweite von 65 Metern mit 10 bar Druck sowie eines hinten mit bis zu 900 l/min und einer Wurfweite von 50 Metern. Die Pumpanlage für die Werfer wird durch einen eigenen Motor angetrieben (Deutz TCD 2012L06), damit wie beim Vorgängermodell auch von jedem Fahrzustand unabhängig Wasser verschossen werden kann.

Im Gegensatz zu den Vorgängermodellen ist neben einer Regulierung des Wasserdrucks auch die Veränderung des Strahlbildes möglich, was eine bessere Wasserdosierung im Einsatz ermöglicht, wie z. B. dem Löschen von brennenden Barrikaden. Eine weitere Neuerung sind Überwachungskameras, die das Umfeld des Fahrzeuges aufzeichnen, sowie eine Mikrofonanlage am Fahrzeug, mit der die Lautsprecherdurchsagen auf Verständlichkeit hin überprüft und ebenfalls protokolliert werden können.

Reizstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Digidos-Zumischsysteme für teils gesundheitsschädliche Reizstoffe wie CN- oder CS-Tränengas erlauben Zumischraten von 0,1 bis 1,5 Prozent. Sie können als Beimengungen und als Aerosol ausgegeben werden. Im Geräteraum werden sechs Gas-Behälter à 20 Liter mitgeführt.[8]

Probleme mit der Schutzverglasung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2014 führte die Polizei Thüringen einen Probeeinsatz durch. Laut MDR erlitt die Polycarbonat-Panzerverglasung des WaWe hierbei drei faustgroße Schäden. Dabei warfen die Polizisten keineswegs Steine oder Molotowcocktails, sondern Eier, Tennisbälle und halbvolle 0,5 Liter-PET-Flaschen. Eine Erklärung konnte die Landespolizeidirektion nicht liefern.[9] Zuständig für die Qualitätssicherung und damit auch für die Güteprüfung zur Abnahme der Fahrzeuge ist das Beschaffungsamt des BMI.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wasserwerfer 10000 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Neue Wasserwerfer für die Bereitschaftspolizeien der Länder, vom 12. Dezember 2008. Abgerufen am 5. Dezember 2009.
  2. http://www.bundespolizei.de/cln_109/nn_249932/DE/Home/01__Aktuelles/2009/0911/091126__wasserwerfer.html
  3. http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/?em_cnt=2117305&em_cnt_page=1
  4. Welt online, 10. Februar 2011 (abgerufen am 11. Februar 2011)
  5. http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2750290
  6. für die meisten technischen Details siehe: http://www.feuerwehrmagazin.com/magazin/2009/11/27/rosenbauer-wasserwerfer-fur-die-polizei-3733/
  7. http://www.feuerwehrmagazin.de/magazin/fahrzeuge-modelle/fahrzeuge/rosenbauer-wasserwerfer-fur-die-polizei-3733
  8. Wasserwerfer-Panne bei der Polizei: So ’ne Flasche – taz.de