Wasserwerfer 9000

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wasserwerfer 9000 der Berliner Polizei auf Mercedes SK 1-Basis
Heckansicht eines Wasserwerfer 9000 der Polizei Niedersachsen in neuer Lackierung, 2012
Demonstranten und Wasserwerfer 9000 im Mittleren Schlossgarten Stuttgart, 30. September 2010
Wasserwerfer 9000 (ältere Mercedes NG-Ausführung), noch mit Bundesgrenzschutz-Kennzeichen und Anstrich, 2006
Wasserwerfer 9000 (neuere Mercedes SK 94-Ausführung) auf einer Demonstration in Leipzig, 2005

Der Wasserwerfer 9000 ist als Wasserwerfer ein Polizeieinsatzfahrzeug der Bundespolizei und der Landesbereitschaftspolizeien in Deutschland. Vereinzelt wird dieser Typ auch in der Schweiz verwendet.

Entwicklung und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der WaWe 9000 (9000 l Tankinhalt, kurz WaWe 9) wurde gegen Ende der 1970er entwickelt und Anfang der 1980er beim deutschen Bundesgrenzschutz[1] in Dienst gestellt, nachdem die Vorgängergenerationen den gestiegenen Einsatzanforderungen nicht mehr gewachsen waren. Die Ausschreitungen wurden gewalttätiger, der Wasservorrat war begrenzt und zunehmend wurden diese Fahrzeuge erstürmt oder außer Gefecht gesetzt. So verfügen die heutigen Fahrzeuge z. B. über eine bruchsichere Polycarbonatverglasung (Lexan), die Gitter überflüssig macht und auch über Reifen mit Notlaufeigenschaften. Die höhere Fahrerkabine ermöglicht eine erhöhte Sitzanordnung der beiden hinteren Rohrführerplätze und damit einen besseren Blick der beiden Werferrohrbediener (Werfer) auf das Einsatzgeschehen.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland waren im März 2015 noch 34 von einst 116 Wasserwerfern des Typs WaWe 9000 in den Bundes- und Bereitschaftspolizeiabteilungen stationiert, wobei 6 Fahrzeuge auf die Bundespolizei und 28 auf die Landespolizeien entfielen.[2] Ältere Modelle (WaWe 4000, WaWe 6000) sind nicht mehr oder nur noch zu Ausbildungszwecken im Einsatz. Die WaWe 9000 basieren ausschließlich auf Mercedes-Benz Allradfahrgestellen der Mercedes NG- und später SK-Reihe, der Aufbau erfolgte durch die Firmen Metz (Prototypen) und Ziegler (Serienfertigung) die als Aufbauhersteller hauptsächlich Feuerwehrfahrzeuge ausrüsten. Ein Wasserwerfer kostet heute etwa eine Million Euro.

Sämtliche Führungs- und Einsatzmittel (FEM) der Landesbereitschaftspolizeien, also auch Fahrzeuge, beschafft der Bund. Dies führt dazu, dass diese auch in ihrer Ausrüstung weitgehend einheitlich sind. Die WaWe 9000 sind aufgrund des über zehnjährigen Beschaffungszeitraums und schon allein der Tatsache, dass zwei Generationen als Basisfahrzeug verwendet wurden (Mercedes NG- und später SK-Reihe), unterschiedlich ausgeführt. Auch wurden durch die enge Zusammenarbeit zwischen Aufbauhersteller und Polizei ständig Erfahrungen gesammelt und Verbesserungen an den künftigen Produktionen vorgenommen. Unterschiede gibt es auch in den Motorisierungen: während in der älteren NG-Reihe die Typenreihe 2628 AK mit 206 kW (280 PS) als Basisfahrzeug diente, gab es in der nachfolgenden SK-Serie zwei Versionen: den 2629 AK mit 210 kW (286 PS) aus dem Zeitraum 1990/91 und den 2634 AK mit 250 kW (340 PS), dessen Lieferung etwa 1994 erfolgte, dem Zeitraum, als Mercedes die SK-Reihe, bekannt unter der Bezeichnung „SK 94“ oder „Deflektor“ überarbeitet hat – bei Serienfahrzeugen erkennbar am neuen Grill und den schrägen Windableitern. Die WaWe der SK-Reihe hatten jedoch nahezu alle einen vollverblendeten Kühler, teils jedoch mit aufgebrachten Streifen. Bei der 94er-Serie lag die Fahrerkabine etwas höher, als bei den anderen Modellen, so dass der Aufkletterschutz über der Stoßstange noch eine senkrechte Kante aufweist und die Schutzverkleidung über den Vorderrädern tiefer angeschnitten ist. Im Vergleich der beiden rechts abgebildeten Modelle (BGS-WaWe der NG-Reihe, darunter neuer SK 94) ist dies gut erkennbar. Die Kabine liegt bei dieser 94er-Serie deshalb höher, weil der auf dem Zylinderblock des V6-Motors (Typ OM 441 LA) befindliche Turbolader entsprechend Platz benötigt. Die SK-Modelle von 1991 hatten einen nicht aufgeladenen V8 (OM 442 mit 210 kW/286 PS), dessen Block zuvor auch schon in der NG-Serie verwendet wurde.

Für die Schweiz wurden nach dem Produktionsende der SK-Reihe im Jahr 1996 auch Wasserwerfer 9000 auf Basis des Nachfolgemodells Mercedes-Benz Actros geliefert[3]. Die Wasserwerfer sind sonst weitgehend technisch unverändert geblieben. Die deutschen Polizeibehörden besitzen keine Wasserwerfer 9000 aus der Actros-Reihe oder von anderen Fahrzeugherstellern. Das Unternehmen Ziegler hat auf der Grundlage des WaWe 9000 einen neuen Typ Wasserwerfer entwickelt, der über eine integrierte, sondergeschützte Kabine verfügt. Fahrzeuge dieses Typs werden u. a. in der Schweiz und in Belgien eingesetzt.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Betrieb des WaWe 9000 ist eine Besatzung von mindestens vier Beamten erforderlich:

  • Kommandant
  • Kraftfahrer
  • je ein Beamter für die Bedienung eines der beiden Dachwerfer (Werfer 1 + 2)

Ein fünfter Platz steht auf dem vorderen Mittelsitz für Beobachter, Lotsen etc. zur Verfügung.

Ein Maschinist wird heute nicht mehr benötigt, da der im Heck befindliche Pumpenmotor vom Platz des Kommandanten aus bedient wird. Durch diesen separaten Pumpenmotor kann die Wasserabgabe unabhängig vom Fahrzustand erfolgen und ist nicht wie beim Nebenabtrieb an die Drehzahl des Fahrmotors gekoppelt.

Mussten in den Vorgängermodellen WaWe 4000 und WaWe 6000 die Werferrohre durch Muskelkraft bedient werden, erfolgt dies im WaWe 9000 durch Joystick-Bedienung. Die Werferrohre fahren auf Knopfdruck aus, die Rohrführersitze drehen sich dabei in Abhängigkeit von der Position der Werferrohre. Die Bedienung erfolgt jedoch manuell, automatisierte Programme, Zielvorrichtungen o. ä. sind nicht vorhanden. Neben den beiden Dachwerfern verfügen die Fahrzeuge auch über ein Heckstrahlrohr.

Der Wasservorrat kann über einen Sauganschluss aus öffentlichen Gewässern oder B-Schläuche (z. B. über Hydranten) aufgenommen werden. Für Feuerlöschaufgaben sind ebenfalls Schlauchanschlüsse vorhanden, auch führen die Fahrzeuge entsprechende Löscharmaturen mit. Gegen Keimbildung muss das aufgenommene Wasser kontrolliert und durch die Zugabe von Chlor reingehalten werden.

Im Einsatz werden nach Möglichkeit mehrere Wasserwerfer zusammengefasst und Reservefahrzeuge vorgehalten, die sukzessive beim Aufbrauchen des Vorrats ausgetauscht werden. Auch ist für jeden Wasserwerfer ein zweiter Wasserwerfertrupp vorgesehen. Der Einsatz wird oft durch Sicherungskräfte und einen gepanzerten Räumwagen (Sonderwagen, Polizeijargon: Sowa 4) begleitet. Zugeordnet sind diese Fahrzeuge oft den Wasserwerferstaffeln (WaWeSt, bzw. WaWe/SW-Zügen), welche den Technischen Einsatzeinheiten (TEE) der jeweiligen Bereitschafts- oder Bundespolizeiabteilung unterstehen.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abmessungen (L×B×H) 8,5 × 2,5 × 3,65 m/4,15 m *
Motoren Mercedes Benz OM 442 mit ca. 206 kW (V8) bzw. OM 441 LA (V6) mit 250 kW (ab 1994)
vmax 109 km/h
Kraftstofftank 300 Liter Diesel
Gesamtmasse 26,3 t (mit gefülltem Wassertank)
Wassertank 9000 Liter
Pumpenmotor 6 Zylinder, 124 kW
Feuerlöschkreiselpumpe 2200 Liter/Min bei 15 bar
Wurfweite 65 Meter

(* Höhe bei ein- bzw. ausgefahrenen Werferrohren. Geringe, bauartbedingte Höhenunterschiede)

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wasserwerfer 9000 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eines der inzwischen teils über 20 Jahre alten Fahrzeuge konnte im 1. Deutschen Polizeioldtimer-Museum erhalten werden. Viele sind schon stillgelegt oder an Freiwillige Feuerwehren verkauft worden und werden nach und nach durch ein von Rosenbauer International gefertigtes Modell, den WaWe 10000 ersetzt. 2009 wurde zunächst für die Bundespolizei ein Prototyp vorgestellt. Inzwischen haben mehrere Abteilungen von Bundes- und Landesbereitschaftspolizei die ersten Fahrzeuge erhalten.

Drei gebrauchte Wasserwerfer 9000 wurden 2014 an die City of London verkauft[4]. Aufgrund technischer und nicht zuletzt politischer Hürden kamen diese nie zum Einsatz und wurden Ende 2018 zur Verschrottung verkauft[5].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Jürgen Schmidt: Wir tragen den Adler des Bundes am Rock – Chronik des Bundesgrenzschutzes 1951–1971 Fiedler-Verlag, Coburg 1995 ISBN 3-923434-17-0

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Jürgen Schmidt: Wir tragen den Adler des Bundes am Rock – Chronik des Bundesgrenzschutzes 1951–1971 Fiedler-Verlag, Coburg 1995 ISBN 3-923434-17-0, Seite 59
  2. Anzahl der Wasserwerfer bei Bundes- und Landesbehörden. Abgerufen am 13. August 2017.
  3. Archivlink (Memento vom 29. Juni 2009 im Internet Archive) Actros-Wasserwerfer der Kantonspolizei Zürich (frz. Text)
  4. https://www.theguardian.com/uk-news/2016/dec/14/boris-johnsons-unused-water-cannon-were-fitted-with-1000-stereos
  5. https://www.theguardian.com/uk-news/2018/nov/19/boris-johnson-unused-water-cannon-sold-for-scrap-at-300000-loss