Wasserwirtschaft

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Die Wasserwirtschaft bezeichnet die Bewirtschaftung des Wassers durch den Menschen. Man kann vier Bereiche unterscheiden:

  1. die Bewirtschaftung von ober- und unterirdischen Gewässern,
  2. die Trinkwassergewinnung und -verteilung,
  3. die Bewirtschaftung von Abwässern.
  4. die Entwässerung von niederschlagsreichen Gebieten oder Bewässerung von niederschlagsarmen Gebieten.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz werden die Belange der Wasserwirtschaft durch die jeweiligen gemeinnützigen Verbände: Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, Österreichischer Wasser- und Abfallwirtschaftsverband und Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband vertreten.

Gewässerbewirtschaftung[Bearbeiten]

Seen und Flüsse als oberirdische Gewässer werden schon seit römischer Zeit in Europa bewirtschaftet. Dazu werden sie so gestaltet, dass

  1. Transporte vereinfacht werden, meist durch gewässerbauliche Maßnahmen, etwa durch Flussbegradigungen oder den Einbau von Staustufen, Schleusen oder Schiffshebewerken;
  2. die Nahrungsmittelerzeugung verbessert wird, etwa durch Be- oder Entwässerung von Feldern oder die Anlage von Fischteichen;
  3. Energiegewinnung z. B. durch Wassermühlen und Wasserkraftwerke ermöglicht wird;
  4. in vielen Fällen werden künstliche Gewässer für den Hochwasserschutz und zur Niedrigwasseraufhöhung genutzt;
  5. in neuerer Zeit Freizeitnutzung für Segler, Angler, etc. angeboten wird.

Die verschiedenen Ziele der Wasserwirtschaft bei der Nutzung der Gewässer werden mit dem Wasserwirtschaftsplan koordiniert.

Seit Ende des 20. Jahrhunderts werden in Deutschland die in früherer Zeit durchgeführten wasserbaulichen Veränderungen auch wieder zurückgebaut, Begradigungen werden aufgehoben, Flüsse dürfen wieder mäandrieren. Diese Renaturierungsmaßnahmen wirken sich vor Allem positiv auf den Hochwasserschutz aus, da naturnahe Flusssysteme den Spitzenabfluss (Hochwasserscheitel) reduzieren. Dabei wird allerdings die Hochwasserdauer verlängert. In diesem Zusammenhang spielt die Strömungslehre eine wichtige Rolle.

Die Bewirtschaftung unterirdischer Gewässer, also des Grundwassers, erfolgt meist im Rahmen der Trinkwassergewinnung oder der Regenwasserbewirtschaftung.

Trinkwassergewinnung[Bearbeiten]

Dies bezeichnet die Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser in menschlichen Siedlungsräumen. Die WHO hat eine Leitlinie für Trinkwasserqualität erstellt (Guidelines for drinking-water quality).

Die Trinkwassergewinnung unterliegt in vielen Industrieländern der behördlichen Überwachung.

Teilweise haben die Kommunen in Deutschland nur eine überwachende Funktion oder auch die Pflicht, die Wasserversorgung selbst betrieblich zu gestalten. Unter anderem aufgrund knapper kommunaler Haushalte kommt es in den letzten Jahren vermehrt zu Privatisierungen im Wasserver- und -entsorgungsbereich.

Brauchwassergewinnung[Bearbeiten]

Industriebetriebe, Kraftwerke, Landwirtschaft und weitere gewerbliche Verbraucher benötigen großen Mengen an Betriebswasser. Da an diese Wässer geringere bzw. andere Anforderungen bei Qualität, Zusammensetzung und Temperatur gestellt werden, wird für solche Zwecke z.T. Wasser ohne oder mit nur geringem Aufbereitungsaufwand gefördert.

Abwasserbewirtschaftung[Bearbeiten]

Die Abwasserbewirtschaftung umfasst die Sammlung, die Fortleitung mittels Kanalisation und die Aufbereitung von Abwasser sowie die Entsorgung der Abbauprodukte.

Regenwasserbewirtschaftung[Bearbeiten]

Die Sammlung, ggf. Reinigung und Versickerung von Regenwasser in das Grundwasser oder auch der Rückhalt von Regenwasser vor der Einleitung in ein oberirdisches Gewässer sind Aufgaben der Regenwasserbewirtschaftung. Maßnahmen zur Bewirtschaftung von Regenwasser werden häufig im Zusammenhang mit einer Planung von Flächenversiegelungen wie z.B. Gebäudeneubau oder Straßenbau bearbeitet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Jürgen Leist: Wasserversorgung in Deutschland - Kritik und Lösungsansätze. oekom Verlag, München 2007, ISBN 3-86581-078-0.

Weblinks[Bearbeiten]