Wasterkingen

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Wasterkingen
Wappen von Wasterkingen
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich (ZH)
Bezirk: Bülachw
BFS-Nr.: 0070i1f3f4
Postleitzahl: 8195
Koordinaten: 677889 / 271764Koordinaten: 47° 35′ 31″ N, 8° 28′ 27″ O; CH1903: 677889 / 271764
Höhe: 393 m ü. M.
Fläche: 3,95 km²
Einwohner: 574 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 141 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
10,4 % (31. Dezember 2016)[2]
Website: www.wasterkingen.ch
Karte
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Wasterkingen (im einheimischen zürichdeutschen Dialekt Waschterchinge[3]) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Bülach des Kantons Zürich in der Schweiz.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung

In Silber drei verkürzte rote Spitzen, überhöht von zwei roten Rosen

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Wasterkingen liegt im nordwestlichsten Ende des Rafzerfeldes an der Strasse nach Hohentengen. Die Siedlung liegt am Hang des Kaltwang. Ursprünglich bestand sie aus zwei Haufendörfern, die zusammengewachsen sind. Von der Gemeindefläche sind 46,3 % landwirtschaftliche Nutzflächen, 43,5 % ist Wald, 8,1 % ist Siedlungsfläche und 2,0 % dienen dem Verkehr. Westlich befindet sich die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf wurde 1102 als Wastachingin erstmals urkundlich erwähnt, damals als Teil der Landgrafschaft Klettgau. Die hohe Gerichtsbarkeit wurde 1408 von den Grafen von Sulz erworben, die niedere Gerichtsbarkeit lag bei den Freiherren von Tengen, ab 1496 bei der Stadt Zürich. Ab 1560 lag der Hauptanteil des Grundeigentums bei der Zürcher Familie Rordorf. Graf Johann Ludwig II. von Sulz verkaufte 1651 das Rafzerfeld mit allen Rechten an die Stadt Zürich.[4]

Der Waterkinger Hexenprozess von 1701 war der letzte Hexenprozess im Zürcher Herrschaftsgebiet. Am 19. April 1701 schilderte der Eglisauer Landvogt Johann Jakob Hirzel in einem Schreiben an die Zürcher Obrigkeit, die Dorfleute von Wasterkingen hätten ihn gebeten, die gnädigen Herren über das Hexenunwesen in ihrer Gemeinde zu unterrichten. Angeklagt waren insgesamt 12 Personen. Insgesamt wurden nach langwierigem Verfahren sieben Frauen und ein Mann, alle aus Wasterkingen, wegen Bündnissen mit dem Teufel zum Tode verurteilt. Die Hauptangeklagte Elsbetha Rutschmann wurde zum Tod durch Verbrennung verurteilt, eine zu dieser Zeit bereits sehr unübliche Strafe, weitere sieben Angeklagte zum Tod durch Enthauptung.[5] In einer Gedenkveranstaltung 2001 in Rafz zum 300. Jahrestag des Prozesses verurteilten Regierungspräsident Markus Notter und Kirchenratspräsident Ruedi Reich diese Hinrichtungen als Justizmorde.[6]

Wasterkingen war als Bauerndorf hauptsächlich auf Ackerbau und Rebbau angewiesen, seit dem 17. Jahrhundert spielte auch Strohflechterei in Heimarbeit eine Rolle. Ab 1798 war Wasterkingen eine Gemeinde (Munizipalität) im Bezirk Bülach, ab 1814 im Oberamt Embrach, und seit 1831 wieder im Bezirk Bülach. Eine Industrialisierung fand nicht statt, noch 2005 waren 55 % der Arbeitsplätze in der Gemeinde in der Landwirtschaft. Die Bevölkerung nahm zwischen 1870 und 1960 stetig ab, erst seit 1970 war wieder ein Bevölkerungswachstum zu verzeichnen, nun hauptsächlich durch den Zuzug von Wegpendlern.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung von Wasterkingen[4]
Jahr 1634 1640 1709 1836 1850 1900 1950 2000 2015 31. Juli

2016

Einwohner 245 109 281 386 437 353 275 560 577 572
  • Bevölkerungsdichte: 141.9 Einw./km²
  • Anzahl Privathaushalte: 212 (Stand: 2000)
  • Konfessionszugehörigkeit: 59,9 % evangelisch-reformiert, 17,5 % römisch-katholisch, 22,6 % andere oder keine konfessionelle Zugehörigkeit (Stand: 2010)

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wahlen 2015 des Nationalrates hat folgendes Ergebnis ergeben: Die SVP hat 51,2 %, die SP 17,8 %, die FDP 8,1 %, die BDP 4,4 %, die glp 3,9 % und die Grüne 3,5 % der Wählerstimmen.[7]

Gemeindepräsident ist Peter Zuberbühler (Seit 2014).

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wasterkingen und dem umliegenden Rafzerfeld bestehen über 11 Sportvereine, bei denen man sich aktiv beteiligen kann.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 15). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1943. DNB 365803049.
  • David Meili: Hexen in Wasterkingen: Magie und Lebensform in einem Dorf des frühen 18. Jahrhunderts. Basel 1980.
  • Zu den Wasterkingener Hexenprozessen: Eduard Osenbrüggen, Studien zur Deutschen und Schweizerischen Rechtsgeschichte (1868), Publisher: Fr. Hurter, 1868, S. 414–418 (Online)
  • Zu den Wasterkingener Hexenprozessen: Johann Moritz Schwager, Beytrag zur Geschichte des Aberglaubens des gegenwärtigen Jahrhunderts, oder Erzählung von einem merkwürdigen Hexenproceß, der in dem Anfang desselben in D. im **schen Kreise geführt wurde. In: Beyträge zur Beförderung des vernünftigen Denkens in der Religion 4 (1783), S. 31–92 (Online; PDF; 13,7 MB)
  • Otto Sigg: Hexenprozesse mit Todesurteil: Justizmorde der Zunftstadt Zürich. 2. Auflage. Selbstverlag, Zürich 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wasterkingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Daten zur Wohnbevölkerung nach Heimat, Geschlecht und Alter (Gemeindeporträt). Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 20. September 2017.
  3. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität von Neuchâtel. Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 202.
  4. a b c Ueli Müller: Waserkingen. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 21. Dezember 2012, abgerufen am 18. Dezember 2015.
  5. Otto Sigg, Hexenprozesse mit Todesurteil: Justizmorde der Zunftstadt Zürich; vom bösen Geist in Stadt und Land Zürich und im aargauischen Kelleramt 1. Auflage (2012), 199–204, 227f.
  6. Sigg (2012), S. 11.
  7. Wahlergebnisse Nationalrat 2015 (Memento des Originals vom 27. April 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.statistik.zh.ch – Webseite des statistischen Amtes des Kantons Zürich. Abgerufen am 16. Dezember 2015.