Waterford

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Waterford (Begriffsklärung) aufgeführt.
Waterford
Port Láirge
Waterford
Waterford (Irland)
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Koordinaten 52° 15′ 42″ N, 7° 6′ 43″ WKoordinaten: 52° 15′ 42″ N, 7° 6′ 43″ W
Symbole
Wappen
Wappen
Basisdaten
Staat Irland

Provinz

Munster
Grafschaft Waterford
Höhe 6 m
Fläche 41,6 km²
Einwohner 48.369 (2016)
Dichte 1163,3 Ew./km²
Telefonvorwahl +353/051
Website www.waterfordcity.ie (englisch)
Waterford - Reginalds Tower; Teil der Befestigungsanlage der Wikinger
Waterford - Reginalds Tower; Teil der Befestigungsanlage der Wikinger

Waterford (irisch Port Láirge [ˌpoɾt ˈɫɑːɾʲəgʲə]) war ursprünglich die Hauptstadt des County Waterford in Irland. Heute ist sie separat verwaltet und das County Waterford hat seinen administrativen Sitz in Dungarvan. Die Stadt im Südosten von Irland hat eine Fläche von 42 km². 2016 lebten rund 48.000 Menschen in der Stadt und 80.000 in einem Umkreis von 15 km Radius um das Zentrum. Die Stadt wurde im 9. Jahrhundert von den Wikingern gegründet und war Irlands erste Stadt, die diese Bezeichnung verdiente. Heute ist sie die fünftgrößte Stadt der Republik Irland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 795 an plünderten die Wikinger immer wieder Siedlungen an der irischen Küste. Bald fingen sie auch an, in so genannten Longphorts zu überwintern. Ein solcher Longphort wurde 853 in Waterford eingerichtet. Reginald's Tower ist das älteste städtische Gebäude in Irland und das älteste Denkmal, das seinen Namen behalten hat. Bis heute ist es Waterfords markantes Wahrzeichen. 902 wurden die Wikinger von den Iren vertrieben und ihre Siedlungen und Überwinterungsmöglichkeiten wurden zurückgelassen. Nach der irischen Chronik kamen die Wikinger 914 zurück und gründeten Waterford.

1137 versuchte Diarmaid MacMurchada, König von Leinster, vergeblich Waterford zu erobern. Er verfolgte den Plan, die großen Zentren Irlands unter seine Kontrolle zu bringen, um seinen Anspruch, Großkönig zu werden, zu untermauern. 1170 verbündete sich MacMurchada mit der englischen Krone, die Richard de Clare (genannt Strongbow), den Earl of Pembroke entsandte und Waterford belagerte. Nach heftigem Widerstand fiel die Stadt. 1171 setzte König Henry II. von England als erster englischer König seinen Fuß auf irischen Boden. Er kam mit einer großen Flotte nach Waterford, um zu verhindern, dass in Irland ein normannisches Königreich in Konkurrenz zu England entstehen konnte. Stattdessen wollte er erreichen, dass Irland englische Kolonie wurde. Dublin und Waterford wurden zu Königsstädten erklärt, die dem König direkt unterstanden.

Im Mittelalter war Waterford nach Dublin die zweitwichtigste Stadt in Irland. Das Great Parchment Book (1361–1649) verkörpert den frühesten Gebrauch des Englischen als Amtssprache in Irland. Im 15. Jahrhundert widerstand Waterford zwei Aufrührern und Anwärtern auf den englischen Thron, Lambert Simnel und Perkin Warbeck. Danach erhielt die Stadt von König Henry VII. ihr Motto Urbs Intacta Manet Waterfordia („Waterford bleibt die nichteingenommene Stadt“).

Trotz der englischen Kirchenspaltung blieb Waterford eine katholische Stadt und betrieb in der Konföderation von Kilkenny die Loslösung von der englischen Herrschaft. Diese Bestrebungen wurden durch Oliver Cromwell beendet, der ganz Irland wieder fest unter englische Herrschaft brachte. Sein Schwiegersohn Henry Ireton eroberte Waterford 1651.

Das 18. Jahrhundert war eine Blütezeit in Waterford. Die meisten der bedeutendsten Gebäude stammen aus dieser Zeit. Der Handel, vor allem mit Neufundland, brachte Reichtum in die Stadt. Im 19. Jahrhundert siedelten sich Glas- und Schiffsbauindustrie an.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bürgermeister (Mayor) von Waterford wird jährlich im Juni vom Stadtrat (City Council) gewählt. Seit Juni 2009 amtiert der parteilose John Halligan als Stadtoberhaupt. Der City Council wird für fünf Jahre gewählt. Die letzte Wahl fand am 5. Juni 2009 statt.

Sitzverteilung im Waterford City Council
Partei Fine Gael Labour Party Fianna Fáil Sinn Féin Workers Party Parteilose
Sitze 4 3 1 1 1 5

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bekannteste Ware der Stadt ist das Waterford Crystal der Glasmanufaktur, die 1783 in Waterford gegründet wurde. Die Glasmanufaktur produziert seitdem - bis auf eine kurze Zeit der Unterbrechung 2009/2010 - unter anderem Bleiglas. Durch den Tiefwasserhafen hat Waterford für die europäische Wirtschaft eine große Bedeutung. In den Jahren 2002-2012 wurden hier 12 % von Irlands Außenhandel umgeschlagen. Weltweit operierende Unternehmen haben in dem im Osten der Stadt gelegenen Industriegebiet ihre Niederlassung. Dazu gehören bis Ende 2007 Sanofi-Aventis und noch heute zum Beispiel AOL, Bausch & Lomb und Honeywell International. Allerdings wird das irische Bruttoinlandsprodukt durch die Wirtschaftsleistung solcher Konzerne auch künstlich aufgebläht, da manchmal aus steuerlichen Gründen hier die Umsätze verbucht, aber nicht tatsächlich in diesem Umfang erwirtschaftet werden.[1] Zudem setzen internationale Unternehmen auf den flexiblen Einsatz von Arbeitskräften, so dass es auch immer wieder zu Kurzarbeit und Entlassungen kommt.[2] Bis 2013 hatte hier der Hedgefonds der Citibank seinen Sitz.[3]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Westen der Stadt liegt das Waterford Institute of Technology, das in einem Verbund von 13 weiteren Hochschulen eines der größten ist.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waterford ist über zwei Nationalstraßen, die N24 und die N25/E30 zu erreichen. Die N25 führt dabei von dem für den Warenverkehr wichtigen Hafen Rosslare Harbour im Osten über Wexford und Waterford in Richtung Cork. Die N24 führt von Waterford nordwestlich nach Clonmel und Tipperary. Über die von ihr abzweigende N9 gelangt man nach Dublin. Für die Fernstraßen wird 2009 eine neue Umgehungsstraße fertiggestellt. Die im Westen der Stadt liegende River Suir Bridge ist dabei mit einer Länge von 465 Meter das aufwendigste Brückenbauwerk.

Für Touristen ist Waterford von Dublin aus entweder mit der Bahn oder mit dem in Irland gut ausgebauten Busnetz zu erreichen. Neben der staatlichen Busgesellschaft Bus Éireann bietet z.B. der private Anbieter JJ Kavanagh & Sons Ltd. direkte Verbindungen zwischen den beiden Städten an. Segler können Waterford über die Mündung des Flusses Suir erreichen und im Waterford Harbour anlegen.

Am Bahnhof von Old Kilmeadan beginnt die Waterford & Suir Valley Heritage Railway, eine 8,5 km lange Museums-Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 914 mm (3 Fuß).[4]

Umland und Attraktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umland von Waterford

Im Umland gibt es drei Flüsse, welche The Three Sisters genannt werden: Die Flüsse Barrow, Nore und Suir. Sie tragen wesentlich zum Landschaftsbild bei und vereinen sich im Osten von Waterford zu einem Strom, der einige Kilometer weiter in den Atlantik mündet. Badeorte in der Umgebung von Waterford sind der im Süden gelegene, touristisch sehr gut erschlossene Ort Tramore und das etwas weiter im Osten liegende Dunmore East. Will man den Bereich jenseits der durch den Fluss Nore geschaffenen natürlichen Grenze im Osten erkunden, so kann man ihn auf der Nationalstraße N25 bei New Ross überqueren, oder den Weg über eine Fähre bei Passage East abkürzen. Hier bietet sich die Möglichkeit, den John-F.-Kennedy-Park (ein Arboretum) zu besichtigen, oder einen Ausflug auf die Halbinsel Hook Head zu unternehmen. Weitere Attraktionen im Umland von Waterford sind die Städte Kilkenny und New Ross sowie der Rock of Cashel, eine mittelalterliche Burg.

Zur bildhaften Präsentation der Stadtgeschichte besitzt Waterford ein hervorragend gestaltetes, modernes und kinderfreundliches zeitgeschichtliches Museum. An verschiedenen Stellen der Stadt findet man zudem Überreste der alten Stadtbefestigung, die Waterford im Mittelalter vom Hafen aus vor Angriffen schützte.

Die Innenstadt von Waterford kombiniert die traditionelle irische Bauweise mit modernen Elementen und bietet gute Möglichkeiten, um einzukaufen und sich zu amüsieren. Neben den klassischen Pubs haben sich in den letzten Jahren einige Nachtklubs etabliert.

Am 18. Mai 2014 wurde das John Condon Memorial eingeweiht. Das nach dem offiziell jüngsten Gefallenen der Alliierten im Ersten Weltkrieg benannte Denkmal ehrt die 4800 Männer und Frauen aus Waterford und Umgebung, die im Ersten Weltkrieg fielen und von denen 1100 kein bekanntes Grab haben.[5][6]

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robert C. Feenstra, Alan M. Taylor: International Economics. 3. Auflage. Worth, New York 2014, ISBN 978-1-4292-7842-3, S. 576
  2. 74 jobs lost at Honeywell Turbo in Waterford, Bericht vom 8. Oktober 2013
  3. 50 jobs lost as Citi Bank announce Waterford office closure Bericht vom 15. Mai 2013
  4. Waterford & Suir Valley Heritage Railway: A Guide To Track Construction.
  5. Memorial to WW1′s youngest Allied soldier unveiled The Iris Post, 23. Mai 2014, abgerufen am 22. Juni 2014
  6. Memorial to the 'Boy Soldier" unveiled in Waterford auf Waterfordart.com abgerufen am 22. Juni 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waterford – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien