Wattendorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wattendorf
Wattendorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wattendorf hervorgehoben
Koordinaten: 50° 2′ N, 11° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Bamberg
Verwaltungs­gemeinschaft: Steinfeld
Höhe: 530 m ü. NHN
Fläche: 22,24 km2
Einwohner: 656 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 30 Einwohner je km2
Postleitzahl: 96196
Vorwahl: 09504
Kfz-Kennzeichen: BA
Gemeindeschlüssel: 09 4 71 209
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 9
96196 Wattendorf
Webpräsenz: www.wattendorf-oberfranken.de
Bürgermeister: Thomas Betz (CSU/Bojendorfer Wählergemeinschaft)
Lage der Gemeinde Wattendorf im Landkreis Bamberg
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Wattendorf ist die kleinste Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bamberg und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Steinfeld. Seit den 2004 gestarteten Grabungskampanien im Wattendorfer Steinbruch gilt der Wattendorfer Plattenkalk als bedeutende Fossillagerstätte.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt am Rande der Fränkischen Schweiz am Juraaufstieg im östlichen Teil des Landkreises Bamberg.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Weismain (Landkreis Lichtenfels), Stadelhofen, Scheßlitz, Bad Staffelstein und Lichtenfels (beide Landkreis Lichtenfels).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wattendorf gliedert sich in fünf Ortsteile[2]:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wattendorf ist ein altes Siedlungsgebiet, das schon in der Zeit um 3000 bis 1800 v. Chr. von Bandkeramikern besiedelt wurde.

Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1180 zurück; damals war der Ort im Besitz der Grafen von Andechs. Von 1260 bis 1274 war Wattendorf im Besitz des Grafen von Truhendingen. Dieser schenkte das Gut Wattendorf im Jahr 1274 dem Zisterzienserkloster Langheim, dem es bis zur Säkularisation 1803 gehörte. Die Stellung des Klosters gegenüber dem Hochstift Bamberg wurde mit der Zeit immer schwächer, so dass man am Ende des Alten Reiches fast von einem Mediat des Hochstiftes sprechen kann. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort wie weite Teile Frankens zu Bayern (Siehe auch Geschichte Frankens).[3] Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Mai 1978 wurden die bisher selbständigen Gemeinden Bojendorf (mit Mährenhüll) und Gräfenhäusling eingegliedert.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961: 814 Einwohner
  • 1970: 753 Einwohner
  • 1987: 723 Einwohner
  • 1991: 719 Einwohner
  • 1995: 721 Einwohner
  • 2000: 722 Einwohner
  • 2005: 707 Einwohner
  • 2010: 680 Einwohner
  • 2015: 662 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Bürgermeister ist seit 2014 Thomas Betz (CSU/Bojendorfer Wählergemeinschaft), der bei einem Gegenkandidaten 71,57 % der Stimmen erhielt. Sein Vorgänger war seit 1978 Rudolf Krapp von der CSU, der 2008 mit 86,96 % der Stimmen zum fünften Mal wiedergewählt worden war.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahl der Gemeinderäte in Wattendorf 2008:

Wahl der Gemeinderäte in Wattendorf 2002:

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen zeigt in Blau einen nach links blickenden silbernen Adler; hinten einen goldenen Kelch, aus dem ein goldener Abtstab wächst.

Der Adler und die Farbe Blau erinnern an die Herzöge von Andechs-Meranien, die bis 1248 die Herrschaftsrechte über Wattendorf ausübten. Der Kelch und der Abtstab erinnern an die Schenkung des Ortes an das Zisterzienserkloster Langheim durch die Grafen von Truhendingen im Jahr 1260.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brauereien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wattendorf gibt es heute noch zwei kleine Familienbrauereien, die Brauerei Hübner und die Brauerei Dremel. In beiden werden fränkische Bierspezialitäten ausgeschenkt.

Freiwillige Feuerwehren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bojendorf, Gräfenhäusling und Wattendorf gibt es Freiwillige Feuerwehren. Die Feuerwehr Gräfenhäusling verfügt über ein TSF (mit Gruppenbesatzung auf Basis eines ehemaligen Löschgruppenfahrzeugs); die Feuerwehr Wattendorf kann auf ein HLF 10 und ein MZF zurückgreifen.

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 305. Im verarbeitenden Gewerbe gab es neun Betriebe, im Bauhauptgewerbe keine Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 79 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1220 Hektar, davon waren 1078 Hektar Ackerfläche und 140 Hektar Dauergrünfläche.

Wattendorfer Plattenkalk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Steinbruch bei Wattendorf wird eine besonders reine Form von Kalk (Wattendorfer Kalk) und Magnesiumkalk (Dolomit) abgebaut. 2002 stieß Thomas Bechmann, der Präparator des Naturkundemuseums Bamberg unerwartet auf Fossilienfunde, nämlich Resten von Fischen und Krebsen, die in dünne Kalkplatten eingeschlossen waren. Seit 2004 führt das Naturkundemuseum Bamberg Grabungskampanien durch.[5][6] Das räumlich engbegrenzte Vorkommen erstreckt sich nur auf wenige Schichtbereiche innerhalb des Steinbruchs. Die fossilführenden Schichten sind nur während der Grabungsphasen zugänglich, da sie von Baggern freigelegt werden müssen. Aus Sicherheitsgründen ist das unerlaubte Betreten des Steinbruches strengstens verboten.

Die Entdeckung der ältesten und nördlichsten Vorkommen von Plattenkalken aus der Zeit des Oberen Jura führte in den folgenden Jahren zu spektakulären Funden von zum Teil bisher unbekannten Fossilien. So wurde 2012 ein Flugsaurier mit hohen Stelzenbeinen freigelegt, der nach Aussagen von Forschern des Naturkundemuseums Bamberg und des Naturkundemuseums Karlsruhe vor rund 155 Millionen Jahren lebte.[7]

Die Wattendorfer Plattenkalke sind auf die gleiche Weise entstanden wie die Solnhofener Plattenkalke und weisen nach den bisherigen Erkenntnissen eine noch größere Fossiliendichte auf, als die weltberühmte Fossilienlagerstätte in Solnhofen. Präparierte Fundstücke werden im Naturkundemuseum Bamberg präsentiert.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 13. September 2018 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Bayerische Landesbibliothek Online (BLO). In: bayerische-landesbibliothek-online.de. Abgerufen am 30. Dezember 2016.
  3. Johannes Neumann: Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803: Voraussetzungen und Folgen (PDF-Datei; 179 kB)
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 673.
  5. http://www.cfk-fossilien.de/die-plattenkalke-von-wattendorf/
  6. http://www.cfk-fossilien.de/wattendorf-grabung-2017/
  7. Bayern: Forscher feiern sensationellen Flugsaurier-Fund. In: Spiegel Online. 24. August 2012, abgerufen am 30. Dezember 2016.
  8. http://www.naturkundemuseum-bamberg.de/index.php/de/sonderausstellung/frankenland-am-jurastrand

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wattendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien