Wauwilermoos

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Beobachtungsturm Wauwilermoos
Beobachtungsturm Wauwilermoos.JPG
Basisdaten
Ort: Egolzwil
Kanton: Luzern
Staat: Schweiz
Höhenlage: 498 m ü. M.
Verwendung: Aussichtsturm
Zugänglichkeit: Aussichtsturm öffentlich zugänglich
Turmdaten
Bauzeit: 2016
Baukosten: 350'000 CHF
Baustoff: Holz
Gesamthöhe: 29.6 m
Höhe der Aussichtsplattform: 27.0 m
Positionskarte
Beobachtungsturm Wauwilermoos (Kanton Luzern)
Beobachtungsturm Wauwilermoos
Beobachtungsturm Wauwilermoos
Koordinaten: 47° 10′ 22,5″ N, 8° 1′ 6,2″ O; CH1903: 643953 / 224825

Die Moorebene des Wauwilermooses (der ehemalige Wauwilersee) liegt auf dem Gebiet der Luzerner Gemeinden Egolzwil, Ettiswil, Mauensee, Schötz und Wauwil in der Schweiz. Dessen paläolithisch-neolithische (umgangssprachlich alt-jungsteinzeitliche) Ufersiedlungen stehen unter Kulturgüterschutz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torfabbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gebiet wurde seit den 1820er Jahren Torf abgebaut. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der See endgültig trockengelegt, wobei erste steinzeitliche Siedlungen gefunden wurden. Inzwischen sind über 100 steinzeitliche Fundstellen bekannt.

Interniertenstraflager Wauwilermoos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg wurde in dieser Gegend ein Straflager für Internierte geführt, in dem internierte alliierte Soldaten Strafen wegen Fluchtversuchen oder anderer Vergehen zu verbüssen hatten. Das Interniertenstraflager Wauwilermoos war neben Hünenberg und Les Diablerets eines von drei Internierungsstraflagern, die in der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges bestanden. Daneben existierten in mehr als jeder sechsten Ortschaft in der Schweiz zumindest zeitweise reguläre Internierungslager.[1]

Die unhaltbaren Zustände wurden später von zahlreichen damaligen Insassen geschildert (siehe Weblinks und Literatur), verschiedene zeitgenössische Berichte und Untersuchungen führten jedoch kaum zu Verbesserungen.

Nachdem der Kommandant des Internierten-Straflagers, Hauptmann André Béguin, in einem ersten Verfahren wegen Spionageverdachts 1942 freigesprochen wurde, wurde er 1946 wegen verschiedener Vergehen wie Betrug, Veruntreuung, Fälschung dienstlicher Akten oder Nichtbefolgens von Dienstvorschriften zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt.[2]

Strafanstalt Wauwilermoos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1947 befindet sich im Wauwilermoos wieder eine Strafanstalt. In der 1979–1983 neu gebauten halboffenen Anstalt werden Freiheitsstrafen vollzogen. Seit 2010 dient die Strafanstalt Wauwilermoos zudem als Ausschaffungsgefängnis.[3]

Raffinerieprojekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine in den 1960er Jahren als Mittelland-Raffinerie geplante Erdölraffinerie wurde aus politischen, insbesondere aber aus ökonomischen Gründen nicht realisiert. Das Projekt wurde in den 1980er-Jahren endgültig eingestellt.

Pfahlbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Ausgrabungen im Wauwilermoos entdeckten Archäologen Reste bedeutender Pfahlbauten. 17'000 v. Chr. existierten in diesem Gebiet drei Seen, die im Laufe der Zeit bis auf den noch existierenden Mauensee verlandeten.

Beobachtungsturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 wurde der alte Beobachtungsturm durch einen neuen auf Stelzen erstellten Holzturm ersetzt. Über 30 Treppenstufen gelangt man auf die Aussichtsplattform in 7 Meter Höhe.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Überblick über die archäologischen Forschungen mit zahlreicher Literatur:
    • Jakob Bill: Die Wauwiler Ebene als Siedlungsraum von der Jungsteinzeit bis zu den Römern. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Luzern, 36, 1999, S. 49–66.
  • Zum Lager:
    • Erich Aschwanden: Straflager des Grauens. In: Neue Zürcher Zeitung, 2. November 2015.
    • Hilmar Gernet: Die Hölle des Straflagers Wauwilermoos. In: Luzerner Zeitung, 20. Mai 1995, S. 50–51.
    • Peter Kamber: Schüsse auf die Befreier. Die «Luftguerilla» der Schweiz gegen die Alliierten 1943–1945. Rotpunktverlag, Zürich 1993 (unter anderem mit ausführlichen Angaben zu Kommandant André Béguin, speziell S. 196–228).
  • Berichte von Internierten:
  • Zur Erdölraffinerie und weiteren Projekten:
    • Martin Merki: Die raffinierte Natur war stärker als die Raffinerie. In: Luzerner Kalender 2001, S. 69–73.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Georges Schild: Die Internierung von Militär- und Zivilpersonen in der Schweiz 1939–1946. Bern 2016, S. 180–210.
  2. Peter Kamber: Schüsse auf die Befreier. Die «Luftguerilla» der Schweiz gegen die Alliierten 1943–45. Zürich 1993, S. 196–205.
  3. http://www.wauwilermoos.lu.ch/index/geschichte.htm@1@2Vorlage:Toter Link/www.wauwilermoos.lu.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
360° Panorama vom Beobachtungsturm Wauwilermoos