Weapon Storage and Security System WS3

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Weapon Storage and Security System WS3 (Europa)
Ramstein Vereinigte Staaten
Ramstein Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
Hahn Vereinigte Staaten
Hahn Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
Aviano Vereinigte Staaten
Aviano Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
Incirlik Vereinigte Staaten
Incirlik Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
Lakenheath Vereinigte Staaten
Lakenheath Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
Marham Vereinigte Staaten
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Bentwaters Vereinigte Staaten
Bentwaters Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
Upper Heyford Vereinigte Staaten
Upper Heyford Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
Büchel Deutschland
Büchel DeutschlandDeutschland
Memmingen Deutschland
Memmingen DeutschlandDeutschland
Nörvenich Deutschland
Nörvenich DeutschlandDeutschland
Brüggen Vereinigtes Konigreich
Brüggen Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich
Söllingen Kanada
Söllingen KanadaKanada
Bremgarten Frankreich
Bremgarten FrankreichFrankreich
Kleine Brogel Belgien
Kleine Brogel BelgienBelgien
Volkel Niederlande
Volkel NiederlandeNiederlande
Ghedi Torre Italien
Ghedi Torre ItalienItalien
Rimini Italien
Rimini ItalienItalien
Araxos Griechenland
Araxos GriechenlandGriechenland
Balıkesir Turkei
Balıkesir TurkeiTürkei
Eskişehir Turkei
Eskişehir TurkeiTürkei
Nuklearfähige Luftstreitkräfte der NATO mit US-amerikanischem Munitions Support
General Roger Brady besichtigt eine Übungsbombe in der Volkel Air Base.

Das Weapon Storage and Security System (WS3) ist ein Lagersystem, um Nuklearwaffen in den Flugzeughangars in Unterflurmagazinen zu lagern. Es wird von den US-Streitkräfte auf Flugplätzen in anderen NATO-Ländern eingesetzt. Aus den Magazinen können Atombomben B61 unmittelbar an die Kampfflugzeuge wie zum Beispiel Kampfjets F-16 montiert werden. Das Bauprogramm für WS3-Lagersysteme umfasste Ende der 1980er-Jahre insgesamt 437 Magazine, wurde aber nach dem Ende des Kalten Krieges auf 208 Magazine begrenzt.

Die Magazine wurden Anfang der 1990er-Jahre auf allen Flugplätzen in Deutschland, aber auch in Belgien, den Niederlanden, in Italien, der Türkei und in Großbritannien installiert, die weiterhin für einen Atomwaffeneinsätze eingeplant blieben.

Eine interne Untersuchung der US Air Force ergab 2008 dennoch Bedenken bei der Sicherheit generell.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nukleare Verwahrung der Atomwaffen für die US Air Force und die verbündeten NATO-Partner geschieht seit 1986 über das Weapon Storage and Security System (WS3). Für die Landstreitkräfte bestand die 59th Ordnance Brigade mit Sitz in Pirmasens.

Die Anfänge der nuklearen Verwahrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nukleare Ausrüstung der deutschen Luftwaffe begann mit dem Programm "Wagon Train" [2]. Als erste Einheit erhielt 1./JaboG 33 auf dem Fliegerhorst Büchel Atomwaffen. Unter strengster Bewachung des US-Custodial Detachments trafen die Waffen 1962 auf dem Fliegerhorst ein. Weiterhin wurden auch die Jabo-Geschwader in Memmingen und Nörvenich nuklearfähig gemacht. 1968 stellte HQ USAFE die 7232nd Munitions Maintenance Group (MMG) auf der Ramstein Air Base in Dienst, um die zentrale Führung gemäß dem NATO Atomic Stockpile Program sicherzustellen. 7232nd MMG entsandte Detachments (Munitions Support Squadron, MUNSS) an die Einsatzgeschwader der "Host Tactical Units".

7000th MUNSS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1974 stellte HQ USAFE 7232nd MMG außer Dienst und unterstellte die einzelnen Detachments der 7000th Munitions Support Squadron (MUNSS), die ebenfalls in Ramstein ihren Sitz hatte und Seventeenth Air Force in Sembach Air Base unterstellt wurde. Ziel der Reorganisation war die Verbesserung der Dienstaufsicht und der Verwaltung der nuklearen Vorräte. Von 1994 bis 1996 bestanden drei regionale Zwischenebenen in der Führungsstruktur unterhalb Seventeenth Air Force (ebenfalls 1996 aufgelöst):

  • 603rd Regional Support Group (RSG) RAF Mildenhall (GB),
  • 616th RSG Aviano Air Base (IT) für IT und GR,
    • 402 MUNSS, Rimini (IT),
    • 731 MUNSS, Araxos (GR),
    • 831 MUNSS, Ghedi Torre (IT),
  • 617th RSG Sembach Air Base (GE) für GE, BE und NL,
    • 52 MUNSS, Kleine Brogel (BE),
    • 604 MUNSS, Nörvenich (GE),
    • 605 MUNSS, Memmingen (GE),
    • 617 MUNSS, Morbach (GE) Ammunition Storage Station,
    • 752 MUNSS, Volkel (NL),
    • 852 MUNSS, bis 1996 817 MUNSS, Büchel (GE),
  • sowie 39th Wing in TR,
    • 39 MUNSS, Balıkesir (TR),
    • 739 MUNSS, Mürted-Akıncı (TR),

INF und WS3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sogenannte Nachrüstung in Europa mit dem NATO-Doppelbeschluss im Bereich der Intermediate Range Nuclear Forces (INF-Vertrag) und der Stationierung von Marschflugkörpern oder Ground Launched Cruise Missiles (GLCM) in Europa erfolgte unter den Richtlinien des neuen Programms WS3 der US Air Force, das zugleich verbindliche Größen für die Anzahl der Kammern (Vaults) vorsah. Zentraler Ort für WS3 ist wiederum Ramstein.

38th MMG und 52nd MMG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Reorganisation von 2004 kehrte USAFE zur Munitions Maintenance Group als zentraler Führungsstelle zurück und stellte statt 7000th MUNSS die 38th MMG in Ramstein in Dienst. Schon drei Jahre später wurde die Einheit jedoch deaktiviert und stattdessen 52nd MMG auf Spangdahlem Air Base als Teil des 52nd Fighter Wing aufgestellt. 52nd MMG ist vorgesetzte Dienststelle der Detachments auf den Einsatzflugplätzen in

  • 701 MUNSS, Kleine Brogel (BE), für 10e Tactical Wing mit 72 F-16,
  • 702 MUNSS, Büchel (GE), für JaboG 33 mit Tornados,
  • 703 MUNSS, Volkel (NL), für 306., 311., 312. und 313. Staffel mit F-16,
  • 704 MUNSS, Ghedi Torre (IT), für 154º und 102º Gruppo/6º Stormo mit Tornados.

Die Flugplätze Balıkesir (TR) und Mürted-Akıncı (TR) befinden sich im Standby-Modus (Caretaker Status) ohne US Custodial Detachment[3]. Außerdem sind noch Atomwaffen bei den US-Verbänden in Aviano (IT) und Incirlik (TR) vorhanden.

US Air Bases[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Air Base Vaults 1986 geplant Vaults bis 1997 gebaut Vaults 2004 Max. Kap. 1986 Max. Kap. 1997 Max. Kap. 2004 B61 (Kernwaffe) Abzug der Atomwaffen Bemerkungen
Ramstein (GE) 58 55 55 232 220 220 90 US, 40 Host[4] 2004-05 Spangdahlem[5], Araxos[6], Memmingen[7]
Hahn (GE) 53 - - 212 - - - 1993
Aviano (IT) 18 18 18 72 72 72 50 US noch bestehend 31st TFW[8]
Incirlik (TR) 30 25 25 120 100 100 50 US, 40 Host noch bestehend 39th TFW[9][10]
RAF Lakenheath (GB) 48 33 33 192 132 132 110 US 2007 48th TFW[11]
RAF Marham (GB) - 24 - - 96 - - 2007
RAF Bentwaters (GB) 25 - - 100 - - - 1994
RAF Upper Heyford (GB) 55 - - 220 - - - 1994

US-Stützpunkte aufgrund des INF-Vertrages[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stützpunkt Vaults 1986 geplant Max. Kap. 1986 geplant W-84 Kernwaffen Abzug der Atomwaffen Bemerkungen
Comiso (IT) 2 8 8 1988–1991
Florennes (BE) 2 8 8 1988–1991
RAF Greenham Common (GB) 2 8 8 1988–1991
RAF Molesworth (GB) 2 8 - 1988
Woensdrecht (NL) 2 8 8 1988–1991
Wüschheim (GE) 2 8 8 1988 nie einsatzbereit

Nukleare Verwahrung für die NATO-Partner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Air Base MUNSS Detachment Host Tactical Unit Vaults 1986/1997 Max. Kap. 1986/1997 B61 (Kernwaffe) (Codewort) Außerdienststellung der MUNSS Bemerkungen
Fliegerhorst Büchel (GE) 1962-1974 7501st, 1974-1996 817th, 1996-2004 852nd, seit 2004 702nd JaboG 33, PA 200-Tornado seit 1990 11 44 20 Host (Tool Chest) noch bestehend Letzte Atomwaffen auf deutschem Boden
Fliegerhorst Memmingen (GE) 1963-1974 7261st, 1974-1996 7611th, 1996-2003 605th JaboG 34, PA 200-Tornado seit 1989 11 44 20 Host 1996 1996 B61 nach Ramstein transferiert, MUNSS aufgelöst, Geschwader 2003 außer Dienst gestellt, Flugplatz wird zivil genutzt. WS3-Systeme wurden ausgebaut.
Fliegerhorst Nörvenich (GE) 1963-1974 7502nd, 1974-1996 604st JaboG 31, PA 200-Tornado seit 1991 11 44 20 Host 1996 1996 B61 nach Ramstein transferiert, MUNSS aufgelöst, Standort erhielt Caretaker Status.
RAF Brüggen (RAFG) (GE) 7363rd No. 9 Squadron, PA 200-Tornado seit 1986 10 40 WE-177 Kernwaffen[12] 1998 Squadron 2002 außer Dienst gestellt.
RCAF Base Söllingen (RCAF) (GE) u/i 1 Canadian Air Group, CF-18 1984[13] 1993 Abzug der kanadischen Truppen.
BAO 136 Bremgarten (FFA) (GE) u/i 11e Escadre de Chasse, F-100 1966[14] 1967 Übergabe des Fliegerhorsts an die deutsche Luftwaffe.
Militärflugplatz Kleine Brogel (BE) 1963-1974 7361st, 1974-2004 52nd, seit 2004 701st 10 Wing, F-16 seit 1992 11 44 20 Host (Pine Cone) noch bestehend Letzte Atomwaffen auf belgischem Boden.
Militärflugplatz Volkel (NL) 1963-1974 7362nd, 1974-2004 752nd, seit 2004 703rd 312 Sqn, 316 Sqn, F-16 A/B MLU seit 1984 11 44 20 Host (Toy Chest) noch bestehend Letzte Atomwaffen auf niederländischem Boden.
Militärflugplatz Ghedi Torre (IT) 1963-1974 7402nd, 1974-2004 831st, seit 2004 704th 6 Stormo, PA 200-Tornado seit 1997 6, 1997 11 24, 1997 44 40 Host (Stone Ax) noch bestehend MUNSS unter 31st TFW Aviano (US-Wing). 1993 20 B61 aus Rimini nach Ghedi Torre transferiert.
Flughafen Rimini (IT) 1963-1974 7401st, 1974-1993 402nd 5 Stormo, F-104 6 24 20 Host 1993 1993 20 B61 aus Rimini nach Ghedi Torre transferiert, Geschwader nach Cervia verlegt.
Flughafen Araxos (GR) 1963-1974 7061nd, 1974-2001 731st 116 Combat Wing 11 44 20 Host 2001 2001 20 B61 aus Araxos nach Ramstein transferiert.
Militärflugplatz Balıkesir (TR) 1963-1974 7391st, 1974-1996 39th 191 Sqn, 192 Sqn, F-16 C/D seit 1997 6 24 - 2001 Caretaker Status.
Militärflugplatz Mürted-Akıncı (TR) 1963-1974 7393th, 1974-1996 739th 141 Sqn, 143 Sqn, F-16 C/D seit 1997 6 24 - 1996 Caretaker Status.
Flughafen Malatya Erhaç (TR) 7394th 171 Sqn, 172 Sqn, F-4 6 24 - 1991 1991 nukleare Rolle beendet.
Militärflugplatz Eskişehir (TR) 7392nd 111 Sqn, F-4 6 24 - 1991 1991 nukleare Rolle beendet.

Abkürzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abkürzung Text
AB Air Base
AFB Air Force Base
ATAF Allied Tactical Air Force
BAO Base Aérienne Opérationnelle
BE Belgian, Belgien
Det Detachment
FBW Fighter Bomber Wing
FFA Forces Françaises en Allemagne
FOB Forward Operating Base
GB British, Großbritannien
GE German, Deutschland
GR Greek, Griechenland
HQ Headquarters
INF Intermediate Range Nuclear Forces
IT Italian, Italien
JaboG Jagdbombergeschwader
MMG Munitions Maintenance Group
MUNSS Munitions Support Squadron
NATO North Atlantic Treaty Organisation
NL Netherlands, Niederlande
RAF Royal Air Force
RAFG Royal Air Force Germany
RCAF Royal Canadian Air Force
RNAF Royal Netherlands Air Force
SP Spanish, Spanien
Sqn Squadron
TFW Tactical Fighter Wing
TR Turkish, Türkei
u/i unidentified
USAFE United States Air Force in Europe
USAREUR United States Army in Europe

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Air Force Blue Ribbon Review of Nuclear Weapons Policies and Producers. Untersuchung der Air Force zur Politik und zum Umgang mit Atomwaffen, 8. Februar 2008 (online; PDF; 3,6 MB)
  2. Akten hierzu im Bundesarchiv-Militärarchiv (BA-MA) in Freiburg: BW 1/12422.
  3. Unter dem 1. Juli 1995 verzeichnet USAFE: "HQ USAFE eliminated manning at the 39th Munitions Support Squadron at Balikesir, Turkey, and the 739th MUNSS at Akinci (formerly called Murted until 2 July), Turkey, but could not inactivate the units because of disagreements with the Turks over equipment issues. Henceforth, the units existed in name only and USAFE kept six people at each site on temporary duty to serve as custodians of the equipment and facilities." Vgl. Historical Highlights, the United States Air Forces in Europe 1942-1997, Hrsg. Headquarters USAFE, Ramstein Air Base, Germany, 14 March 1997.
  4. Host-B61-Kernwaffen waren für Verbände des „Gastlandes“ (host = Gastgeber) bestimmt.
  5. 2005 wurde Ramstein Custodian für 52nd TFW Spangdahlem (GE), dessen Ausrüstung mit F-16 C/D im Januar 1992 abgeschlossen war.
  6. Von den 90 US-Kernwaffen B61 waren 20 im Jahr 2001 aus Araxos (GR) abgezogen worden.
  7. Von den Kernwaffen B61 waren 20 für das JaboG 34 in Memmingen bestimmt und wurden 1996 abgezogen. Die WS3-Lagersysteme wurden bei Schließung des Fliegerhorstes ausgebaut.
  8. Standort des 31st TFW (bis 1994 401st TFW), das 1992 aus Torrejon (SP) nach Aviano verlegt worden war, ausgerüstet seit 1996 mit F-16 C/D.
  9. Standort des 39th TFW, ausgerüstet seit 1998 mit F-16 C/D.
  10. Nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei 2016 hat ein renommierter think tank, das Stimson Institute, Sorge um die Sicherheit der auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik stationierten US-Atomwaffen geäußert. Rund 50 Atomwaffen in Incirlik zu lagern, sei "russisches Roulette", erklärte die Ko-Autorin des Berichts, Laicie Heeley. Die Historikerin Kori Schake vom Hoover-Institut erklärte in der "New York Times", die Waffen könnten nicht ohne Code genutzt werden. Es sei nicht möglich, sie ohne Genehmigung zu aktivieren. Selbst wenn die Türkei zum Gegner der USA würde, seien die dort stationierten Waffen nicht gefährlich, erklärte sie.
  11. Standort des 48th TFW, ausgerüstet seit 1994 mit F-15 E.
  12. Von 1995 bis 1998 wurde WS3 auch für die WE-177 Kernwaffen der RAF eingesetzt, bis GB die flugzeuggestützte Komponente der nuklearen Abschreckung aufgab (1998).
  13. 1984 beendete die kanadische Regierung die bilateralen Nuklearabkommen mit den USA und beendete damit auch die nukleare Rolle Söllingens.
  14. 1966 beendete die französische Regierung die Mitwirkung an der integrierten Verteidigung der NATO und beendete damit auch die nukleare Rolle Bremgartens.