Webasto

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Webasto Group

Rechtsform Societas Europaea (SE)
Gründung 1901[1]
Sitz Gauting-Stockdorf,
Deutschland Deutschland
Leitung
  • Holger Engelmann (Vorsitz)
  • Freddy Geeraerds
  • Arne Kolfenbach
  • Rolf Bulander (Aufsichtsratsvorsitzender)
  • Yanni von Roy-Jiang
  • Marcel Bartling[2]
Mitarbeiterzahl 15.710 (2022)[3]
Umsatz 3,7 Mrd. Euro (2022)[3]
Branche Automobilzulieferer
Website www.webasto-group.com
Webasto-Zentrale, Stockdorf

Die Webasto SE ist deutscher Automobilzulieferer. Das Unternehmen in Familienbesitz hat seine Zentrale im Ortsteil Stockdorf der oberbayerischen Gemeinde Gauting bei München und tritt unter dem Markennamen Webasto Group auf.

Webasto entwickelt und produziert seit 1937 Schiebedächer und Dachmodule für Cabrios. Seit 2017 entwickelt und produziert das Unternehmen zudem Ladetechnik und Akkumulatorensysteme für Elektrofahrzeuge. Webasto ist weltweit an über 50 Standorten vertreten und zählt nach eigenen Angaben zu den weltweit 100 größten Zulieferern der Automobilindustrie. Die Gruppe hat 2022 einen Umsatz von 3,7 Mrd. Euro erwirtschaftet und beschäftigt weltweit über 15.700 Mitarbeiter.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1901 durch Wilhelm Baier (1853–1917) in Esslingen im Königreich Württemberg als „Eßlinger Draht- und Eisenwarenfabrik Wilhelm Baier, Eßlingen/Neckar“ gegründet. 1908 wurde der Firmensitz nach Stockdorf verlegt und der Firmenname in Webasto geändert – ein Akronym aus „W[ilhelm] Baier Stockdorf“.[1] Zunächst wurden Fahrradteile, Drahtgegenstände und Sämaschinen hergestellt. Die Maschinen wurden von der Wasserkraft der Würm angetrieben.[4]

1932 wurde das erste Faltdach für Daimler-Benz entwickelt. Dieses wurde dann ab 1937 zunächst in Bussen, dann in PKWs, wie z. B. im Mercedes 170V, serienmäßig verbaut. Dazwischen wurde, im Jahr 1935, auch das nächste Produkt entwickelt. Die Heizung für Wagen mit wassergekühltem Motor, genannt Auto-Frischluftheizung wird durch einen Wärmetauscher betrieben. Während des Zweiten Weltkrieges belieferte Webasto Daimler-Benz mit Heizungen und BMW mit Blechteilen. Außerdem wurden Einzelteile für militärische Ausrüstung wie Gurtkästen oder Trommeln für Maschinengewehre produziert.[4] In dieser Zeit waren außerdem 137 Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter bei dem Unternehmen angestellt.[1]

Nach dem Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nachkriegszeit stellte das Unternehmen aus Materialbeständen der Wehrmacht Alltagsgestände aus Metall her.[4] Bereits 1952 entwickelte das Unternehmen erste Heizungen für Busse sowie motorunabhängige Heizungen für Pkw. Ab 1956 war Webasto Stahlschiebedach-Lieferant für Mercedes-Benz. Von 1960 bis 1982 war Walter Baier Geschäftsführer des Unternehmens.[5]

1974 erfolgte die Gründung der ersten Auslandstochter Webasto Sunroofs Inc. in den USA. Weitere Tochtergesellschaften wurden in Großbritannien, Frankreich, Italien, den USA, Japan, China und Indien gegründet. In Südkorea wurde mit dem Automobilzulieferer Donghee ein Joint Venture gegründet. 1980 begann die Dachproduktion in Utting am Ammersee.

Ab 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Beschäftigung von Kriegsgefangenen als Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs beteiligte sich Webasto auch im Jahr 2000 bei der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft zur Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern.[1]

2009 erwarb Webasto die Cabriosparte von Edscha, 2010 erfolgte die Übernahme des Nordamerika-Geschäfts von Karmann. Damit wurde das Unternehmen Marktführer für Cabriodächer.[1]

2012 erhielt die Gruppe eine neue Unternehmensstruktur. Die Webasto AG wurde in eine Europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea; SE) überführt. Gleichzeitig sind die beiden Unternehmensbereiche für Dach- und Thermosysteme rechtlich verselbständigt worden: Die Webasto Roof & Components SE verantwortet das Dach- und Cabriodachgeschäft, die Webasto Thermo & Comfort SE das Geschäft für Heiz-, Kühl- und Lüftungssysteme.[6] Im Jahr 2013 wurde Holger Engelmann als Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Franz-Josef Kortüm berufen. Kortüm stand 13 Jahre an der Spitze des Unternehmens.[7]

Mit der Eröffnung des Standorts in Shenyang im Juli 2014 reagierte Webasto auf die gestiegene Nachfrage nach Schiebedächern in China.[8] 2017 wurde mit der Werkseröffnung in Baoding das Produktionsnetzwerk erneut erweitert, um die Produktionskapazität im größten Einzelmarkt für Webasto zu erhöhen.[9]

Zum 1. Januar 2017 übernahm Webasto den Elektronikdienstleister Schaidt Innovations mit Sitz in Wörth-Schaidt. Damit erwarb das Unternehmen eine eigene Elektronikfertigung.[10] Am 2. August 2017 übernahm Webasto die CoSyst Control Systems GmbH, ein auf Hard- und Softwareentwicklung in der Automobilbranche spezialisiertes Unternehmen.[11]

2017 stieg Webasto mit der Entwicklung und Produktion von Ladetechnik und Akkumulatorensystemen für Elektrofahrzeuge in den Markt für Elektromobilität ein.[12] In diesem Zusammenhang übernahm Webasto den EES-Geschäftsbereich für Ladestationen des US-Unternehmens AeroVironment.[13] Für die Versorgung von Batteriezellen schloss Webasto im Jahr 2018 mit den Unternehmen Samsung und Wanxiang jeweils individuelle Vereinbarungen. Webasto ist seit 2017 Partner der Plattform Startup Autobahn, dem deutschen Ableger des US-amerikanischen Plug and Play Tech Center.[14]

2018 investierte die Webasto Gruppe 271 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Besonders die Bereiche Elektromobilität und Mechatronik standen im Fokus.[15]

Im April 2019 übernahm Webasto die Anteile des südkoreanischen Joint-Venture-Partners Donghee. Mit dieser größten Akquisition in der Unternehmensgeschichte baute Webasto seine Marktposition in Asien weiter aus.[16]

Auf der IAA 2019 stellte Webasto das Roof Sensor Modul (RSM) für autonomes Fahren vor.[17] Ebenfalls 2019 begann Webasto mit der Produktion von Batteriezellen für Elektrofahrzeuge in Deutschland. Im Jahr 2020 errichtete das Unternehmen ein neues Werk für Dachsysteme und Batteriezentrum in Jiaxing (China).[18]

Familienunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen ist bis heute in Familienbesitz. Es gehört jeweils zur Hälfte Werner Baier (* 1943) und Gerhard Mey (* 1953). Nach der Philosophie der Eigentümer soll es keine Ausschüttungen geben und das Kapital im Unternehmen bleiben.[19][3][20]

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zentrale liegt im Gautinger Ortsteil Stockdorf im oberbayerischen Landkreis Starnberg. Weitere deutsche Standorte befinden sich unter anderem in Gilching, Utting am Ammersee, Neubrandenburg, Hengersberg, Schaidt und Schierling. Die Zentrale des Thermo-Geschäfts befindet sich in Gilching, westlich von München. Der Standort gilt als Vorzeigeprojekt moderner Gewerbebauten mit einer CO₂-freien Energiegewinnung und einem 1.200 m² großen semitransparenten Photovoltaik-Glasdach.[21] Insgesamt unterhält die Webasto SE weltweit rund 50 Standorte – davon ca. 30 Produktionsstandorte.[22]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Webasto Showcar auf der IAA 2021

Die Produktpalette umfasst

  • Schiebe- und Panoramadächer sowie Solar- und Leichtbaudächer[23]
  • Cabriodächer (Softtops, Retractable Hard Tops und Hybriddächer)[23]
  • Heizkonzepte für alle Antriebsarten und verschiedene Fahrzeugtypen sowie Klimasysteme für leichte Nutzfahrzeuge und Transporter
  • Batteriesysteme und Ladelösungen für Elektrofahrzeuge.

COVID-19-Erkrankungsfälle ab Januar 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesweite Aufmerksamkeit bekam das Unternehmen im Januar 2020, als im Zuge der COVID-19-Pandemie ab dem 27. Januar 2020 die ersten Infektionen mit der durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelösten Atemwegserkrankung in Deutschland bei Webasto-Mitarbeitern am Hauptsitz der Firma nachgewiesen wurden.[24][25] Zur Ansteckung kam es während einer Veranstaltung, auf der eine unbemerkterweise mit COVID-19 infizierte chinesische Mitarbeiterin anwesend war.[24] Am 4. März gab das Unternehmen bekannt, dass alle erkrankten Mitarbeiter wieder genesen sind.[26]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Webasto fiel im Februar 2019 dadurch auf, dass feste Arbeitnehmer wegen angeblich nicht ausreichend vorhandener Arbeit entlassen wurden. Die frei gewordenen Stellen wurden jedoch direkt über Leiharbeit wieder besetzt, allerdings zu erheblich schlechteren Konditionen.[27] Nach dem Bekanntwerden erhielten die gekündigten Mitarbeiter ihre ehemaligen Stellen zu den ursprünglichen Konditionen zurück und Webasto wies die Vorwürfe zurück.[28]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Webasto – Sammlung von Bildern

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Das Unternehmen – Historie. In: webasto-group.com. Webasto Group, abgerufen am 2. Februar 2020.
  2. Impressum. Abgerufen am 5. Januar 2022 (deutsch).
  3. a b c d Baier, Familie (Webasto SE, Stockdorf), Inhaber. In: die-deutsche-wirtschaft.de. 28. Februar 2022, abgerufen am 16. März 2022.
  4. a b c Ludwig Berchtold: Stockdorf. Geschichte und G'schichtn des Ortes an der Würm. Buchendorfer Verlag, München 1997, ISBN 978-3-927984-66-0, S. 54 f.
  5. Ludwig Berchtold: Stockdorf. Geschichte und G'schichtn des Ortes an der Würm. Buchendorfer Verlag, München 1997, ISBN 978-3-927984-66-0, S. 60.
  6. Das Unternehmen – Zahlen & Fakten. In: webasto-group.com. Webasto Group, abgerufen am 2. Februar 2020.
  7. Personeller Wechsel an der Führungsspitze. In: automobil-industrie.vogel.de. 1. Januar 2013, abgerufen am 23. August 2018.
  8. Christiane Brünglinghaus: Webasto expandiert in China. In: springerprofessional.de. 26. Mai 2014, abgerufen am 2. Februar 2020.
  9. Götz Fuchslocher: Webasto eröffnet Werk in Boading. In: automobil-produktion.de. 5. Mai 2017, abgerufen am 2. Februar 2020.
  10. Webasto kauft Elektronik-Dienstleister. In: all-electronics.de. 23. Januar 2017, abgerufen am 2. Februar 2020.
  11. Webasto verstärkt Entwickler-Team. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 10. August 2017, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  12. Christiane Habrich-Böcker: Webasto stellt neue strategische Unit vor. In: automobil-produktion.de. 30. Mai 2017, abgerufen am 2. Februar 2020.
  13. Webasto möchte Geschäftsbereich für Ladestationen von AeroVironment übernehmen. In: elektroauto-news.net. 5. Juni 2018, abgerufen am 2. Februar 2020.
  14. STARTUP AUTOBAHN powered by Plug and Play – Partner. In: startup-autobahn.com. Abgerufen am 2. Februar 2020.
  15. Markus Fasse: Autozulieferer Webasto hat große Pläne – Umsatz soll sich verdoppeln. In: handelsblatt.com. Handelsblatt, 21. Mai 2019, abgerufen am 2. Februar 2020.
  16. Tino Böhler: Webasto Donghee: Größte Übernahme der Firmengeschichte. In: automobil-produktion.de. 10. April 2019, abgerufen am 2. Februar 2020.
  17. Webasto zeigt breites Produktspektrum für Mobilitätstrends. Abgerufen am 5. Januar 2022.
  18. Webasto eröffnet neues Werk in China. In: emobilitaet.online. 14. Januar 2020, abgerufen am 16. März 2022.
  19. Cornelia Knust: Hier kümmert sich ein Inhaber. In: manager-magazin.de. manager magazin new media GmbH & Co. KG, 15. August 2011, abgerufen am 17. März 2022.
  20. Mey, Familie (Webasto SE, Stockdorf), Inhaber. In: die-deutsche-wirtschaft.de. 28. Februar 2022, abgerufen am 16. März 2022.
  21. Neubau einer Firmenzentrale in Gilching: Ohne Überhitzung. In: bba-online.de. 8. Dezember 2009, abgerufen am 2. Februar 2020.
  22. Das Unternehmen – Standorte weltweit. In: webasto-group.com. Webasto Group, abgerufen am 2. Februar 2020.
  23. a b Tradition trifft Innovation: Das Dach des neuen BMW 4er Cabrios von Webasto. In: webasto-group.com. 11. Mai 2021, abgerufen am 16. März 2022.[ ], auf
  24. a b Gesundheitsministerium bestätigt: Drei weitere Coronavirus-Fälle in Bayern. In: spiegel.de. Der Spiegel, 28. Januar 2020, abgerufen am 29. Januar 2020.
  25. Anna Clauß: Coronavirus in Bayern: Webasto-Chef beklagt Ausgrenzung seiner Mitarbeiter. In: spiegel.de. Der Spiegel, 31. Januar 2020, abgerufen am 31. Januar 2020.
  26. Pressemeldung: Webasto freut sich über Genesung von Mitarbeitern. In: webasto-group.com. Webasto Group, 4. März 2020, abgerufen am 19. März 2020.
  27. Michaela Arbinger: Gekündigter Mitarbeiter soll als Leiharbeiter zurück auf seine Stelle. In: Passauer Neue Presse. 23. Februar 2019, abgerufen am 24. Februar 2019.
  28. Michaela Arbinger: Leiharbeit vom Tisch: Gekündigter Mitarbeiter wird wieder eingestellt. In: Passauer Neue Presse. 28. Februar 2019, abgerufen am 21. April 2020.