Webasto

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Webasto Group

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Rechtsform Societas Europaea (SE)
Gründung 1901[1]
Sitz Gauting-Stockdorf,
DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
  • Holger Engelmann (Vorsitz)
  • Matthias Arleth (stv. Vorsitz)
  • Freddy Geeraerds
  • Jürgen Reimer[2]
Mitarbeiterzahl 13.500 (2019)[3]
Umsatz 3,4 Mrd. Euro (2018)[3]
Branche Automobilzulieferer
Website www.webasto-group.com

Webasto-Zentrale, Stockdorf

Die Webasto SE ist ein deutscher Automobilzulieferer. Das Unternehmen in Familienbesitz hat seine Zentrale im Ortsteil Stockdorf der oberbayerischen Gemeinde Gauting bei München und tritt unter dem Markennamen Webasto Group auf.

Webasto entwickelt und produziert seit 1937 Schiebedächer und Dachmodule für Cabrios. Seit 2017 entwickelt und produziert das Unternehmen zudem Ladetechnik und Akkumulatorensysteme für Elektrofahrzeuge. Webasto ist weltweit an über 50 Standorten vertreten und zählt zu den weltweit 100 größten Zulieferern der Automobilindustrie. Die Gruppe hat 2018 einen Umsatz von 3,4 Mrd. Euro erwirtschaftet und beschäftigt weltweit knapp 13.500 Mitarbeiter.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1901 durch Wilhelm Baier (1853–1917) in Esslingen im Königreich Württemberg als „Eßlinger Draht- und Eisenwarenfabrik Wilhelm Baier, Eßlingen/Neckar“ gegründet. Das Unternehmen ist heute noch je zur Hälfte im Besitz der Nachfahren Gerhard Mey und dessen Onkel Werner Baier[4].

1908 wurde der Firmensitz nach Stockdorf verlegt und der Firmenname in Webasto geändert – ein Akronym aus „W[ilhelm] Baier Stockdorf“.[1]

1937 wurde das erste Faltdach für Daimler-Benz entwickelt, seit 1956 ist Webasto Stahlschiebedach-Lieferant für Mercedes-Benz. Bereits 1952 entwickelte das Unternehmen erste Heizungen für Busse sowie motorunabhängige Heizungen für Pkw.

1974 erfolgte die Gründung der ersten Auslandstochter Webasto Sunroofs Inc. in den USA. Weitere Tochtergesellschaften wurden in Großbritannien, Frankreich, Italien, den USA, Japan, China und Indien gegründet. In Südkorea wurde mit dem Automobilzulieferer Donghee ein Joint Venture gegründet. 1980 begann die Dachproduktion in Utting am Ammersee.

2009 erwarb Webasto die Cabriosparte von Edscha, 2010 erfolgte die Übernahme des Nordamerika-Geschäfts von Karmann. Damit wurde das Unternehmen Marktführer für Cabriodächer.[1] Als Systempartner unterhält Webasto seitdem Werke in Molinella (Italien) und Madrid (Spanien).

2012 erhielt die Gruppe eine neue Unternehmensstruktur. Die Webasto AG wurde in eine Europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea; SE) überführt. Gleichzeitig sind die beiden Unternehmensbereiche für Dach- und Thermosysteme rechtlich verselbständigt worden: Die Webasto Roof & Components SE verantwortet das Dach- und Cabriodachgeschäft, die Webasto Thermo & Comfort SE das Geschäft für Heiz-, Kühl- und Lüftungssysteme.[5] Im Jahr 2013 wurde Holger Engelmann als Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Franz-Josef Kortüm berufen. Kortüm stand 13 Jahre an der Spitze des Unternehmens.[6] Zum 26. Juli 2018 übernahm Franz-Josef Kortüm den Vorsitz des Aufsichtsrats der Webasto SE von Werner Baier.[7]

Mit der Eröffnung des Standorts in Shenyang im Juli 2014 reagierte Webasto auf die gestiegene Nachfrage nach Schiebedächern in China.[8] 2017 wurde mit der Werkseröffnung in Baoding das Produktionsnetzwerk erneut ausgebaut, um die Produktionskapazität im größten Einzelmarkt für Webasto zu erhöhen.[9]

Zum 1. Januar 2017 übernahm Webasto den Elektronikdienstleister Schaidt Innovations mit Sitz in Wörth-Schaidt. Damit erwarb das Unternehmen eine eigene Elektronikfertigung.[10] Am 2. August 2017 übernahm Webasto die CoSyst Control Systems GmbH, ein auf Hard- und Softwareentwicklung in der Automobilbranche spezialisiertes Unternehmen.[11]

2017 stieg Webasto mit der Entwicklung und Produktion von Ladetechnik und Akkumulatorensytemen für Elektrofahrzeuge in den Markt für Elektromobilität ein.[12] In diesem Zusammenhang übernahm Webasto den EES-Geschäftsbereich für Ladestationen des US-Unternehmens AeroVironment.[13] Für die Versorgung von Batteriezellen schloss Webasto im Jahr 2018 mit den Unternehmen Samsung und Wanxiang jeweils individuelle Vereinbarungen. Webasto ist seit 2017 Partner der Plattform Startup Autobahn, dem deutschen Ableger des US-amerikanischen Plug and Play Tech Center.[14]

2018 investierte die Webasto Gruppe 271 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Besonders die Bereiche Elektromobilität und Mechatronik standen im Fokus.[15] Im April 2019 übernahm Webasto die Anteile des südkoreanischen Joint-Venture-Partners Donghee. Mit dieser größten Akquisition in der Unternehmensgeschichte baute Webasto seine Marktposition in Asien weiter aus.[16]

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zentrale liegt im Gautinger Ortsteil Stockdorf im oberbayerischen Landkreis Starnberg. Weitere deutsche Standorte befinden sich unter anderem in Gilching, Utting am Ammersee, Neubrandenburg, Hengersberg und Schierling. Die Zentrale des Thermo-Geschäfts befindet sich in Gilching, westlich von München. Der Standort gilt als Vorzeigeprojekt moderner Gewerbebauten mit einer CO₂-freien Energiegewinnung und einem 1.200 m² großen semitransparenten Photovoltaik-Glasdach.[17] Insgesamt unterhält die Webasto SE weltweit rund 50 Standorte – davon ca. 30 Produktionsstandorte.[18]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produktpalette umfasst

  • Schiebe-, Panorama- und Faltdächer sowie Solar- und Leichtbaudächer
  • Cabriodächer (Softtops und retractable hard tops)
  • Heizkonzepte für alle Antriebsarten und verschiedene Fahrzeugtypen sowie Klimasysteme für leichte Nutzfahrzeuge und Transporter
  • Batteriesysteme und Ladelösungen für Elektrofahrzeuge.

Coronavirus-Erkrankungsfälle ab Januar 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Abschnitt beschreibt ein aktuelles Ereignis. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.

Bundesweite Aufmerksamkeit bekam das Unternehmen Ende Januar 2020, als im Zuge der in China ausgebrochenen Coronavirus-Epidemie 2019/2020 ab dem 27. Januar 2020 die ersten Erkrankungen mit SARS-CoV-2 in Deutschland bei Webasto-Mitarbeitern am Stockdorfer Hauptsitz der Firma nachgewiesen wurden.[19][20] Insgesamt infizierten sich acht Webasto-Mitarbeiter und vier Angehörige mit dem Virus, womit von bisher 14 bestätigten Infektionsfällen in Deutschland zwölf mit Webasto in Verbindung stehen.[21]

Erstmals zur Infektion kam es während einer Fortbildungveranstaltung, auf welcher eine mit dem Coronavirus infizierte chinesische Mitarbeiterin anwesend war. Zum Zeitpunkt der Infektion bzw. bis zu ihrer Rückkehr nach China habe die Chinesin keine Symptome der Krankheit verspürt. Dies entsprach insoweit einigen weiteren Fällen, in denen es zu einer Infektion durch den Corona-Erreger kam, ohne dass der Überträger bereits Symptome der Krankheit aufwies.[19]

Die Krankheit wurde am 27. Januar 2020 erstmals bei einem 33-jährigen Mitarbeiter nachgewiesen. Am Abend des 28. Januar 2020 wurde bekannt, dass sich drei weitere Mitarbeiter der Firma infiziert haben.[22] Die Firmenleitung hatte ihren Mitarbeitern am Morgen des 28. Januar 2020 per E-Mail freigestellt, im Homeoffice zu arbeiten, am Abend wurde eine Schließung des Stammsitzes zunächst bis 2. Februar mitgeteilt, die am 3. Februar bis zum 11. Februar verlängert wurde.[23][24] Am 30. Januar teilte das Bayerische Gesundheitsministerium mit, dass ein fünfter Webasto-Mitarbeiter sich mit dem Virus infiziert hat,[25] ein Tag später wurde bekannt, dass ein fünfjähriges Kind von einem der Infizierten sowie ein weiterer Beschäftigter der Firma erkrankt ist.[26][27] Am 1. Februar wurde ein weiterer Erkrankungsfall in der Belegschaft bestätigt.[28] Außerdem infizierten sich die Ehefrau und ein zweites Kind der Familie, in der bereits der Vater und ein Kind erkrankt waren, mit dem Coronavirus.[29] Am 7. Februar wurde gemeldet, dass sich auch von einem weiteren erkrankten Mitarbeiter die Ehefrau angesteckt hatte.[21]

Auszeichnungen und Erwähnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Beste Marke“ in der Kategorie Standheizungen: neun Jahre in Folge (2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014), verliehen durch die Fachzeitschrift auto motor und sport.[30]
  • „Beste Marke“ in der Kategorie Heizungen für Lkw: neun Jahre in Folge (2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012 und 2013), Leserauszeichnung der Fachzeitschriften Lastauto Omnibus, Fernfahrer und trans aktuell[31][32][33]
  • „Top Marke 2017“: Leserwahl der Fachzeitschrift Auto Zeitung[34]
  • „Beste Marke in alle Klassen“ 2016/17: Leserwahl der Fachzeitschrift Auto Bild[35]
  • Plus X Award „Bestes Produkt des Jahres 2017“: Das Webasto Panoramadach mit Ambientebeleuchtung wurde 2017 in den Kategorien Innovation, High Quality und Design ausgezeichnet und erhielt zusätzlich den Award für die Fahrzeugkomponente des Jahres.[36]
  • FOCUS Top Nationaler Arbeitgeber 2017: Webasto wurde mit dem Siegel Top Nationaler Arbeitgeber 2017 ausgezeichnet.[37]
  • Pace Award“ für die neuartige Technologie bei der Fertigung von Panoramadächern aus Polycarbonat (Auszeichnung der Fachzeitschrift Automotive News)[38]
  • Hermann Simon erwähnt Webasto in seinem gleichnamigen Buch als Beispiel für einen „Hidden Champion[39]
  • Seit 2011 ist die österreichische Niederlassung der Webasto SE berechtigt, das Staatswappen als Auszeichnung zu führen.[40]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Das Unternehmen – Historie. In: webasto-group.com. Webasto Group, abgerufen am 2. Februar 2020.
  2. Das Unternehmen – Struktur & Management. In: webasto-group.com. Webasto Group, abgerufen am 2. Februar 2020.
  3. a b c Bericht: Webasto-Chef Engelmann: „Rumpelige Zeiten“. In: automobil-industrie.vogel.de. 22. Mai 2019, abgerufen am 28. Januar 2020.
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_500_reichsten_Deutschen
  5. Das Unternehmen – Zahlen & Fakten. In: webasto-group.com. Webasto Group, abgerufen am 2. Februar 2020.
  6. Personeller Wechsel an der Führungsspitze. In: automobil-industrie.vogel.de. 1. Januar 2013, abgerufen am 23. August 2018.
  7. Vanessa Heder: Ex-Audi-Chef Kortüm jetzt Aufsichtsratschef von Webasto. In: automobil-produktion.de. 27. Juli 2018, abgerufen am 2. Februar 2020.
  8. Christiane Brünglinghaus: Webasto expandiert in China. In: springerprofessional.de. 26. Mai 2014, abgerufen am 2. Februar 2020.
  9. Götz Fuchslocher: Webasto eröffnet Werk in Boading. In: automobil-produktion.de. 5. Mai 2017, abgerufen am 2. Februar 2020.
  10. Webasto kauft Elektronik-Dienstleister. In: all-electronics.de. 23. Januar 2017, abgerufen am 2. Februar 2020.
  11. Webasto verstärkt Entwickler-Team. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 10. August 2017, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  12. Christiane Habrich-Böcker: Webasto stellt neue strategische Unit vor. In: automobil-produktion.de. 30. Mai 2017, abgerufen am 2. Februar 2020.
  13. Webasto möchte Geschäftsbereich für Ladestationen von AeroVironment übernehmen. In: elektroauto-news.net. 5. Juni 2018, abgerufen am 2. Februar 2020.
  14. STARTUP AUTOBAHN powered by Plug and Play – Partner. In: startup-autobahn.com. Abgerufen am 2. Februar 2020.
  15. Markus Fasse: Autozulieferer Webasto hat große Pläne – Umsatz soll sich verdoppeln. In: handelsblatt.com. Handelsblatt, 21. Mai 2019, abgerufen am 2. Februar 2020.
  16. Tino Böhler: Webasto Donghee: Größte Übernahme der Firmengeschichte. In: automobil-produktion.de. 10. April 2019, abgerufen am 2. Februar 2020.
  17. Neubau einer Firmenzentrale in Gilching: Ohne Überhitzung. In: bba-online.de. 8. Dezember 2009, abgerufen am 2. Februar 2020.
  18. Das Unternehmen – Standorte weltweit. In: webasto-group.com. Webasto Group, abgerufen am 2. Februar 2020.
  19. a b Gesundheitsministerium bestätigt: Drei weitere Coronavirus-Fälle in Bayern. In: spiegel.de. Der Spiegel, 28. Januar 2020, abgerufen am 29. Januar 2020.
  20. Anna Clauß: Coronavirus in Bayern: Webasto-Chef beklagt Ausgrenzung seiner Mitarbeiter. In: spiegel.de. Der Spiegel, 31. Januar 2020, abgerufen am 31. Januar 2020.
  21. a b Zahl der Coronavirus-Fälle in Deutschland steigt auf 14. In: spiegel.de. Der Spiegel, 7. Februar 2020, abgerufen am 8. Februar 2020.
  22. Drei weitere Coronavirus-Fälle in Bayern bestätigt. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 28. Januar 2020, abgerufen am 28. Januar 2020.
  23. Coronavirus: Drei weitere Fälle in Bayern - alle sind Mitarbeiter von Starnberger Firma. In: focus.de. Focus, 28. Januar 2020, abgerufen am 29. Januar 2020.
  24. Nach Krankheitsfällen mit Coronavirus: Webasto verlängert Homeoffice-Regelung für Belegschaft in der Firmenzentrale. In: webasto-group.com. Webasto Group, 3. Februar 2020, abgerufen am 2. Februar 2020.
  25. Coronavirus: Fünfter Fall in Deutschland bestätigt. In: rnd.de. RedaktionsNetzwerk Deutschland, 30. Januar 2020, abgerufen am 31. Januar 2020.
  26. Sechste Infektion bestätigt: Kind in Bayern an Coronavirus erkrankt. In: tagesschau.de. Norddeutscher Rundfunk, 31. Januar 2020, abgerufen am 31. Januar 2020.
  27. Bayern: Siebter Coronavirus-Fall in Deutschland bestätigt. In: spiegel.de. Der Spiegel, 31. Januar 2020, abgerufen am 31. Januar 2020.
  28. Alle acht Coronavirus-Patienten in Bayern in guter Verfassung. In: br.de. Bayerischer Rundfunk, 2. Februar 2020, abgerufen am 2. Februar 2020.
  29. Deutschland meldet 13. Corona-Fall. In: spiegel.de. Der Spiegel, 6. Februar 2020, abgerufen am 6. Februar 2020.
  30. Webasto holt sechsten Titel: Standheizungen erneut "Best Brand". In: b4bmv.de. 14. März 2011, abgerufen am 2. Februar 2020.
  31. motorzeitung (Memento vom 4. Oktober 2013 im Internet Archive)
  32. Die besten Marken 2012 (Memento vom 11. Juni 2012 im Internet Archive)
  33. Pressemitteilung Webasto: Zum neunten mal beste Marke für Heizen und Kühlen
  34. Klaus Uckrow: Das sind die besten Marken 2017. In: autozeitung.de. Auto Zeitung, 13. April 2018, abgerufen am 2. Februar 2020.
  35. AUTO BILD-Leserwahl: Die besten Marken. In: autobild.de. Auto Bild, abgerufen am 2. Februar 2020.
  36. Juliana Pfeiffer: Webasto erhält Puls X Award für Panoramadach. In: konstruktionspraxis.vogel.de. 14. Juli 2017, abgerufen am 2. Februar 2020.
  37. Das Unternehmen – Auszeichnungen. In: webasto-group.com. Webasto Group, abgerufen am 2. Februar 2020.
  38. Bernd Otterbach: PACE Award für Panoramadach. In: automobil-industrie.vogel.de. 24. April 2008, abgerufen am 23. August 2018.
  39. Simon, Herman: Hidden Champions des 21. Jahrhunderts: Die Erfolgsstrategien unbekannter Weltmarktführer. Campus, Frankfurt am Main 2007. ISBN 978-3-593-38380-4. S. 17.
  40. staatswappen.at (Memento vom 15. Dezember 2015 im Internet Archive)