Wechselkröte

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Wechselkröte
Wechselkröte (aus Russland; Nominatform)

Wechselkröte (aus Russland; Nominatform)

Systematik
ohne Rang: Amphibien (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Neobatrachia
Familie: Kröten (Bufonidae)
Gattung: Bufotes
Art: Wechselkröte
Wissenschaftlicher Name
Bufotes viridis
(Laurenti, 1768)

Die Wechselkröte (Bufotes viridis, Syn.: Bufo viridis, gelegentlich Pseudepidalea viridis), auch Grüne Kröte genannt, ist ein Froschlurch aus der Gattung Bufotes innerhalb der Familie der Kröten (Bufonidae). Nach heutiger Auffassung handelt es sich nicht um eine einheitliche biologische Art, sondern um eine Artengruppe aus mehreren evolutionären Linien. Allein in Europa lassen sich demnach wohl vier verschiedene Formen trennen.[1] Die genaue systematische Stellung und Abgrenzung dieser Taxa ist derzeit teilweise noch unklar.[2]

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weibchen aus der Toskana
(Form Bufo balearicus?)
Bei Nacht rufendes Männchen
(aus Berlin; Nominatform)
Paarungsruf eines Männchens
Laichende Wechselkröten im Amplexus, mit Laichschnüren, Bornheim-Hersel, April 2020
Wechselkröten aus dem Rheinland; Paar in Amplexus, mit Laichschnüren
Kiesgrube als Ersatzlebensraum

Die Größe der Männchen reicht bis acht, die der Weibchen bis neun (zehn) Zentimeter. Während die Grundfarbe der Männchen eher hellgrau ist, ist diese bei den Weibchen fast weiß. Beide sind übersät mit grünen Inselflecken (beim Männchen etwas „verwaschener“), die nur am Bauch fehlen. An den Flanken der Weibchen befinden sich meist rötliche Warzen. Zur Deutung des Namens „Wechselkröte“ wird entweder auf das wechselnde Fleckenmuster verwiesen oder auf die Fähigkeit der Tiere, ihre Grundfarbe je nach Umgebung von hell nach dunkel oder umgekehrt anpassen zu können. Die Pupillen sind waagerecht, die Iris ist zitronengelb bis grünlich. Wie alle Echten Kröten hat die Art Ohrdrüsen (Parotiden) hinter den Augen. Auf der Oberseite befinden sich viele, nicht stark ausgeprägte Warzen.

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der mit einer Kehl-Schallblase erzeugte, nächtliche Paarungsruf der Männchen ist ein anhaltendes, nicht sehr weit tragendes Trillern („ürrr“), das allmählich lauter und höher wird. Zwischen den Trillern gibt es längere Pausen.[3][4][5][6][7] Oft wird der Ruf mit dem der Maulwurfsgrille verwechselt.

Die Laichschnüre, die oft am Gewässerboden abgelegt werden, sind je nach Dehnung meist zwei bis vier Meter lang. Die braunen bis schwarzen Eier liegen zwei- bis vierreihig in dieser gallertigen Hüllschnur und können 2000 bis maximal 15.000 Stück umfassen. Ihr Durchmesser liegt bei einem bis 1,5 Millimetern.

Die Rückenfärbung der Kaulquappen ist bräunlich bis grünlich-grau; ihre Flossensäume sind hell. Schon vor der Metamorphose, die sich drei bis vier Monate nach dem Schlupf vollzieht, ist ein undeutliches grünes Fleckenmuster sichtbar. Zum Schluss erreichen sie eine Gesamtlänge von bis zu 50 Millimetern.

Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wechselkröte ist als östliche Steppenart sowie mediterranes Faunenelement an Trockenheit und Wärme gut angepasst. Sie bevorzugt offene, sonnenexponierte, trockenwarme Habitate mit grabfähigen Böden und teilweise fehlender, lückiger Gras- und Krautvegetation. Sie ist daher vor allem an Ruderalstandorten, in trockenem Brachland auf Feldern und in Abgrabungsflächen anzutreffen. Sie entfernt sich teilweise sehr weit von offenen Gewässern. Wechselkröten sind vorwiegend nachtaktiv. Die Laichgewässer sind flach und vegetationsarm, zum Beispiel in Steinbrüchen. Als Laichgewässer werden temporäre Gewässer mit mineralischem Boden bevorzugt. Die Wechselkröte toleriert einen leicht erhöhten Salzgehalt der Laichgewässer von mehr als zehn Promille. So sind die Larven auch in Brackwassertümpeln an der Ostsee entwicklungsfähig. Die ökologischen Ansprüche der Art ähneln denen der eher atlantisch bzw. westlich verbreiteten Kreuzkröte.

Verbreitung und Taxa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Artengruppe des Bufo viridis-Komplexes kommt kontinental-mediterran in Mitteleuropa, in Südwest, Süd-,[8][9] Südost- und Osteuropa, auf vielen Mittelmeerinseln wie den Kykladen oder Kreta und bis nach Zentralasien[9] und Nordafrika vor. Die nördlichsten Bestände in Europa gibt es an der Südspitze Schwedens, auf einigen dänischen Inseln sowie in Estland und Russland. In Deutschland ist die Wechselkröte nur lückenhaft verbreitet und fehlt unter anderem im gesamten Nordwesten und im äußersten Süden. In Österreich liegt der Verbreitungsschwerpunkt in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland; das Bergland wird weitgehend gemieden.

Derzeit werden in Europa vier Formen innerhalb des Wechselkröten-Artenkreises unterschieden:

Dazu kommen elf rein asiatische Formen von denen einige hybridogenetische Hybriden sind.

Die Variable Wechselkröte (Bufotes variabilis) und die Sizilianische Wechselkröte (Bufotes siculus) gelten nicht mehr als eigenständige Arten, sondern als Synonyme von Bufotes viridis bzw. Bufotes boulengeri.[1][11][12]

Die von einigen Autoren verwendete Gattungsbezeichnung Pseudepidalea wurde kontrovers diskutiert, später wurde dann der ältere wissenschaftliche Name Bufotes für diese Gruppe eingeführt. Dennoch war die Stellung als eigene Gattung umstritten, unter anderem mit dem Hinweis, dass Wechselkröten mit Kreuzkröten (seltener auch Erdkröten) bastardieren können, was jedoch bei Vertretern unterschiedlicher Gattungen eigentlich nicht der Fall sein sollte.[2] Aufgrund ihrer monophyletischen Zusammensetzung wurde die Gruppe um Bufotes viridis dann doch als eigene Gattung akzeptiert.[13]

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Älteres Weibchen, nachtaktiv auf der Insel Kreta (Nominatform Bufo viridis viridis). Die Pupillen der Augen sind weit offen.
Weibliche Wechselkröte von der Insel Zypern (Form Bufo variabilis)

Als Pionierbesiedler vegetationsarmer Trockenbiotope mit kleineren, oft sporadischen Wasseransammlungen leiden Wechselkröten unter dem Fehlen oder zu raschen Austrocknen geeigneter Laichgewässer sowie unter der Verbuschung und Beschattung ihrer Habitate. Besonders betroffen sind sie aber von Eingriffen wie der Rekultivierung oder Umnutzung von Brachland und ehemaligen Bodenabbaugruben. Auch künstlicher Fischbesatz in Kleingewässern gefährdet manche Bestände.

Gesetzlicher Schutzstatus (Auswahl)[14]

Nationale Rote Liste-Einstufungen (Auswahl)[15][16]

  • Rote Liste Bundesrepublik Deutschland: 3 – gefährdet
  • Rote Liste Österreichs: VU (entspricht: gefährdet)
  • Rote Liste der Schweiz: RE (die Art ist hier ausgestorben)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Nöllert, Christel Nöllert: Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1992, ISBN 3-440-06340-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Dufresnes, Mazepa, Jablonski, Oliveira, Wenseleers, Shabanov, Auer, Ernst, Koch, Ramírez-Chaves, Mulder, Simonovo, Tiutenko, Kryvokhyzhar, Wennekes, Zinenko, Korshunov, Al-Johany, Peregontsev, Masroor, Betto-Colliard, Denoël, Borkin, Skorinov, Pasynkova, Mazanaeva, Rosanov, Dubey und Litvinchuk (2019). Fifteen shades of green: The evolution of Bufotes toads revisited. Molecular Phylogenetics and Evolution. 141: 106615. doi:10.1016/j.ympev.2019.106615
  2. a b Dieter Glandt: Taschenlexikon der Amphibien und Reptilien Europas. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2010, ISBN 978-3-494-01470-8.
  3. Klaus Lörcher, Hans Schneider: Vergleichende bio-akustische Untersuchungen an der Kreuzkröte, Bufo calamita (Laur.), und der Wechselkröte, Bufo v. viridis (Laur.). In: Zeitschrift für Tierpsychologie, Band 32, 1973, S. 506–521.
  4. Hans Schneider, Institut für den Wissenschaftlichen Film: Bufo viridis (Bufonidae) − Rufverhalten. Film E 2852 des IWF, Göttingen 1989. Publikation von Hans Schneider, Publikation Wissenschaftlicher Film, Sektion Biologie, Serie 20, Nr. 17/E 2852, 1990, 9 Seiten.
  5. Eviatar Nevo, Hans Schneider: Mating call pattern of green toads in Israel and its ecological correlate. Journal of Zoology, Band 178, 1976, S. 133–145.
  6. Hans Schneider, Eduard M. Egiasarjan: The mating call of the green toad, Bufo viridis viridis (Anura, Amphibia) in Kazakhstan. In: Russian Journal of Herpetology, Band 2, 1995. S. 1–4.
  7. Hans Schneider: Bioakustik der Froschlurche – Einheimische und verwandte Arten. Mit Audio-CD. Supplement der Zeitschrift für Feldherpetologie 6. Laurenti Verlag, Bielefeld 2005. ISBN 3-933066-23-9.
  8. Cristina Giacoma, Cinzia Zugolaro, Laura Beani: The advertisement calls of the green toad (Bufo viridis): variability and role in mate choice. In: Herpetologica 53, Nr. 4, 1997, S. 454–464.
  9. a b Sergio Castellano, Luca Tontini, Cristina Ggiacoma, Aldo Lattes, Emilio Balletto: The evolution of release and advertisement calls in green toads (Bufo viridis complex). In: Biological Journal of the Linnean Society. 77, Nr. 3, 2002, S. 379–391, doi:10.1046/j.1095-8312.2002.00118.x.
  10. Helmut Hemmer, Beate Kadel, Karl Kadel (1981). The Balearic toad (Bufo viridis balearicus (BOETTGER, 1881)), human bronze age culture, and Mediterranean biogeography. Amphibia-Reptilia. 2 (3): 217–230. doi:10.1163/156853881X00041
  11. Bufotes bei Amphibiaweb.org
  12. Bufotes bei Amphibians of the world.org
  13. R. A. Pyron, J. J. Wiens: A large-scale phylogeny of Amphibia including over 2800 species, and a revised classification of extant frogs, salamanders, and caecilians. Molecular Phylogenetics and Evolution, 61, 2, S. 543–583, November 2011
  14. Wechselkröte bei www.wisia.de
  15. Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands 1: Wirbeltiere. Landwirtschaftsverlag, Münster 2009, ISBN 978-3-7843-5033-2.
  16. Online-Übersicht bei www.amphibienschutz.de

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. Colliard, A. Sicilia, G. F. Turrisi, M. Arculeo, N. Perrin, M. Stöck: Strong reproductive barriers in a narrow hybrid zone of West-Mediterranean green toads (Bufo viridis subgroup) with Plio-Pleistocene divergence. In: BMC Evolutionary Biology. 10, 2010, S. 232. (Artikel online).
  • M. Stöck, C. Moritz, M. Hickerson, D. Frynta, T. Dujsebayeva, V. Eremchenko, J. R. Macey, T. J. Papenfuss, D. B. Wake: Evolution of mitochondrial relationships and biogeography of Palearctic green toads (Bufo viridis subgroup) with insights in their genomic plasticity. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. 41, 2006, S. 663–689.
  • M. Stöck, A. Sicilia, N. Belfiore, D. Buckley, S. Lo Brutto, M. Lo Valvo, M. Arculeo: Post-Messinian evolutionary relationships across the Sicilian channel: Mitochondrial and nuclear markers link a new green toad from Sicily to African relatives. In: BMC Evol. Biol. 56, 2008, S. 8. (Artikel online).
  • M. Stöck, P. Roth, R. Podloucky, K. Grossenbacher: Wechselkröten – unter Berücksichtigung von Bufo viridis viridis Laurenti, 1768; Bufo variabilis (Pallas, 1769); Bufo boulengeri Lataste, 1879; Bufo balearicus Böttger, 1880 und Bufo siculus Stöck, Sicilia, Belfiore, Buckley, Lo Brutto, Lo Valvo & Arculeo, 2008. In: K. Grossenbacher (Hrsg.): Handbuch der Amphibien und Reptilien Europas. Vol. 5 (Froschlurche II) [Handbook of the Amphibians and Reptiles of Europe. vol. 5 (Anura II)]. Aula-Verlag, Wiesbaden 2009, S. 413–498.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wechselkröte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Wechselkröte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen