Weckesheim

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Weckesheim
Koordinaten: 50° 21′ 50″ N, 8° 50′ 35″ O
Höhe: 130 (128–136) m ü. NHN
Fläche: 4,25 km²[1]
Einwohner: 1041 (30. Jun. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 245 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 61203
Vorwahl: 06035
Ehemaliger Kohlezug aus dem Braunkohlebergwerk

Weckesheim ist ein Stadtteil von Reichelsheim im südhessischen Wetteraukreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weckesheim liegt in der Wetterau 2 km westlich vom Hauptort Reichelsheim.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ersterwähnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung der Siedlung geht in frankische Zeit zurück. Erwähnt wird der Ort erstmals als Weckenesheim in dem Codex Eberhardi, allerdings ist dieses Dokument undatiert, es wird von der Forschung der Zeit um 1090–1150 zugeordnet. Entstanden ist das Kopiar des Mönchs Eberhard im Kloster Fulda um 1160.[3] Die wiederholt genannte Jahreszahl 980 ist falsch.

Bis 1255 war Weckesheim im Besitz der Herren von Münzenberg und fiel nach Aussterben dieser Linie durch Erbschaft an die Herren von Falkenstein. Am 22. März 1270 wird der Ort als Wekensheim erwähnt.[4] In der Urkunde heißt es: „Philippus et Werherus, fratres juniores de Valkenstein, nobiles, ... bonis nostris in Wekensheim ... duos mansos et tria jugeria cum ... , Frideberto Juveni, civi Fridebergensis“ Übersetzung: Die Brüder Philipp der Jüngere und Werner der Jüngere von Falkenstein, Adlige, belehnen Fridebert Jung, Bürger in Friedberg (Hessen), 2 Hufen oder Mansen und einige Joch in Weckesheim.

Ab 1419 ging das Dorf an die Grafen von Solms, in deren Besitz es sich Dorf bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs 1806 verblieb, als es an das Großherzogtum Hessen fiel.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde bei Weckersheim Braunkohle entdeckt, die dort von 1842 bis 1991 im Untertagebau abgebaut wurde.

Kirche und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde hat eine Kirche, deren Chorraum in das 13. Jahrhundert datiert wird. Später wurde das Kirchenschiff mit Empore und Orgelempore angebaut.[5]

Weckesheim war früher eine Filialkirche der Kirchengemeinde Melbach, wurde mit Einführung der reformierten Konfession Filiale von Wölfersheim und ist heute pfarramtlich verbunden mit Beienheim.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Weckesheim unterstand im Überblick:[1][6]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Weckesheim ab 1806 das „Patrimonialgericht der Fürsten Solms-Braunfels“ in Wölfersheim zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Ab 1822 ließen die Fürsten Solms-Braunfels ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Hungen“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Weckesheim zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde verzichtete der Fürst 1823.[10] Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[11]

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Hungen“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[12] Gleichzeitig kam Weckesheim zum Bereich des Amtsgericht Friedberg. In der Bundesreplik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

  • 1961: 730 evangelische (= 80,13 %), 176 katholische (= 19,32 %) Einwohner
Weckesheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1970
Jahr  Einwohner
1834
  
287
1840
  
340
1846
  
399
1852
  
397
1858
  
396
1864
  
399
1871
  
407
1875
  
388
1885
  
383
1895
  
368
1905
  
362
1910
  
392
1925
  
431
1939
  
603
1946
  
899
1950
  
931
1956
  
902
1961
  
911
1967
  
971
1970
  
957
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gesamtanlage Weckesheim
  • Borngasse 1
  • Mittelgasse 7
  • Reichelsheimer Straße, Bahnhof
  • Sommerbachstraße 1
  • Sommerbachstraße 3, Brunnen
  • Sommerbachstraße 5, evangelische Kirche
  • Sommerbachstraße 10

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Haltepunkt Weckesheim liegt an der Bahnstrecke Beienheim–Schotten.

Südlich des Dorfes verläuft die Landesstraße 3186. Der öffentliche Personennahverkehr wird durch die Buslinien 5155 und 210 sichergestellt.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es den Kindergarten Flohkiste und ein Bergbaumuseum.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weckesheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Weckesheim, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. Juni 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Stadt Reichelsheim: Einwohner und Flächen
  3. Mayer zu Ermgassen, Cod. Eberhardi 1, Marburg 1995, S. 333 = Ernst Friedrich Johann Dronke, Traditiones Capitulum 25, S. 60.
  4. Max Foltz, Urkundenbuch der Stadt Friedberg. = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck ; [3],1 Marburg 1904, Bd. 1, S. 18 Nr. 53.
  5. Kirche Weckesheim (Memento vom 13. April 2016 im Internet Archive)
  6. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  7. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 21, 438 (online bei Google Books).
  8. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 424 (online bei Google Books).
  9. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 135 (online bei Google Books).
  10. Theodor Hartleben (Hrsg.): Allgemeine deutsche Justiz-, Kameral- und Polizeifama, Teil 1. Band 2. Johann Andreas Kranzbühler, 1832, S. 271 (online bei Google Books).
  11. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237–241
  12. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze  vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).