Wegenstetten

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Wegenstetten
Wappen von Wegenstetten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Rheinfeldenw
BFS-Nr.: 4262i1f3f4
Postleitzahl: 4317
Koordinaten: 637276 / 26114547.5000017.933339441Koordinaten: 47° 30′ 0″ N, 7° 56′ 0″ O; CH1903: 637276 / 261145
Höhe: 441 m ü. M.
Fläche: 7.12 km²
Einwohner: 1060 (31. Dezember 2014)[1]
Einwohnerdichte: 149 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 9,6 % (31. Dezember 2014)[2]
Website: www.wegenstetten.ch
Kirche St. Michael

Kirche St. Michael

Karte
Deutschland Kanton Basel-Landschaft Kanton Solothurn Kanton Solothurn Kanton Basel-Stadt Bezirk Aarau Bezirk Laufenburg Hellikon Kaiseraugst Magden Möhlin Mumpf Obermumpf Olsberg AG Olsberg AG Rheinfelden AG Schupfart Stein AG Wallbach AG Wegenstetten Zeiningen ZuzgenKarte von Wegenstetten
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Wegenstetten Dorf

Wegenstetten (schweizerdeutsch: ˈʋæː.gəˌʃtɛtːə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Rheinfelden des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Westen der Region Fricktal, rund fünf Kilometer südwestlich der Grenze zu Deutschland und grenzt an den Kanton Basel-Landschaft.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt inmitten des Tafeljuras am oberen Ende des Möhlintals, das vom Möhlinbach durchflossen wird. Der Bach entspringt an der westlichen Gemeindegrenze, verläuft zunächst in Richtung Nordosten und ändert im Dorfzentrum die Fliessrichtung auf Nordwest. In Richtung Norden erstrecken sich zwei Hochebenen, die Schanz (514 m ü. M.) auf der linken Talseite und der Hersberg (543 m ü. M.) auf der rechten Talseite. Der Übergang ins benachbarte Fischingertal bei Schupfart wird durch einen flachen Sattel im Nordosten gebildet. Im Süden und Osten erheben sich die steilen Abhänge des Ruebhalde (718 m ü. M.), der Wegenstetter Fluh (708 m ü. M.) und des Tiersteinbergs (749 m ü. M.). Die Gemeindegrenze verläuft hier (mit wenigen Ausnahmen) entlang einer Geländekante, die den Übergang zu einer ausgedehnten Hochebene bildet.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 712 Hektaren, davon sind 239 Hektaren bewaldet und 59 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 718 Metern auf der Ruebhalde, der tiefste auf 425 Metern am Möhlinbach. Das Gemeindegebiet von Wegenstetten ist Teil des Juraparks Aargau, einem «Regionalen Naturpark von nationaler Bedeutung».

Nachbargemeinden im Aargau sind Hellikon im Nordwesten, Schupfart im Nordosten und Wittnau im Südosten. Nachbargemeinden im Kanton Basel-Landschaft sind Hemmiken im Westen und Rothenfluh im Südwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Streufunde weisen auf eine Besiedlung während der Jungsteinzeit hin. Ausserdem kamen die Fundamente zweier römischer Gutshöfe und einer alemannischen Steinkiste zum Vorschein. Grundherren im Hochmittelalter waren das Damenstift Säckingen und die Grafen von Homberg-Thierstein. Die erste urkundliche Erwähnung von Wegosteton erfolgte im Jahr 1246. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze) Waginstetin und bedeutet «bei den Wohnstätten des Wago».[3] Niedergerichts- und Blutgerichtsbarkeit waren zunächst im Besitz der Herren vom Stein, ab 1350 der Herren von Schönau. 1445 zerstörte ein verheerender Grossbrand das Dorf, nachdem es von Truppen aus Basel und der Eidgenossenschaft geplündert worden war.

Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. gehörte Wegenstetten ab 1491 zu Vorderösterreich, Doch die österreichisch-habsburgischen Beamten in Rheinfelden verfügten hier über bedeutend weniger Kompetenzen als in den Nachbardörfern. Die Schönauer praktizierten eine weitgehend selbständige Dorfherrschaft innerhalb der Kameralherrschaft Rheinfelden und dominierten auch das wirtschaftliche Geschehen. Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Im Jahr 1632, während des Dreissigjährigen Krieges, plünderten Schwedische Truppen das Dorf und warfen es in seiner Entwicklung weit zurück. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region.

Wegenstetten Dorf

Die erste Schule wurde im Jahr 1717 erwähnt. 1761 wütete ein von einigen Freudenböllern ausgelöster Grossbrand im Dorf, der 22 Gebäude zerstörte, die Löscharbeiten wurden durch das im eiskalten Winter gefrorenen Wasser stark behindert. Ab 1797 war das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat, womit auch die Herrschaft der Schönauer endete. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 wurde Wegenstetten eine Gemeinde im Distrikt Rheinfelden des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Seit dem 19. Februar 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

1819 konnte sich das Dorf von den Zehnten an das Stift Säckingen loskaufen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb das Dorf von der Landwirtschaft geprägt, weit verbreitete Armut führte zu mehreren Auswanderungswellen. Während des Kulturkampfes kam es in den 1870er Jahren zu einer Spaltung der Kirchgemeinde in einen römisch-katholischen und einen christkatholischen Teil. Wegenstetten wandelte sich von einer Bauern- zu einer Wohngemeinde, da immer mehr Menschen aus der Region Basel hierher zogen. Seit Beginn der 1980er Jahre ist die Bevölkerungszahl um mehr als die Hälfte angestiegen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Durch ihre exponierte Lage auf einer von zwei Bachgräben begrenzten Geländeterrasse am Hang des Thiersteinbergs ist die römisch-katholische Pfarrkirche St. Michael ein Wahrzeichen des Dorfes. Das barocke Bauwerk wurde 1741 nach Plänen des Architekten Johann Caspar Bagnato erbaut, der Kirchturm stammt aus dem späten 15. Jahrhundert. Zum Kirchenbezirk gehören auch das Sigristenhaus sowie das zwischen 1760 und 1765 errichtete Pfarrhaus. Im Dorfkern sind einige Gebäude aus dem späten 18. und dem 19. Jahrhundert erhalten geblieben.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot schwarz gefugte weisse Mauer mit vier Zinnen und Schiessscharten.» Die Gemeinde führte seit 1925 das Wappen der einst in Rheinfelden und Basel lebenden Familie von Wegenstetten. Dieses ähnelte aber stark den Wappen des Klosters Muri und der Gemeinde Muri, weshalb die kantonale Wappenkommission eine Änderung empfahl. 1966 wurden zur besseren Unterscheidung die Zinnen von drei auf vier erhöht, überdacht und zusätzlich Schiessscharten hinzugefügt.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1768 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 480 755 591 576 600 607 647 669 834 994 1081

Am 31. Dezember 2014 lebten 1060 Menschen in Wegenstetten, der Ausländeranteil betrug 9,6 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 51,6 % römisch-katholisch, 21,5 % reformiert, 6,0 % christkatholisch und 1,7 % moslemisch.[7] 95,8 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,5 % Serbokroatisch, 1,2 % Albanisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Rheinfelden zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für die Gemeinden Hellikon, Mumpf, Obermumpf, Schupfart, Stein und Zuzgen verantwortlich ist.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Wegenstetten gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 200 Arbeitsplätze, davon 29 % in der Landwirtschaft, 20 % in der Industrie und 51 % im Dienstleistungssektor.[9] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Gemeinden des Fricktals und in der Agglomeration der Stadt Basel.

Verkehr[Bearbeiten]

Wegenstetten ist über mehrere Ortsverbindungsstrassen erreichbar. Diese führen nach Möhlin, Eiken und Gelterkinden. Der nächstgelegene Anschluss der Autobahn A3 befindet sich bei Eiken. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch drei Postautolinien, die ihre Endstation in Wegenstetten haben. Sie führen nach Gelterkinden und Möhlin (über Zeiningen bzw. Mumpf).

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über zwei Kindergärten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule und die Sekundarschule unterrichtet werden. Die Realschule und die Bezirksschule können in Möhlin besucht werden. Aufgrund einer interkantonalen Vereinbarung können Jugendliche aus Teilen des Fricktals das Gymnasium in Muttenz (Kanton Basel-Landschaft) absolvieren.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Sicht auf Wegenstetten von der Föhrlimatt aus
Skilift

Rund einen Kilometer südlich von Wegenstetten am Nordhang des «Kei» liegt das kleine Wintersportgebiet Föhrlimatt. Es beinhaltet einen 320 Meter langen Skilift (Tellerlift), welcher eine Höhendifferenz von rund 60 Metern überwindet. Die dazugehörige rund 300 Meter lange Ski- und Snowboardpiste hat im Schnitt nicht mehr als 25 % Längs- und Quergefälle und zählt damit zu den einfachen Pisten. Sie ist durchgängig beleuchtet und kann daher auch nachts befahren werden. Für Schlittel- und Bobfahrten steht eine separate, rund 150 Meter lange Piste zur Verfügung.

Auf der Wegenstetter Fluh gibt es einen Aussichtspunkt auf einer Höhe von 708 m über dem Meeresspiegel.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wegenstetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung im zweiten Halbjahr 2014. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 4. März 2015, abgerufen am 10. Mai 2015 (PDF; 563 kB).
  2. Bevölkerungsentwicklung im zweiten Halbjahr 2014. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 4. März 2015, abgerufen am 10. Mai 2015 (PDF; 563 kB).
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 457–458.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1068 und 1069, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 311.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.