Wegenstetten

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Wegenstetten
Wappen von Wegenstetten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Rheinfeldenw
BFS-Nr.: 4262i1f3f4
Postleitzahl: 4317
Koordinaten: 637233 / 261032Koordinaten: 47° 29′ 56″ N, 7° 55′ 58″ O; CH1903: 637233 / 261032
Höhe: 433 m ü. M.
Fläche: 7,12 km²
Einwohner: 1070 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 150 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
11,4 % (31. Dezember 2018)[2]
Website: www.wegenstetten.ch
Kirche St. Michael

Kirche St. Michael

Karte
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Wegenstetten (schweizerdeutsch: ˈʋæː.gəˌʃtɛtːə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Rheinfelden, liegt im Westen der Region Fricktal rund fünf Kilometer südwestlich der Grenze zu Deutschland und grenzt an den Kanton Basel-Landschaft.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt inmitten des Tafeljuras am oberen Ende des Möhlintals, das vom Möhlinbach durchflossen wird. Der Bach entspringt an der westlichen Gemeindegrenze, verläuft zunächst in Richtung Nordosten und ändert im Dorfzentrum die Fliessrichtung auf Nordwest. In Richtung Norden erstrecken sich zwei Hochebenen, die Schanz (514 m ü. M.) auf der linken Talseite und der Hersberg (543 m ü. M.) auf der rechten Talseite. Der Übergang ins benachbarte Fischingertal bei Schupfart wird durch einen flachen Sattel im Nordosten gebildet. Im Süden und Osten erheben sich die steilen Abhänge des Ruebhalde (718 m ü. M.), der Wegenstetter Fluh (708 m ü. M.) und des Tiersteinbergs (749 m ü. M.). Die Gemeindegrenze verläuft hier (mit wenigen Ausnahmen) entlang einer Geländekante, die den Übergang zu einer ausgedehnten Hochebene bildet.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 712 Hektaren, davon sind 241 Hektaren bewaldet und 62 Hektaren überbaut.[5] Der höchste Punkt liegt auf dem Gipfel der Ruebhalde, der tiefste auf 425 m ü. M. am Möhlinbach. Das Gemeindegebiet von Wegenstetten ist Teil des Juraparks Aargau, einem «Regionalen Naturpark von nationaler Bedeutung». Nachbargemeinden im Aargau sind Hellikon im Nordwesten, Schupfart im Nordosten und Wittnau im Südosten. Nachbargemeinden im Kanton Basel-Landschaft sind Hemmiken im Westen und Rothenfluh im Südwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streufunde weisen auf eine Besiedlung während der Jungsteinzeit hin. Ausserdem kamen die Fundamente zweier römischer Gutshöfe und einer alemannischen Steinkiste zum Vorschein. Grundherren im Hochmittelalter waren das Damenstift Säckingen und die Grafen von Homberg-Thierstein. Die erste urkundliche Erwähnung von Wegosteton erfolgte im Jahr 1246. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze) Waginstetin und bedeutet «bei den Wohnstätten des Wago».[3] Niedergerichts- und Blutgerichtsbarkeit waren zunächst im Besitz der Herren vom Stein, ab 1350 der Herren von Schönau. 1445 zerstörte ein verheerender Grossbrand das Dorf, nachdem es von Truppen aus Basel und der Eidgenossenschaft geplündert worden war.

Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. gehörte Wegenstetten ab 1491 zu Vorderösterreich, Doch die österreichisch-habsburgischen Beamten in Rheinfelden verfügten hier über bedeutend weniger Kompetenzen als in den Nachbardörfern. Die Schönauer praktizierten eine weitgehend selbständige Dorfherrschaft innerhalb der Kameralherrschaft Rheinfelden und dominierten auch das wirtschaftliche Geschehen. Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Im Jahr 1632, während des Dreissigjährigen Krieges, plünderten Schwedische Truppen das Dorf und warfen es in seiner Entwicklung weit zurück. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region.

Luftansicht (1958)

Die erste Schule wurde im Jahr 1717 erwähnt. 1761 wütete ein von einigen Freudenböllern ausgelöster Grossbrand im Dorf, der 22 Gebäude zerstörte, die Löscharbeiten wurden durch das im eiskalten Winter gefrorenen Wasser stark behindert. Ab 1797 war das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat, womit auch die Herrschaft der Schönauer endete. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 wurde Wegenstetten eine Gemeinde im Distrikt Rheinfelden des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Seit dem 19. Februar 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

1819 konnte sich das Dorf von den Zehnten an das Stift Säckingen loskaufen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb das Dorf von der Landwirtschaft geprägt, weit verbreitete Armut führte zu mehreren Auswanderungswellen. Während des Kulturkampfes kam es in den 1870er Jahren zu einer Spaltung der Kirchgemeinde in einen römisch-katholischen und einen christkatholischen Teil. Wegenstetten wandelte sich von einer Bauern- zu einer Wohngemeinde, da immer mehr Menschen aus der Region Basel hierher zogen. Seit Beginn der 1980er Jahre ist die Bevölkerungszahl um mehr als die Hälfte angestiegen.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot schwarz gefugte weisse Mauer mit vier Zinnen und Schiessscharten.» Die Gemeinde führte seit 1925 das Wappen der einst in Rheinfelden und Basel lebenden Familie von Wegenstetten. Dieses ähnelte aber stark den Wappen des Klosters Muri und der Gemeinde Muri, weshalb die kantonale Wappenkommission eine Änderung empfahl. 1966 wurden zur besseren Unterscheidung die Zinnen von drei auf vier erhöht, überdacht und zusätzlich Schiessscharten hinzugefügt.[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch ihre exponierte Lage auf einer von zwei Bachgräben begrenzten Geländeterrasse am Hang des Thiersteinbergs ist die römisch-katholische Pfarrkirche St. Michael ein Wahrzeichen des Dorfes. Das barocke Bauwerk wurde 1741 nach Plänen des Architekten Johann Caspar Bagnato erbaut, der Kirchturm stammt aus dem späten 15. Jahrhundert. Zum Kirchenbezirk gehören auch das Sigristenhaus sowie das zwischen 1760 und 1765 errichtete Pfarrhaus. Im Dorfkern sind einige Gebäude aus dem späten 18. und dem 19. Jahrhundert erhalten geblieben.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[7]

Jahr 1768 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2015
Einwohner 480 755 591 576 600 607 647 669 834 994 1081 1084

Am 31. Dezember 2018 lebten 1070 Menschen in Wegenstetten, der Ausländeranteil betrug 11,4 %. Bei der Volkszählung 2015 bezeichneten sich 53,1 % als römisch-katholisch, 18,6 % als reformiert und 4,9 % als christkatholisch; 23,4 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 95,8 % gaben bei der Volkszählung 2015 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 1,5 % Serbokroatisch und 1,2 % Albanisch.<[9]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Rheinfelden zuständig. Wegenstetten gehört zum Friedensrichterkreis XIV (Rheinfelden).[10]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wegenstetten gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 210 Arbeitsplätze, davon 27 % in der Landwirtschaft, 17 % in der Industrie und 56 % im Dienstleistungssektor.[11] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Gemeinden des Fricktals und in der Agglomeration der Stadt Basel.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegenstetten ist über mehrere Ortsverbindungsstrassen erreichbar. Diese führen nach Möhlin, Eiken und Gelterkinden. Der nächstgelegene Anschluss der Autobahn A3 befindet sich bei Eiken. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch zwei Postautolinien. Sie haben beide ihre Endstation in Wegenstetten und führen nach Möhlin bzw. Gelterkinden. An Wochenenden verkehrt ein Nachtbus von Möhlin durch das Möhlintal und das Fischingertal zurück nach Möhlin.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sicht auf Wegenstetten von der Föhrlimatt aus
Skilift

Die Gemeinde verfügt über zwei Kindergärten und zwei Schulhäuser, in denen die Primarschule und die Sekundarschule unterrichtet werden. Die Realschule und die Bezirksschule können in Möhlin besucht werden. Aufgrund einer interkantonalen Vereinbarung können Jugendliche aus Teilen des Fricktals das Gymnasium in Muttenz (Kanton Basel-Landschaft) oder in Basel absolvieren.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund einen Kilometer südlich von Wegenstetten am Nordhang des «Kei» liegt das kleine Wintersportgebiet Föhrlimatt. Es beinhaltet einen 320 Meter langen Skilift (Tellerlift), der eine Höhendifferenz von rund 60 Metern überwindet. Die rund 300 Meter lange Ski- und Snowboardpiste hat im Schnitt nicht mehr als 25 % Längs- und Quergefälle und zählt damit zu den einfachen Pisten. Sie ist durchgängig beleuchtet und kann nachts befahren werden. Für Schlittel- und Bobfahrten steht eine separate, rund 150 Meter lange Piste zur Verfügung.[12] Auf der Wegenstetter Fluh gibt es einen Aussichtspunkt auf einer Höhe von 708 m über dem Meeresspiegel.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wegenstetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 457–458.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1068 und 1069, Swisstopo.
  5. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach 4 Hauptbereichen. Bundesamt für Statistik, 26. November 2018, abgerufen am 11. Mai 2019.
  6. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 311.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. (Excel) In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistik Aargau, 2001, archiviert vom Original am 8. Oktober 2018; abgerufen am 11. Mai 2019.
  8. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit, 2015. (Excel) In: Bevölkerung und Haushalte, Gemeindetabellen 2015. Statistik Aargau, abgerufen am 11. Mai 2019.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. (Excel) Statistik Aargau, archiviert vom Original am 10. August 2018; abgerufen am 11. Mai 2019.
  10. Friedensrichterkreise. Kanton Aargau, abgerufen am 19. Juni 2019.
  11. Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT). (Excel, 157 kB) Statistik Aargau, 2016, abgerufen am 11. Mai 2019.
  12. Skilift Föhrlimatt. Jurapark Aargau, abgerufen am 11. Mai 2019.