Weggentalkirche

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Weggentalkirche, 2011. Im Vordergrund das Mesnerhaus.

Die Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Mutter Gottes im Weggental ist eine barocke Wallfahrtskirche bei Rottenburg am Neckar.

Geschichte und Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildstock auf halber Strecke zwischen Rottenburg und der Weggentalkirche im Jahr 2011

Seit 1450 bestand ein Bildstock mit einer kleinen Pietà am Wegrand von Rottenburg am Neckar nach Remmingsheim. 1521 wurde eine erste kleine Kapelle gebaut und es entstand eine Wallfahrt, die zunächst von den Chorherren von St. Moriz betreut wurde. 1658 wurde sie den Jesuiten übergeben. Eigentümerin der Kirche wurde aber die Stadtpfarrei St. Martin. Das Weggental besaß zu keiner Zeit eigenes Einkommen, keinen Haus- oder Grundbesitz und es bestanden auch keine Altarpfründen.

1682 begann der Bau der jetzigen Kirche nach dem Vorarlberger Münsterschema. Als Baumeister wird Michael Thumb angenommen. 1695 wurde sie fertiggestellt und am 29. Oktober desselben Jahres geweiht. Die Innenausstattung folgte aber erst im Lauf des ersten Drittels des 18. Jahrhunderts. Die Stuckaturen im Chor, um den Hochaltar und in der Apsiskalotte fertigte der Stuckateur Johann Georg Brix (1665–1742). Über der Apsis erhebt sich ein segnender Auferstehungschristus aus Stuck, umgeben von Engeln, links und rechts die vier Evangelisten sowie die Apostel Simon Petrus und Paulus. Das Bild des Hauptaltars von einem unbekannten Meister zeigt die Kreuzabnahme. Links und rechts vom Altarbild befinden sich Brustbilder der hl. Joachim und Anna, den Eltern Mariens. Sie entstanden alle drei ebenfalls um 1700.

Die Seitenaltäre aus Holz wurden zwischen 1701 und 1732 gefertigt und sind seit der Renovierung in den 1960er Jahren schwarz und gold gefasst. Es ist anzunehmen, dass es sich dabei nicht um die originale Fassung handelt, sondern dass sie ursprünglich marmoriert bemalt waren.

Vorne links zeigt das Altarblatt Maria mit den 14 Nothelfern, vorne rechts Petrus´ Befreiung aus dem Gefängnis und Maria Magdalena. Die mittlere Nische links ist dem Gründer des Jesuitenordens Ignatius von Loyola gewidmet, der den Orden Maria weiht sowie die Jesuitenheiligen Aloisius und Stanislaus Kostka, in der rechten Seitenkapelle Maria mit ihrer Mutter Anna und Maria und Elisabeth. Das Altarbild in der letzten Nische rechts zeigt die Heilige Ursula mit ihren Gefährtinnen. In den Seitenaltarnischen sind zudem barocke Bilder von 1657 angebracht, die auf der rechten Seite die sieben Freuden Mariens zeigen, die auf der linken die sieben Schmerzen. In der ersten Nische links vom Eingang wurde eine Renaissanceskulptur mit der Ohnmacht Mariens aufgestellt, wie sie von Helferinnen aufgefangen wird. Daneben steht eine weitere Skulptur mit den sieben Schmerzen Mariens, die als sieben Schwerter in ihrer Brust erscheinen.

Rechts in der Apsis befindet sich der Eingang zu einer Seitenkapelle mit einer bühnenbildartigen Darstellung des Heiligen Grabes. Der goldene in Wien gefertigte Hochaltar von 1730 ist ein Geschenk des Kaiserhauses der Habsburger. Seit der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde die Betreuung der Wallfahrt wieder von den Geistlichen der Stadtpfarrkirche St. Martin übernommen. Mit der Säkularisation drohte der Abriss der Kirche.

Überregional bekannt und von Sebastian Blau besungen ist die Weggentaler Krippe, die alljährlich vom 23. Dezember bis Lichtmess in vier Darstellungen präsentiert wird. Sie stammt von Leopold Lazaro. Sie wurde um 1835/40 für die Waldhorn-Wirtin Kreszentia Fischer geschaffen. Diese stiftete sie 1850 dem Kloster.[1]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde 2014 von dem Orgelbauer Thomas Jann (Laberweinting) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 32 Register auf drei Manualwerken und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[2]

I Rückpositiv C–g3
1. Rohrgedeckt 8′
2. Prinzipal 4′
3. Traversflöte 4′
4. Sesquialtera II 223
5. Gemsorn 2′
6. Larigot 213
7. Scharff III 1′
8. Dulzian 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
9. Bordun 16′
10. Prinzipal 8′
11. Flauto 8′
12. Oktave 4′
13. Koppelflöte 4′
14. Quinte 223
15. Superoktave 2′
16. Terz 135
17. Mixtur IV 113
18. Trompete 8′
III Schwellwerk C–g3
19. Gedeckt 8′
20. Salicional 8′
21. Schwebung 8′
22. Prästant 4′
23. Rohrflöte 4′
24. Mixtur IV 2′
25. Trompete 8′
26. Oboe 8′
Tremulant
Pedal C–f1
27. Prinzipalbass 16′
28. Subbass 16′
29. Oktavbass 8′
30. Gedecktbass 8′
31. Posaunenbass 16′
32. Trompetenbass 8′
  • Koppeln: I/II, III/I, III/II (auch als Suboktavkoppel), I/P, II/P, III/P (auch als Superoktavkoppel)

Franziskanerniederlassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Bitten von Bischof Paul Wilhelm von Keppler wird die Kirche mit der Wallfahrt seit 1919 durch die Franziskaner (OFM) betreut. Ihnen wurde das 1773 erbaute Mesnerhaus vor der Kirche als Wohnung zugewiesen. Dieses bescheidene, zweistöckige Rokokogebäude mit hohem Mansarddach wurde 1973 durch ein neues Konventsgebäude erweitert. Im Erdgeschoss des Mesnerhauses konnte eine Kapelle eingerichtet werden.

Die Franziskaner gaben ihr Kloster in Weggental im Herbst 2016 mit einem Gottesdienst in der Klosterkirche, den Bischof Gebhard Fürst am 9. Oktober 2016 zelebrierte, auf; ab Ende November 2016 übernehmen indische Karmeliten die Betreuung der Wallfahrt in Weggental.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Suso Frank: Die Wallfahrtskirche zur schmerzhaften Muttergottes im Weggental bei Rottenburg. Kloster Weggental, 2. Auflage 1971 (18 S.)
  • Dieter Manz: Klöster in Rottenburg am Neckar. 1990.
  • Dieter Manz: Rottenburger Miniaturen. Band 4. 2004, S. 56ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Weggental – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Selbst ein Postbote verirrt sich in der Krippe. Schwarzwälder Bote, 28. Dezember 2012, abgerufen am 15. Februar 2013.
  2. Informationen zur Orgel auf der Website der Orgelbaufirma
  3. Franziskaner. Magazin für franziskanische Kultur und Lebensart. WSintger 2016, S. 31.

Koordinaten: 48° 28′ 48″ N, 8° 55′ 15″ O