Wegscheid

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Dieser Artikel beschreibt die Marktgemeinde Wegscheid in Bayern; zu anderen Bedeutungen siehe Wegscheid (Begriffsklärung)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Wegscheid
Wegscheid
Deutschlandkarte, Position des Marktes Wegscheid hervorgehoben
Koordinaten: 48° 36′ N, 13° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Passau
Höhe: 718 m ü. NHN
Fläche: 80,68 km²
Einwohner: 5579 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 69 Einwohner je km²
Postleitzahl: 94110
Vorwahl: 08592
Kfz-Kennzeichen: PA
Gemeindeschlüssel: 09 2 75 156
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktstr. 1
94110 Wegscheid
Webpräsenz: www.wegscheid.de
Bürgermeister: Josef Lamperstorfer (CSU/Bürgerunion)
Lage des Marktes Wegscheid im Landkreis Passau
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Die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer

Wegscheid ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Passau.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegscheid liegt in der Region Donau-Wald im südlichen Bayerischen Wald im Landkreis Passau an der österreichischen Grenze und an der B 388, welche ins 33 km entfernte Passau und in Gegenrichtung ins 21 km entfernte Rohrbach (Oberösterreich) führt. Nach Hauzenberg sind es 17 km und nach Waldkirchen 24 km.

Der Markt in etwa 720 Metern Höhe am Osthang des Ponzau-Berges bietet als typische Höhensiedlung eine weite Rundsicht.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Wegscheid hat 84 Ortsteile[2]:

Es gibt die Gemarkungen

  • Eidenberg
  • Kasberg
  • Meßnerschlag
  • Möslberg
  • Thalberg
  • Thurnreuth
  • Wegscheid
  • Wildenranna

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegscheid wurde an einem wichtigen Handelsweg von Passau nach dem südlichen Böhmen gegründet. Wegisceda (1130) erhielt seinen Namen von den drei hier beginnenden Abzweigungen. Vermutlich war bereits damals eine Pfarrei vorhanden.

Am 16. September 1360 erhob der Passauer Bischof Gottfried den Ort zum Markt. Das bedeutete, dass die Bürger von Wegscheid mit Vieh, Getreide, Holz usw. Handel treiben durften. Bischof Georg von Hohenlohe gab im Freiheitsbrief von 1404 dem Markt das Recht, an jedem Montag einen Wochenmarkt abzuhalten, 1497 kam ein Jahrmarkt dazu.

1649/50 suchte die Pest Wegscheid heim, 1655 zerstörte ein Brand 40 der 67 Häuser, darunter auch die Kirche und das Pflegamt.

Das ehemalige Pfleggericht des Hochstiftes Passau wurde 1803 mit dem größten Teil des hochstiftischen Gebietes zugunsten Ferdinands von Toskana säkularisiert und fiel erst 1805 an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstanden 1806 bis 1818 an Stelle des Pflegamts das Landgericht und die heutige Gemeinde Wegscheid.

1808 zählte Wegscheid 123 Anwesen, darunter nicht weniger als 59 Webergerechtigkeiten. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts blühte die Leinenweberei in Form von Heimarbeit. Die Rohstoffbeschaffung und den Absatz besorgten sogenannte Verleger. Hergestellt wurden Kissen, Bordürenröcke, Teppiche, Damasttücher und Madrastücher. Der bedeutendste Verleger Fenzl beschäftigte von 1820 bis 1907 zeitweise 700 bis 800 Weber in Wegscheid und Umgebung.

Seit 1830 hatte der Schmuggel, das sogenannte „Schwärzen“ über die Grenze eine große Bedeutung. Er wurde begünstigt durch das hohe Preisgefälle zum nahen Mühlviertel einerseits und durch hohe Einfuhrzölle nach Bayern andererseits.

Ab etwa 1870 brachte die Massenproduktion der Fabriken die Heimweberei immer mehr in Bedrängnis. 1904 wurde die Webereigenossenschaft Wegscheid gegründet, der 1934/35 63 Mitglieder angehörten. Noch bis zum Winter 1941 stellte die Webereigenossenschaft rund 60.000 Meter Leinen für die Wehrmacht her. Ende 1956 erhielten noch 40 Mitglieder Aufträge, ein Jahr später nur noch 20.

Flüchtlinge beim Grenzübertritt am 17. November 2015

Das Landgericht Wegscheid wurde 1862 in Bezirksamt umbenannt. 1880 wurde es aufgelöst, 1888 aber wieder eingerichtet. Am 1. Dezember 1912 erhielt Wegscheid mit der Bahnstrecke Erlau–Wegscheid, einer Zahnradbahn, einen Bahnanschluss. Am 28. Januar 1965 wurde der Streckenteil nach Wegscheid stillgelegt. Der aus dem Bezirksamt hervorgegangene ehemalige Landkreis Wegscheid wurde im Rahmen der Gebietsreform am 1. Juli 1972 dem Landkreis Passau zugeschlagen. Der Markt Wegscheid war eine der wenigen Kreishauptorte in Deutschland, die als Sitz des Landratsamtes keine Stadtrechte besaßen.

Im Herbst 2015 wurde Wegscheid aufgrund der Grenzlage zu Österreich ein Brennpunkt der Flüchtlingskrise in Deutschland 2015.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Kasberg, Meßnerschlag und Möslberg eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kamen Eidenberg, Thalberg und Thurnreuth hinzu.[4] Wildenranna folgte am 1. Mai 1978.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961: 4.925 Einwohner
  • 1970: 5.135 Einwohner
  • 1987: 5.393 Einwohner
  • 2000: 5.705 Einwohner
  • 2011: 5.517 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rathaus von Wegscheid

Marktgemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marktgemeinderat setzt sich seit der Kommunalwahl am 2. März 2008 wie folgt zusammen:

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. Bürgermeister ist Josef Lamperstorfer (CSU/Bürgerunion). Er wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Max Binder (CSU/Bürgerunion) und bei der Kommunalwahl 2008 im ersten Wahlgang mit 58,7 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt.

Finanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 2123 T€, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 613 T€.

Die Friedhofskirche St. Anna

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer wurde 1967 bis 1969 von dem Burghauser Architekten Karl-Heinz Limpert errichtet. Ihre Ausstattung besorgte Wolf Hirtreiter.
  • Die Friedhofskirche St. Anna ist ein spätbarocker Zentralbau von 1716. Ihr Baumeister ist der Passauer Jakob Pawanger. Auch die Ausstattung stammt aus der Barockzeit.
  • Es gibt in der Gemeinde noch zwei Handwebereien, die Handweberei Moser und die Handweberei der Frau Holler in Kasberg, sowie eine Tapisserie.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteil Lacken

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 656 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 376 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1898.

Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine, im Bauhauptgewerbe 10 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 265 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 3509 ha, davon waren 610 ha Ackerfläche und 2896 ha Dauergrünfläche.

Der Friedhof von Wegscheid

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Gemeinde führt die Bundesstraße 388 vom Grenzübergang in die Stadt Passau.

Bis 1965 führte eine Zahnradbahn (Bahnstrecke Erlau–Wegscheid) von Passau nach Wegscheid. Am 1. Januar 1968 wurde der Bahnhof Wegscheid geschlossen. Ein Modell davon im Maßstab 1:87 von den Passauer Eisenbahnfreunden steht im Hauptbahnhof Passau.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 1999):

  • Kindergärten: 150 Kindergartenplätze mit 161 Kindern
  • Volksschulen: 1 mit 20 Lehrern und 415 Schülern

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111118/235525&attr=OBJ&val=766
  3. An der Grenze zu Österreich: Die Katastrophe als Dauerzustand., FAZ vom 30. Oktober 2015, abgerufen am 30. Oktober 2015
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 590.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 620.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wegscheid – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien