Wehingen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Wehingen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wehingen
Wehingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wehingen hervorgehoben
Koordinaten: 48° 9′ N, 8° 48′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Tuttlingen
Höhe: 777 m ü. NHN
Fläche: 14,59 km²
Einwohner: 3604 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 247 Einwohner je km²
Postleitzahl: 78564
Vorwahl: 07426
Kfz-Kennzeichen: TUT
Gemeindeschlüssel: 08 3 27 051
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Gosheimer Straße 14–18
78564 Wehingen
Webpräsenz: www.wehingen.de
Bürgermeister: Josef Bär (CDU)
Lage der Gemeinde Wehingen im Landkreis Tuttlingen
Landkreis Konstanz Landkreis Rottweil Landkreis Sigmaringen Schwarzwald-Baar-Kreis Zollernalbkreis Aldingen Balgheim Bärenthal Böttingen Bubsheim Buchheim Deilingen Denkingen Dürbheim Durchhausen Egesheim Emmingen-Liptingen Fridingen an der Donau Frittlingen Geisingen Gosheim Gunningen Hausen ob Verena Immendingen Irndorf Königsheim Kolbingen Mahlstetten Mühlheim an der Donau Neuhausen ob Eck Reichenbach am Heuberg Renquishausen Rietheim-Weilheim Seitingen-Oberflacht Spaichingen Talheim (Landkreis Tuttlingen) Trossingen Tuttlingen Wehingen Wurmlingen (Landkreis Tuttlingen)Karte
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Wehingen ist eine Gemeinde im Norden des Landkreises Tuttlingen in Baden-Württemberg und gehört als Teil der Großlandschaft "Schwäbische Alb" der Hohen Schwabenalb an. Zusammen mit dem Nachbarort Gosheim erfüllt Wehingen die Funktion eines Unterzentrums im nördlichen Landkreis Tuttlingen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehingen

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehingen liegt auf dem Großen Heuberg, einer Hochfläche der Hohen Schwabenalb. In diesem Bereich erreicht die Schwäbische Alb ihre höchsten Höhen. Die Lage des Ortes wird geprägt durch den Zusammenfluss des westlichen Flussarms der Bära, der sogenannten Unteren Bära, und des Mühlbachs. Das Mittelzentrum Rottweil liegt 12 km westlich, die Kreisstadt Tuttlingen 18 km südlich von Wehingen.

Geologie und naturräumliche Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bära-Randhöhen der Hohen Schwabenalb sind jener Abschnitt, in dem die Alb ihre höchsten Höhen erreicht. Das Gemeindegebiet liegt im Bereich des Mühlbachs und der Unteren Bära in der Braunjurastufe und greift an der nordöstlichen Kreisgrenze auf die Malmhochfläche der Alb aus. Das Höhenmaximum des Gemeindegebietes liegt bei 1002 m ü. NHN an der nördlichen Gemeindegrenze, zur Unteren Bära im äußersten Südosten fällt es bis auf 752 m ab. Die gesamte Gemarkung ist Teil des Naturparks Obere Donau.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde grenzt im Norden an Deilingen, im Osten an Obernheim im Zollernalbkreis, im Südosten an Reichenbach am Heuberg, im Süden an Bubsheim und im Westen an Gosheim.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde Wehingen gehören das Dorf Wehingen mit dem Ortsteil Fronhofen, der etwa zwei Kilometer östlich gelegene Ortsteil Harras und das Haus Steighaus. Im Gemeindegebiet liegt die Burgruine Wehingen.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Wehingen datiert vom 27. März 793 in einer Schenkungsurkunde des Klosters St. Gallen. 843 gehört das Dorf zum Kloster Reichenau und bis ins 14. Jahrhundert ist das Kloster Reichenau auch der größte Grundherr. 1197 werden mit dem Ritter Hugo von Wehingen das erste Mal die Herren von Wehingen genannt. Oberhalb des Ortsteils Harras entsteht auf der "Schlosshalde" die Burg der Herren von Wehingen, dessen noch heute sichtbare, ausgedehnte Reste auf eine größere Burganlage hindeuten. 1351 verkaufen die Herren von Wehingen die Feste für 600 Pfund Heller an Herzog Albrecht von Österreich, der die Feste häufig als Pfandgabe für seine umfangreichen Schulden benutzt. 1355 verkauft das Kloster Reichenau das Dorf Wehingen "mit samt Leuten und Gütern" an das Kloster Alpirsbach. Die Herren von Wehingen treten in den Dienst der österreichischen Herzöge. In der Folgezeit führen die verschiedenen Gerechtigkeiten in Wehingen zu häufigen Streitigkeiten. Österreich beansprucht und übt trotz aller Einsprachen seitens des Klosters Alpirsbach sämtliche Hoheitsrechte aus. Das Kloster Alpirsbach ist zu dieser Zeit aber Eigentümer von 4 Kehlhöfen (Kellerhöfe = Gutshöfe) in Wehingen und Patron der Pfarrei Wehingen, zu der auch unter anderem Gosheim gehört. Im Jahre 1582 geht Wehingen endgültig in die vorderösterreichische Grafschaft Hohenberg über. Österreich hat nun die landesherrliche Obrigkeit und behält diese auch bis zum Jahre 1805, als Wehingen an Württemberg kommt.

Am 28. Oktober 1828 legt ein Brand in Wehingen in wenigen Stunden 42 Häuser und damit die Wohnungen von 80 Familien in Schutt und Asche. Der Aufbauhilfe des Königreichs Württemberg verdankt Wehingen im Wesentlichen sein heutiges Ortsbild. Das im Jahre 1830 verliehene Marktrecht macht Wehingen zu einem der bedeutendsten Orte im königlichen Oberamtsbezirk Spaichingen.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Pfarrer in Wehingen wurde erstmals 1245 erwähnt. Der Kirchensatz der St. Ulrich geweihten Pfarrkirche, die im Jahr 1299 erstmals urkundlich erwähnt wird, gehörte dem Kloster Reichenau und wurde im Jahr 1355 von diesem, wie der gesamte Ort, an das Kloster Alpirsbach verkauft. Im Jahr 1649 vertauschte Württemberg den Kirchensatz an das Kloster St. Blasien, das diesen 1725 an Österreich abtrat. Dadurch gelangte er 1805 wieder an Württemberg. Nach einem Brand wurde die Kirche neu gebaut und am 3. Oktober 1738 dem Heiligen Ulrich geweiht. Das Kirchenschiff wurde 1898/99 durch ein neuromanisches Kirchenschiff ersetzt und am 19. September 1899 erneut geweiht.[3]

Die erste Wehinger Pfarrkirche, die Fronhofer Kirche in Fronhofen, wurde 843 erstmals urkundlich erwähnt. Die Fronhofer Kirche in ihrer heutigen Gestalt stammt aus romanischer und spätgotischer Zeit und erhielt im 15. Jahrhundert einem Turm mit Staffelgiebel.[4]

Evangelische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur evangelischen Kirchengemeinde Wehingen gehören, neben Wehingen, auch die Gemeinden Reichenbach, Gosheim, Deilingen und Egesheim. Für den gesamten Bereich der Kirchengemeinde gibt es eine evangelische Kirche, die 1962 erbaute Christuskirche. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es auf dem Heuberg insgesamt nur wenige evangelische Christen. Diese Situation änderte sich nach 1945, als aus den ehemals deutschen Ostgebieten viele Flüchtlinge und Vertriebene kamen, so dass der evangelische Bevölkerungsanteil anwuchs. Durch den Zuzug russlanddeutscher Spätaussiedler, vorwiegend aus Kirgisien und Kasachstan, ist die evangelische Kirchengemeinde nochmals angewachsen.

Neuapostolische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde der neuapostolischen Kirche Wehingen gehört zum Kirchenbezirk Villingen-Schwenningen.

Islam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1983 gibt es in Wehingen einen türkisch-islamischen Kulturverein, der eine Moschee in Wehingen unterhält.[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Heuberg, in dem sich die Gemeinden Bubsheim, Deilingen, Egesheim, Gosheim, Königsheim, Reichenbach und Wehingen zusammengeschlossen haben.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Gemeinderat gehören nach der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 neben dem Bürgermeister als Vorsitzenden 14 Mitglieder an.

CDU  : 51,1 %, 7 Sitze
Freie Wähler  : 48,9 %, 7 Sitze
Wahlbeteiligung  : 45,2 %

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister Josef Bär ist gleichzeitig ehrenamtlicher Bürgermeister von Egesheim und Reichenbach am Heuberg.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehingen pflegt seit 1969 partnerschaftliche Beziehungen zu der französischen Gemeinde St. Berthevin im Departement Mayenne, etwa vier Kilometer entfernt von der Stadt Laval. Im Sommer 2009 wurde in beiden Gemeinden das 40-jährige Bestehen der Partnerschaft festlich gefeiert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommune ist dem Tourismusverband „Donaubergland“ angeschlossen.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die katholische Pfarrkirche St. Ulrich wurde urkundlich erstmals 1299 erwähnt. Ihre Orgel wurde von den Gebrüder Braun aus Spaichingen gefertigt (1843).
  • Die evangelische Christuskirche wurde im Jahr 1962 erbaut.

Freizeit und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehingen besitzt ein gut ausgebautes Netz an Rad-, Spazier- und Wanderwegen sowie im Winter gespurte Loipen, die über den gesamten Heuberg führen und die Gemeinden Böttingen und Bubsheim verbinden. Zudem gibt es einen Skihang, auf dem im Winter auch Skikurse angeboten werden. Außerdem gibt es einen Fußball- sowie einen Hockeyplatz, der auch als Basketballplatz genutzt werden kann.

Infrastruktur und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Folge des Ortsbrandes vom 28. Oktober 1828, bei dem große Teile des Dorfes vernichtet wurden, erhielt Wehingen Aufbauhilfe des Königreichs Württemberg in Form von Privilegien, wie dem, im Jahre 1830, verliehene Marktrecht und der Ansiedlung von staatlichen Institutionen. Auf königliche Anordnung lassen sich seit dieser Zeit in Wehingen auch verschiedene Ämter nieder.

Behörden und Dienststellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wehingen befindet sich ein Polizeiposten der Landespolizei und die Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes für den nördlichen Landkreis. Ein Aktuariat und ein Notariat für den Bereich des Heubergs hat seinen Sitz in Wehingen, wird aber aufgrund der Notariatsreform des Landes Baden-Württemberg[6] bis 2018 geschlossen werden. Bis zum Inkrafttreten des Verwaltungsstruktur-Reformgesetz (VRG)[7] im Jahr 2005 war Wehingen Sitz eines Staatlichen Forstamts, welches als Außenstelle des Kreisforstamts Tuttlingen noch bis 2015 bestand und danach nach Tuttlingen verlagert wurde.

Gemeindeverwaltungsverband Heuberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehingen ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Heuberg. Er entstand im Zuge der Kreis- und Gemeindereform Baden-Württemberg im Jahr 1972, indem sich die Gemeinden Bubsheim, Deilingen, Egesheim, Gosheim, Königsheim, Reichenbach am Heuberg und Wehingen zusammengeschlossen haben. Das Verbandsgebiet erstreckt sich über eine Fläche von 6.125 Hektar. Der Gemeindeverwaltungsverband nimmt für seine Mitgliedsgemeinden Aufgaben wahr, z.B. die Bauleitplanung, das Rechnungs- und Kassenwesen, die Steuerveranlagungen, die Aufgaben der unteren Baurechtsbehörde und der unteren Denkmalschutzbehörde sowie Aufgaben der örtlichen Straßenverkehrsbehörde. Der Verband betreibt außerdem die Verbandskläranlage in Egesheim.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehingen ist eine Industriegemeinde mit fast 1800 Arbeitsplätzen. Die Pendlerbilanz ist positiv, mehr als 1100 Arbeitskräfte kommen von außerhalb der Gemeinde, während etwa 700 Wehinger ihren Lebensunterhalt außerhalb verdienen. Metall- und kunststoffverarbeitende Betriebe, Maschinen- und Apparatebau, Hersteller von Kunststoffspritz- und Tiefziehteilen sowie elektronische und elektrotechnische Betriebe dominieren. Auch das Handwerk, der Facheinzelhandel und das Gaststättengewerbe sind mit zahlreichen leistungsfähigen Betrieben vertreten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ehemaliger Bahnhof von Wehingen (2008)

Wehingen liegt an den Landesstraßen 433 und 435, die jeweils Anschlüsse an die Bundesstraßen B 14 und B 27 herstellen. Während Wehingen bis 1966 durch die Heubergbahn von Spaichingen nach Reichenbach (Heuberg) an das Eisenbahnnetz angeschlossen war und zwei Bahnhöfe besaß (Wehingen und Harras-Obernheim), kann man den Ort heute mit dem Bus erreichen, der in Aldingen Anschluss an den Ringzug hat.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Realschule Gosheim-Wehingen mit über 574 Schülern in 20 Klassen
  • Gymnasium Gosheim-Wehingen mit 444 Schülern in 13 Klassen
  • Schlossbergschule (Grund- und Werkrealschule)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leo Linse (1850–1910), Benediktinermönch in Beuron, Abt von Fort Augustus / Schottland (1888–1909)
  • Johann Bauser († 1899), Bürgermeister und Sparkassen-Kassier in Titisee-Neustadt
  • Hans Dieter Ochs (* 1936), Immunologe, Kinderarzt und Hochschullehrer
  • Simone Hauswald (* 1979), Biathletin

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 636–637.
  3. Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte, 1973
  4. LEO BW - Landeskunde entdecken online Website LEO BW - Landeskunde entdecken online. Abgerufen am 10. Januar 2016.
  5. moscheesuche.de
  6. [1]Reform des baden-württembergischen Notariatswesens
  7. [2]Gesetz zur Reform der Verwaltungsstruktur,zur Justizreform und zur Erweiterung des kommunalen Handlungsspielraums (Verwaltungsstruktur-Reformgesetz - VRG) vom 1. Juli 2004

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wehingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien