Wehlenberg

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Wehlenberg
Gemeinde Muhr am See
Koordinaten: 49° 9′ 46″ N, 10° 43′ 44″ O
Höhe: 447–456 m
Einwohner: 39 (1987)
Eingemeindung: 1808
Eingemeindet nach: Altenmuhr
Postleitzahl: 91735
Vorwahl: 09831
Wehlenberg (Bayern)
Wehlenberg

Lage von Wehlenberg in Bayern

Wehlenberg, vom Nesselbachtal aus gesehen

Wehlenberg ist ein Ortsteil der Gemeinde Muhr am See im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen.

Alter Brauereikeller unterhalb Wehlenbergs
Ökumenische Franziskus-Kapelle bei Wehlenberg

Geographische Lage, Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Weiler liegt 1 Kilometer nordöstlich von Muhr am See und nordwestlich des Gunzenhäuser Ortsteils Büchelberg am westlichen Hang des Büchelbergs. Von Gunzenhausen ist es etwa 5 Kilometer entfernt. Vom Ortsteil Stadeln von Muhr am See führen zwei Straßen nach Wehlenberg.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname lässt zwei Deutungen zu: „Zum Dorf eines Wello/Wallo“ und „Zum runden Dorf“; im letzteren Fall würde das mittelhochdeutsche Wort „wël“ für „rund“ namensgebend sein. Im 18. Jahrhundert zeigen Belege eine Umdeutung in „Wilden...“[1].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Beleg aus der Zeit von 1300 bis 1364, kopiert im 17. Jahrhundert, berichtet, dass ein Ritter von Konstein vom Bischof von Eichstätt dessen ganzen Besitz in „Wellendorff“ zu Lehen hat. Gegen Ende 14. Jahrhunderts war dieses bischöfliche „Welendorf“-Lehen an Heinrich von Lentersheim übergegangen; um circa 1460/70 gehörte „Wellendorff“ zur Pfarrei Altenmuhr. Da sich in diesen frühesten Belegen der Ortsname nur als Wellen-„dorf“, nie aber als Wellen/Wilden-„berc“ findet, ist die von der älteren Literatur- und Musikgeschichtswissenschaft[2] vertretene Annahme, das heutige Wehlenberg sei mit dem „Wildenberc“ in Wolfram von EschenbachsParzival“ identisch, Wolfram hier also seinen Wohnsitz gehabt habe, als „völlig unwahrscheinlich“[1] zu bezeichnen. Erst im 16. Jahrhundert erscheint der Ortsname erstmals als „Welnberg“: nach einem Beleg um 1525 sind aus etlichen Reutwiesen „Welnbergs“ Abgaben an das brandenburgisch-ansbachische Verwalteramt Wald zu leisten. 1549 gehörte der Groß- und der Kleinzehent der Herrschaft Neuenmuhr, während zwei Höfe, wie 1551 belegt ist, weiterhin nach Altenmuhr zinsten. Für 1584 erfährt man, dass Wolf Christoph von Lentersheim zu Neuenmuhr den Groß-, den Kleinzehent und einen Hof zu „Wellenberg“ als bischöfliches Lehen besaß. Im 18. Jahrhundert (so 1719 und 1732) erscheint der Ortsname als „Wildenbergen“: 1732 gehören vier Untertanen dem brandenburgischen Kastenamt Gunzenhausen, und nur noch ein Untertan ist lentersheimisch; denen von Lentersheim gehört aber noch der Zehent. Die Gemeindeherrschaft, die Vogtei und die hohe Fraisch werden nach dem gleichen Beleg vom brandenburgischen Oberamt Gunzenhausen wahrgenommen. An diesen Besitzverhältnissen ändert sich nichts mehr bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches. Während 1739 wieder von „Wehlenbergen“ die Rede ist, heißt der Weiler in einem Verzeichnis von 1804 sowohl „Wildenbergen“ als auch „Wehlenbergen“,[3] was die ältere Wolframsforschung hier den Wildenberc aus Parzival vermuten lässt.

Mit dem Ansbacher Markgrafentum wurde Wehlenberg 1792 preußisch. 1806 endete die preußische Herrschaft, das Dorf wurde bayerisch und gehörte ab 1808 zum Steuerdistrikt Altenmuhr im Landgericht/Rentamt Gunzenhausen, dem späteren Landkreis Gunzenhausen. 1811 wurde der Steuerdistrikt in eine Ruralgemeinde umgewandelt, die auch durch das Gemeindeedikt von 1818 in ihrem Bestand bestehen blieb.[4]

1952 bestand der Weiler aus acht Höfen mit ebenso vielen Familien.[5] Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Altenmuhr und damit auch Wehlenberg mit Neuenmuhr zur Einheitsgemeinde Muhr am See vereinigt.

Rechts der Straße, die von Muhr aus durch das Nesselbachtal nach Wehlenberg führt, befinden sich im Wald drei Bierkeller aus dem 18./19. Jahrhundert einer ehemaligen Altenmuhrer Brauerei mit aus Sandstein gemauerten Eingängen.[6]

In der Flur westlich von Wehlenberg entstand am ehemaligen Wehlenberger Kirchenweg und damit am Rundwanderweg „Der Seenländer“ auf Veranlassung des Bürgermeisters Roland Fitzner die im Oktober 2013 geweihte private ökumenische Franziskus-Kapelle nach den Plänen des Architekten Stefan Lautner mit einem großen Fenster des Glaskünstlers Johannes Schreiter.[7] (Standort)

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1818: 26 Einwohner[4]
  • 1824: 32 Einwohner, 6 Anwesen[4]
  • 1861: 31 Einwohner[8]
  • 1912: 29 Einwohner[9]
  • 1929: 36 Einwohner[10]
  • 1950: 45 Einwohner, 6 Anwesen[4]
  • 1961: 30 Einwohner, 6 Wohngebäude[11]
  • 1987: 39 Einwohner[12]

Nesselmühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nesselmühle ist eine abgegangene Mühle am Nesselbach bei Wehlenberg. Sie wurde 1574 errichtet und im Jahr 1977 abgebrochen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • R. Maurer: Wehlenberg im Gunzenhäuser Landkreis. In: Gunzenhäuser Heimatbote, Band 7 (1952), Nr. 30, S. 119.
  • Hanns Hubert Hofmann (Bearbeiter): Historischer Atlas von Bayern. Franken. Reihe I, Heft 8: Gunzenhausen-Weißenburg. München 1960, S. 175, 230.
  • Robert Schuh: Gunzenhausen. Ehemaliger Landkreis Gunzenhausen. Reihe Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Mittelfranken, Bd. 5: Gunzenhausen. München: Kommission für bayer. Landesgeschichte 1979, insbes. Nr. 184, S. 195 f., Nr. 300, S. 329 f.
  • Hermann Kaussler: Die einstige Nesselmühle bei Muhr. In: Gunzenhäuser Heimatbote, Band 10 (1998), Nr. 22, S. [1]–[2].
  • Günter L. Niekel: Die Chronik von Muhr. Gunzenhausen: Schrenk-Verlag, 1991.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Schuh, S. 329
  2. Z. B. in: Dominicus Mettenleiter: Musikgeschichte der Oberpfalz. Aus Archivalien und anderen Quellen zusammengestellt. Amberg 1867, S. 142f.
  3. Dieser Abschnitt nach Schuh, S. 329
  4. a b c d Hofmann, S. 230
  5. Maurer, S. 119
  6. Bayer. Amt für Denkmalpflege: Muhr a. See, Baudenkmäler, Stand: 1. Februar 2012, S. 2
  7. Bericht auf nordbayern.de und: Die Zeit, Mr. 52/2013 vom 19. Dezember 2013
  8. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1034, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  9. Meyers Orts- und Verkehrslexikon des Deutschen Reichs. 1912, Bd. 1, S. 35
  10. GenWiki: Pfarreien der Evang.-Luth. Kirche in Bayern rechts des Rheins (1929)/38
  11. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 783 (Digitalisat).
  12. Genealogie-Netz