Wehrgangkirche Dörnthal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wehrgangkirche in Dörnthal
Wehrgangkirche Dörnthal, Seitenansicht

Die Wehrgangkirche Dörnthal ist ein denkmalgeschütztes evangelisch-lutherisches Kirchengebäude in Dörnthal, einem Ortsteil von Olbernhau im Erzgebirgskreis (Sachsen). Die Fachliteratur bezeichnet seit 1957 eine Gruppe von Wehrkirchen in den Orten Dörnthal, Großrückerswalde, Lauterbach und Mittelsaida, irrtümlich als Wehrgangkirche; richtiger ist Wehrkirche, weil diese Kirchen keinen Wehrgang, sondern ein auf den steinernen Außenmauern ruhendes komplettes Blockbau-Wehrgeschoss aufweisen.[1] Das Gebäude ist eine der ältesten Kirchen im mittleren Erzgebirge.[2]

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner errichteten Wehrkirchen im Allgemeinen auf Anhöhen, da sie Angriffe dort sicherer abwehren konnten. Bei den Erzgebirgischen Wehrgangkirchen überragt das massive Untergeschoss ein – zum Teil auch überkragender – Aufbau, der mit einer Balkenlage zum teilweise abgeschlossenen Wehrgang wird. Der Wehrgang stammt aus der Zeit um 1500.[3] Die Stämme der zwei Meter hohen Blockwand sind bis zu 38 cm stark, darin sind für kniende Verteidigung Schießscharten und Öffnungen eingesägt. Als Verteidigungswaffen dienten Jauche, heißes Wasser, Steine und andere geeignete Mittel.[4]

Die 1346 errichtete Kirche in Dörnthal steht auf einem Hügel in einer Höhe von 635 Metern im Oberen Dorf.[5] Der Wehrgang ist nach allen Seiten abgeschlossen.[6] Von 1520 bis 1539 wird der heutige Altarraum als polygonaler Anbau an der Ostseite ausgeführt.[7] Auf der Rückseite des Gebäudes befindet sich ein bei Renovierungsarbeiten freigelegter Fries mit der Jahreszahl 1581.[8] Dem Dach setzte man 1610 einen Dachreiter aufgesetzt, 1773 und 1857 erneuert. Der spitzbogige, profilierte Türstock an der Südseite des Kirchenschiffes weist auf eine Entstehung im 13. Jahrhundert hin.[9] Den heutigen Eingang der Kirche bildet das sogenannte Vorhäusel aus dem 7. Jahrhundert, der barocke Dachreiter stammt aus dem 18. Jahrhundert.[10] Die Kassettendecke aus der Zeit um 1500 gilt als ein wichtiger Bestandteil der Kirche, geschmückt mit sechsblättrigen Rosen und Heiligenbildern.[11] Die Decke, dem Zeitgeschmack entsprechend, 1847 verputzt, legt man 932 wieder frei.[12] Den Altarraum überspannt ein Schlingrippengewölbe. Kleine Rippenbogen schmücken kleine Köpfen, ihre Mitte Kreuzblumenmotive.[13] Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz stellte in den Jahren 1997 und 1998 umfangreiche Mittel für die Sanierung des Daches bereit.[14] Zur Sicherung des Kirchenbaus förderte Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in den Jahren 1997/1998 die Erneuerung des Daches.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kanzel ist eine Arbeit des 16. Jahrhunderts
  • Der Altar wurde um 1500 angefertigt, er ist dreiflügelig ausgeführt. Im Mittelteil werden die Darstellungen der Heiligen Laurentius, Martinus und Erasmus gezeigt. Links davon ist die Mutter Anna mit Maria und Jesus als Kind und rechts der Apostel Johannes zu sehen. Eine Restaurierung der Flügelrückseiten wurde nicht vorgenommen, die vorhandenen Reste wurden gesichert.
  • Das Taufbecken aus Sandstein wurde 1610 angefertigt und von Elisabeth von Steinberg gestiftet[15]
  • Die Orgel mit dem vergoldeten Prospekt wurde von 1843 bis 1847 von der Orgelbauwerkstatt Jeheber aus Dresden aufgestellt.[16]
  • Das ursprüngliche Geläut von 1894 wurde im Ersten Weltkrieg als kriegswichtig beschlagnahmt und danach zeitnah erneuert. Diese Glocken wurden im Zweiten Weltkrieg ebenfalls zu Rüstungszwecken entfernt. 1957 wurden neue Glocken aus Eisen-Hartguss gegossen, die erneuert werden sollen.[17] Am 29. März 2013 wurden die neuen, von der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck gegossenen Glocken mit den Tönen g, b und c geläutet.[18]

Geläut seit 2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geläut besteht aus drei Bronzeglocken, der Glockenstuhl ist aus Eichenholz wie auch die Glockenjoche gefertigt und wurden 2008 erneuert.[19] Im Folgenden eine Datenübersicht des Geläutes:[19]

Nr. Gussdatum Gießer Material Durchmesser Masse Schlagton
1 2008 Glockengießerei P. Grassmayr Bronze 1080 mm 775 kg g′
2 2008 Glockengießerei P. Grassmayr Bronze 906 mm 460 kg b′
3 2008 Glockengießerei P. Grassmayr Bronze 832 mm 390 kg c″

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Thümmel: Glocken in Sachsen. Klang zwischen Himmel und Erde. Hrsg.: Evangelischen Landeskirchenamt Sachsens. 2., aktualisierte und ergänzte Auflage. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2015, ISBN 978-3-374-02871-9, S. 287 (Mit einem Geleitwort von Jochen Bohl und Fotografien von Klaus-Peter Meißner}).
  • Werner Spickenreuther Erzgebirgische Wehrgangkirchen (= Das Christliche Denkmal Heft 78). Union Verlag VOB, Berlin 4. überarbeitete Auflage Lizenz-Nr. 395/3546/86 1986
  • Yves Hoffmann: Baugeschichtliche Untersuchungen an den erzgebirgischen Wehrkirchen zu Dörnthal, Großrückerswalde, Lauterbach und Mittelsaida. In: Dirk Höhne und Reinhard Schmitt (Hrsg.): Wehrhafte Kirchen und befestigte Kirchhöfe. Langenweißbach 2015, S. 201–230, ISBN 978-395741-025-2
  • Yves Hoffmann: Die keramischen Kopfkonsolen im spätgotischen Chor der Wehrkirche zu Dörnthal im Erzgebirge. In: Regina Smolnik (Hrsg.): Keramik in Mitteldeutschland – Stand der Forschung und Perspektiven (= Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie 57). Dresden 2012. S. 215–226.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Yves Hoffmann und Stan Lindner: Zur Sanierung und zu baugeschichtlichen Untersuchungen an der Wehrkirche zu Mittelsaida im Erzgebirge. In: Burgenforschung aus Sachsen 18/2 (2005), S. 92–122
  2. Eine der ältesten Kirchen im mittleren Erzgebirge
  3. Bauzeit des Wehrganges
  4. Verteidigungsmittel
  5. Baujahr
  6. Wehrgangskirche
  7. Seiten der TU-Chemnitz
  8. Freigelegtes Fries von 1581
  9. Dachreiter und Türstock
  10. [Vorhäusel und Dachreiter]
  11. Kassettendecke
  12. Umgestaltung der Kassettendecke
  13. Gewölbe im Altarraum
  14. Dachsanierung
  15. Stifterin des Taufsteines
  16. Erwähnung von Kanzel, Altar, Taufbecken und Orgel
  17. Geläut
  18. Neue Glocken
  19. a b Rainer Thümmel: Glocken in Sachsen. Klang zwischen Himmel und Erde. Hrsg.: Evangelischen Landeskirchenamt Sachsens. 2., aktualisierte und ergänzte Auflage. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2015, ISBN 978-3-374-02871-9, S. 305 (Mit einem Geleitwort von Jochen Bohl und Fotografien von Klaus-Peter Meißner).

Koordinaten: 50° 44′ 14,6″ N, 13° 21′ 27,7″ O