Wehrmachthelferin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wehrmachthelferinnen im besetzten Paris, 1940

Wehrmachthelferin (auch mit Fugen-s[1]) war die Bezeichnung für Mädchen und junge Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges Dienst bei der deutschen Wehrmacht taten.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachrichtenhelferinnen im Leitstand der 4. Flakdivision, 1944

Mehr als eine halbe Million Frauen waren für kürzere oder längere Zeit Wehrmachthelferinnen. Über die Hälfte von ihnen meldete sich freiwillig, die anderen waren notdienstverpflichtet oder kriegshilfsdienstpflichtig. Sie zählten wie die hilfswilligen Kriegsgefangenen (siehe „Hilfswilliger“) zum sogenannten Behelfspersonal. Die Frauen wurden nicht nur im Deutschen Reich eingesetzt, sondern zu einem kleinen Teil auch in besetzten Gebieten, so im Generalgouvernement, Dänemark, Norwegen, Niederlande, Belgien, Frankreich, im Reichskommissariat Ostland, später auch in Jugoslawien, Griechenland, Italien und im verbündeten Rumänien, als Stabshelferinnen.[2] Sie leisteten militärische Hilfsdienste, waren militärischen Vorgesetzten unterstellt und arbeiteten unter den Bestimmungen des Militärrechts. Wehrmachthelferinnen wurden meist eingesetzt als Ersatz von Soldaten, die für Fronteinsätze frei wurden. Ihre Ausbildung dauerte maximal 12 Wochen. Einige militärische Einheiten bestanden am Ende des Krieges fast ausschließlich aus Frauen.

Flakhelferin am Horchgerät

Sie arbeiteten vor allem

De-facto-Soldatinnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flakhelferinnen der Wehrmacht an einem Horchgerät, 1943

In den letzten Kriegsjahren wurden Helferinnen auch als Soldatinnen, obwohl nie als solche bezeichnet, verwendet. So dienten im August 1944 bei der Flugabwehrtruppe der Luftwaffe 660.000 reguläre männliche Soldaten sowie 450.000 Frauen („Flakbehelfspersonal“). Die Scheinwerfer-Batterien der Flaks wurden meist von Frauen bedient.

Den größten Umfang erreichte das Wehrmachthelferinnenkorps zur Jahreswende 1944/45. 1945 wurden Flakhelferinnen Handfeuerwaffen zur Selbstverteidigung erlaubt. Im Februar 1945 wurden die Helferinnen der drei Wehrmachtteile (Heer, Luftwaffe, Marine) im Wehrmachthelferinnenkorps zusammengefasst.

Es ist unbekannt, wie viele Wehrmachthelferinnen in Ausübung ihres Dienstes starben, zu Kriegsversehrten wurden oder in Kriegsgefangenschaft gerieten. In sowjetischer Gefangenschaft sollen laut Schätzungen etwa 20000 von ihnen umgekommen sein. Viele gerieten im Chaos von Rückzug, überstürzten Fluchtbewegungen und kollabierender Infrastruktur in Partisanenüberfälle[3], Tieffliegerangriffe oder Bombardements.[4]

Rezeption nach dem Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1978 veröffentlichte Franz W. Seidler, seinerzeit Ordinarius für Sozial- und Militärgeschichte an der Universität der Bundeswehr München, das Buch „Frauen zu den Waffen?“ und in der Folge weitere Untersuchungen unter dem Titel der zeitgenössischen Bezeichnung „Blitzmädchen“. Seidler untersuchte auch, wie weit die Helferinnen durch Wahrnehmung kampfunterstützender Funktionen zu Kombattanten wurden.

In den sozialen Medien wurde 2018 von der Facebook-Seite „Die Blitzmädchen“ ein einseitig positives Bild der damals eingesetzten Frauen gezeichnet, alle Grausamkeiten der Nationalsozialisten und des Krieges bleiben außen vor.[5]

Blitzmädel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Blitzmädel“ oder „Blitzmädchen“ war ein Begriff aus der Soldatensprache. Die Bezeichnung war vom Blitz-Emblem, dem Abzeichen auf dem Uniformärmel oder auf der Krawatte, abgeleitet. Der Blitz war ein Emblem der Nachrichtentruppe von Wehrmacht und Waffen-SS. Der Begriff hatte teilweise mit abwertendem Beiklang, entsprechend soll ihr Ansehen in Teilen der Bevölkerung und bei Soldaten gering gewesen sein.[6][7]

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan Willem van Borselen: Blitzmädel. Eine Lebensgeschichte zwischen Verführung und Erwachen. SV Thorsten Neubert-Preine und Lars Przybylski, Bomlitz 2012, ISBN 978-3-00-040436-8.[8]
  • Hildegard Gartmann: Blitzmädchen. Dokumentarroman. Limes, Wiesbaden 1971 DNB 456702539.[9]
  • Ursula von Gersdorff: Frauen im Kriegsdienst 1914–1945 (= Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte. Band 11). DVA, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1969, DNB 456654356.
  • Kathrin Kompisch: Täterinnen. Frauen im Nationalsozialismus. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2008, ISBN 3-412-20188-X.
  • Marita Krauss (Hrsg.): Sie waren dabei. Mitläuferinnen, Nutznießerinnen, Täterinnen im Nationalsozialismus. Wallstein, Göttingen 2008, ISBN 978-3-8353-0314-0.
  • Birthe Kundrus: Nur die halbe Geschichte. Frauen im Umfeld der Wehrmacht zwischen 1939 und 1945. In: Rolf-Dieter Müller, Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Die Wehrmacht. Mythos und Realität. Oldenbourg, München 1999, S. 719–735. ISBN 3-486-56383-1.
  • Franka Maubach: Die Stellung halten: Kriegserfahrungen und Lebensgeschichten von Wehrmachthelferinnen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-525-36167-2 (Dissertation Universität Jena 2009, 349 Seiten).
  • Alison Morton: Military or civilians? The curious anomaly of the German Women's Auxiliary Services during the Second World War. Kindle Edition 2012.
  • Franz W. Seidler: Blitzmädchen. Helferinnen der Wehrmacht. Bechtermünz, Augsburg 2003, ISBN 3-8289-0531-5.
  • Sybille Steinbacher (Hrsg.): Volksgenossinnen: Frauen in der NS-Volksgemeinschaft (= Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus, Band 23). Wallstein, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-2207-3.
  • Gerda Szepansky: „Blitzmädel“, „Heldenmutter“, „Kriegerwitwe“. Frauenleben im Zweiten Weltkrieg. Fischer-Taschenbuch 3700, Frankfurt am Main 1986–1995, ISBN 3-596-23700-9.
  • Gordon Williamson: World War II German Women's Auxiliary Services (Men-at-Arms). Osprey, Oxford 2003. ISBN 1-84176-407-8.
  • Vorschrift M.Dv.Nr. 465, H.Dv. 28, L.Dv. 28 – Der Flugmeldedienst. 1939.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wehrmachthelferin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Blitzmädel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Rentenversicherung: Erläuterungen zum Fragebogen für Ersatzzeiten, V0401 (Memento vom 24. Juli 2016 im Internet Archive) (PDF), abgerufen am 24. Juli 2016.
  2. Kathrin Kompisch: Täterinnen. Frauen im Nationalsozialismus, Böhlau, Köln 2008, S. 219, ISBN 978-3-412-20188-3 (Verlagsinfo).
  3. S. Neitzel, H. Welzer Soldaten Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben, S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M., 2011, S. 228 f, ISBN 978-3-10-089434-2
  4. Berichte von Wehrmachthelferinnen
  5. DER STANDARD: Bericht über die neuen „Blitzmädchen“, abgerufen 14. Februar 2021
  6. S. Neitzel, H. Welzer Soldaten Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben, S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M., 2011, S. 225 f, ISBN 978-3-10-089434-2
  7. Berichte von Wehrmachthelferinnen
  8. Bericht in: kreiszeitung.de
  9. Kurzrezension in: DER SPIEGEL 14/1971