Wehrshausen (Marburg)

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Wehrshausen
Stadt Marburg
Koordinaten: 50° 48′ 42″ N, 8° 43′ 35″ O
Höhe: 289 (266–344) m ü. NHN
Fläche: 3,43 km²[1]
Einwohner: 697 (31. Dez. 2010)[2]
Bevölkerungsdichte: 203 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35041
Vorwahl: 06421
Karte
Lage von Wehrshausen in Marburg
Ortsansicht von Nordwesten
Ortsansicht von Nordwesten
Marienkirche
Topografische Karte 1857
BOS-Funkmast

Wehrshausen ist ein Stadtteil der Universitätsstadt Marburg an der Lahn im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Es hat rund 700 Einwohner. Zu Wehrshausen gehört die Siedlungsplätze Neuhöfe (mit dem 1. Deutschen Polizeioldtimer-Museum) etwa 1 km südlich und die Dammühle etwa 1 km südwestlich des Ortskerns.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehrshausen liegt rund 3 km westlich von Marburg am westlichen Hang des Marburger Rückens in waldreicher Umgebung. Unmittelbar östlich des Ortes verlief auf dem Höhenrücken die Weinstraße (Wagenstraße) als mittelalterliche Handelsstraße.

Etwa am höchsten Punkt der Gemarkung auf der Wehrshäuser Höhe steht ein markanter rot-weiß-gestreifter BOS-Funkmast, der von Teilen Marburgs aus sichtbar ist. Von den nahegelegenen Wanderwegen, die dem Verlauf der Weinstraße folgen, hat man einen guten Blick über Marburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehrshausen wurde urkundlich erstmals 1254 als Wehrstorf erwähnt.[3] 1339 stiftete der Ritter Werner Döring eine Kapelle, an deren Stelle im Jahr 1475 die heutige Kirche neugebaut wurde. Von 1330 an bis zur Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526 war Wehrshausen Marien-Wallfahrtsort. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen beschloss 1972 der Gemeinderat von Wehrshausen den Anschluss an Marburg, der am 1. Juli 1974 erfolgte.[4] Zu diesem Zeitpunkt hatte Wehrshausen 751 Einwohner.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Wehrshausen unterstand im Überblick:[5][3]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Wehrshausen zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[9]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Marburg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[10] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[11]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die Übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[3]

1577: 7 Hausgesesse
1630: 14 Hausgesesse (3 Ackerleute, 1 Einläuftiger).
1681: 6 hausgesessene Mannschaften
1747: 11 Feuerstellen, 80 Einwohner. Erwerbspersonen: 3 Schmiede, 2 Schneider, 1 Wagner, 2 Leineweber, 1 Müller, 1 Wirt, 1 Strick- und Nähen, 2 Tagelöhner.
1838: 163 Einwohner (10 nutzungsberechtigte, 11 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 3 Beisassen). Familien: 15 Ackerbau, 4 Gewerbe, 5 Tagelöhner.
1861: 198 evangelisch-lutherisch Einwohner
1961: 382 evangelisch, 56 römisch-katholisch Einwohner. Erwerbspersonen: 63 Land- und Forstwirtschaft, 35 Produzierendes Gewerbe, 19 Handel und Verkehr, 76 Dienstleistungen und Sonstiges.
Wehrshausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
160
1840
  
171
1846
  
177
1852
  
194
1858
  
192
1864
  
201
1871
  
212
1875
  
211
1885
  
172
1895
  
185
1905
  
191
1910
  
176
1925
  
206
1939
  
330
1946
  
384
1950
  
394
1956
  
328
1961
  
450
1967
  
830
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Dorf Wehrshausen bei Schenklengsfeld im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, ebenfalls in Hessen, ist der Marburger Ortsteil informell verschwistert; einige Vereine unterhalten Partnerschaften mit den entsprechenden Vereinen beim „Namensvetter“.

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Wehrshausen

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Jahren hat sich Wehrshausen zu einem Pferdestandort entwickelt. Es gibt zahlreiche Weideflächen, Unterstellplätze sowie eine Reithalle mit Reitplatz.

Läden, Geschäfte und Telefonzellen existieren nicht mehr; beim Hotel/Restaurant Dammühle gibt es jedoch einen Minigolfplatz und einen Seilgarten.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundschule Wehrshausen

Eine Besonderheit von Wehrshausen ist die Grundschule, in der alle Kinder des Ortes, die zusammen – je nach Jahrgang – oft nur eine gewöhnliche Klassenstärke haben, unterrichtet werden, zeitweise parallel in einem Raum.

Im Teilort Neuhöfe befinden sich zwei Förderschulen in privater Trägerschaft:

Julie-Spannagel-Schule

Schule für Erziehungshilfe und psychisch Kranke. Die Julie-Spannagel-Schule gehört zum St.-Elisabeth-Verein Marburg.

Daniel-Cederberg-Schule

Schule für Praktisch Bildbare. Die Daniel-Cederberg-Schule gehört zum Kerstin-Heim Neuhöfe, einer Einrichtung für geistig und mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wehrshausen ist per Bus an Marburg angebunden. Nach Marburg führt die Kreisstraße 71, über die Kreisstraße 30 und die Landstraße 3092 ist Wehrshausen an die Bundesstraße 62 angebunden.

Nächste Bahnhöfe sind in Marburg und Sterzhausen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marburger Zahlen von 2009-2010 auf der Website der Stadt Marburg (pdf; S. 4)
  2. Marburger Zahlen von 2009-2010 auf der Website der Stadt Marburg (pdf; S. 10)
  3. a b c Wehrshausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 19. Mai 2017)
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 387.
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 370 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 107 (online bei Google Books).
  8. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  9. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  10. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  11. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wehrshausen (Marburg) – Sammlung von Bildern