Welthauptstadt Germania

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Der Begriff Welthauptstadt Germania wird seit der Nachkriegszeit verwendet, um die Machtansprüche des Nationalsozialismus als gigantomanisch zu kennzeichnen. Hitler selbst hat die beiden Wörter dagegen nie als Begriffseinheit verwendet. Er sprach stets entweder von „Reichshauptstadt“ oder von „Germania“. Mitarbeiter von Albert Speer führten den Begriff der „Reichshauptstadt Germania“ ein. Seitdem steht dieses Synonym für den „Gesamtbauplan für die Reichshauptstadt“, mit dem sie zum Mittelpunkt eines großgermanischen Weltreichs umgestaltet werden sollte.

Hitler verlieh Speer den eigens geschaffenen Titel „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ (GBI)[1] und unterstellte ihm die gleichnamige Behörde, mit der Speer zwischen 1937 und 1943 den Umbau von Berlin in Teilen durchführte.

Die Bauarbeiten für die „Große Halle“ begannen am 23. Juni 1938. Bereits am 14. Juni 1938 wurde der Grundstein für die Nord-Süd-Achse gelegt.[2]

Gipsmodell der Großen Halle („Ruhmeshalle“ / „Halle des Volkes“) von Albert Speer in der Reichshauptstadt Berlin (Planung für die „Welthauptstadt Germania“), 1939

Bezeichnung „Welthauptstadt Germania“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut den Aufzeichnungen von Henry Picker vom 8. Juni 1942 spielte Hitler mit dem Gedanken, die neugestaltete Stadt Berlin in „Germania“ umzubenennen, um einem großgermanischen Weltreich einen Mittelpunkt zu geben.

„Wie seinerzeit die Bayern, die Preußen und so weiter von Bismarck immer wieder auf die deutsche Idee hingestoßen worden seien, so müsse man die germanischen Völker Kontinentaleuropas ganz planmäßig auf den germanischen Gedanken hinlenken. Er halte es sogar für gut, dieser Arbeit durch Umbenennung der Reichshauptstadt Berlin in „Germania“ einen besonders nachhaltigen Auftrieb zu geben. Denn der Name Germania für die Reichshauptstadt in ihrer neuen repräsentativen Form sei geeignet, trotz größter räumlicher Entfernung zwischen jedem Angehörigen des germanischen Rassekerns und dieser Hauptstadt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erzeugen.“

Andreas Hillgruber (Hrsg.): Henry Picker, Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier 1941–1942. München 1968, S. 182

Der Begriff der „Welthauptstadt“ wurde von Hitler bereits drei Monate früher verwendet.

„Berlin wird als Welthauptstadt nur mit dem alten Ägypten, Babylon oder Rom vergleichbar sein! Was ist London, was ist Paris dagegen!“

In der Nacht vom 11. auf den 12. März 1942 in der Wolfsschanze: siehe Werner Jochmann (Hrsg.): Adolf Hitler. Monologe im Führerhauptquartier 1941–1944. München 1980, S. 318

Hintergrund und Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolf Hitler mit den Architekten Speer (links) und Ruff vor Zeichnungen und Modellen des Nürnberger Parteigeländes, 1934
Die Straße des 17. Juni von der Siegessäule in Richtung Osten

Hitler schrieb in seinem Buch Mein Kampf, dass moderne Städte im Gegensatz zur Antike nicht mehr über Wahrzeichen verfügten, über „Monumente des Stolzes“, und dass der Staat mit seinen Bauten wieder stärker in die Öffentlichkeit treten sollte. Die geplanten Monumentalbauten sollten dem NS-Staat zur Repräsentation dienen.

Die Planungen für Berlin, die von 1935 bis 1943 erarbeitet wurden, sahen ein Kreuz von zwei breiten Verkehrsachsen vor, die vom Autobahnring durch die Innenstadt wieder zum Autobahnring führen sollten. Anfänglich zwei, später vier Ringe sollten den Verkehr von den Achsen in die Stadtfläche verteilen. Nördlich des Schnittpunkts der Monumentalachsen, im Spreebogen, sollte die „Große Halle“ als zentrale Versammlungsstätte liegen. Insbesondere die Nord-Süd-Achse sollte als Prachtstraße ausgebaut werden. Als Ersatz für die wegfallenden Flächen in der Innenstadt sollten unter anderem im Grunewald eine neue Hochschulstadt sowie im Osten und Süden Berlins völlig neue Stadtteile entstehen.

Albert Speer erhielt als „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ von Hitler umfassende, einem Minister vergleichbare Kompetenzen, sodass er auch auf Einwände der Berliner Stadtverwaltung keine Rücksicht nehmen musste. Die Umsetzung seiner Pläne hätte die bestehende Struktur der Stadt nachhaltig zerstört, etwa 50.000 Wohnungen hätten abgerissen werden müssen. Abrissaktivitäten liefen bis zur Einstellung der Umgestaltungsarbeiten im Frühjahr 1943, 150.000 Menschen wären direkt betroffen gewesen. Im Rahmen der notwendigen „Umsiedlung“ forcierte die Dienststelle des GBI die „Entjudung“ der Stadt, um die frei werdenden Wohnungen für eigene Zwecke zu nutzen. Einerseits, um sie den von der Zwangsumsiedlung betroffenen „Volksgenossen“ zur Verfügung zu stellen oder um Bauarbeiter unterzubringen. Teilweise wurden diese Wohnungen innerhalb der Dienststelle des GBI auch privilegierten Mitarbeitern oder Systemfreunden zur Verfügung gestellt.

Darüber hinaus waren nicht nur lebende Bürger von der Umgestaltung betroffen, der Südwestkirchhof in Stahnsdorf wurde erweitert um die Gräber der im Bereich der Nord-Süd-Achse liegenden Schöneberger Friedhöfe St. Matthäus und Zwölf Apostel aufzunehmen. Vom St.-Matthäus-Kirchhof wurden viele Grabstätten aus dem nördlichen Bereich nach Stahnsdorf umgebettet. Insgesamt wurden bis 1940 15.000 Tote umgebettet. Betroffen waren darunter die Grabstätten des Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau (Nosferatu) und des Architekten Walter Gropius senior, Vater des Bauhaus-Gründers Walter Gropius.

Beteiligte Künstler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bildhauer und Architekt Arno Breker, rechts Albert Speer, 1940

Die Ernennung Albert Speers zum Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt zog einen Kreis von Architekten, Bildhauern, Malern und Kunsthandwerkern zur Bewältigung der bis dahin einmaligen Aufgaben herbei. Absoluter Favorit für die Skulpturengestaltung war der Bildhauer Arno Breker. Dessen ehemaliger Professor, der Architekt Wilhelm Kreis, wurde mit Aufträgen bedacht. Der Bildhauer Josef Thorak, der sich wie Breker auf die Darstellung des Menschen konzentrierte, war für Bauvorhaben außerhalb Berlins vorgesehen.

Weitere angesehene Künstler während der NS-Zeit waren jene, die bei der offiziellen Ausstellung im Haus der Deutschen Kunst in München präsentiert wurden und deren Figuren im Berliner Olympiastadion standen. Dazu gehörten neben Breker und Thorak die Bildhauer Georg Kolbe, Sepp Hilz, Fritz Klimsch, Richard Scheibe.

Ost-West-Achse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegessäule auf dem Großen Stern

Die 50 Kilometer lange Ost-West-Achse sollte von Wustermark über die Heerstraße, Adolf-Hitler-Platz (vor 1933: Reichskanzlerplatz, seit 1963: Theodor-Heuss-Platz), Kaiserdamm und Bismarckstraße, Knie (seit 1953: Ernst-Reuter-Platz) mit der Technischen Hochschule Charlottenburg (seit 1946: Technische Universität Berlin) entlang der Charlottenburger Chaussee (seit 1953: Straße des 17. Juni) über den Großen Stern, das Brandenburger Tor und Unter den Linden über Frankfurter Tor und Frankfurter Allee verlaufen.[3]

Auf Intervention Hitlers wurde die östliche Fortführung zurückgestellt. An der Museumsinsel sollte die Ost-West-Achse um eine Reihe von Museumsbauten erweitert werden, am Kupfergraben waren ein Weltkriegsmuseum und ein Rassekundemuseum nach Plänen des Architekten Wilhelm Kreis vorgesehen.

Ein sieben Kilometer langes Teilstück der Ost-West-Achse wurde 1939 nach zwei Umbauphasen ab 1935 zu Hitlers Geburtstag fertiggestellt. Die Siegessäule wurde vom Königsplatz vor dem Reichstag auf den Großen Stern versetzt und hierbei um 7,5 Meter erhöht. Da keine Beleuchtung die Straße überspannen sollte, entwickelte die Berliner Kraft- und Licht-Aktiengesellschaft (Bewag) neue Leuchten, für die Albert Speer die äußere Hülle gestaltete. Insgesamt stehen noch 800 dieser zweiarmigen Kandelaber links und rechts der Straßentrasse zwischen Theodor-Heuss-Platz und S-Bahnhof Tiergarten. Sie wurden bislang dreimal erneuert, zuletzt im Jahr 2000.

In der damaligen Presse wurde der Straßenzug in Anlehnung an altrömische Gepflogenheiten als „Via Triumphalis“ bezeichnet.

Nord-Süd-Achse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berlin, Modell von 1939 zur Neugestaltung, Blick vom geplanten Südbahnhof über den Triumphbogen bis zur Großen Halle (Nord-Süd-Achse)

Als 120 Meter breite Prachtstraße war ein rund sechs Kilometer langes Kernstück der 40 Kilometer langen Nord-Süd-Achse vorgesehen. Dieses sollte von einem neuen Nordbahnhof im Südosten Moabits bis zu einem ebenfalls neuen Südbahnhof in der Nähe des Bahnhofs Südkreuz in Tempelhof reichen. Neben dem Nordbahnhof, in direkter Nähe zur Großen Halle, war ein 1200 m × 400 m großes Wasserbecken vorgesehen, in dem sich die Große Halle spiegeln sollte. Wie die anderen geplanten Monumentalbauten waren die Bahnhöfe von „ungekannter“ Dimension. Die Arbeiten zum Südbahnhof, für den die Reichsbahnbaudirektion bereits 1937 erste Entwürfe vorgelegt hatte, wurden ab 1940 von Speer persönlich geleitet und waren bei der generellen Einstellung der Umgestaltungsplanungen im März 1943 fast zur Baureife abgeschlossen. Im August 1941 erteilte Speer die Anweisung, zu den geplanten 20 Parallelgleisen zwei weitere Gleise für die Einbindung der Breitspurbahn, eines anderen Lieblingsprojekts Hitlers, einzufügen.

Auf dem südlichen Teil der Prachtstraße war nahe dem Südbahnhof ein kolossaler Triumphbogen (in Form eines Tetrapylons) vorgesehen, der 117 Meter hoch und 170 Meter breit werden sollte, beschriftet mit den Namen aller im Ersten Weltkrieg gefallenen deutschen Soldaten und geschmückt mit Reliefs von Arno Breker. Im Anschluss daran sollte die „Beutewaffenallee“ als Vorplatz des Südbahnhofs einen triumphalen Abschluss bilden. Entlang der Nord-Süd-Achse sollten alle wichtigen Reichs- und Parteibehörden sowie Firmenzentralen und kulturelle Einrichtungen angesiedelt werden.

Um die Bodenbelastbarkeit für den geplanten Triumphbogen zu ermitteln, wurde noch 1941 ein „Großbelastungsversuch“ in Form eines Betonzylinders in Tempelhof fertiggestellt. Der gewaltige Schwerbelastungskörper (21 m Durchmesser, 14 m Höhe, 12.650 t Gewicht) ist das einzige oberirdische Bauzeugnis der Nord-Süd-Achse und kann besichtigt werden.[4]

Die Nord-Süd-Achse sollte als „Siegesallee des III. Reiches“ auf der Trasse der wilhelminischenSiegesallee des II. Reiches“ beginnen, deren Figuren dafür 1938 abgeräumt und in der Großen Sternallee im Tiergarten neu aufgestellt wurden. Städtebaulicher Höhepunkt der Nord-Süd-Achse sollte der Große Platz mit den diesen umgebenden Gebäuden werden. Der Große Platz, als Aufmarschplatz für bis zu einer Million Menschen gedacht, sollte umgeben werden von der Großen Halle, dem Führerpalast, dem Großdeutschen Reichstag, dem Reichstagsgebäude, dem Dienstgebäude für das Oberkommando der Wehrmacht und dem neuen Dienstgebäude der Reichskanzlei.

Um den Sieg über die Nationalsozialisten baulich zu dokumentieren, ließ die Rote Armee 1945 exakt mittig auf der geplanten Nord-Süd-Achse, nördlich des Schnittpunktes der Ost-West- und Nord-Süd-Achse, in unmittelbarer Nähe zum Reichstagsgebäude und Brandenburger Tor, ein Ehrenmal errichten.[5]

Speers Pläne für eine Nord-Süd-Achse standen in der Tradition einer Reihe von Entwürfen, die erstmals mit dem „Wettbewerb Groß-Berlin“ im Jahr 1910 entwickelt wurden. Unter anderem präsentierte der Architekt Martin Mächler 1920 Pläne für eine solche Achse mit einem republikanischen Regierungsforum auf dem Spreebogen und dem Platz der Republik. Der Reichskunstwart Edwin Redslob unterstützte diese nie zu Ausführung gelangten Pläne als republikanisches Gegenstück zur vom Berliner Schloss über die Linden und Charlottenburger Chaussee verlaufende Ost-West-Achse.[6]

Große Halle („Ruhmeshalle“, „Halle des Volkes“)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Große Halle

Im Spreebogen, etwas nördlich des Reichstags, war das wichtigste Gebäude der Germania-Planungen vorgesehen, die Große Halle. Sie war mit 315 Meter × 315 Meter Grundfläche und 320 Metern Höhe als das größte Kuppelgebäude der Welt geplant.

Wehrtechnische Fakultät und Hochschulstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Grunewald, südwestlich des Olympiastadions wurde 1937 mit dem Bau der Wehrtechnischen Fakultät begonnen. Sie war als erster Abschnitt einer Hochschulstadt geplant, die ihrerseits die Wehrtechnische Fakultät nach Westen fortsetzen sollte. Bestandteil der geplanten Hochschulstadt war ein gigantisches, an den Parthenon erinnerndes Auditorium maximum. Ebenfalls in Planung war der große Neubau einer Universitätsklinik, die als Ersatz für die in der Stadt wegfallende Charité dienen sollte.

Die Wehrtechnische Fakultät ist nicht über einen Rohbau hinausgekommen, dessen Ruine nach dem Krieg mit Trümmerschutt überdeckt wurde. An dieser Stelle liegt der 120 Meter hohe Teufelsberg, ein Naherholungsgebiet. An seinem Gipfel befand sich jahrzehntelang eine US-amerikanische Abhörstation für den Funkverkehr im Ostblock. Der Trümmerschutt wurde mit tausenden Bäumen bepflanzt.

Die Planungen von Speer zum Bau der „Welthauptstadt Germania“, sahen eine „Reichsuniversität Adolf Hitler“ vor, der das Reichssportfeld mit dem Olympiastadion Berlin später zugeschlagen worden wäre. Es sollte dann als architektonischer Höhepunkt eine „riesenhafte“ Langemarckhalle errichtet werden, welche die zu den Olympischen Sommerspielen 1936 entstandene Langemarckhalle in den Schatten gestellt hätte. Mit ihnen sollte der „Mythos von Langemarck“ propagiert werden.

Südstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Verlängerung der geplanten Nord-Süd-Achse war die Südstadt mit Wohnungen für rund 210.000 Bewohner und Arbeitsplätze für rund 100.000 Arbeiter vorgesehen.

Beschaffungslogistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die notwendigen Flächen, Gelder, Baustoffe und Arbeiter für die Errichtung der Welthauptstadt Germania mussten beschafft werden. Hier zeigt sich exemplarisch die Verbindung mit dem nationalsozialistischen Unrechtsstaat.[7]

  • Die für diese Projekte notwendigen meist mit Wohnhäusern bebauten oder als Friedhöfe genutzten städtischen Flächen wurden teilweise abgerissen, zum Trotz der großen Wohnraumnot in Berlin, die Toten in andere Friedhöfe überführt. Jüdische Wohnungsinhaber oder jüdische Mieter wurden ohne gesetzliche Grundlagen auf Anweisung von Generalbauinspektor Albert Speer aus ihren Wohnungen vertrieben (siehe unter Hintergrund und Planung.[8])
  • Die gewaltigen Projekte sollten von den im geplanten Krieg unterjochten Völkern finanziert werden. Die Kosten wurden von Hitler wesentlich höher als für den Krieg eingeschätzt.
  • Die Steinquader wären von Zwangsarbeitern in einigen von Konzentrationslagern aus betriebenen Steinbrüchen bereitzustellen gewesen. Granitquader sollten durch das KZ Flossenbürg und das KZ Mauthausen, Ziegelsteine in dem 1938 errichteten SS-eigenen Klinkerwerk Oranienburg hergestellt werden. Der Ort wurde durch die Nähe des KZ Sachsenhausen vorgegeben: Bei Produktionsaufnahme im Mai 1939 wurde festgestellt, dass die Tonmaterialien dort ungeeignet waren.[9]
  • Deutsche Arbeiter wurden vor dem Krieg für kriegswichtige Produktionen, im Krieg zunehmend als Soldaten benötigt. Für Arbeiten im Zusammenhang mit der Welthauptstadt Germania wurde von vornherein mit Zwangsarbeitern und KZ-Insassen geplant, vor allem Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und Asozialen.

Verbliebene Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz des 4. Juli in Lichterfelde.
Die Gebäude wurden Ende der 1930er Jahre von Telefunken als Unternehmenssitz und Stammwerk errichtet und waren von 1945 bis 1994 als McNair Barracks eine US-Kaserne
  • Der Schwerbelastungskörper sollte Angaben zum Baugrund geben. Bevor Bauten von solcher Größe wie der geplante Triumphbogen oder die Große Halle in Angriff genommen werden konnten, musste eine Versuchsanlage zur Überprüfung der Tragfähigkeit des sandigen Berliner Bodens errichtet werden. Dieser Bau besteht aus einem 14 Meter hohen und 12.650 Tonnen schweren Betonzylinder, der auf einem schmalen Sockel ruht und so den hohen Druck auf den Boden simuliert, wie er durch den Triumphbogen entstanden wäre. Durch langfristige Messungen am Sockel sollten mögliche Senkungen festgestellt werden.
Der Zylinder, im unteren Teil aus massivem Stahlbeton, im oberen Teil aus nichtarmiertem Gussbeton, konnte in der Nachkriegszeit wegen seiner Lage zwischen Bahnlinie und Wohnbebauung nicht gesprengt werden und ist daher noch an der Ecke Loewenhardtdamm/General-Pape-Straße vorhanden. Nach dem Krieg wurde er lange Zeit von der Deutschen Gesellschaft für Bodenmechanik (Degebo) für Versuche genutzt. Seit 1995 ist er unter Denkmalschutz gestellt und wurde in den Jahren 2007–2009 restauriert.
Bordstein der geplanten Nord-Süd-Achse, eingelassen im Gehweg der Straße des 17. Juni (Blickrichtung nach Süden), 2015
Anblick der Straßensituation, Sowjetisches Ehrenmal auf der Nord-Süd-Achse (Blickrichtung nach Osten), 1983
  • Von der Nord-Süd-Achse[3][13] blieb oberirdisch der erste Meter baulich sichtbar erhalten. Erkennbar sind die im Gehweg eingelassenen Bordsteineinmündungen, an der Südseite der Straße des 17. Juni, gegenüber dem Sowjetischen Ehrenmal. Im Gegensatz zu der 47,7 Meter breiten ehemaligen Siegesallee[14] vom Kemperplatz zum früheren Königsplatz (seit 1926: Platz der Republik), heute ein Spazierweg zum Sowjetischen Ehrenmal, war am Südrand der Charlottenburger Allee (heute: Straße des 17. Juni) ein breiterer Anschluss vorbereitet[15] worden. Die 120 Meter auseinander liegenden Rundungen der niveaugleich im Gehweg eingelassenen Bordsteine[16] sind noch sichtbar, da sie beim Neubau des südlichen Gehwegs einbezogen wurden. Der westliche Bordstein liegt am Rand der Parkbucht Richtung Yitzhak-Rabin-Straße (westliche Ecke), der östliche Bordsteinrest gegenüber dem östlichen Panzer des Sowjetischen Ehrenmals, 15 Meter versetzt in Richtung Brandenburger Tor (östliche Ecke).
  • Bestandteil der Germania-Planung war die Wehrakademie, deren unvollendeter Rohbau nach 1945 zum Teufelsberg aufgeschüttet wurde. Das Kulturforum Berlin entstand auf den Überresten des Runden Platzes, an dem das Haus des Fremdenverkehrs (Architekt Theodor Dierksmeier) im Stil des Fehrbelliner Platzes bereits errichtet war. Es wurde nach dem Krieg zugunsten der Neuen Nationalgalerie abgerissen.
  • Die im Verhältnis zum Gesamtprojekt Germania eher geringfügigen Umbauten der Charlottenburger Chaussee und der Standort der Siegessäule entsprechen noch der historischen Situation.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Berliner Religionsphilosoph Klaus Heinrich bringt in seinen Vorlesungen zu NS-Architektur und Klassizismus zur Sprache, dass Speers Monumentalarchitektur wie die „Große Halle“ zur Zerschmetterung ihrer Besucher angelegt sei und der Versuch unternommen werden sollte, unnahbare Räume zu schaffen.[17] Ein Wesensmerkmal der Speer-Bauten sei ihre Inszenierung bei völliger Gleichgültigkeit gegenüber den tätigen Menschen. Heinrich entschlüsselt das Lager als Kern der faschistischen Architektur:

„Meine These ist, dass die Monumentalarchitektur im Inneren der Städte Lagerarchitektur ist. Die Stadt also wird zum Lager, aus dem man jederzeit ausmarschieren kann und in das man zurückkehrt.“

Klaus Heinrich[18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Artem Demenok: Welthauptstadt Germania. Sonderpreis Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen beim Adolf-Grimme-Preis 2006, historische Dokumentation von 2005, 53 Minuten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Donath: Architektur in Berlin 1933–1945. Ein Stadtführer. Hrsg. vom Landesdenkmalamt Berlin, Lukas, Berlin 2004, ISBN 3-936872-26-0.
  • Alexander Kropp: Die politische Bedeutung der NS-Repräsentationsarchitektur. Die Neugestaltungspläne Albert Speers für den Umbau Berlins zur „Welthauptstadt Germania“ 1936–1942/43. Ars Una, Neuried 2005, ISBN 3-89391-135-9.
  • Bernd Kuhlmann: Eisenbahn-Größenwahn in Berlin. Die Planungen von 1933 bis 1945 und deren Realisierung. 2. erg. und erw. Auflage. GVE-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-89218-093-8.
  • Hans J. Reichhardt, Wolfgang Schäche: Von Berlin nach Germania. Über die Zerstörungen der „Reichshauptstadt“ durch Albert Speers Neugestaltungsplanungen. Überarb. und erw. Neuauflage. Transit Buchverlag, Berlin 1998, ISBN 3-88747-127-X.
  • Dirk Reimann: Die „Welthauptstadt Germania“ und ihre Folgen für Berliner Friedhöfe. In: Friedhofskultur. 5 (2003), ISSN 0343-3544, S. 40–41.
  • Christian Saehrendt: Belastungskörper „Germania“. Was blieb von Albert Speers Berlin? In: Die Neue Gesellschaft, Frankfurter Hefte. Bonn 2002, ISSN 0177-6738.
  • Wolfgang Schäche: Architektur und Städtebau in Berlin zwischen 1933 und 1945. Planen und Bauen unter der Ägide der Stadtverwaltung. (= Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Beiheft Nr. 17). 2. Auflage. Gebr. Mann, Berlin 1992, ISBN 3-7861-1178-2.
  • Albert Speer: Erinnerungen. Propyläen, Berlin 1969.
  • Susanne Willems: Der entsiedelte Jude. Albert Speers Wohnungsmarktpolitik für den Berliner Hauptstadtbau. (= Publikationen der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz. Band 10). Ed. Hentrich, Berlin 2000, ISBN 3-89468-259-0.
  • Mythos Germania. Schatten und Spuren der Reichshauptstadt. Ausstellungskatalog, Edition Berliner Unterwelten, Berlin 2012, ISBN 978-3-943112-00-9.
  • Mythos Germania. Vision und Verbrechen. Ausstellungskatalog, Edition Berliner Unterwelten, Berlin 2014, ISBN 978-3-943112-28-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Welthauptstadt Germania – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vergleiche dazuBlatt 4233 aus dem Jahr 1936 gBI @1Blatt 4233 aus dem Jahr 1936 gBI @2Vorlage:Toter Link/www.histomapberlin.de (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Blatt 4233 aus dem Jahr 1936 gBI Webarchiven)
  2. Nikolaus Bernau: Der lange Schatten Germanias. In: Berliner Zeitung. 30. April 2005; abgerufen am 23. Juni 2017.
  3. a b Pharus-Plan: Tiergarten um 1943
  4. Berliner Unterwelten
  5. Entwicklung des Kreuzungsbereichs Siegesallee/ Charlottenburger Chaussee auf dem Plan 4233 aus den Jahren 1936/1937, 1939, 1950 und 1955
  6. Edwin Redslob: Ein Haus der Republik, 1929. In: Christian Welzbacher (Hrsg.): Der Reichskunstwart. Kulturpolitik und Staatsinszenierung in der Weimarer Republik 1918-1933. 1. Auflage. wtv-Campus, Weimar 2010, ISBN 978-3-941830-04-2, S. 95–98.
  7. D. Thorau, G. Schaulinski (Hrsg.): Mythos Germania. Vision und Verbrechen. Edition Berliner Unterwelten, 2014, ISBN 978-3-943112-28-3.
  8. Susanne Willems: Der entsiedelte Jude. Albert Speers Wohnungsmarktpolitik für den Berliner Hauptstadtbau. (= Publikationen der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz. Bd. 10). Ed. Hentrich, Berlin 2000, ISBN 3-89468-259-0.
  9. C. Truvé: Strafkommando Klinkerwerk. KZ Zwangsarbeit für "Germania". In: D. Thorau, G. Schaulinski (Hrsg.): Mythos Germania. Vision und Verbrechen. Edition Berliner Unterwelten, 2014, ISBN 978-3-943112-28-3.
  10. Travertinsäulen für den geplanten Berliner Mussoliniplatz im heutigen Stuttgart. In: D. Thorau, G. Schaulinski (Hrsg.): Mythos Germania. Vision und Verbrechen. Edition Berliner Unterwelten, 2014, ISBN 978-3-943112-28-3.
  11. Ingmar Arnold: Achsenkreuz unter dem Tiergarten. In: berliner-unterwelten.de. 21. Januar 2016; abgerufen am 6. Oktober 2016.
  12. zdfinfo: Das unterirdische Reich (2/2) Von Festungen und Führerbunkern. In: YouTube. 14. März 2015; abgerufen am 6. Oktober 2016.
  13. Stadtplan von Berlin. Richard Schwarz, Landkartenhandlung u. Geogr. Verlag, Tiergarten im Januar 1946
  14. Blatt 4233 von 1936: Eintrag zur Siegesallee südlich der Charlottenburger Chaussee
  15. Blatt 4233 von 1939: 52 Meter, Blatt 4233 von 1950: 100 Meter
  16. Straße des 17. Juni FIS-Broker (Karte von Berlin 1:5000 – K5-Farbausgabe) der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin
  17. Niklas Maak: An das Große glauben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 19. August 2015; abgerufen am 23. Juni 2017.
  18. Bernhard Schulz: Klassisch dekorierte Nazi-Architektur: Wie sich Albert Speer den Stil des großen preußischen Baumeisters Karl-Friedrich Schinkel aneignen konnte, zeigen die Dahlemer Vorlesungen von Klaus Heinrich. In: Der Tagesspiegel. 27. August 2015; abgerufen am 23. Juni 2017.