Weißbach (Hohenlohe)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Weißbach
Weißbach (Hohenlohe)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Weißbach hervorgehoben
49.39.6201Koordinaten: 49° 18′ N, 9° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Hohenlohekreis
Gemeindeverwal-
tungsverband:
„Mittleres Kochertal“
Höhe: 201 m ü. NHN
Fläche: 12,77 km²
Einwohner: 2030 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 159 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74679
Vorwahl: 07947
Kfz-Kennzeichen: KÜN
Gemeindeschlüssel: 08 1 26 086
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Niedernhaller Straße 5
74679 Weißbach
Webpräsenz: www.gemeinde-weissbach.de
Bürgermeister: Rainer Züfle
Lage der Gemeinde Weißbach im Hohenlohekreis
Landkreis Heilbronn Landkreis Schwäbisch Hall Main-Tauber-Kreis Neckar-Odenwald-Kreis Bretzfeld Dörzbach Forchtenberg Forchtenberg Ingelfingen Krautheim (Jagst) Künzelsau Kupferzell Mulfingen Neuenstein (Hohenlohe) Niedernhall Öhringen Pfedelbach Schöntal Waldenburg (Württemberg) Weißbach (Hohenlohe) ZweiflingenKarte
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Weißbach ist eine Gemeinde im Kochertal im Hohenlohekreis in Baden-Württemberg.

Geografie[Bearbeiten]

Weißbach liegt im mittleren Kochertal an der Mündung des Langenbachs in den Kocher zwischen 200 und 430 Meter Höhe, 10 km westlich der Kreisstadt Künzelsau. Die Gemeinde besteht aus den ehemals selbständigen Ortschaften Weißbach mit dem Weiler Guthof und Crispenhofen mit dem Weiler Halberg.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zu Weißbach gehört die ehemalige Gemeinde Crispenhofen. Zur ehemaligen Gemeinde Crispenhofen gehören das Dorf Crispenhofen und der Weiler Halberg sowie die abgegangenen Ortschaften Breitental, Entberg, Wallenstein und Hettenbach. Zur Gemeinde Weißbach in den Grenzen vom 31. Dezember 1973 gehören das Dorf Weißbach, der Weiler Guthof und das Haus Schlössle.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die evangelische Kirche in Weißbach

Weißbach wird erstmals 1283 urkundlich erwähnt. Weißbach, alt Wysbach, benannt nach dem weißen schäumenden Bach, war ursprünglich Bestandteil der Herrschaft Forchtenberg-Wulfingen.[3]

Im ausgehenden Mittelalter beginnt die Salzgewinnung. In der Nachbargemeinde Niedernhall wurde Sole gefördert, die dann durch hölzernen Röhren zu zwei Salinen nach Weißbach floss, wo durch Erhitzen das Salz gewonnen wurde. Im 18. Jahrhundert wurde die Salzgewinnung jedoch unrentabel, da der Salzgehalt der Sole abgenommen hatte. Aus einer der Salinen wurde dann eine Mühle. Nach deren Abbrennen Ende des 19. Jahrhunderts wurde an der gleichen Stelle eine Textilfabrik gegründet. Diese wurde nach dem Eintreten von Konrad Hornschuch als Gesellschafter um 1920 zur Kunsttofffabrik und war zeitweise sogar der größte Arbeitgeber im Hohenlohekreis. Die andere Saline ist gemeinhin als Schlössle bekannt und beherbergte nach Aufgabe der Saline lange Zeit einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Mitte der 1920er Jahre erreichte dann auch die Eisenbahn (Kochertalbahn) Weißbach. Der Personenverkehr wurde jedoch 1980 durch Linienbusse ersetzt und der Güterverkehr 1990 stillgelegt. Inzwischen sind die Gleise demontiert und die Trasse wird vielerorts (wie zwischen Weißbach und Forchtenberg) als Radweg genutzt.

Die evangelische Kirche Weißbachs ist seit 1929 denkmalgeschützt, da bei einer Restaurierung 1923 Fragmente mittelalterlicher Fresken entdeckt und freigelegt wurden. Die Bilder begannen in den 1930er Jahren von den feuchten Wänden abzubröckeln. 1937 musste bei einer erneuten Renovierung eine Wand komplett abgerissen werden, wodurch ein Teil der Gemälde nicht zu retten war. Bei einer weiteren Instandsetzung 1957 wurden nochmals Gemälde entdeckt, die erfolgreich restauriert wurden. Sämtliche Malereien sind vermutlich kurz vor 1400 entstanden und zeigten bzw. zeigen Szenen aus dem Passionsweg Jesu.[3] Bis zur Begradigung des Kochers wurde die Kirche bei Hochwasser früher manchmal überschwemmt.

Legende[Bearbeiten]

Die Einwohner Weißbachs haben den Ortsnecknamen Krappenstecher. Dies geht auf die Legende zurück, dass die Weißbacher so arm waren, dass sie Krappen (Raben auf Hohenlohisch) erstochen hätten, um diese zu essen.[3] Junge Raben sollen wie Tauben schmecken. In Gedenken an diese Legende heißt das alle zwei Jahre stattfindende Gassenfest in Weißbach Krappenstecherfest.

Ortsteile[Bearbeiten]

Crispenhofen[Bearbeiten]

Crispenhofen hieß ursprünglich Criesbachhofen, so genannt, weil es ein Hof in der Nähe von Criesbach war oder, nach anderen Angaben, Hof eines Herren von Criegesbach.[3] Crispenhofen wird erstmals 1344 urkundlich erwähnt. In früheren Jahrhunderten war dies auch der größere Ort der heutigen Gemeinde Weißbach. Seit der Industrialisierung hat sich dies jedoch rasch und nachhaltig gewandelt. Oberhalb Crispenhofens liegt der aus mehreren Häusern bestehende Weiler Halberg, der bis zur Eingemeindung zu Crispenhofen gehörte.

Religionen[Bearbeiten]

Die Mehrzahl der Einwohner ist evangelisch. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen auch Katholiken nach Weißbach. Inzwischen gibt es außer den beiden evangelischen Kirchen in Weißbach und Crispenhofen je eine katholische, eine neuapostolische in Weißbach und eine baptistische Gemeinde in Crispenhofen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • 1. Januar 1974: Crispenhofen

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 13. Juni 2004 ergab folgende Sitzverteilung:

FWG 77,3 % +6,8 11 Sitze +2
SPD 22,7 % −6,8 3 Sitze −1

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Weißbacher Wappens lautet: Unter silbernem Schildhaupt, darin ein schreitender, rot bewehrter und rot bezungter, hersehender schwarzer Löwe (Leopard), in Rot ein silberner Wellen-Schräglinksbalken. Die Flagge der Gemeinde ist Weiß-Rot.

Ein Weißbacher Siegel von 1831 zeigte drei Bäume. Mit Beratung der Archivdirektion Stuttgart legte Weißbach 1958 ein Wappen fest, in dem der Wellenbalken auf den Gemeindenamen (-bach) Bezug nimmt, während der Leopard dem Hohenloher Wappen entstammt und die Zugehörigkeit Weißbachs zu Hohenlohe seit 1323 repräsentiert. Die Flaggenfarben sind die hohenlohischen Hausfarben. Wappen und Flagge wurden der Gemeinde am 19. Januar 1959 vom baden-württembergischen Innenministerium verliehen.[4]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Weißbach liegt am Kochertal-Radweg und an der Württembergischen Weinstraße der früheren Schwäbischen Weinstraße. Die Wirtschaft war bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts stark landwirtschaftlich geprägt, seit der starken Industrialisierung des Kochertals spielen Landwirtschaft und Weinbau jedoch nur noch eine sehr untergeordnete Rolle.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die Konrad Hornschuch AG (Hersteller der d-c-fix-Folien und von skai-Kunstleder) hat ihren Unternehmenssitz in Weißbach. Der Firmenstandort geht auf die 1891 an der Stelle einer abgebrannten Mahlmühle eröffnete Textilfabrik Schaufler & Wundt zurück, die 1898 in eine GmbH umgewandelt wurde, sich in der Folgezeit zum Hersteller von Kaliko und Kunstleder entwickelte und 1927 in der ursprünglich in Urbach ansässigen Konrad Hornschuch AG aufging. Nachdem ein Großbrand das Werk in Weißbach 1968 nahezu vollständig zerstört hatte[5], entstand dort eine neue Produktionsanlage, die 1976 schließlich zum Sitz des Unternehmens wurde.

Bildung[Bearbeiten]

Weißbach verfügt über eine eigene Grundschule sowie zwei evangelische Kindergärten (Weißbach und Crispenhofen) und eine Bücherei.

Sport[Bearbeiten]

Weißbach verfügt über eine Turnhalle und einen Sport- sowie einen Hartplatz. In Crispenhofen gibt es eine Tennisanlage.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 227–228.
  3. a b c d Rauser (siehe Literatur)
  4. Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1), S. 140.
  5. http://www.feuerwehr-weissbach.de/geschichte/hornschuch.html

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Hermann Rauser: Weissbacher Heimatbuch. Gemeinde Weißbach, Weißbach 1982 (Heimatbücherei Hohenlohekreis, 10).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weißbach (Hohenlohe) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien