Weißer Burgunder

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Pinot blanc
Synonyme Weißer Burgunder, Weißburgunder, Pinot bianco, Klevner, – für weitere siehe Abschnitt Synonyme
Pinot blanc
Art Edle Weinrebe (Vitis vinifera subsp. vinifera)
Beerenfarbe gelbgrün
Verwendung
Herkunft Frankreich, Burgund
bekannt seit 14. Jh.
VIVC-Nr. 9272
Abstammung

Mutation von
Pinot Noir

Liste von Rebsorten

Der Pinot blanc, Weißer Burgunder, Weißburgunder, Pinot bianco oder Klevner ist eine Weißweinsorte. Sie ist seit dem 14. Jahrhundert bekannt und wird zu den Burgundersorten gezählt.

Abstammung, Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Heimat der Pinotsorten wird das Gebiet zwischen Genfer See (Schweiz) und dem Rhônetal (Frankreich) vermutet. Der Pinot blanc entstand durch eine Mutation aus dem Pinot Noir, den es möglicherweise seit 2.000 Jahren gibt. Im Schweizer Kanton Wallis wird auch der Pinot blanc als traditionelle Rebsorte betrachtet.[1]

Der Orden der Zisterzienser brachte den Pinot blanc im Mittelalter in den Rheingau, von hier verbreitete sie sich dann in ganz Europa. In Frankreich ist die Sorte im Jahre 1895 im Burgund beschrieben worden, von deutschen Ampelografen jedoch bereits im frühen 19. Jahrhundert.

Obwohl man die Unterschiede früh erkannt hat, wurden die Sorten Pinot blanc und Chardonnay im Weingarten wegen der großen Ähnlichkeit nicht auseinandergehalten und bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts gemeinsam kultiviert. Es zeigten sich aber mit zunehmender Bedeutung des Weinbaues doch wichtige Unterschiede in der Kultivierung der beiden Sorten. Im Burgund wurde der Sorte Chardonnay, wegen der etwas früheren Reife und geringeren Botrytisanfälligkeit, der Vorzug gegeben. Heute ist sie im Ursprungsgebiet des Weißen Burgunders praktisch verschwunden.

Der französische Begriff „Pinot“ leitet sich wahrscheinlich von der lang gezogenen Form der Pinot-Trauben ab, die dem Zapfen einer Kiefer (frz. „pin“) recht ähnlich sind. Die im deutschsprachigen Raum übliche Bezeichnung "Burgunder" ist keine Übersetzung des französischen Namens, sondern eine Gebietsbezeichnung.

Ampelographische Sortenmerkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lange Zeit wurde nicht zwischen dem Pinot blanc, dem Chardonnay und dem Auxerrois differenziert, da alle drei Sorten sehr ähnlich sind. Hier eine Übersicht über die wichtigsten ampelografischen Merkmale.

  • Die Triebspitze ist offen. Sie ist stark weißlich hellgrün behaart.
  • Der Triebwuchs ist mittelstark mit dichter Belaubung.
  • Die Jungblätter sind anfangs spinnwebig behaart, um später fast unbehaart zu sein.
  • Die mittelgroßen dunkelgrünen Blätter sind in der Form annähernd ein gleichseitiges Fünfeck, meist ganz oder schwach dreilappig, selten jedoch schwach angedeutet fünflappig. Die Stielbucht ist V-förmig offen und die Stielbuchtader ist belappt. Das Blatt ist stumpf gezähnt. Die Zähne sind im Vergleich der Rebsorten mittelgroß. Die Blattoberfläche ist blasig derb.
  • Die walzenförmige Traube ist selten geschultert, mittelgroß, dichtbeerig und hat kleine bis mittelgroße, grüngelb gefärbte Beeren mit einer dünnen Beerenhaut. Die Beeren können einen hohen Zuckergehalt erreichen und das Fruchtfleisch ist saftig und besitzt eine dezente Fruchtnote.

Der Weiße Burgunder ist erst ab Beginn der Reifephase (Farbumschlag der Beeren) sicher vom Blauen Burgunder und Ruländer unterscheidbar.

Reife: mittelspät

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Weingarten gibt es beim Anbau von Weißem Burgunder wenig Probleme. Sie ist jedoch nicht für zu leichte und trockene Böden geeignet. Die Sorte liefert in guten Lagen und bei guter Reife Weine mit hoher Qualität mit guter Haltbarkeit. Die dichtbeerigen Trauben lassen sich gut mit Gibberellinsäure (GA3), einem Phytohormon, ausdünnen. Dadurch wird einem Botrytisbefall vorgebeugt.

Nachteilig bei der Sorte ist die mittlere Winterfrostwiderstandsfähigkeit, dass sie hohe Lageansprüche stellt und dass für gute Weinqualität ein hohes Mostgewicht erforderlich ist. Weißer Burgunder ist anfällig für Chlorose und Botrytis und wird verstärkt vom Traubenwickler befallen.

Ansprüche an Boden und Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sorte benötigt gute Böden mit ausreichender Wasserspeicherfähigkeit und einen höheren Kalkgehalt. Mittelschwere Böden und warmen Lagen sind für eine gute Weinqualität notwendig. Auf Sand- und Gesteinsböden erreicht der Wein nur wenig Extrakt – dünne Weine. Ungeeignet sind feuchte und kalkarme Böden – Weine bekommen einen untypischen Geschmack.

Ertrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

mittelhoch, regelmäßig

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Weiße Burgunder wird in vielen europäischen Ländern angebaut, vor allem in Deutschland, Italien, Österreich und Frankreich. Wegen der großen Ähnlichkeit mit der Sorte Chardonnay wurde früher in manchen Ländern bei der Flächenerfassung der Weingärten kein Unterschied zwischen Chardonnay und Pinot Blanc gemacht, sodass statistisches Zahlenmaterial bis in die 1980er Jahre unzuverlässig war. In Italien beispielsweise wurden erst 1978 ernsthafte Erhebungen begonnen, um den Anteil von Chardonnay in den Weingärten zu bestimmen bzw. vom Pinot Bianco zu trennen. Daher taucht der Chardonnay in italienischen Statistiken erst ab den frühen 1980er Jahren auf. In Österreich wurde beide Sorten noch bis zur Weingartenerhebung 1999 in Summe erfasst. In Deutschland wurde Chardonnay erst 1994 vom Bundessortenamt zum Anbau zugelassen.

Weltweite Anbauflächen der Rebsorte Weißer Burgunder. Sie nimmt im weltweiten Rebsortenflächenranking 2010 den Rang 52 ein.

Land Rebfläche ha[2]
Argentinien 6
Brasilien 1
Chile 10
China 2
Deutschland 3941
Frankreich 1280
Georgien 219
Italien 3086
Kanada 125
Kroatien 188
Luxemburg 162
Moldawien 350
Neuseeland 16
Österreich 1914
Portugal 22
Russland 695
Schweiz 105
Slowakei 523
Slowenien 525
Südafrika 14
Tschechien 732
Ukraine 338
Ungarn 237
Vereinigtes Königreich 23
Uruguay 9
USA 269
Weltanbaufläche 2010 14792

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wird die Sorte vor allem in Baden, der Pfalz, Rheinhessen und der sächsischen Weinstraße kultiviert. Insgesamt gab es im Jahr 2014 4.794 ha Weißer Burgunder in Deutschland.[3]

Anbaugebiet Fläche [ha][4]
Deutschland 4.794
Baden-Württemberg 1.535
Württemberg
117
Baden
1.418
Bayern 157
Franken
155
Hessen 69
Hessische Bergstraße
22
Rheingau
48
Rheinland-Pfalz 2.856
Ahr
15
Mittelrhein
16
Mosel
298
Nahe
270
Rheinhessen
1.134
Pfalz
1.122
Neue Bundesländer 162
Saale-Unstrut
103
Sachsen
59

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich hat 2015 eine Anbaufläche von 1916 ha.[5] Die Rebsorte ist in allen Weinbaugebieten von Österreich vertreten.

Wein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Flasche Pinot Weiß (Prädikat Spätlese) des Jahrgangs 2003 aus der Gespanschaft Međimurje, Nordkroatien

Der Wein ist sehr gehaltvoll mit pikanter, an Äpfel erinnernder Säure und hat einen ausgeprägtem Sortencharakter, ist aber im Gesamteindruck eher neutral. Der Wein baut sich langsam aus und erreicht seine höchste Qualität als Altwein. Gereifte Weine schmecken nach frischem Brot. Wegen des hohen Zuckergehaltes ihrer Trauben wird die Sorte häufig auch für die Herstellung von Prädikatsweinen verwendet.

In südlicheren Anbaugebieten fehlt der Sorte oft die Säure, dort wurde sie daher vom Chardonnay verdrängt.

Siehe auch die Artikel Weinbau in Deutschland, Weinbau in Frankreich, Weinbau in Italien, Weinbau in Österreich und Weinbau in der Schweiz.

Synonyme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

103 Synonyme: Ag Pino, Arbst Weiss, Arnaison Blanc, Arnoison, Auvernas, Auvernat, Auxerrois, Beli Pinot, Beyaz Burgunder, Biela Klevanjka, Bijeli Pino, Blanc De Champagne, Bon Blanc, Borgogna Bianca, Borgogna Bianco, Borgognino, Borgona Blanco, Borgonja Bela Mala, Boronja Malo Zrno, Burgunda, Burgundac, Burgundac Beli, Burgundac Bijeli, Burgunder Blanc, Burgunder Weiss, Burgunder Weisser, Burgundi Feher, Burgundi Kisfeher, Burgundr, Burgundske Biele, Burgundske Bile, Chardenay, Chardenet, Claevner, Clevner, Daune, Epinette, Epinette Blanche, Feher Burgundi, Feher Kisburgundi, Feher Klevner, Feherburgrurdi, Feherburgundi, Fin Plant Dore, Gentil Blanc, Grauer Burgunder, Grossburgunder, Kisburgundi Feher, Klaevner Weisser, Kleinedel, Kleinedel Weisser, Kleiner Weiss, Klevanjka Bijela, Klevner, Klevner Weiss, Moreote Variete Blanche, Morillon Blanc, Noirien Blanc, Pineau, Pineau Blanc, Pineau Blanc Vrai, Pino Belyi, Pino Blan, Pino Na Vino, Pinot, Pinot Bianco, Pinot Bianco Verde, Pinot Bijeli, Pinot Blanc D'Alsace, Pinot Blanc Vrai, Pinot Branco, Pinot Doux, Pinot Verde, Plant De La Dole, Plant Dore, Roci Bile, Rouci Bile, Rulaender Weiss, Rulandske Biele, Rulandske Bile, Rulandsky Bile, Spaetburger Dore, Spaeter Weisser Burgunder, Veiser Burgunder, Vejser Burgunder, Vert Plant, Veyser Burgunder, Veyser Burqunder, Weis Silber, Weiss Elder, Weiss Klevner, Weissarbst, Weissburgunder, Weissclaeven, Weissclevener, Weisseer Rolaender, Weisser Arbst, Weisser Burgunder, Weisser Klaevner, Weisser Klevner, Weissgelber Klevner, Weissklaevler, Weissklerner.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel 32 Traditionelle Rebsorten der (PDF) Verordnung über den Rebbau und den Wein (VRW, 916.142), Sitten 17. März 2004
  2. K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, 2000 and 2010, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, Dezember 2013 (erste Überarbeitung April 2014) (zweite Überarbeitung Mai 2014) (dritte Überarbeitung Juli 2014).
  3. Anbaustatistik für das Jahr 2014 Statistisches Bundesamt (2015): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Landwirtschaftliche Bodennutzung - Rebflächen. Fachserie 3 Reihe 3.1.5.
  4. Anbaustatistik für das Jahr 2014 Statistisches Bundesamt (2015): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Landwirtschaftliche Bodennutzung - Rebflächen. Fachserie 3 Reihe 3.1.5.
  5. Weingartengrunderhebung 2015, Statistik Austria, Schnellbericht 1.19
  6. abgerufen am 5. Juli 2016 Weißer Burgunder in der Datenbank Vitis International Variety Catalogue des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof (englisch)