Weißer Germer

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Weißer Germer
Weißer Germer (Veratrum album subsp. album) vom Dachstein in etwa 2000 m Höhe.

Weißer Germer (Veratrum album subsp. album) vom Dachstein in etwa 2000 m Höhe.

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Lilienartige (Liliales)
Familie: Germergewächse (Melanthiaceae)
Gattung: Germer (Veratrum)
Art: Weißer Germer
Wissenschaftlicher Name
Veratrum album
L.

Der Weiße Germer (Veratrum album), auch Weiß-Germer[1] genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Germergewächse (Melanthiaceae). Er wird auch als (Weiße) Nieswurz, Hammerwurz, Hemmer(t)wurzn, Lauskraut oder Lauswurz bezeichnet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration des Weißen Germers (Veratrum album) in Otto Wilhelm Thomés Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz (Gera 1885)
Häufig sind beim Weißen Germer wie hier am Monte Baldo nur sterile Exemplare zu sehen
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Der Weiße Germer wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 50 bis 150 Zentimetern. Die Wurzel ist innen weiß. Die Laubblätter sind wechselständig, schraubig, fast dreizeilig angeordnet. Die untersten Laubblätter sind breit oval und sind bis zu 20 Zentimeter lang, die oberen sind lanzettartig. Alle Blätter sind mehrfach nervig gefaltet[2] und den Stängel umfassend.

Der Weiße Germer blüht erst nach einigen Jahren vegetativen Wachstums. Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Der vielblütige, rispige Blütenstand ist etwa 50 Zentimeter lang. Die Trichterblüten sind 12 bis 15 Millimeter groß und weiß, grünlich oder gelblich. Besonders bei Sonnenschein duftet die Pflanze sehr aufdringlich.

Die Chromosomenzahl beträgt für beide Unterarten 2n = 32.[3]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet von Veratrum album reicht von Europa bis zu Russlands Fernem Osten.[4] In Europa umfasst es die Alpen und deren Vorland, den Apennin und Osteuropa. Als Standort werden feuchte Wiesen, Weiden, Lager, Hochstaudenflure und Flachmoore von der Tallage bis in eine Höhenlage von etwa 2700 Metern bevorzugt. In Österreich hat Veratrum album einen hohen „Verbreitungsgrad“. Der Weiße Germer hat seinen Schwerpunkt der Vorkommen in Gesellschaften des Verbands Rumicion alpinae, kommt aber auch in Gesellschaften der Ordnung Adenostyletalia und im Alpenvorland auch in Gesellschaften der Verbände Molinion oder Alno-Ulmion vor.[5]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Veratrum album erfolgte 1753 durch Carl von Linné.

Ausschnitt eines Blütenstandes von Veratrum album subsp. album vom Muottas Muragl im Oberengadin
Blüten von Veratrum album subsp. lobelianum vom Muottas Muragl im Oberengadin

Es existieren zwei Unterarten, die von manchen Autoren auch als Arten aufgefasst werden:

  • Veratrum album subsp. album: Mit weißlichen Blüten und grünen Blattadern. In den Allgäuer Alpen steigt diese Unterart in Vorarlberg am Grat zwischen Kanzelwand und Schüsser bis zu 2050 Metern Meereshöhe auf.[6]
  • Veratrum album subsp. lobelianum (Bernh.) Arcang. (Syn.: Veratrum lobelianum Bernh.): Mit gelblich-grünen Blüten und dunkleren grünen Blattadern. Diese Unterart kommt öfter in tieferen Lagen vor.

Verwechslung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Weiße Germer kann in nicht blühendem Zustand mit dem Gelben Enzian (Gentiana lutea) verwechselt werden, dessen Blätter aber kreuzgegenständig angeordnet sind.

Giftigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Veratrum album ist sehr giftig. Es enthält in allen Teilen, besonders jedoch im Wurzelstock, giftige Alkaloide wie Protoveratrin und Germerin. Von der Antike bis in die frühe Neuzeit wurde das gelegentlich als condisum bezeichnete Mark der Nieswurz als harntreibendes, menstruationsförderndes sowie überschüssige oder verdorbene Säfte purgierendes Arzneimittel benutzt.[7][8] Die auch als helleborus albus bezeichnete Pflanze diente insbesondere als Brechmittel.[9] Der Alkaloidgehalt nimmt mit steigender Höhe des Pflanzenstandorts ab. So beträgt er auf etwa 700 m rund 1,5 Prozent und sinkt bei Pflanzen in den höchsten Lagen (etwa 2500 m) auf 0,2 Prozent.

Auch wurden medizinale Vergiftungen aufgrund der Verwechslung von Galgantwurzel (Rhizoma galangae) mit Germerwurzel (Rhizoma veratri) berichtet.

Die Symptome äußern sich in Erbrechen, heftigem Durchfall, Kältegefühl, Muskelkrämpfen, Halluzinationen, Atemnot und Kollapszuständen. Der Tod kann zwischen drei und zwölf Stunden nach der Giftaufnahme eintreten. Bei auftretenden Vergiftungserscheinungen sollte unbedingt ein Krankenhaus aufgesucht bzw. der Notarzt verständigt werden. Als Gegenmaßnahmen werden die Gabe von Aktivkohle und wiederholte Magenspülungen mit Kaliumpermanganat empfohlen. Bei drohender Atemlähmung hat sich lang anhaltende künstliche Beatmung bewährt. Ansonsten ist symptomatische Behandlung durch Wärmezufuhr, Kreislaufstabilisation und Gabe von Schmerzmitteln angezeigt.

Das erfahrene Großvieh rührt diese giftige Pflanze nicht an, doch gehen an ihr immer wieder Kälber, Schafe und Ziegen zugrunde.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pflanze ist auch für Insekten giftig und wurde früher zur Lausbekämpfung bei Mensch und Tier benutzt. In der Antike wurde die Pflanze als Mord- sowie als Pfeilgift genutzt. Medizinisch fand der Weiße Germer als Mittel gegen Bluthochdruck Verwendung. Wegen der sehr hohen Giftigkeit wird die Pflanze heute nur noch in der Homöopathie genutzt.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der neuseeländische Toxikologe Leo Schep vom „New Zealand’s National Poisons Centre“ behauptet in einer Studie, dass eine Vergiftung durch den Weißen Germer die wahrscheinlichste Ursache für den Tod Alexander des Großen war.[10] Der Weiße Germer wurde von den Griechen als pflanzliches Mittel zur Herbeiführung von Erbrechen fermentiert. Dies könnte erklären, warum es zwölf Tage dauerte, bis er starb.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  2. Johann Christoph Röhling: Deutschlands Flora. Band 2, Wilmans 1826, S. 625.
  3. Veratrum album L. bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis.
  4. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Veratrum - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 29. August 2016.
  5. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 122–123.
  6. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, Seite 330. IHW-Verlag, Eching bei München, 2001. ISBN 3-930167-50-6
  7. Constantinus Africanus: De gradibus quos vocant simplicium liber. In: Constantini Africani post Hippocratem et Galenum ... Basel 1536, S. 342–387; hier: S. 383
  8. Lynn Thorndike und Francis S. Benjamin Jr. (Hrsg.): The herbal of Rufinus. Chicago 1945 (= Corpus of mediaeval scientific texts, 1), S. 104
  9. Ferdinand Peter Moog: Zum Gleichnis vom tapferen Feldherrn bei Herophilos. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 22, 2003, S. 30–39, hier: S. 31–36.
  10. „Mystery of Alexander the Great's death solved?“

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weißer Germer – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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