Weib

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Weib ist eine zunehmend veraltende[1][2], häufig abwertend-verächtliche Bezeichnung für eine Frau als Geschlechtswesen, Gegenstand sexueller Begierde oder Ehefrau, verwendet als Gegenbegriff (Antonym) für einen Mann.[3] Der Begriff stammt aus dem Mittelalter.

Begriffsbedeutungen von Weib:

  • veraltender Begriff für eine Frau als Geschlechtswesen im Gegensatz zum Mann,
  • umgangssprachlicher Begriff für eine „(junge) Frau als Gegenstand sexueller Begierde als (potenzielle) Geschlechtspartnerin“,
  • Abwertende, verächtliche Bezeichnung für eine Frau.
  • Das Wort bezeichnete früher die Ehefrau.[3][4]

Begriffsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Althochdeutschen (750 - 1050) bezeichnete wîb[5][6] (vgl. altnord. víf, mhd. wîp und englisch wife) eine erwachsene weibliche Person oder Ehefrau.

Die Herkunft des Begriffes im Gotischen und Germanischen ist ungeklärt – möglich ist die Ableitung von vífa bzw. germanisch wîba (= ‚umhüllen‘, entstanden aus indogermanisch ṷeip = ‚drehen‘)[7] und Weib als ‚die mit einem Kopftuch umhüllte, verheiratete Frau‘. Diskutiert wird auch die Deutung aus Wörtern wie weiben (= sich hin und her bewegen, drehen, schwanken, schweben) als ‚die in geschäftiger Bewegung Befindliche‘.[8]

Später schränkt sich der Ausdruck dann auf die (verheiratete) Frau der niederen Schichten ein, während frouwe (‚Frau‘) überwiegend Vertreterinnen des Geschlechts aus dem Adel, später auch reichen Patrizierinnen vorbehalten war, und n Gegenpart zum Herr bildet.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Luther bis in das 19. Jahrhundert findet sich das Verhältnis in der Ebene Weib–Mann, so in Mozarts Zauberflöte: „Mann und Weib und Weib und Mann / Reichen an die Gottheit an“. Seit dem Vordringen der höfisch-höflichen Bezeichnung Dame (aus dem Französischen, zu dominaHausherrin‘) im Laufe des 19. Jahrhunderts, und dem Wandel der Adelsbezeichnung Frau zum Allgemeinwort, wird „Weib“ oft abwertend (pejorativ) gebraucht („dummes Weib“, „Weiberkram“).

Weitere Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Adjektiv „weibisch“ steht für unmännliches Verhalten.

Das Adjektiv „weiblich“ dient zusammen mit dem Gegenbegriff „männlich“ zur Bezeichnung des biologischen Geschlechts bei Lebewesen – analog dazu die Begriffe Weibchen und Männchen – bei Mozart euphemisierend: „Ein Mädchen oder Weibchen / Wünscht Papageno sich“ (Zauberflöte).

Das Substantiv „Weiblichkeit“ dient als Gegenbegriff zu „Männlichkeit“ zur Beschreibung des sozialen Geschlechterhabitus bei Menschen.[9]

In Dialekten wie etwa dem Bairischen (bayerisch-österr. Dialekte) oder dem Walliserdeutschen und dem Schwäbischen ist die alte Begriffsbedeutung noch vorhanden: Weiberleit (leit ‚Leute‘) noch parallel zu Månerleit, Waibel als Kosename, oder bei der traditionellen „Weiberfastnacht“.

Das Wort wird als Indiz für die Hypothese der Euphemismus-Tretmühle gesehen.

In Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon (5 Bände) finden sich nahezu 1500 Sprichwörter zu Weib (etwa: Er sieht lieber ein Weib im Hemde als einen Mann im Harnisch). Zählt man die Sprichwörter aus Worten dazu, die mit Weib zusammengesetzt (Weiberarbeite, Weiberrsch, Weiberauge usw.) oder davon abgeleitet sind (Weibel, Weiben), gibt es viele weitere Beispiele.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frevert, Ute (1995): „Mann und Weib, und Weib und Mann“. Geschlechter-Differenzen in der Moderne. München.
  • Honegger, Claudia (1996): Die Ordnung der Geschlechter. Die Wissenschaft vom Menschen und das Weib 1750–1850. München.
  • Florence Hervé, Elly Steinmann, Renate Wurm (Hrsg.): Das Weiber-Lexikon. PapyRossa 1994, ISBN 3-89438-047-0
  • Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon (Band 5) bietet zum Thema Weib erstaunliche 1484 Sprichwörter. Nicht mitgerechnet sind Wortzusammensetzungen mit Weib (siehe oben).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Weib – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Google Ngram Viewer: Begriff "Weib" bei Google Books von 1800 - 2008. Abgerufen am 6. September 2017.
  2. Google Trends: Google Suche: Interesse am Suchbegriff "Weib" seit 2004. Abgerufen am 6. September 2017.
  3. a b Duden Online: Weib. Abgerufen am 6. September 2017.
  4. Konrad Kunze: Neue Ansätze zur Erfassung spätmittelalterlicher Sprachvarianz. In: Kurt Ruh, Hans-Jürgen Stahl (Hrsg.): Überlieferungsgeschichtliche Prosaforschung: Beiträge der Würzburger Forschergruppe zur Methode und Auswertung. Tübingen 1985 (= Texte und Textgeschichte. Band 19), S. 157–200; hier: Karte 15.
  5. WEIB, n.. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1961 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).
  6. Jörg Mildenberger: Anton Trutmanns 'Arzneibuch', Teil II: Wörterbuch, Würzburg 1997 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 56), Band V, S. 2304f.
  7. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Aufl., hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin/ New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 844 (Weib).
  8. DWDS: Weib
  9. Stefanie Engler (2010): Habitus und sozialer Raum: Zur Nutzung der Konzepte Pierre Bourdieus in der Frauen- und Geschlechterforschung, in: Becker, Ruth/Kortendiek, Beate (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie Methoden Empirie. 3. erw. und durchges. Aufl. Wiesbaden, S. 257–268.