Weichsel

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Weichsel
Weichsel mit Einzugsgebiet und Nebenflüssen

Weichsel mit Einzugsgebiet und Nebenflüssen

Daten
Lage Polen
Flusssystem Weichsel
Quelle Schlesische Beskiden bei Wisła
49° 36′ 42″ N, 19° 0′ 38″ O
Quellhöhe ca. 1100 m ü. NN
Mündung in die Ostsee bei DanzigKoordinaten: 54° 21′ 37″ N, 18° 57′ 10″ O
54° 21′ 37″ N, 18° 57′ 10″ O
Mündungshöhe m ü. NN
Höhenunterschied ca. 1100 m
Länge 1048 km
Einzugsgebiet 194.424 km²
Abfluss MQ
1080 m³/s
Großstädte Krakau, Warschau, Bydgoszcz, Toruń, Danzig
Schiffbar 914 km, ab Zabrzeg
Weichseldelta heute mit dem 1889–1895 gegrabenen Weichseldurchstich

Die Weichsel (polnisch Wisła (Zum Anhören bitte klicken! [ˈvʲiswa]), tschechisch Visla, lateinisch Vistula) ist ein 1048 Kilometer langer Strom und der längste Fluss in Polen. Das Einzugsgebiet umfasst auch Teile der Slowakei, Weißrusslands und der Ukraine. Der längste Gewässerlauf in ihrem Flusssystem sind die 1213 Flusskilometer von der Quelle des Westlichen Bug bis zur Ostsee.

Auf alten Landkarten findet man auch die Schreibweisen W(e)ixel oder Wissel.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Strom entspringt in den Schlesischen Beskiden auf einer Höhe 1107 m ü. NN bzw. 1080 m. ü. NN am südwestlichen Hang der Barania Góra (deutsch: Widderberg) aus den Bächen Czarna Wisełka und Biała Wisełka, die nach neun beziehungsweise sieben Kilometern in den Stausee Zbiornik Czerniański münden. Nach Verlassen des Gebirges wendet sie sich nach Osten und bildet ein Stück weit die historische Grenze zwischen Oberschlesien und Kleinpolen. Unterhalb des Goczałkowice-Stausees ist sie schiffbar.

Mittellauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weichsel in Krakau
Weichsel und Kathedrale in Sandomierz (Ölgemälde 1855), Józef Szermentowski
Burg Czersk an der Weichsel
Zusammenfluss von Narew (links) und Weichsel (rechts) bei Modlin
Die Weichsel in Grudziądz (Graudenz)
Mündung der Weichsel am Ende des Weichseldurchstichs, von der Autofähre bei Mikoszewo (Nickelswalde) aus gesehen (September 2008)

Sie fließt ostwärts durch in eine tektonische Senke, die nördlich von der Krakau-Tschenstochauer Höhe und dem Kielcer Bergland begrenzt wird, südlich vom Beskidenvorland und dann östlich vom Lubliner Hügelland. Etwa 70 km nach dem Stausee fließt die Weichsel durch die alte Königsstadt Krakau (Kraków). Von Niepołomice 25 km östlich von Krakau bis etwas unterhalb der Mündung des San war die Weichsel von 1815 bis 1916 die Grenze zwischen dem österreichischen Galizien und dem Russischen Reich. 70 km hinter dem Ort mündet der Karpatenfluss Dunajec. Bald hinter Sandomierz mündet von den Karpaten her der San in die Weichsel. Weiter nördlich erreicht sie das polnische Tiefland. Kurz hinter Warschau (Warszawa) gelangt sie in den Bereich überwiegend ostwestlich ausgerichteter Urstromtäler, durch die ihr von Osten, kurz vorher vereint, Bug und Narew zufließen. Hier wendet sie sich stark nach Westen und passiert Płock, Dobrzyń nad Wisłą, Włocławek und Toruń (Thorn). Bei Włocławek besteht seit 1970 ein großes Stauwehr mit Wasserkraftwerk. Bei Bydgoszcz (Bromberg), dessen Stadtzentrum nicht am Strom liegt, verlässt sie das große ostwestliche Urstromtal und durchbricht in einem kleineren den baltischen Landrücken. Dieser umfasst zwischen Weichsel und Oder die Pommersche Seenplatte, zwischen Weichsel und Njemen die Masurische Seenplatte. In den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden am Mittellauf umfangreiche Regulierungsmaßnahmen durchgeführt, um die Schiffbarkeit zu verbessern.

Delta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Einstrom des Flusses in die Ostsee wurde natürlicherweise durch den Dünenrücken der Danziger Binnennehrung versperrt, des westlichen Teils der Frischen Nehrung (Mierzeja Wiślana)[1]. Zwischen Landrücken und Dünenrücken hat sich ein Delta gebildet. Kurz hinter Gniew (Mewe) zweigt nach Osten die Nogat ab, die erst 1371 durch ein Hochwasser vom selbständigen Fluss (wieder) zum Weichselarm wurde und im Bereich der Elbinger Niederung in das Frische Haff (polnisch Zalew Wiślany, also Weichselhaff) mündet. Kurz vor dem Dünenrücken verzweigte sich natürlicherweise der Hauptstrom der Weichsel in die Elbinger oder Königsberger Weichsel (Szkarpawa), die ebenfalls ins Frische Haff mündet und bis Anfang des 19. Jahrhunderts der Hauptstrom war, und die Danziger Weichsel, die nahe der Stadt Danzig den Dünenrücken durchbrach und die in die Danziger Bucht (polnisch Zatoka Gdańska) mündete. Im Jahre 1840 entstand bei einem Hochwasser ein neuer Dünendurchbruch auf halbem Wege zwischen der Gabelung und Danzig, woraufhin der westliche untere Teil des alten Mündungsarms versandete. In den Jahren 1889 bis 1895 wurde dann bei der Gabelung der Dünenrücken durchstochen, um die Hochwassergefährdung des Weichseldeltas zu vermindern. Seit der größte Teil des Weichselwassers durch diesen Weichseldurchstich[2], polnisch Przekop Wisły, in die Ostsee strömt, versandet die Danziger Weichsel insgesamt und wurde zunehmend Tote Weichsel genannt, polnisch Martwa Wisła.

Der östliche Weichselarm Szkarpawa hat seinerseits ein Delta ausgebildet. Dessen nördlichster Arm wird weiterhin Wisła Królewiecka (Königsberger Weichsel) genannt.

Geschichte und Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es besteht Uneinigkeit darüber, ob der Name Weichsel indoeuropäischer oder prä-indoeuropäischer Herkunft ist.

Die ersten schriftlichen Erwähnungen der Weichsel sind etwas mehr als 2000 Jahre alt und stammen von römisch-antiken Autoren.

Pomponius Mela nannte 44 n. Chr. im dritten Buch der Chorographia (3.27) die Visula als Grenze zwischen Germanien und Sarmatien. Plinius nannte 77 n. Chr. in seiner Naturgeschichte (4.52, 4.89) ausdrücklich zwei Namen: „Visculus sive Vistla“. Der Vistla-Fluss floss demnach in das Mare Suebicum, das heute als Ostsee bekannt ist.

Plinius bezeichnete gleichfalls die Weichsel als den Grenzfluss zwischen dem germanischen und sarmatischen Einflussgebiet. Die zu seiner Zeit im Weichselgebiet lebenden Ostgermanen bezeichnete Plinius als Vandili (Vandalen) und nannte als Teilstämme Burgodiones (Burgunder), Varinnae, Charini und Gutones (Goten). Die Goten hatten sich erst im letzten Jahrhundert vor der Zeitenwende an der unteren und mittleren Weichsel angesiedelt, begannen aber schon um 200 n. Chr. wieder abzuwandern und sind ab dem 5. Jahrhundert nicht mehr dort nachzuweisen.

Abgesehen von den Wanderungsbewegungen änderten sich auch die Bezeichnungen: Tacitus bezeichnete in seiner Germania die östlich der Weichselmündung wohnenden Aesti oder Aisti (wohl gleichbedeutend mit der heutigen Bezeichnung Balten) als Germanen, wies aber darauf hin, dass sie eine dem Britischen (Keltisch) ähnelnde Sprache sprechen und unterschied sie von den Suebi.

Ab dem 5./6. Jahrhundert nach Chr. sind slawische Siedlungen an der Weichsel nachgewiesen. Zwischen germanischer und slawischer Siedlungsperiode ist in diesen Gebieten ein erheblicher Abwanderungsverlust festzustellen. In der germanischen schriftlichen Tradition der Weichselwälder (Widsith, Vers 121) – „die Leute, die an Weichsel leben“ (auf dem Gebiet der Przeworsk-Kultur) – sind die Heimat der Sachsen und anderen Germanen :

Wulfhere sohte ic ond Wyrmhere; ful oft þær wig ne alæg,

þonne Hræda here heardum sweordum

ymb Wistlawudu wergan sceoldon

ealdne eþelstol ætlan leodum.

Als Jordanes im 6. Jahrhundert eine Chronik der Goten, Getica, erstellte, benannte er den Fluss Vistula. Er beschrieb ebenfalls zwei weitere Flüsse mit dem Namen Viscla. Dieser Name bezieht sich auf den Nebenfluss Wisłoka und den Nebenfluss des San, Wisłok.

Etwa im Jahre 850 n. Chr. wurden die meist östlich der Mündung der Weichsel wohnenden Prußen vom Bayrischen Geograph als „Bruz“ erwähnt.

Weichsel und Warthe haben nach der dritten Teilung Polens als Freiheitssymbole Eingang in die polnische NationalhymneMazurek Dąbrowskiego gefunden.

Schon der erste polnische Chronist Wincenty Kadłubek beschrieb die Weichsel als den Heimatort der Wandalen, von denen er die polnische Sage Wanda herleitete.

Der polnische Name Wisła leitet sich vom lateinischen Vistla ab. Das Buchstabenpaar -tl- wurde schlicht durch das polnische -ł- ersetzt.[3] So heißt dann auch die erste Stadt, durch welche die Weichsel fließt.

Weichselhochwasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2010 kam es in Polen (und in anderen Ländern Mitteleuropas) zu großen Hochwassern. Im September 2012 war der Wasserstand der Weichsel historisch niedrig und lag bei 58 cm. Dieser Zustand dauerte an bis 2015. Während dieser Zeit fand man auf dem Flussboden jahrhundertealte Artefakte.[4]

Städte an der Weichsel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reihenfolge flussabwärts, Großstädte in Fettsatz

Nebenflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage der Weichsel im polnischen Gewässernetz

Reihenfolge flussabwärts mit Längenangabe (ab 300 km Fettsatz), Abfluss und Größe des Einzugsgebietes; eingerückt mündungsnahe Nebenflüsse der Nebenflüsse

  • Biała (rechts), 28,6 km, 139 km²
  • Soła (rechts), 80 km, 1400 km²
  • Przemsza (links), 28 km, 2121 km², deutsch auch: Perzemsa
  • Skawa (rechts), 78 km, 1160 km², deutsch auch: Schaue
  • Raba (rechts), 132 km, 1537 km²
  • Szreniawa (links), 80 km, 706 km²
  • Nidzica (links), 66 km, 708 km²
  • Dunajec (rechts), 247 km, 6804 km², deutsch auch (selten): Dohnst
  • Nida (links), 151 km, 3865 km²
  • Breń (rechts), 52 km
  • Czarna Staszowska (links), 61 km, 1358 km², mit Zufluss Wschodnia links
  • Wisłoka (rechts), 164 km, 4110 km²
  • Babulówka (rechts), 32 km
  • Koprzywianka (links), 66 km, 707 km²
  • Trześniówka (rechts), 57 km, 570 km²
  • Łęg (rechts), 81 km, 960 km²
  • San (rechts), 433 km, davon 120 schiffbar, 210 m³/s, 16.861 km²
  • Opatówka (links), 51 km, 282 km²
  • Sanna (rechts), 51 km, 606 km²
  • Wyżnica (rechts), 42,5 km; 508 km²
  • Kamienna (links), 138 km, 2008 km²
  • Iłżanka (links), 77 km, 1127 km²
  • Chodelka (rechts), 49,3 km, 566 km²
  • Kurówka (rechts), 50 km, 395,4 km²
  • Wieprz (rechts), 303 km, 10.400 km²
  • Radomka (links), etwa 100 km, 2000 km²
  • Pilica (links), 319 km, 48,6 m³/s, 9245 km², dt. auch Pilitza
  • Wilga (rechts), 67 km, 569 km²
  • Świder (rechts), 85 km
  • Narew (rechts), 484 km, davon 312 schiffbar, 328 m³/s, 75.200 km²
  • Bzura (links), 166 km, 7660 km²
  • Linke Skrwa (links), 51,7 km
  • Rechte Skrwa (rechts), 114 km, 1704 km²
  • Zgłowiączka (links), 79 km, 1496 km²
  • Mień (rechts), 53,5 km, dt. auch Meinbach
  • Tążyna (links), deutsch: Tonzyna, 49,8 km, ?? m³/s, 1815–1918 Grenze zwischen Preußen und dem russischen Reich
  • Drwęca (rechts), deutsch: Drewenz, 253 km, 26 m³/s, 1231–1466 Südgrenze des Ordensstaates und 1815–1918 Grenze zwischen Preußen und dem russischen Reich
  • Zielona Struga (links), deutsch: Grünfließ, 34,3 km
  • Brda (links), deutsch: Brahe, 238 km, 31 m³/s, 4634 km²
  • Fryba (rechts), deutsch: Fribbe, 39,6 km
  • Wda (links), deutsch: Schwarzwasser, 210 km, 17 m³/s, 2345 km²
  • Osa (rechts), 96 km, 5 m³/s, 1600 km²
  • Wierzyca (links), deutsch: Ferse, 112 km, 1600 km²
  • Motława, deutsch: Mottlau, 65 km, 1511,3 km²

Kanalverbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Bahr: Weichsel. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost- und Westpreußen. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 238–239.
  • Franz Brandstäter: Die Weichsel. Historisch, topographisch, malerisch. Marienwerder 1855 (online).
  • Heinrich Girard: Die norddeutsche Ebene insbesondere zwischen Elbe und Weichsel geologisch dargestellt. Berlin 1855, S. 251–262 (online).
  • Andrzej Piskozub (Red./Hrsg.): Wisła. Monografia rzeki. Warschau, 1982 (polnisch. Standardwerk in Polen)
  • Jürgen Udolph: Weichsel. Namenkundlich. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 33, De Gruyter, Berlin-New York 2006, S. 356–358.
  • Szymon Brzeski: Wisła. Królowa polskich rzek. Warszawa 2017, Przedsiębiorstwo Handlowo-Wydawnicze "Arystoteles" (Verlag), ISBN 978-83-8038-141-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weichsel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Danziger Binnennehrung und Weichseldurchstich
  2. MAPSTER: Topographische Karte 1679 Nickelswalde (1940)
  3. Szymon Brzeski: Wisła. Królowa polskich rzek. 1. Auflage. Przedsiębiorstwo Handlowo-Wydawnicze "Arystoteles", Warszawa 2017, ISBN 978-83-8038-141-4, S. 5.
  4. Szymon Brzeski: Wisła. Królowa polskich rzek. 1. Auflage. Przedsiębiorstwo Handlowo-Wydawnicze "Arystoteles", Warszawa 2017, ISBN 978-83-8038-141-4, S. 9.