Weinböhla

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Weinböhla
Weinböhla
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Weinböhla hervorgehoben
Koordinaten: 51° 10′ N, 13° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Meißen
Höhe: 148 m ü. NHN
Fläche: 19,01 km²
Einwohner: 10.246 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 539 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01689
Vorwahl: 035243
Kfz-Kennzeichen: MEI, GRH, RG, RIE
Gemeindeschlüssel: 14 6 27 310
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 2
01689 Weinböhla
Webpräsenz: www.weinboehla.de
Bürgermeister: Siegfried Zenker (CDU)
Lage der Gemeinde Weinböhla im Landkreis Meißen
Coswig (Sachsen) Diera-Zehren Ebersbach (bei Großenhain) Glaubitz Gröditz Großenhain Hirschstein Käbschütztal Klipphausen Lampertswalde Lommatzsch Meißen Moritzburg Gröditz Niederau Nossen Nünchritz Priestewitz Radebeul Radeburg Riesa Röderaue Schönfeld Stauchitz Strehla Thiendorf Weinböhla Wülknitz Zeithain Sachsen Dresden Landkreis Bautzen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Landkreis Mittelsachsen Landkreis Nordsachsen BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Weinböhla ist eine Gemeinde und staatlich anerkannter Erholungsort im sächsischen Landkreis Meißen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ratsweinberg in Weinböhla

Weinböhla liegt im dicht besiedelten Elbtalkessel an einem Südwesthang der Elbtalsenke zwischen Meißen und Coswig, mit letzterem ist die Gemeinde zusammengewachsen. Westlich von Weinböhla erstreckt sich die Nassau, östlich der Friedewald. Die genaue geografische Lage liegt bei 51° 10' nördlicher Breite und 13° 34' östlicher Länge am Standort des ehemaligen Postamtes. Der nordöstlichste Punkt des Gemeindegebietes stellt der Heidehof im Friedewald dar, der südlichste der Spitzberg an der Grenze zu Coswig und der westlichste liegt am Gabenreichbach in der Nassau. Tiefster Punkt des Gemeindegebietes liegt mit 104 m ü. NN ebenfalls am Gabenreichbach in der Nassau, höchster Punkt ist mit 209 m der Aussichtspunkt des Wartturmes (Ruine).

Die Fläche der Gemeinde umfasst 19,01 km². Weinböhla galt seinerzeit aufgrund der Flächenausdehnung als größtes Dorf der DDR.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prägend für die Geologie von Weinböhla sind vor allem die in der Kreidezeit entstandenen Ton- und Kalkmergelablagerungen, die die Grundlage für die frühere Kalkindustrie der Gemeinde darstellten sowie der namensgebende Heidesand.

Dieser wurde während der Saaleeiszeit durch abschmelzende Gletscher bis in das Elbtal getragen. Bei den Gesteinen sind vor allem Monzonit und der kieselsäurereichere Granit und Granodiorit des Lausitzer Granitmassivs vorherrschend. Weitere Gesteine sind Rhyolithvorkommen, Gneis und Quarzitsteine.

Größtes Gewässer ist der Gabenreichbach.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Elbtal gehört zur gemäßigten mitteleuropäischen Klimazone. Besonders für den Weinbau begünstigend ist die jährliche Sonnenscheindauer, die 1500 bis 1700 Stunden beträgt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden im Landkreis Meißen sind die Städte Coswig und Meißen sowie die Gemeinden Moritzburg und Niederau.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinböhla besteht aus den Ortsteilen Weinböhla und Neuer Anbau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wartturmruine

Weinböhla wurde erstmals 1349/50 im Lehnbuch Friedrich des Strengen als „Bel“ erwähnt, abgeleitet aus dem altsorbischen „bela“ (weiß, hell). Diese ursprüngliche Ortsbezeichnung ist auf die sonnige Hanglage und die vorherrschenden Heidesandböden zurückzuführen. In dieser Zeit wurde wahrscheinlich auch die alte St.-Martins-Kirche inmitten des Ortskernes erbaut. Wie damals weist dieser auch heute noch die Form eines sorbischen Rundlings auf, später dehnten sich die Ansiedlungen als erweitertes Platzdorf nach Norden aus.

Die Beisilbe „Wein-“ erhielt der Ort erstmals 1513, da hier durch die klimatisch begünstigte Südhanglage bereits damals Wein angebaut wurde. Nach mehrfach wechselnden Schreibweisen des Ortsnamens wird die Gemeinde seit 1692 stets als „Weinböhla“ bezeichnet.

Neben der Landwirtschaft und dem Weinanbau hatte zwischen 1793 und 1870 der Kalkabbau eine sehr große Bedeutung.

Ab Ende des neunzehnten Jahrhunderts begann sich der Ort in seiner jetzigen Struktur zu entwickeln. Zwischen 1890 und dem Beginn des Ersten Weltkrieges erlebte Weinböhla eine enorme Bautätigkeit, wobei der gesamte obere Ortsteil entstand.

Das preiswerte Bauland, die Nähe zu Dresden und Meißen, die schöne landschaftliche Lage und die bereits damals schon günstige Verkehrsanbindung bewogen viele gutsituierte Leute, sich hier anzusiedeln. Das Kaiserliche Gesundheitsamt Berlin empfahl Weinböhla als Luftkurort.

Nachdem die Folgen des Krieges und der Inflation überwunden waren, entstand 1927 das neue Rathaus und nochmals zwei neue Wohnsiedlungen. 1931 wurde Weinböhla durch den Straßenbahnanschluss unmittelbar mit der Landeshauptstadt Dresden verbunden. Sehr wichtig war auch der Spargelanbau in den Zwanziger und Dreißiger Jahren und der intensive Obst- und Gemüseanbau bis in die heutige Zeit hinein. Das Liefergebiet der ansässigen Betriebe reichte bis nach Berlin.

St.-Martins-Kirche

Seit 1990 ist Weinböhla dabei, durch umfangreiche Baumaßnahmen eine moderne Infrastruktur zu schaffen, den alten Ortskern zu sanieren und ein neues Verkehrskonzept umzusetzen.

Die Neugestaltung des Rathausplatzes, komfortable Beherberungsstätten und Freizeiteinrichtungen sowie eine Vielzahl neuer Wohnungsbauten lassen den Ort für Gäste und Einwohner ständig attraktiver werden.

Nach der Rekonstruktion des Zentralgasthofs, Grundsteinlegung zum neuen Foyer war am 1. August 1997, steht hier seit 1999 wieder ein Veranstaltungszentrum mit überregionaler Bedeutung zur Verfügung.

Anlässlich der 650-Jahr-Feier Weinböhlas wurde während der Jubiläumsfestwoche die Weinböhlaer Ortschronik herausgegeben.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: St.-Martins-Kirche Weinböhla

Es gibt eine Evangelisch-Lutherische (St. Martinskirche) und eine römisch-katholische Kirche in Weinböhla.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

Jahr 1960 2002 2004 2005 2007 2008 2009 2010 2012 2013
Einwohner 10.278 10.406 10.333 10.318 10.191 10.209 10.214 10.262 10.077 10.066

Datenquelle ab 2002: Statistisches Landesamt Sachsen

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Gedenkstein aus den 1960er Jahren an der Dresdner Straße erinnert an drei kommunistische Widerstandskämpfer(innen), die Opfer der NS-Diktatur wurden: Helene Glatzer erlag 1935 ihren Misshandlungen in der Untersuchungshaftanstalt Halle (Saale), Paul Huth kam 1940 im KZ Buchenwald ums Leben, und Hellmut Türk starb bereits 1933 im KZ Hohnstein.
  • Am Dorfteich steht ein Gedenkstein für die in der Umgebung Weinböhlas gefallenen Rotarmisten (In russischer Sprache; direkt daneben steht ein Schild mit der deutschen Übersetzung)

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[2]
Wahlbeteiligung: 53,8 % (2009: 50,2 %)
 %
60
50
40
30
20
10
0
51,4 %
20,0 %
12,0 %
7,3 %
n. k.
2,7 %
6,6 %
BIW
Schirmer g
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-0,4 %p
-1,7 %p
+1,3 %p
+1,1 %p
-5 %p
-1,9 %p
+6,6 %p
BIW
Schirmer g
Anmerkungen:
g Einzelkandidat
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 18 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Das Rathaus in Weinböhla
  • CDU: 10 Sitze
  • BIW (Bürgerinitiative Weinböhla e.V.): 4 Sitze
  • LINKE: 2 Sitze
  • SPD: 1 Sitz
  • Einzelkandidat Schirmer: 1 Sitz

Bürgermeister ist Siegfried Zenker (CDU).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Weinböhlaer Wappen geht auf ein Siegelbild des Individualhufenverzeichnisses aus dem Jahr 1764 zurück. Die Blasonierung lautet: „In Silber eine freischwebende blaue Weintraube an hohem grünen Reis mit zwei über ein schwarzes Stützholz gebogenen, sich nach außen neigenden Blättern. Unten, neben der Traube, zwei sechsstrahlige schwarze Sterne.“

Ortspartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinböhla unterhält eine Ortspartnerschaft mit Oftersheim in Baden-Württemberg.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Lauben
Zentralgasthof

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimatmuseum

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schloss Lauben aus dem 17. Jahrhundert, wird jetzt privat genutzt
  • Friedensturm (Aussichtsturm). 1903 als Bismarckwarte errichtet. 1956 restauriert und seither Friedensturm genannt.[3]
  • König-Albert-Turm (Aussichtsturm). 1898 errichtet, 1999 grundsaniert.[4]
  • Wartturm (eine restaurierte Ruine).[4]
  • Zentralgasthof
  • Wolfssäule Friedewald

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportstätte

Seit 1885 existiert der Turn- und Sportverein Weinböhla der heute 1009 Mitglieder (Stand 1. Januar 2007) hat. 1962 wurde der Verein in BSG Fortschritt Weinböhla umbenannt, seit 1990 besitzt er wieder seinen ursprünglichen Namen. Zurzeit bestehen folgende Abteilungen: Fußball, Turnen, Laufgruppe, Gymnastik, Aerobic, Kegeln und die Herzgruppe.

Sportplätze des TuS Weinböhla sind unter anderem die Nassauhalle sowie die Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportstätte.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Winzer- und Straßenfest findet jedes Jahr am ersten Septemberwochenende statt. Der Künstlermarkt, jedes Jahr im Juni, zeigt Künstler und ihre Kunst.

Wirtschaft, Infrastruktur und Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinböhla liegt im Gebiet des Verkehrsverbundes Oberelbe.

Das Stadtgebiet durchqueren die Bahnstrecken Dresden–Berlin und Dresden–Leipzig. Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2002 wurde der Bahnhof Weinböhla an der Strecke nach Berlin geschlossen und ein gleichnamiger Haltepunkt an der Strecke nach Leipzig eröffnet[5]. Dort halten stündlich die Regionalexpresslinien Dresden – Leipzig und Dresden – Cottbus/Hoyerswerda sowie die Regionalbahnlinie Dresden-Elsterwerda(Biehla).

Außerdem liegt in Weinböhla der Endpunkt der Straßenbahnlinie 4 der Dresdner Verkehrsbetriebe.

Die Verbindung mit der Kreisstadt Meißen stellen die Buslinien 411 (über Neusörnewitz) und 421 (über Niederau) der Verkehrsgesellschaft Meißen her. Die Linie 403 verbindet Weinböhla mit den Orten Auer, Steinbach und Radeburg, die Linie 459 mit Großdobritz.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fachklinik Weinböhla ist eine Einrichtung zur Entwöhnungstherapie von alkohol- und/oder medikamentenabhängigen Patienten. Träger ist der Ev.-Luth. Diakonenhaus Moritzburg e. V.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Weinböhla gibt es eine Oberschule, welche unter Denkmalschutz steht, sowie eine Grundschule. Da der Ort kein eigenes Gymnasium hat, weichen Schüler, die einen solchen Bildungszweig anstreben, auf die Gymnasien in den umliegenden Städten, wie Coswig, Radebeul oder Meißen aus.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort wirkten und wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Weinböhla. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 41. Heft: Amtshauptmannschaft Meißen-Land. C. C. Meinhold, Dresden 1923, S. 522.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weinböhla – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  3. Bismarckwarte Weinböhla auf bismarcktuerme.de
  4. a b Sehenswertes in Weinböhla - Türme auf weinboehla.de
  5. Meldung Neuer Haltepunkt Weinböhla. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2003, ISSN 1421-2811, S. 152.