Weingarten (Baden)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Weingarten (Baden)
Weingarten (Baden)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Weingarten (Baden) hervorgehoben
Koordinaten: 49° 3′ N, 8° 32′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Karlsruhe
Höhe: 144 m ü. NHN
Fläche: 29,4 km²
Einwohner: 10.004 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 340 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76356
Vorwahl: 07244
Kfz-Kennzeichen: KA
Gemeindeschlüssel: 08 2 15 090
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 2
76356 Weingarten
Webpräsenz: www.weingarten-baden.de
Bürgermeister: Eric Bänziger
Lage der Gemeinde Weingarten (Baden) im Landkreis Karlsruhe
Karlsdorf-Neuthard Malsch (Landkreis Karlsruhe) Malsch (Landkreis Karlsruhe) Bretten Bruchsal Bruchsal Ettlingen Forst (Baden) Gondelsheim Hambrücken Kronau Kürnbach Marxzell Oberderdingen Östringen Philippsburg Sulzfeld (Baden) Ubstadt-Weiher Walzbachtal Weingarten (Baden) Zaisenhausen Karlsbad (Baden) Kraichtal Graben-Neudorf Bad Schönborn Pfinztal Eggenstein-Leopoldshafen Linkenheim-Hochstetten Waghäusel Oberhausen-Rheinhausen Rheinstetten Stutensee Waldbronn DettenheimKarte
Über dieses Bild

Weingarten (Baden) ist eine Gemeinde im nördlichen Landkreis Karlsruhe mit rund 10.000 Einwohnern.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sallenbusch

Weingarten liegt am Rande des Kraichgaus, am Übergang zur Rheinebene. Zehn Kilometer südwestlich befindet sich Karlsruhe und zehn Kilometer nordöstlich Bruchsal.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören außer Weingarten selbst die beiden landwirtschaftlichen Siedlungen Sallenbusch und Sohlhöfe, in den Hügeln östlich und nordöstlich des Ortes gelegen. Südlich von Weingarten findet sich das Weingartener Moor in einer für ein Moor völlig untypischen Lage. Nordwestlich des Ortskerns zwischen Bahn und Autobahn A5 liegt der Ortsteil Waldbrücke mit rund 1000 Bewohnern. Er wurde ursprünglich hauptsächlich zur Ansiedlung Heimatvertriebener gegründet.

Am Ortsausgang Richtung Walzbachtal deuten Reihengräberfunde auf eine abgegangene Siedlung hin, deren Namen jedoch nicht bekannt ist.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weingarten von den Weinbergen auf der Setz aus

Auf der Gemarkung fanden sich Siedlungsreste aus der Römer- und Merowingerzeit. Das Dorf entstand aus einem Hof des Klosters Weißenburg im heutigen Nordelsass, das seinen Besitz freilich im Jahr 985 durch den sogenannten „Salischen Kirchenraub“ wieder verlor. 1504 zerstörte Herzog Ulrich von Württemberg das Dorf, das nach dem Wiederaufbau ein bekannter Marktflecken wurde. 1589 wurde der Wartturm erbaut, um heranziehende Kriegshorden frühzeitig erkennen zu können. Der Turm lag auf den Handelswegen nach Frankfurt, Nürnberg, Augsburg und Basel und wurde von kurpfälzischen Truppen als Aussichtsturm für die Geleitmannschaften genützt. Bis 1803 war Weingarten kurpfälzisch, danach kam es infolge der französischen Koalitionskriege an das Großherzogtum Baden.

Am östlichen Ende von Weingarten, bei einer Papiermühle, finden sich noch geringe Mauerreste einer ehemaligen Wasserburg, der Burg Schmalenstein.

An der Kirchstraße/Ecke Keltergasse stand die Synagoge der Jüdischen Gemeinde, woran an der Katholischen Kirche gegenüber seit 1985 eine Gedenktafel erinnert. Beim Novemberpogrom 1938 wüteten von zwei Volksschullehrern aufgehetzte Schüler im Innern und zerstörten sowohl die kultischen Gegenstände wie auch Gedenktafeln der im Ersten Weltkrieg umgekommenen jüdischen Soldaten.[3]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung war traditionell zu etwa zwei Dritteln protestantisch und zu einem Drittel katholisch, daneben bestand bis 1938 eine jüdische Gemeinde. Durch Zuzug, Konfessionswechsel und Austritte hat sich dieses Verhältnis in den letzten Jahrzehnten etwas gewandelt: Gemäß Zensus 2011 sind 39,6 % der Weingartener Bevölkerung evangelisch, 32,2 % katholisch, 28,2 % gehören einer anderen oder keiner Glaubensgemeinschaft an. [4] Neben der evangelischen und der römisch-katholischen Amtskirche verfügen auch die evangelisch-freikirchliche (Lebenswerk Weingarten), die evangelische Liebenzeller Gemeinschaft, die evangelisch-methodistische Kirche, die neuapostolische und die Zeugen Jehovas über Gemeinden im Ort, außerdem gibt es eine unabhängige Mennonitische Brüdergemeinde.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Wartturm auf das Zentrum

Der Gemeinderat wird alle fünf Jahre direkt gewählt. Die Kommunalwahl 2014 brachte folgendes Ergebnis:

  • CDU 29,09 % – 5 Sitze
  • WBB 26,12 % – 5 Sitze
  • SPD 17,80 % – 3 Sitze
  • Grüne Liste 17,11 % – 3 Sitze
  • FDP 9,8 % – 2 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bürgermeister wird für acht Jahre direkt gewählt. Bei der Wahl 2010 setzte sich Eric Bänziger mit 72,98 Prozent durch. Er löste Klaus-Dieter Scholz ab, der seit 1985 amtierte und nicht mehr angetreten war.[5]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerschaften bestehen mit Liverdun (Frankreich) seit 1979 und Olesa de Montserrat (Spanien) seit 1983.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Silber an einem grünen Rebast mit zwei Blättern und einer blauen Traube.

Als redendes Wappen stellt es den Ortsnamen dar.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Erwerbszweigen sind Wein- und Obstbau, Gastronomie und etwas Industrie (Holz, Chemie, Metall) sowie IT vertreten.

Bahnhof Weingarten

Weingarten ist der Sitz der Klocke Verpackungs-Service GmbH, des Stammhauses der Klocke-Gruppe. Die international tätige Megaforce-Gruppe hat ebenfalls Ihren Stammsitz in Weingarten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Haltepunkt Weingarten (Baden) liegt an der Rheintalbahn (Baden-Kurpfalz-Bahn KarlsruheHeidelberg) und liegt im Verbundgebiet des Karlsruher Verkehrsverbundes. Die Stadtbahnlinien S31 und S32 der Stadtbahn Karlsruhe bedienen den Haltepunkt, die S3 der S-Bahn RheinNeckar durchfährt den Haltepunkt ohne Halt.
Durch das Dorf führt die Bundesstraße 3 (Frankfurt am MainBasel). In der Nähe verläuft die Bundesautobahn 5 (Basel–Nordhessen).

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es eine Grundschule und eine Gemeinschaftsschule mit Werkrealschule. Außerdem gibt es je drei evangelische und römisch-katholische Kindergärten. Weiterführende Schulen befinden sich in den benachbarten Städten Karlsruhe, Bruchsal und Stutensee.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erfolgreichster Sportverein ist der 1904 gegründete SV Germania Weingarten, der in der Ringer-Bundesliga vertreten ist. In der Saison 2009/10, der Saison 2013/2014 und der Saison 2014/2015 wurde der Verein deutscher Vizemeister, in der Saison 2010/11[6] sowie 2011/12 deutscher Mannschaftsmeister.

Es gibt zahlreiche weitere Sportvereine, darunter sind der TSV 1880 und die FVgg 06 Weingarten die traditionsreichsten und mitgliederstärksten. Im Musikbereich hat Weingarten einen Musikverein, mehrere Gesangsvereine und Chöre, und auch im Natur- und Tierschutz sind viele Einwohner in Vereinen organisiert.

Überregional bekannt ist der Motorsportclub MSC '72 Weingarten mit seinen erfolgreichen Fahrern (u.a. Jürgen Barth (Rennfahrer)). Der Verein hat seine Wurzeln im Rallye-Sport, ist momentan im Jugendkart- und Automobilslaom, bei Rallyes, Rundstrecken- und Kartrennen sowie im historischen Motorsport durch über 35 Fahrer vertreten. Außerdem ist er sportlicher Ausrichter des Porsche Sports Cup Deutschland und veranstaltet seit 2009 den Großen Preis von Weingarten auf dem Hockenheimring.[7]

Walk'sches Haus, links der Wartturm

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahaufnahme des Wartturmes
Wappen des Hochmeisters Clemens August I. von Bayern am Haus des Deutschritterordens

Weingarten liegt an der Bertha Benz Memorial Route und an der Badischen Weinstraße. Die Badische Spargelstraße führt westlich an Weingarten vorbei.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 132–133
  3. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 102f.
  4. https://ergebnisse.zensus2011.de/#dynTable:statUnit=PERSON;absRel=PROZENT;ags=082150090090;agsAxis=X;yAxis=RELIGION_KURZ
  5. Innenministerium Baden-Württemberg 20. April 2010
  6. http://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Unikate-Unheilig-Unentschieden-das-war-los-am-Wochenende;art6066,544862
  7. http://www.msc-weingarten.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weingarten (Baden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Weingarten (Baden) – Reiseführer
 Wikisource: Weingarten (Baden) – Quellen und Volltexte