Weingarten (Baden)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Weingarten (Baden)
Weingarten (Baden)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Weingarten (Baden) hervorgehoben

Koordinaten: 49° 3′ N, 8° 32′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Karlsruhe
Höhe: 144 m ü. NHN
Fläche: 29,4 km2
Einwohner: 10.482 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 357 Einwohner je km2
Postleitzahl: 76356
Vorwahl: 07244
Kfz-Kennzeichen: KA
Gemeindeschlüssel: 08 2 15 090
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 2
76356 Weingarten
Website: www.weingarten-baden.de
Bürgermeister: Eric Bänziger
Lage der Gemeinde Weingarten (Baden) im Landkreis Karlsruhe
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Über dieses Bild

Weingarten (Baden) ist eine Gemeinde im nördlichen Landkreis Karlsruhe mit rund 10.000 Einwohnern.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sallenbusch

Weingarten liegt am Rande des Kraichgaus am Ausgang des Walzbachtals in die Rheinebene. Zehn Kilometer südwestlich befindet sich Karlsruhe und zehn Kilometer nordöstlich Bruchsal.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören außer Weingarten selbst die beiden landwirtschaftlichen Siedlungen Sallenbusch und Sohl, in den Hügeln östlich und nordöstlich des Ortes gelegen. Südlich von Weingarten befindet sich das Weingartener Moor. Nordwestlich des Ortskerns zwischen Bahn und Autobahn A5 liegt der Ortsteil Waldbrücke mit rund 1000 Bewohnern. Er wurde ursprünglich hauptsächlich zur Ansiedlung Heimatvertriebener gegründet.

Am Ortsausgang Richtung Walzbachtal deuten Reihengräberfunde auf eine abgegangene Siedlung hin, deren Name jedoch nicht bekannt ist.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weingarten von den Weinbergen auf der Setz aus

Auf der Gemarkung fanden sich Siedlungsreste aus der Römer- und Merowingerzeit. Das Dorf entstand aus einem Hof des Klosters Weißenburg im heutigen Nordelsass, das seinen Besitz freilich im Jahr 985 durch den sogenannten Salischen Kirchenraub wieder verlor. 1504 zerstörte Herzog Ulrich von Württemberg das Dorf, das nach dem Wiederaufbau ein bekannter Marktflecken wurde. 1589 wurde der Wartturm erbaut, um heranziehende Kriegshorden frühzeitig erkennen zu können. Der Turm lag an den Handelswegen nach Frankfurt, Nürnberg, Augsburg und Basel und wurde von kurpfälzischen Truppen als Aussichtsturm für die Geleitmannschaften genützt. Bis 1803 war Weingarten kurpfälzisch, danach kam es infolge der französischen Koalitionskriege an das Großherzogtum Baden.

Am östlichen Ende von Weingarten, bei einer Papiermühle, finden sich noch geringe Mauerreste einer ehemaligen Wasserburg, der Burg Schmalenstein.

An der Kirchstraße/Ecke Keltergasse stand die Synagoge der Jüdischen Gemeinde, woran an der Katholischen Kirche gegenüber seit 1985 eine Gedenktafel erinnert. Beim Novemberpogrom 1938 wüteten von zwei Volksschullehrern aufgehetzte Schüler im Innern und zerstörten sowohl die kultischen Gegenstände wie auch Gedenktafeln der im Ersten Weltkrieg umgekommenen jüdischen Soldaten.[3] Gemäß Alemannia Judaica sei die Synagoge hingegen von 10 bis 15 auswärtigen Nationalsozialisten aus Karlsruhe angezündet worden, die gemäß Zeitzeugen mit einem LKW angefahren sein sollen. Da das Feuer leicht auch umliegende Gebäude hätte erfassen können, wurde es von einem Anwohner gelöscht, die Synagoge jedoch auf Parteibefehl bald darauf abgebrochen. Die Gedenktafel der Kriegsgefallenen konnte bereits 1939 in privater Initiative auf dem Jüdischen Friedhof Weingarten aufgestellt werden.[4]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung war traditionell zu etwa zwei Dritteln protestantisch und zu einem Drittel katholisch, daneben bestand bis 1938 eine jüdische Gemeinde. Durch Zuzug, Konfessionswechsel und Austritte hat sich dieses Verhältnis in den letzten Jahrzehnten gewandelt: Gemäß Zensus 2011 sind 39,6 % der Weingartener Bevölkerung evangelisch, 32,2 % katholisch, 28,2 % gehören einer anderen oder keiner Glaubensgemeinschaft an.[5] Neben der evangelischen und der römisch-katholischen Amtskirche verfügen auch die evangelisch-freikirchliche (Lebenswerk Weingarten), die evangelische Liebenzeller Gemeinschaft, die evangelisch-methodistische Kirche, die neuapostolische und die Zeugen Jehovas über Gemeinden im Ort, außerdem gibt es eine unabhängige Mennonitische Brüdergemeinde.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 18 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.

Die Kommunalwahl 2019 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2014):[6]

Gemeinderat 2019
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
Weingartener Bürgerbewegung (WBB) 26,3 % (+0,2) 5 (±0)
CDU 23,2 % (−5,9) 4 (−1)
Grüne Liste 20,5 % (+3,4) 4 (+1)
SPD 18,7 % (+0,9) 3 (±0)
FDP 11,3 % (+1,4) 2 (±0)
Wahlbeteiligung: 64,5 % (+10,1)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1985–2010: Klaus-Dieter Scholz (CDU)

Seit 2010: Eric Bänziger (parteilos)

Der Bürgermeister wird für acht Jahre direkt gewählt. Bei der Wahl 2010 setzte sich Eric Bänziger mit 72,98 Prozent durch. Er löste Klaus-Dieter Scholz ab, der seit 1985 amtierte und nicht mehr angetreten war.[7]

Bei der Wahl 2018 wurde Eric Bänziger erneut in seinem Amt bestätigt mit 89,04 % der Stimmen.[8]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerschaften bestehen mit Liverdun (Frankreich) seit 1979 und Olesa de Montserrat (Spanien) seit 1983.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Silber an einem grünen Rebast mit zwei Blättern und einer blauen Traube.

Als redendes Wappen stellt es den Ortsnamen dar.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Erwerbszweigen sind Wein- und Obstbau, Gastronomie und Industrie (Holz, Chemie, Metall, Informationstechnik) vertreten.

Bahnhof Weingarten

Weingarten ist der Sitz der Klocke Verpackungs-Service GmbH, des Stammhauses der Klocke-Gruppe. Die international tätige Megaforce-Gruppe hat ebenfalls Ihren Stammsitz in Weingarten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Weingarten (Baden) liegt an der Rheintalbahn (Baden-Kurpfalz-Bahn KarlsruheHeidelberg) und im Verbundgebiet des Karlsruher Verkehrsverbundes. Die Linien S31 und S32 der Stadtbahn Karlsruhe bedienen den Bahnhof, die S3 der S-Bahn RheinNeckar durchfährt ihn ohne Halt.
Durch die Gemeinde führt die Bundesstraße 3 (Frankfurt am MainBasel). Im Westen verläuft die Autobahn 5 (Basel–Nordhessen).

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es eine Grundschule und eine Gemeinschaftsschule mit Werkrealschule. Außerdem gibt es je drei evangelische und römisch-katholische Kindergärten. Weiterführende Schulen befinden sich in den benachbarten Städten Karlsruhe, Bruchsal und Stutensee.

Die Volkshochschule in Weingarten ist eine öffentliche Einrichtung der Weiterbildung. Sie steht als Außenstelle unter der Rechtsträgerschaft des gemeinnützigen Vereins Volkshochschule im Landkreis Karlsruhe. Nach ihrem satzungsgemäßen Auftrag widmet sie sich neben der Erwachsenenbildung auch den Aufgaben der Jugendbildung.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erfolgreichster Sportverein ist der 1904 gegründete SV Germania Weingarten, der in der Ringer-Bundesliga vertreten ist. In der Saison 2009/10, 2013/2014, der Saison 2014/2015 und 2015/16 wurde der Verein deutscher Vizemeister, in der Saison 2010/11[9] sowie den Jahren 2011/12 und 2016/17[10] deutscher Mannschaftsmeister. Ab der Saison 2017/18 startet die Profimannschaft des Vereins in der neu gegründeten Deutschen Ringerliga.[11] Der Verein ist mit weiteren Mannschaften in der Oberliga und Landesliga am Start.

Es gibt zahlreiche weitere Sportvereine, darunter sind der TSV 1880 und die FVgg 06 Weingarten die traditionsreichsten und mitgliederstärksten. Im Musikbereich hat Weingarten einen Musikverein, mehrere Gesangsvereine und Chöre, und auch im Natur- und Tierschutz sind viele Einwohner in Vereinen organisiert.

Überregional bekannt ist der Motorsportclub MSC '72 Weingarten. Der Verein hat seine Wurzeln im Rallye-Sport, ist momentan im Jugendkart- und Automobilslalom, bei Rallyes, Rundstrecken- und Kartrennen sowie im historischen Motorsport durch über 35 Fahrer vertreten. Außerdem ist er sportlicher Ausrichter des Porsche Sports Cup Deutschland und veranstaltet seit 2009 den Großen Preis von Weingarten auf dem Hockenheimring.[12]

Freizeitgestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über ein Hallen- und Freibad. Nordöstlich des Ortsteils Waldbrücke befindet sich der Baggersee Weingarten. Dort gibt es fest installierte Grillplätze, der Badebereich wird zeitweise von der DLRG beaufsichtigt und die letzte mikrobiologische Untersuchung im September 2008 stellte keine Beanstandungen fest.[13]

Walk'sches Haus, links der Wartturm

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahaufnahme des Wartturmes
Wappen des Hochmeisters Clemens August I. von Bayern am Haus des Deutschritterordens

Weingarten liegt an der Bertha Benz Memorial Route und an der Badischen Weinstraße. Die Badische Spargelstraße führt westlich an Weingarten vorbei.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Caspary (* 1976), Mitglied des Europäischen Parlaments
  • Kevin Gerwin (* 1987), deutscher Moderator, Stadionsprecher, Sportkommentator und Komiker
  • Dirk Orlishausen (* 1982), deutscher Fußballtorhüter, der seit 2011 beim Karlsruher SC unter Vertrag steht
  • Juri Tetzlaff (* 1972), deutscher Fernsehmoderator

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Diefenbacher: Ortssippenbuch Weingarten, Landkreis Karlsruhe in Baden. Grafenhausen: Albert Köbele 1980 (= Badische Ortssippenbücher 45), Bearbeiteter Zeitraum 1695–1970

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 132–133
  3. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 102f.
  4. alemannia-judaica.de: Die Synagoge in Weingarten (Landkreis Karlsruhe) – Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
  5. https://ergebnisse.zensus2011.de/#dynTable:statUnit=PERSON;absRel=PROZENT;ags=082150090090;agsAxis=X;yAxis=RELIGION_KURZ
  6. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2019, Weingarten (Baden); Gemeinde Weingarten (Baden): Gemeinderatswahl 2019 und Gemeinderatswahl 2014 (PDF); abgerufen 6. Juli 2019.
  7. Innenministerium Baden-Württemberg 20. April 2010
  8. Weingarten: Bürgermeisterwahl2018. Abgerufen am 8. April 2018.
  9. http://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Unikate-Unheilig-Unentschieden-das-war-los-am-Wochenende;art6066,544862
  10. Ringen | Bundesliga-Finale: Weingarten ist deutscher Ringermeister | Sport. In: swr.online. (swr.de [abgerufen am 29. August 2017]).
  11. Teams – Deutsche Ringerliga e.V. Abgerufen am 29. August 2017.
  12. http://www.msc-weingarten.de
  13. Baggersee Weingarten: Schwimmbad/Baggersee – Weingarten Online auf www.weingarten-baden.de. Abgerufen am 25. Mai 2019.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weingarten (Baden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Weingarten (Baden) – Reiseführer
Wikisource: Weingarten (Baden) – Quellen und Volltexte