Weissach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Weissach (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Weissach
Weissach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Weissach hervorgehoben
48.847668.92534375Koordinaten: 48° 51′ N, 8° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Böblingen
Höhe: 375 m ü. NHN
Fläche: 22,14 km²
Einwohner: 7437 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 336 Einwohner je km²
Postleitzahl: 71287
Vorwahl: 07044
Kfz-Kennzeichen: BB, LEO
Gemeindeschlüssel: 08 1 15 052
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
71287 Weissach
Webpräsenz: www.weissach.de
Bürgermeister: Daniel Töpfer
Lage der Gemeinde Weissach im Landkreis Böblingen
Landkreis Esslingen Landkreis Tübingen Landkreis Reutlingen Landkreis Ludwigsburg Stuttgart Landkreis Calw Enzkreis Pforzheim Mötzingen Jettingen Holzgerlingen Deckenpfronn Aidlingen Ehningen Gärtringen Hildrizhausen Nufringen Bondorf Gäufelden Herrenberg Waldenbuch Weil im Schönbuch Weil im Schönbuch Altdorf (Landkreis Böblingen) Holzgerlingen Böblingen Schönaich Steinenbronn Magstadt Sindelfingen Grafenau (Württemberg) Weil der Stadt Renningen Rutesheim Rutesheim Weissach LeonbergKarte
Über dieses Bild

Weissach ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg und gehört zum Landkreis Böblingen. Sie gehört zur Metropolregion Stuttgart.

Geographie[Bearbeiten]

Weissach liegt im Heckengäu, 6 km von Heimsheim, 8 km von Leonberg und ca. 18 km von Stuttgart entfernt.

Klima[Bearbeiten]

Der Jahresniederschlag liegt bei 737 mm und ist damit vergleichsweise normal, da er in das mittlere Drittel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 48 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Oktober, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 2,1 mal mehr Niederschläge als im Oktober. Die Niederschläge variieren sehr stark. An nur 18 % der Messstationen werden höhere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zu Weissach gehört die ehemals selbstständige Gemeinde Flacht. Zur ehemaligen Gemeinde Flacht gehören das Dorf Flacht sowie die abgegangenen Ortschaften Bonlanden, Eitenburg und Lauschenhofen. Zur Gemeinde Weissach in den Grenzen vom 30. November 1970 gehören das Dorf Weissach und das Haus Ölmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Birkhof und Kapfenhardt.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten urkundlichen Erwähnungen von Weissach sind im Jahr 1100 sowie im Jahre 1254 bezeugt. Bereits im 12. & 13. Jahrhundert erwarb das Kloster Maulbronn mehr und mehr Besitz in Weissach, und übte bereits früh die Ortsherrschaft und bald auch das Kirchenpatronat aus. Mit der Reformation in den altwürttembergischen Gebieten wurde das Kloster Maulbronn in eine Klosterschule nach reformatorischen Maßstäben umgewandelt und war dem Haus Württemberg unterstellt, Weissach war aufgrund dieser geschichtlichen Ursprünge bis ins Jahr 1808 dem Oberamt Maulbronn zugehörig. Nach einer kurzen Zugehörigkeit zum Oberamt Leonberg (1808/09) kam Weissach ans Oberamt Vaihingen/Enz (während Flacht bei Leonberg blieb), ab 1938 gehörte Weissach zum neu gegründeten Landkreis Leonberg. Die traditionsreiche Geschichte von Weissach spiegelt sich auch im Ortsbild und der durchaus vorhandenen historischen Bausubstanz wider: nach einem großen Brand im Jahre 1791 musste der Ort fast vollständig neu aufgebaut werden, die meisten alten Gebäude sind also nach 1791 erbaut worden. Aus der Zeit vor 1791 stammen unter anderem die alte Wehrkirche mit den danebenliegenden Gaden (Vorratskammern), sowie das Herrenhaus. Die überregional bekannte Kirche war früher von zwei Mauern umgeben, und entsprach einer Wehrkirche im eigentlichen Sinn. Die ehemalige Zehntscheuer beherbergt heute die Ortsbücherei. Das Pfarrhaus, das Backhaus, die alte Schule sowie verschiedene historische Gehöfte sind ebenfalls prägend für das dörfliche Ortsbild. Weissach war über Jahrhunderte hinweg landwirtschaftlich geprägt, dies zeigte sich über sehr lange Zeit in der Alltagskultur der Einwohner. Jedoch hat spätestens ab dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein rasanter Strukturwandel in Wirtschaft, Gesellschaft und Alltagskultur stattgefunden. Weissach hat sich in den letzten 60 Jahren seiner Geschichte stärker entwickelt als jemals zuvor. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist bis auf einige wenige zurückgegangen, der Ort hat seine Siedlungsfläche enorm vergrößert und seine Bevölkerung seit 1946 mehr als verdoppelt. Die meisten Erwerbstätigen finden heute ihr Auskommen in Industrie, Handel und Gewerbe. Ein Meilenstein in der Entwicklung vom Dorf zur Industrie- & Wohngemeinde war 1961 die Ansiedlung der Firma Porsche auf Weissacher Markungsfläche.

Weissacher Sage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Weissach musste in einer Notlage Teile von Waldungen in Bonlanden und im Maisental an das Kloster Maulbronn verpfänden. Die Klausel hieß, dass das Geld an einem bestimmten Tag des Jahres 1210 um 12 Uhr mittags dem Abt persönlich zurückgegeben werden müsste, sonst verfalle der Wald. Schultheiß und Magistrat von Weissach trafen pünktlich in Maulbronn ein, wo ihnen erklärt wurde, der Abt sei gerade noch nicht da, sie möchten sich gedulden und essen und trinken. Man gab ihnen gutes Essen und Wein sodass sie bald nicht mehr auf die Zeit achteten. Kurz nach 12 Uhr kam der Abt schließlich und erklärte den Weissachern, er habe das Geld nicht um 12 Uhr erhalten, und so sei der Wald an das Kloster verfallen. Darauf zogen die Weissacher verdrossen ab.

Aus Rache haben dann die Weissacher den Abt zwei Jahre später umgebracht, als dieser ohnehin vogelfrei war und deshalb keine Strafe drohte.

Der sich schützende Abt ist heute noch Hauptfigur des Marktbrunnens.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[3] (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1. Dezember 1871 ¹ 2.104
1. Dezember 1880 ¹ 2.121
1. Dezember 1890 ¹ 2.078
1. Dezember 1900 ¹ 1.900
1. Dezember 1910 ¹ 2.031
16. Juni 1925 ¹ 2.061
16. Juni 1933 ¹ 2.105
17. Mai 1939 ¹ 2.079
13. September 1950 ¹ 2.819
Jahr Einwohner
6. Juni 1961 ¹ 3.215
27. Mai 1970 ¹ 4.628
31. Dezember 1980 5.747
27. Mai 1987 ¹ 6.193
31. Dezember 1990 6.528
31. Dezember 1995 7.213
31. Dezember 2000 7.544
31. Dezember 2005 7.705
31. Dezember 2010 7.398

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

In Weissach wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Weissach hat nach der letzten Wahl 18 Mitglieder (vorher: 21). Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
40
30
20
10
0
39,26 %
36,63 %
24,11 %
n. k.
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+8,14 %p
-5,80 %p
-2,30 %p
-6,56 %p
-0,89 %p
BL-UWV Bürgerliste - Unabhängige Wählervereinigung e.V. 39,26 7 31,12 7
FW Freie Wähler Weissach-Flacht e.V. 36,63 7 42,43 9
UL Unabhängige Liste Weissach und Flacht 24,11 4 19,01 4
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 6,56 1
Andere darunter Aktionsbündnis für Bürgerinteressen und Naturschutz (ABiN) mit 0,87 % 0,89 0
gesamt 100,0 18 100,0 21
Wahlbeteiligung 61,41 % 62,5 %

Bürgermeister seit 1948[Bearbeiten]

  • 1948–1972: Herrmann Kempf
  • 1973–1997: Wolfgang Lucas
  • 1997–2005: Roland Portmann
  • 2005–2006: Reinhard Riesch
  • 2006–2014: Ursula Kreutel
  • seit 2014: Daniel Töpfer

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Seit dem 28. Februar 1961 führte die Gemeinde Weissach eine weiß-rote Flagge und folgendes Wappen: In Rot ein silbernes (weißes) Kreuz mit Tatzenenden. Die alte Gemeinde Flacht hatte seit dem 2. Juni 1958 eine gelb-blaue Flagge und folgendes Wappen: In Blau ein goldener (gelber) Entenfuß.

Nach der Eingemeindung von Flacht wurde das alte Weissacher Wappen zunächst lange Zeit weiterbenutzt. Erst am 22. Juni 2006 wurde der Gemeinde ein neues Wappen verliehen, in dem beide Ortsteile vertreten sind: In durch einen silbernen (weißen) Schräglinksfaden geteiltem Schild vorne in Rot ein silbernes (weißes) Kreuz mit Tatzenenden, hinten in Blau ein goldener (gelber) Entenfuß. Die Gemeindeflagge ist weiterhin weiß-rot.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Die Gemeinde Weissach unterhält seit 1998 eine Partnerschaft mit Marcy-l’Etoile in Frankreich.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof

Die Strohgäubahn nach Korntal-Münchingen bindet Weissach an das Schienennetz an; dort besteht Anschluss an die S-Bahn Stuttgart. Sie gehört zum Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart. Für den regionalen Busverkehr ist die Firma Wöhr-Tours zuständig. Sie verbindet per Linienverkehr Weissach, Flacht, Perouse, Rutesheim und Leonberg. Ab Leonberg besteht dann über die S6 eine Anbindung an die S-Bahn Stuttgart. Durch den Ort führt die L1177. Die nahegelegene A8 ist erreichbar über die Anschlussstellen Rutesheim und Heimsheim.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In Weissach, in Richtung Mönsheim und Flacht, befindet sich seit 1962 eine Teststrecke des Zuffenhausener Sportwagenherstellers Porsche.[4] Im Oktober 1971 wurde auf dem dafür vergrößerten Gelände außerdem das Entwicklungszentrum der Firma eingerichtet.[5] Im Entwicklungs- und Motorsportzentrum in Weissach werden die Rennfahrzeuge von Porsche produziert.[6] Es liegt ca. 25 km vom Stammwerk Zuffenhausen entfernt und wuchs von ca. 38 Hektar Grundstücksfläche im Jahr 1960 auf 68 Hektar im Jahr 2008. 1991 wurden bereits 2.300 Mitarbeiter beschäftigt. Neben Betriebsgebäuden stehen verschiedene Varianten eines Rundkurses und ein Skid-pad nicht nur für die Entwicklung, sondern auch für Schulungen von Porschefahrern zur Verfügung. Im April 2013 werden bereits 4.500 Mitarbeiter beschäftigt und ein weiterer Ausbau wurde gerade genehmigt.

Sowohl die Weissach-Achse als auch das optionale "Weissach-Paket" des Porsche 918 wurden nach der Gemeinde benannt.

2009 beliefen sich die Gewerbesteuereinnahmen vor allem durch Porsche auf gut 222 Millionen €. Dies entspricht ca. 29.600 € pro Einwohner. Damit verfügt Weissach über die höchste Pro-Kopf-Gewerbesteuereinnahme in Deutschland.[7]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Mit der Ferdinand-Porsche-Schule gibt es eine Grund- und Hauptschule in Weissach, der Ortsteil Flacht verfügt über eine eigene Grundschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museumszug auf der Strohgäubahn

Museen[Bearbeiten]

  • Im alten Schulhaus des Ortsteils Flacht befindet sich das Heimatmuseum und die Galerie Sepp Vees.
  • Auf der Strohgäubahn nach Korntal verkehren auch Museumszüge (Feuriger Elias).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Erich Hartmann, * 19. April 1922, † 20. September 1993, deutscher Luftwaffenoffizier und Jagdflieger
  • Herbert Linge, * 11. Juni 1928, deutscher Rennfahrer der Nachkriegszeit

Sonstige bedeutende Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Hier werden bekannte Persönlichkeiten aufgeführt, die in Weissach einen Teil ihres Lebens verbracht haben oder in Weissach verstorben sind.

  • Sepp Vees (* Gundershofen, 11. November 1908, † Flacht, 1. Dezember 1989) war ein Künstler, der ab 1933 in Flacht lebte. Bilder von ihm sind in der Galerie Sepp Vees in Flacht ausgestellt.
  • Otto Mörike (* 7. April 1897 in Dürrwangen; † 9. Juli 1978 in Schorndorf), evangelischer Pfarrer und Widerstandskämpfer im Dritten Reich, war Pfarrer in Flacht ab 1939. Hier versteckte er Juden in seinem Pfarrhaus unter anderen auch das Ehepaar Max und Ines Krakauer, die auch Dank seiner Hilfe das Nazi-Regime überlebten.
  • Serge Gnabry (* 14. Juli 1995 in Stuttgart), Fußballspieler beim FC Arsenal, wuchs in Weissach auf und spielte in seiner Jugend beim TSV Weissach.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 137–139
  3. Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg von 1871 bis 2012
  4. http://www.zeitreise-bb.de: Das Porsche-Entwicklungszentrum Weissach
  5. Marc Bongers: Porsche. Serienfahrzeuge und Sportwagen seit 1948. Motorbuch Verlag, Stuttgart. 1. Auflage 2004, Seite 8. ISBN 3-613-02388-1
  6. http://porscheplatz.porsche.com/de: Porsche News und Hintergrundberichte in Bild und Ton
  7. Artikel der F.A.Z: Wie mit Tempo 240 über die Autobahn (Aufgerufen am 24. August 2010)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weissach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien