Bergbahnen Flims-Laax-Falera

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Die ehemaligen Bergbahnen Flims (gegründet 1944 auf Flimser Gebiet) und die Bergbahnen Crap Sogn Gion (gegründet 1962 auf Gemeindegebiet von Laax und Falera) bilden heute die Weisse Arena Gruppe. Das erschlossene Gebiet erstreckt sich von 1'100 m ü. M. (tiefster Punkt bei Talstationen Murschetg und Flims) bis 3018 m ü. M. am Vorab. Seit 2005 wird die Region im Sommer unter der Marke FLIMS und im Winter unter der Marke LAAX vermarktet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roger Staub am Skirennen 1959 in Flims, im Hintergrund die beiden Bahnanlagen bei Naraus

Trotz eines schon 1908 ausgeschriebenen Skikurses in Flims (allerdings wegen zu viel Schnee abgesagt) blieb bis in die frühen 1970er-Jahre für Flims die Sommersaison dank des Grosswaldes und des Caumasees – und treuen Stammgästen – die Hauptsaison. Der Wintersport wurde jedoch schon früh als Möglichkeit für eine zweite Saison erkannt: Risikofreudige Hoteliers bauten schon vor dem Zweiten Weltkrieg in ihren Häusern eine Zentralheizung ein. Kurz vor dem Krieg kam ein Motorschlittenzug mit einem Hürlimann-Raupentraktor zum Einsatz, um die Skigäste nach Foppa zu fahren. Die Abgase des Traktors versorgten in den beiden Anhängern angebrachte Fussheizungen. Der Traktor wurde bei Ausbruch des Krieges von der Armee requiriert.

Am 1. Mai 1944 trat der neue Kurdirektor Hannes Giger in Flims seine Stelle an und mit ihm ein Pflichtenheft, welches eine «moderne mechanische Erschliessung des Skigebietes und Aufbau einer gewinnbringenden Wintersaison» beinhaltete. Das Transportmittel sollte jedoch auch im Sommer betrieben werden können, womit schon bekannte Skilift-Systeme ausschieden. Die Fahrt mit dem Raupentraktor dauerte zu lange und die Kapazität war zu klein. Im November 1944 reiste eine Abordnung aus Flims nach Bern zu den Von Roll-Werken, um das Anliegen zu erklären. Von Roll war ihrerseits gerade dabei, im Werkhof eine Versuchs-Anordnung einer Sesselbahn zu testen, welche anstelle der festen Seil-Klemmung eine Kupplung beinhaltete. Das Eidg. Amt für Verkehr verlangte vor der Patentanmeldung eine Million Kupplungsvorgänge, weshalb die Versuchsanlage wochenlang Tag und Nacht in Betrieb war.

Am 8. Mai 1945, am Tag des Kriegsendes in Europa, begannen die Bergbahnen Flims mit dem Bau der weltweit ersten kuppelbaren Sesselbahn zwischen Flims und Foppa.[1] Wegen der Eisenknappheit zum Kriegsende wurden die Masten aus Lärchenholz gefertigt. Die im System Von Roll gebaute Bahn wurde am 17. Dezember 1945 eröffnet. 1947 wurde die Bahn nach Naraus erweitert. Der durch Unvorsichtigkeit eines Arbeiters ausgelöste Brand der Mittelstation Foppa verzögerte den weiteren Ausbau. 1956 wurde die Bahn auf den Cassonsgrat auf dem Flimserstein eröffnet.[2] Die von Naraus weiter führende Bahn auf den Cassonsgrat war bis 2015 die älteste konzessionierte Luftseilbahn der Schweiz.[3] 1961 wurde der Bau einer Sesselbahn von Startgels nach Punkt 2220 oberhalb der Nagenshütte, sowie der Bau eines Skilifts von der Alp Mughels auf das Laaxerstöckli beschlossen. Die Realisierung dieser Anlagen sowie der Anlage Crunas (1968) wurde vor Gerichten aller Instanzen bis zum Bundesgericht gegen den Widerstand mit Bausperren durch die Gemeinde Laax erstritten werden. Auch noch im 1972, als die Skigebiete sich im Raum Nagens bereits überlappten, mussten die Bergbahnen Flims den Ersatz der Sesselbahn nach Nagens, die Graubergbahn, wegen der Streitigkeiten mit der Gemeinde Laax direkt an deren Grenze, aber auf Gebiet der Gemeinde Flims erstellen. Die Bahn wurde 1973 eröffnet.[4]

1962 erteilte die Gemeinde Falera als Grundstückbesitzerin der Gesellschaft Crap Sogn Gion die erste Konzession für den Bau von vier Skiliften von Laax-Muschetg hinauf zum Crap Sogn Gion. 1963 wurde die touristische Erschliessung mit Skiliften des Typs Pomagalsky begonnen. 1968 nahm die Luftseilbahn auf den Crap Sogn Gion den Betrieb auf, 1974 wurde durch die Sesselbahn nach Curnius auch Falera ans Gebiet angeschlossen.[5] 1978 wurde zum Vorabgletscher die erste 6er-Gondelbahn in Betrieb genommen.[6]

1980 schlossen sich die Bergbahnen Crap Sogn Gion mit den Bergbahnen Flims zu einem Tarifverbund zusammen. Das Skigebiet hatte zu diesem Zeitpunkt seine maximale Grösse schon erreicht. Was sich danach änderte, waren Neu-Erstellungen zum Ausbau der Kapazität und der schrittweise Ersatz der Schlepplifte. 1989 nahm die erste Gondelbahn für zwölf Personen von Laax-Murschetg nach Curnius ihren Betrieb auf und ersetzte zwei verschiedene Bauarten von Sesselbahnen. Bis Larnags führte bis dann der älteste Lift des Gebiets Crap Sogn Gion, während der obere Sessellift schon ein Ersatzbau war für einen vorherigen Poma-«Teller-Lift», das waren die schnell laufenden entkuppelbaren Schlepplifte. Im 1990 fuhr die Graubergbahn letztmals auch im Sommer. Danach waren im Sommer nur noch die Strecken von Flims bis Cassons sowie von Murschetg auf den Crap Sogn Gion sowie zeitweise der Zubringer von Falera in Betrieb.

1995 wurde in Laax zum ersten Mal in Europa eine «Pipe Dragon» eingesetzt, eine Maschine für den Bau von Halfpipes.[7]

1996 fusionierten die Bergbahnen Crap Sogn Gion mit den Bergbahnen Flims zur Weisse Arena AG. 1997 schlossen sich auch die Verkehrsvereine von Flims, Laax und Falera zusammen; der Name Flims Laax Falera Tourismus stand für die gesamte Region. Im gleichen Jahr wurde die Gondelbahn Films–Plaun–Nagens auf einem komplett neuen Trassee in Betrieb genommen. Damit war der Talkessel von Plaun keine Sackgasse mehr, was betrieblich wichtig war. Die 1970 gebaute 4er-Gondelbahn von Flims nach Startgels mit Umlenkstation im Runcawald wurde danach abgebaut, womit die Luftseilbahn von Startgels nach Grauberg nicht mehr direkt erschlossen war. Auf der Strecke Plaun–Nagens war nun die vierte Generation im Einsatz: Nach dem Poma-Schlepplift mit diversen Kurven (Trasse noch teilweise sichtbar) war ein Zweier-Sessellift erstellt worden, welcher seinerseits einem nicht kuppelbaren Vierer-Sessellift weichen musste.

Im Jahr 2000 übernahm die «Alpenarena.ch AG» die Marketing-Aufgaben des aufgelösten Verkehrsvereins Flims Laax Falera.

Die zweite Generation der Anlage auf La Siala, gebaut 1983 und 2015 ersetzt

Seit 2008 verkehrt dreimal wöchentlich ein Transportdienst zu den Flughäfen Zürich-Kloten und Friedrichshafen, später kam der Flughafen Memmingen dazu.[8]

2011 wurde mit der ersten Etappe eines neuen Gesamtausbaus der dann älteste und einzige verbleibende Skilift des Systems Habegger, Alp Dado – Crest la Siala durch eine 6er-Sesselbahn ersetzt, sowie 2012 der letzte nicht kuppelbare Sessellift von Alp Ruschein auf zur Station Crap Masegn abgerissen. Der Ersatzbau wurde nicht auf der in Sachen Schneesicherheit kritischen unteren Alp Ruschein (Midada Sut), sondern 100 m höher im Gebiet Platta dall’Aua gebaut und führt von dort zum Sattel Fuorcla da Sagogn.[9]

Im Jahr 2015 fuhr die Luftseilbahn auf den Cassonsgrat nach fast 60 Betriebsjahren zum letzten Mal.

Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einer Fläche von über 100 Quadratkilometern, davon rund 70 Prozent auf über 2'000 m ü. M., ist Laax das grösste zusammenhängende Skigebiet Graubündens. Insgesamt 29 Anlagen (4 Luftseilbahnen, 7 Gondelanlagen, 10 Sesselbahnen, 2 Gletscherlifte, 1 Skilift, 4 Beginnerlifte, 1 Park&Pipe-Lift) erschliessen rund 235 Kilometer präparierte Pisten.[10]

Bei der Talstation in Laax-Murschetg wurde 2010 die erste Freestyle-Halle Europas eröffnet. Es gibt Trampolins, eine Boulderwand, Skatebowl, Microramp, Snowflexzone mit Rails, Airtrack, Quarterpipe und verschiedene Kicker in ein Foampit (Schnitzelgrube) für eine weiche Landung mit Ski, Bike, Snow- oder Skateboard.[11]

Das Skigebiet Laax verfügt ab der Saison 2014/2015 über die grösste und längste Halfpipe der Welt.[12] Die Anlage wurde von 140 auf 200 Meter verlängerte Halfpipe entspricht mit ihrer Höhe von 6,90 Metern olympischem Niveau. Es gibt vier Snowparks (Beginner, Ils Plauns, NoName und Curnius)

Anlässe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Flimser organisierten 1963 den ersten Para-Ski Cup, 1973 war Flims der erste Austragungsort eines Para-Ski Weltcups.[13] 1977 bis 1996 war Laax Austragungsort von Weltcup-Skirennen. Seither wurden nur noch Snowboard- und Freeskiing-Anlässe ausgetragen. 2001 fand in Laax das UBS Halfpipe Take Off und 2005 zum ersten Mal das Burton European Open statt, das seitdem jedes Jahr hier ausgetragen wird.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Weisse Arena AG (Hrsg.): Der Berg ruft. Wir auch. Echos aus dem Randgebiet. Edition Hochparterre, 2012.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Crap Sogn Gion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seilbahn-Nostalgie
  2. Schweizer Heimatbücher: Films. Haupt-Verlag, Bern 1961.
  3. Luftseilbahn Cassons
  4. Bündner Monatsblatt Chronik 1973
  5. Ignaz Cathomen/Isidor Winzap: Falera – Geschichte und Entwicklung eines Bündner Bergdorfes. 2002.
  6. Seilbahnen.org
  7. Weisse Arena Gruppe – Geschichte (Memento vom 27. November 2010 im Internet Archive)
  8. http://www.weissearena.ch/de/innovation/milestones/
  9. http://www.weissearena.ch/de/innovation/milestones/
  10. Skigebiete-Test
  11. Fresstyleacademy
  12. Laax.com
  13. Präzision zu Land und in der Luft Para-Ski Weltcup 1973 in Flims
  14. Hochparterre

Koordinaten: 46° 50′ N, 9° 13′ O; CH1903: 735570 / 188723